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Linke Aktivist*innen wissen es seit langem: Bei Polizist*innen gibt es ein Problem mit Männlichkeit. Aber auch innerhalb der Polizeiforschung, die nicht unbedingt dafür bekannt ist, den Apparat Polizei abschaffen zu wollen, wird das Phänomen beobachtet und diskutiert. Und das zeigt, wie problematisch es ist, wenn Männlichkeitsbilder innerhalb einer Institution verstärkt werden.

Der Begriff „Cop Culture“ spielt dabei eine Rolle. Er beschreibt die Lebenswelt von Polizist*innen. Die ist speziell, denn in dieser polizeilichen Kultur gilt nur die Sichtweise von Polizist*innen auf eine Welt voller Gefahren und Kriminalität. Unter der Perspektive, jeden Tag gegen „das Böse“ zu kämpfen, entwickeln sich deshalb kriegerische Polizisten. Die erkennen ihre Aufgabe vor allem darin, die Staatsgewalt in der Auseinandersetzung mit Bürger*innen durchzusetzen. Gedeckt werden diese „Krieger“, die Männlichkeit auf eine spezielle Weise verkörpern, von anderen Polizist*innen, darunter auch den als „besonnen“ geltenden Frauen. Sie alle profitieren von der Aufgabenteilung „guter Bulle, böser Bulle“.

Das Phänomen „Cop Culture“ lohnt sich, genauer angesehen zu werden. Innerhalb dieser Kultur erleben sich Polizist*innen, so erklärt der Polizeiforscher Rafael Behr in der Zeitschrift kritik│recht│gesellschaft, als schicksalhafte Gefahrengemeinschaft. Der Arbeitsalltag besteht aus Einsätzen, die zwar meistens glatt laufen, aber prinzipiell eskalieren können. Dabei kann es zu Gewalt gegen Beamt*innen kommen, die zu physischen oder psychischen Verletzungen führt. Die Beamt*innen können aber auch grobe Fehler im Handling solcher Situationen machen und andere Menschen bei Gewaltexzessen verletzen. Sie müssen dann gegebenenfalls einen moralischen Konflikt mit sich allein ausmachen. Laut Behr führt das insbesondere bei Männern dazu, sich stärker mit der Gemeinschaft der Polizei zu identifizieren – dazu gehört eine Überbetonung der kriegerischen Aspekte. Frauen wiederum duldeten diese Dynamik, ohne aktiv an ihr teilzunehmen.

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Kriegerische Männlichkeiten erkennen ihren Auftrag wiederum vor allem darin, in Auseinandersetzungen Sieger*innen und Verlierer*innen zu produzieren. Eine männliche Orientierung sorgt häufig dafür, dass klare soziale Hierarchien mit festen Rollen entstehen. Innerhalb der polizeilichen Gemeinschaft werden diese Rollen wiederum durch Befehlsgewalt und Gehorsam formalisiert.

Behr, der selbst in den 1970ern bis 1990ern Polizeibeamter war, weist in dem Artikel außerdem auf die unter Polizist*innen bekannte Figur des „Widerstandsbeamten“ hin. Den Namen erhält er dadurch, dass er auffällig viele Anzeigen wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt“ schreibt. Das ist eine Straftat, die in Deutschland häufig genutzt wird, um das Fehlverhalten von Polizist*innen „gerade zu schreiben“: erst werden Menschen körperlich attackiert, die ins Feindbild von Polizist*innen passen, dann bekommen sie eine Anzeige. Das kennt man von Berichten von Linken bei Demonstrationen und Kundgebungen.

Wenn Beamt*innen mit Linken zu tun haben, werden sie außerdem in ihrer hierarchischen Weltsicht herausgefordert: etwa durch offen gelebte Homosexualität oder andere Entwürfe davon, wie Frauen leben und sich geben. Aber auch ein ganz anderes Verständnis davon, was Gewalt ist: so kultivieren Linke einen flexiblen Umgang mit dem Eigentum anderer, wohingegen der Schutz des Eigentums zu den höchsten Geboten der polizeilichen Arbeit gehört. Dadurch erscheint etwa eine mit politischen Botschaften besprühte Garageneinfahrt eines Supermarktes schnell wie ein Verbrechen. Wenn aber Menschen seelische oder körperliche Verletzungen einstecken müssen, weil Beamt*innen Schläge verteilen, gilt das als kaum bedenklich.

Auch Rafael Behr beobachtet, wie sich die Weltsicht von Polizist*innen durch die Dynamiken des polizeilichen Alltags einengt. Und er kritisiert, dass es zu wenig Gegenstrategien gibt. Vielmehr überwiege die unbedingte Solidarität unter Polizist*innen als Angehörige der selben Gefahrengemeinschaft. Man lerne, dass man zu den Guten gehöre, den Zusammenhalt und das Füreinander-Einstehen. Aber, so Behr: „man lernt wenig bis nichts über die Modalitäten und Grenzen der Solidarität.“ Darin liege „die Gefahr des moralischen Scheiterns, denn es kann sein, dass man plötzlich nicht mehr zu den „Guten“ gehört, sondern im Bewusstsein, auf der richtigen Seite zu stehen, schon längst moralisch und rechtlich in der delinquenten Zone angekommen ist“. Das Wort „Delinquenz“ meint dabei die Charakterneigung, straffällig zu werden.

Menschen sind in der Weltsicht der Kriegermännlichkeit, die sich etwa um Treue und Worthalten dreht, entweder gut oder böse. Sie müssen gestützt oder abgewertet, beschützt oder bekämpft werden. Doch unsere Lebensrealität spielt sich meist in den unendlichen Grautönen dazwischen ab.

Selbst, wenn es bei den meisten polizeilichen Einsätzen überhaupt keine körperliche Auseinandersetzung gibt, bleibt das Kämpfen in der emotionalen Welt dieser Männer der Fixpunkt. Die regelmäßigen SEK-„Skandale“ passen dazu. Für Neueinsteiger*innen gibt es etwa Aufnahmerituale, bei denen es zu heftigen Demütigungen, sexualisierter Gewalt und Körperverletzungen kommen kann. Auch Nazi-Tendenzen, ob in in der Elite-Polizei oder im Präsidiumsalltag, gehören zu diesem Bild. Ein Linksextremismusskandal innerhalb der Polizei ist dahingegen ebenso wenig bekannt geworden wie eine Widerstandsbeamtin.

Und was haben weibliche Polizist*innen damit zu tun? Dass weibliche Polizist*innen häufig etwas besonnener auftreten, bei ihrer Arbeit mehr auf Ausgleich bedacht sind und weniger zu körperlichen Eskalationen neigen, sollte nicht als positives Gegenbeispiel missverstanden werden. Auch Beamt*innen, die nicht dem Kriegertypus entsprechen, beteiligen sich an der unbedingten Solidarität in der Cop Culture. Oder am „Geradeschreiben“ von gewalttätigen Übergriffen auf Bürger*innen, wie ein Polizist in einem „jetzt“-Interview berichtete.

Wenn dann Leute Angst vor Obermackern in Uniform haben, hilft das den restlichen Beamt*innen sogar, nicht in ihrer Autorität hinterfragt zu werden. Das mag bei der Aufnahme von Verkehrsunfällen nicht so problematisch wirken. Beim Racial Profiling, bei Abschiebungen oder bei den Belästigungen und Bespitzelungen durch Staatsschutzbeamt*innen ist das sehr wohl ein Problem. Und auch, wenn Beamt*innen Sexualdelikte bearbeiten, glänzen sie häufig dadurch, Betroffene selbstsicher mit sexistischen Mythen zu konfrontieren, statt ihren Job zu machen. Diese Teamarbeit der Geschlechterrollen macht das System einer prinzipiell männlichen, patriarchalen Polizei, die vor allem ihre eindeutige, vermeintlich heile Welt durchsetzen will, umso effizienter. Es wird darum auch in Zukunft regelmäßig Männlichkeitsexzesse in Uniform und ungerechtfertigte Polizeigewalt geben – es sei denn, wir finden neue Mittel zur Konfliktlösung in unserer Gesellschaft.

MännlichkeitPolizeiPolizeigewalt

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Myelin, muscle memory, and the acquisition of motor skills

In the summer of 2018, Eagle McMahon started the Konopiště Open with back-to-back course record 16-under pars on the 11,000 foot Franz Ferdinand disc golf course. Eagle cruised through the weekend to win his first major by five strokes. Naturally, he did all this with his dominant right hand.

That winter, Eagle shot 2-under par during a single 18-hole round at Valmont Disc Park in Colorado. Valmont spans a respectful 3,894 feet, and there aren’t many obstacles from tee to basket. Eagle was rated 1048 that day but not with the hand he threw with: his non-dominant left.

On hole two at Valmont, Eagle takes a practice swing and tips a bit off balance. Then his practice swings get shorter and shorter until he is standing over his plant foot, which he taps into the ground twice while pointing at it. He’s noticeably slower and more deliberate with all of his throws that day.

Eagle Left Handed Practice

Eagle has demonstrable elite level knowledge and skill in disc golf. But even he has to start at square one with muscle memory development to transfer that knowledge and skill to his left handed throw. Recent scientific studies have observed the physiological processes and changes that happen in our brains as we acquire skills. We can now literally see muscle memory develop and explain what is happening in Eagle’s brain when he’s working on these basic mechanics.

What is Myelin?

Every motor function we perform, from driving a car to brushing our teeth to throwing a disc, starts with neurons sending electrical signals down neural pathways (axons) throughout our brain. Those signals have to navigate a complex network of 85 billion neurons orchestrating numerous physiological functions, like breathing and blood circulation, to keep you alive and functioning.

Myelin is a fatty, white tissue that makes up nearly 50% of your brain; it is also known as white matter. Myelin wraps around neural pathways, providing insulation for the signals fired from neurons.

Image: ADAM Medical Encyclopedia.

For decades, myelin was thought to be mostly passive biological infrastructure. In 2005, Fredrik Ullén, a professional pianist and professor of cognitive neuroscience, released a paper titled “Extensive Piano Practicing Has Regionally Specific Effects on White Matter Development.” Fredrik and his team discovered that professional pianists had more myelin than non-musicians in certain neural pathways of their brains, and the more a musician practiced, the more myelinated those pathways became.

In his book, The Talent Code, Daniel Coyle summarizes the discovery into three simple facts:

  1. Every human movement, thought, or feeling is a precisely timed electrical signal traveling through a chain of neurons – a circuit of nerve fibers.
  2. Myelin is the insulation that wraps these nerve fibers and increases signal strength, speed, and accuracy.
  3. The more we fire a particular circuit, the more myelin wraps around and optimizes that circuit, and the stronger, faster, and more fluent our movements and thoughts become.

“There are a lot of factors that go into a talent like Tiger Woods, and in the past if we would have looked in the brain to find the basis of that talent, we would have looked at neurons and synapses, and the surprise, now, is that with increasing talent, for example playing the piano, there are changes in myelin regions of the brain and this was never suspected in the past,” said Dr. Douglas Fields, neuroscientist and Chief of the Nervous System Development and Plasticity Section at the National Institutes of Health.

Dr. George Bartzokis, professor of neurology at UCLA, called it:

Revolutionary. Myelin is the key to talking, learning skills, being human. What do good athletes do when they train? They send precise impulses along wires that give the signal to myelinate that wire. They end up, after all the training, with a super-duper wire, lots of bandwidth, a high speed T-3 line. That’s what makes them different from the rest of us.

Subsequent research has found:

  • Neurons connected in a myelinated network can transmit signals 100 times faster and more efficiently than neurons that aren’t connected.
  • Myelin can modulate the speed of electrical impulses after they have fired, increasing precision in athletic actions which require exact timing of hundreds of thousands of impulses.
  • Myelinated neural networks promote automaticity, the ability to do things without occupying the mind with the low-level details required, allowing it to become an automatic response pattern or habit.

Incorporating the Knowledge of Myelin into your Game

Understanding myelin is the difference between knowing that cars can drive and knowing how cars drive. Being aware of the internal mechanics of your body will help you diagnose and address issues more quickly. When you are learning how to throw, you are reeducating your brain and the circuits it uses to interact with your muscles. It will take time, but you have the biological tools to do it.

In the Technique and Strategy section of the Disc Golf Course Review forums, user Ryan ‘azplaya25’ Betzing points out that you can use the knowledge of myelin to reevaluate other sports you’ve played for similar motions:

I think it’s important to find other athletic moves that are already part of your muscle memory that you can translate to disc golf. For example, I’ve had the hardest time learning the x step or hop and how to stride down the tee pad in general. Sunday night I was playing basketball, guarding someone on the perimeter. I realized as I was moving laterally trying to stay in front of him that I was basically doing an effortless Brinster hop without even thinking about it. I’ve tried so hard to figure out that hop and it’s always felt so awkward…yet there I was, hopping laterally in perfect balance without even thinking about it.

Personally, I was having trouble generating any power in my backhand throw from my hips and lower body. Remembering how I would throw a long spin pass in rugby became a lightbulb moment. A long spin pass requires rotational movement and power from the lower body to throw the ball at distance and pace. Recognizing the similarities in the actions made it natural to get my hips involved in my backhand throw with much better balance and timing.

Myelination of the neural circuits you use to throw will happen over time, but progress in your skills won’t always be linear. Learning to incorporate my hips into the backhand throw also had the side effect of throwing off the timing of my upper body, and I did not have the same control. Integrating different swing components (or swing thoughts) that each have their own neural circuits will take time.

One of the implications of the existence of myelin is that you have to fire neural circuits poorly before you become proficient. If your expectations for progress exceed the rate at which your myelin rewires, the learning process will be constantly disappointing. Your mental game will suffer and any practice will become less effective. A lack of myelin can even make Eagle McMahon feel as uncoordinated as an infant.

“The problem is putting with my left hand, it feels so bad, it just feels like a newborn baby,” he said. “But the cool thing about throwing lefty is it really helps me when I do clinics, or when I talk to new, up and coming players. It puts me in the beginner’s mindset, where I have to really emphasize my movements and make sure all my body mechanics are falling into place.”

The upside to this is that sucking is not optional: it’s a prerequisite to competence. Improvement requires focus on your mechanics, a sober analysis of your throws, and trust in the knowledge that firing neural circuits will make them more efficient over time.

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Ohne Salz könnten wir nicht leben. Doch warum wird heute so viel Wind um trendig-bunte Salzkristalle gemacht? Wir haben mal in das Thema reingeschmeckt.

Im Mittelalter war Salz so kostbar, dass es mit Gold aufgewogen und daher auch „weißes Gold“ genannt wurde. Nicht umsonst ist „das Salz in der Suppe“ im sprichwörtlichen Sinne ein wichtiger Bestandteil, durch den etwas erst vollkommen wird.

Wenn wir heute von Salz sprechen, so meinen wir in der Regel Speisesalz, das preiswert zu haben ist. Die weißen Kristalle, die neben dem Pfefferstreuer zum Würzen bereit stehen, bestehen in den allermeisten Fällen aus Natriumchlorid.

Im Handel gibt es aber noch weitere Sorten, denen die Hersteller gerne zusätzliche, besondere Eigenschaften zuschreiben, etwa Meersalz, Fleur de Sel, Himalayasalz und viele weitere Gourmetsalze und Salzspezialitäten mehr.

Haben diese verschiedenen, teils extrem teuren Sorten wirklich einen Effekt auf unsere Gesundheit? Schmecken sie unterschiedlich? Lohnt die Investition in „gesundes Diätsalz“? Wir stellen einige Salzvariationen beispielhaft vor und beantworten Fragen rund ums Salz.

Zusatzstoffe im Salz

Schon das „normale“ Salz, welches wir im Salzstreuer verwenden, wurde mit Zusatzstoffen versehen. Ein sehr häufiger Zusatz ist die Rieselhilfe. Dabei handelt es sich um gesundheitlich als unbedenklich geltende Stoffe wie zum Beispiel Kalk (Calciumcarbonat oder Magnesiumcarbonat) oder Silikate. Diese Stoffe verhindern, dass Salz an der Luft feucht wird und verklumpt. Rieselhilfen sind „technische Hilfsstoffe“ und müssen bei Zusatzstoffen/E-Nummern auf der Zutatenliste nicht deklariert werden.

In Deutschland wird oft auch Jod hinzugefügt, teils auch Fluorid und Folsäure, da es aufgrund geologisch-mineralogischer Gegebenheiten hierzulande schwer ist, den Bedarf an diesen Stoffen mit der täglichen Nahrung zu decken. Im Gegensatz zu Rieselhilfen müssen solche Zusatzstoffe aber auf der Verpackung angegeben werden.

Insbesondere im Hinblick auf Jod macht es Sinn, damit angereichertes Speisesalz, sogenanntes Jodsalz, zu verwenden. Deutschland ist zwar kein ausdrückliches Jodmangelgebiet mehr, weil jodiertes Speisesalz bei der Herstellung von Nahrungsmittel und jodiertes Futter bei der Tierhaltung eingesetzt wird. Dennoch wird jodiertes Salz u.a. vom BfR empfohlen, die DGE findet die Versorgung „verbesserungswürdig“, der aid „nicht ausreichend“. Zugleich gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass wir durch die tägliche Ernährung zu viel Jod aufnehmen – auch nicht durch den Verzehr von Jodsalz.

Übrigens: Bio-Salz mit Bio-Siegel gibt es nicht, weil Salz nicht mit oder ohne ökologische Landwirtschaft gewonnen wird. Eine Ausnahme ist Bio-Kräutersalz, bei dem die Kräuter bio-zertifiziert sind. Aber: Salz im Bio-Laden verzichtet meist auf Rieselhilfen und andere Zusätze.

Meersalz und Fleur de Sel

Meersalz wird aus der Verdunstung von Meerwasser gewonnen und deckt etwa 20 Prozent des weltweiten Bedarfs an Speisesalz. Traditionell geschieht die Gewinnung von Meersalz, indem man das Meerwasser in flachen Becken verdunsten lässt.

Eine Besonderheit des Meersalzes ist die „Salzblume“,  je nach Herkunft auch „Fleur de Sel“ oder „flor de Sal“ genannt. Dabei handelt es sich um eine dünne Salzkruste, die sich an sehr sonnigen und windigen Tagen an der Wasseroberfläche bildet und dann, meist per Hand, abgeschöpft wird. Aufgrund seines Wassergehaltes von bis zu 5 Prozent ist Fleur de Sel immer etwas klebrig und nicht feinkörnig. In Deutschland wird Meersalz nur auf Sylt gewonnen. Als „First Flush“ bzw. „Flos Salis“ bezeichnet der Marketingsprech die „ersten, zarten Kristalle“ … und hier wird’s dann langsam albern.

Egal, ob Meersalz oder Fleur de Sel: Es besteht aus Natriumchlorid, genau wie „normales“ Salz.

Saline: Farm für Fleur de Sel

Saline: Farm für Fleur de Sel (Foto: CC0 PD / pixabay.de / delGana)

In letzter Zeit wurde immer wieder Mikroplastik in Fleur de Sel nachgewiesen, jedoch in geringen Mengen, wie sie inzwischen leider auch in Fisch oder Meeresfrüchten vorkommen können. Dafür kann das Fleur de Sel nichts – aber wir sollten unser Mikroplastik reduzieren. Lies dazu 12 Tipps, was du gegen Mikroplastik tun kannst.

Himalayasalz

10 Prozent des weltweiten Salzkonsums entfallen auf sogenannte Gourmet- und Spezialsalze. Dazu gehört das „Himalayasalz“ mit seiner rosafarbenen Erscheinung, die durch Eisenoxid verursacht wird. Im Klartext: Was dieses Salz so besonders macht ist eine Verunreinigung mit „rostigem Eisen“.

„Himalajasalz“ besteht, wie Meer- oder Steinsalz auch, fast ausschließlich aus Natriumchlorid und wird hauptsächlich in Pakistan abgebaut. Das Salzbergwerk Khewra, eines der größten der Welt, ist allerdings etwa 200 km vom Himalaya-Massiv entfernt, weswegen ein Herkunftsnachweis wie „Himalaya“ zuweilen Rechtsstreitigkeiten nach sich zieht.

Manchmal findet man Himalayasalz auch unter dem Namen „Alexandersalz“, weil dort der Legende nach die Pferde Alexanders des Großen beim Salzlecken beobachtet wurden und dadurch die Salzlagerstätte entdeckt wurde.

Himalayasalz

Himalayasalz (Foto: CC0 PD / pixabay.de / theresaharris)

Heute kommt das Himalayasalz nicht mehr klimaneutral per Pferd zu uns, sondern hinterlässt durch den langen Transport einen großen CO2-Fußabdruck, bevor es als Salzlampe im Wohnzimmer oder im Salzstreuer in unserer Küche landet. Übrigens: Manches Himalaysalz kommt aus Polen – was wegen der kürzeren Lieferstrecke die bessere Wahl wäre, auch wenn es nicht schneebedeckte Wipfel und esoterisch kraftliefernde Weiten suggeriert …

Steinsalz

Bei Steinsalz handelt es sich, grob gesagt, um fossiles Meersalz, also ein Gestein, das aus Meersalz entstanden ist und das hauptsächlich aus dem Mineral Halit besteht. Halit ist chemisch gesehen auch nichts anderes als Natriumchlorid. Steinsalz stellt etwa 70 Prozent des weltweiten Salzbedarfs sicher. Und weil Steinsalz früher einmal Meersalz war, ist der natürliche Jodgehalt beider Salzarten annähernd gleich.

Auch in Deutschland gibt es diverse Steinsalzvorkommen. Im Norden gibt es im Bereich der Lüneburger Heide Salzvorkommen, die sich aus dem sogenannten Zechsteinmeer vor etwa 260 Millionen Jahren gebildet haben. Die deutsche „Alte Salzstraße“ führt von Lüneburg nach Kiel und stellte den Salznachschub für den Heringhandel an der Ostsee sicher. In Süddeutschland gibt es in der Nähe von Bad Reichenhall große Steinsalzvorkommen. Grundsätzlich kann man an vielen Ortsnamen in Europa Salzlagerstätten erkennen: Salzgitter, Hallein, Salzuflen, Salzburg, Halle, …

Auch das trendigste Salz ist meistens nur Salz …

Auch das trendigste Salz ist meistens nur Salz … (Foto: CC0 PD / pixabay.de / congerdesign)

Persisches Blausalz

Das extrem teure persische Blausalz enthält keine zusätzlichen Mineralien, es hat durch tektonische Vorgänge einfach eine andere Kristallstruktur, wodurch es blau erscheint ohne wirklich blau zu sein. Es handelt sich um nichts andres als Natriumchlorid, welches das Licht etwas anders bricht.

Ein teurer Spaß, der einen weiten Weg zu uns zurück legt – ohne gesundheitlichen Zusatznutzen.

Schwarzes Lavasalz

Schwarzes Salz ist letztendlich nichts anderes als durch feinstes Vulkangestein verunreinigtes Natriumchlorid. Die meist schwefelhaltige Verunreinigung verleiht ihm den charakteristischen Geschmack (und Geruch).

Zu Marketingzwecken heißt es gerne, bei der schwarzen Verfärbung handele es sich um „Aktivkohle“, die zu den besonders positiven Eigenschaften des Salzes beitrage. Mit genau dieser Aktivkohle lässt sich aber Lavasalz auch fälschen, sodass du beim Kauf genau auf die Herkunft oder Herstellung achten solltest.

„Hawaiian Black Sea Salt“ ist ein Beispiel für schwarzes Lavasalz. Das Problem aus nachhaltiger Sicht ist, dass Tonnenweise Salz von der Insel Molokai wegtransportiert werden – zu uns: Das sind ja bloß fast 12.000 Kilometer. Als ob das Frühstücksei nicht auch ohne auskäme …

„Kala Namak“ kommt aus Indien und Pakisten und wird auch in der Ayurveda verwendet. Veganer nutzen es, weil es einen Ei-Geschmack begünstigen kann. Wegen der besseren Ökobilanz der Veganer geht hier die weite Reise in Ordnung – lies dazu Neue Studie: Fleisch und Milch haben den größten Einfluss auf den Planeten.

Diätsalz

Menschen, die aus verschiedenen Gründen darauf achten müssen oder wollen, weniger Speisesalz, also Natriumchlorid, zu sich zu nehmen, weichen oft auf „Diätsalz“ aus. Dabei handelt es sich um ein Kochsalzersatzmittel mit geringerem Gehalt an Natriumchlorid und einem Gemisch aus Kaliumsalzen, Calciumsalzen und Magnesiumsalzen sowie diversen Säuren wie zum Beispiel Adipinsäure, Weinsäure, Zitronensäure, Glutaminsäure und andere. Es schmeckt etwas bitter und metallisch.

Bevor du aus nebulösen Gründen Diätsalz verwendest, reduziere deinen Salzkonsum besser auf andere Art und Weise, denn der Geschmack von Diätsalz ist mit herkömmlichem Speisesalz nicht zu vergleichen. Und einer Diät hilft es auch nicht – lies dazu: gesunde Ernährung und Fasten.

Wie viel Salz braucht der Mensch?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, maximal 5 Gramm Salz pro Tag, die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) legt die Obergrenze bei 6 Gramm pro Tag fest. Ein Gramm hin oder her – die Menge entspricht etwa einem kleinen Teelöffel voll Salz. Das klingt zunächst nach einer ganz schön großen Menge.

Allerdings schließt die maximal empfohlene Menge auch alle Salze mit ein, die in unseren täglichen Lebensmitteln bereits enthalten sind. Und dann wird es schon schwieriger: Die deutsche Durchschnittsfrau nimmt pro Tag 8,4 Gramm Salz zu sich, der deutsche Durchschnittsmann satte 10 Gramm. Das ist bereits das Doppelte der von der WHO empfohlenen Menge.

Wie ungesund ist Salz?

Ohne Salz geht in unserem Körper gar nichts. Salz ist nicht grundsätzlich ungesund, sondern lebensnotwendig. Es regelt den Wasserhaushalt, ist wichtig für den Aufbau von Knochen, reguliert den Nervenhaushalt und die Verdauung. Wer zu wenig Salz konsumiert, verliert im schlimmsten Fall nach und nach das Durstgefühl und trocknet somit buchstäblich aus.

Salz sparsam verwenden, maximal ein Teelöffel pro Tag

Salz sparsam verwenden: maximal ein Teelöffel pro Tag (Foto: CC0 PD / pixabay.de / kopekk_pl)

Zu viel Salz kann jedoch die Nieren schädigen und Bluthochdruck verursachen. Um Bluthochdruck und Nierenschäden vorzubeugen, solltest du also nicht zu viel Salz aufnehmen. Das ist recht einfach, wenn du auf industriell verarbeitete Produkte verzichtest und viel selbst kochst, backst oder herstellst. Gewöhne dir an, die Nährwertangaben aufmerksam durchzulesen und gelegentlich deinen persönlichen „Salzkonsum des Tages“ zu ermitteln.

Welches Salz ist das Gesündeste?

Schon Pythagoras wusste: „Salz ist von den reinsten Eltern geboren, der Sonne und dem Meer.“ Grundsätzlich war jedes Speisesalz, egal welche Farbe es hat und woher es kommt, irgendwann einmal nichts anderes als Meerwasser. Auch teures, weit gereistes oder gut vermarktetes Spezialsalz ist chemisch gesehen nichts anderes als Natriumchlorid.

Natürlich enthält Himalayasalz zusätzlich etwas Eisen, Lavasalz Kohlenstoff und jedes Salz regional unterschiedliche Gehalte an zusätzlichen Mineralien, Spurenelementen, Tonerde, Gips, weiteren Salzen oder anderen Stoffen. Diese sind im Mengenverhältnis jedoch sehr gering vorhanden und machen ein bis drei Prozent aus. Auf die tägliche Menge Salz gerechnet trägt auch teures Spezialsalz nicht wirklich dazu bei, uns in irgendeiner Form mit zusätzlichen, für die Gesundheit positiven Stoffe zu versorgen.

Wir brauchen es schlicht nicht. Schmeckt es denn wenigstens besser?

Schmecken teure Salze besser?

Kommt drauf an, wen man fragt. Fragt man die Käufer teurer Edel-Salze, so geben diese in der Regel an, dass sie den Unterschied herausschmecken – verständlich, sonst würden sie dafür ja auch kein Geld ausgeben. Umgekehrt gilt das aber auch: Würden die Salze wirklich jedem anders schmecken, gäbe es nicht so viele Kunden, die keinen Unterschied merken – und daher auch kein Geld dafür hinblättern wollen.

Stiftung Warentest war 2013 jedenfalls nicht überzeugt (test.de) und titelte „Das Märchen vom Wundersalz“. Nur einige extrem erweiterte Salze wie „Rauchsalz“ oder „Kräutersalz“ schmecken wirklich anders (eben zum Beispiel nach Rauch oder den beigefügten Kräutern). Auch Schwarzes Salz schmeckt anders, weil man die Verunreinigung herausschmeckt.

Immerhin: Fleur de Sel (Meersalz) konnte bei einem halbwegs wissenschaftlichen Test des Tagesspiegel etwas öfter identifiziert werden als es zufällig der Fall sein würde – Himalayasalz hingegen nicht.

Wenn man nicht gerade Sternekoch ist sollte man sich also überlegen, ob man das Geld nicht klüger in bessere Zutaten (regional, saisonal, Bio) investiert oder in einen guten Bio-Wein – auch aus Geschmacksperspektive.

Utopia empfiehlt

Weil chemisch gesehen jedes Speisesalz doch (fast) nur aus Natriumchlorid besteht und es kein „gesünderes“ Salz gibt, solltest du beim Einkauf vor allem darauf achten, dass du regionales Salz kaufst. Vielleicht Meersalz von Sylt oder Steinsalz aus Bad Reichenhall?

Kommt Meersalz nicht gerade aus der einzigen deutschen Meersalzsaline auf Sylt**, solltest du darauf verzichten, denn es hat einen weiteren Weg hinter sich als Salz aus den Alpen. Exotische Modesalze aus der weiten Welt machen keinen Sinn. Weder für die Gesundheit, noch für die Umwelt.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Externe Infos: lebensmittellexikon.de, dge.de, Salz-Studie des Bundes

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(Bild: Wir für Digitalisierung)

Bereits seit vorigem Jahr bieten viele Apps ähnliche Funktionen wie die App Luca. Nun testen sie eine gemeinsame Schnittstelle zu den Gesundheitsämtern.

Die hitzige Debatte über die Kontaktverfolgungsapp "Luca" erweckte in den vergangenen Wochen zuweilen den Eindruck, das Projekt mit Smudo als prominentem Fürsprecher sei das erste seiner Art. Mit Mecklenburg-Vorpommern empfiehlt inzwischen ein ganzes Bundesland Luca als einheitliches Check-In für Restaurants und Geschäfte. Doch das Konzept ist nicht neu.

Die Initiative "Wir für Digitalisierung" aus inzwischen knapp 50 Luca [1]-Konkurrenten betont, dass viele solcher Systeme bereits seit den ersten Lockerungen im Frühsommer 2020 im Einsatz seien. Ein Blick auf die verschiedenen Apps und Systeme fördert einen Wildwuchs verschiedener Konzepte zutage, aber auch ähnliche Probleme. Wenn es nach der Initiative geht, sollen sie trotzdem alle an eine gemeinsame Schnittstelle zu den Gesundheitsämtern angeschlossen werden.

Im Grunde dienen alle digitalen Check-In-Ansätze demselben Zweck: Sie sollen Listen und Zettel ersetzen, auf denen Besucherinnen und Besucher vielerorts ihre Kontaktdaten hinterlassen müssen – für eine mögliche Corona-Kontaktverfolgung. Jan Kus von "Wir für Digitalisierung" sah bereits im Frühjahr 2020 die Möglichkeit, dies zum Beispiel für Gastronomen digital zu vereinfachen und entwickelte mit seiner Firma die App recover. Systeme wie DarfIchRein aus Bayern entstanden auf dem Hackathon WirVsVirus der Bundesregierung im März 2020.

Kus betont: "Ich will eigentlich keine Kontaktdatenerfassung." Anonymisierende Systeme seien immer besser [2]. Doch bisher steht die Datensammelpflicht in den Corona-Verordnungen der Länder, und so bieten zahlreiche Firmen und Initiativen digitale Listen an. Alle Systeme eint, dass Gäste in Restaurants, Geschäften oder beim Friseur einen QR-Code scannen. Manchmal in nativen Apps mit Registrierung, oft öffnet der QR-Code jedoch schlicht eine Webseite mit Kontaktformular.

Die Bandbreite der Systeme ist groß. Sie reicht von Anbietern mit tausenden von Standorten, zum Beispiel e-guest, die nach Angaben der Betreiber auch Sportvereine und zahlreiche Fast-Food-Restaurants an großen Flughäfen und Bahnhöfen zu ihren Kunden zählen, über spezialisierte Angebote wie bomocha, das Check-In-Terminals an Krankenhäuser und Pflegeheime liefert, bis hin zu lokalen Systemen wie der App "Ich war da" einer Stuttgarter Firma, die sie mehreren kleinen Städten für den lokalen Einsatz zur Verfügung stellt.

Einige Anbieter lassen sich den Dienst bezahlen, viele sind jedoch kostenlos. Manche Firmen hoffen so auf einen Werbeeffekt. Kus ist sich jedoch sicher: "Reich wird mit Kontaktverfolgung niemand." Hotel- und Gaststättenverbände empfehlen ihren Mitgliedern je nach Bundesland unterschiedliche Systeme, e-guest bietet zum reinen Check-In auch noch Funktionen wie Tischreservierungen und will künftig E-Tickets für Veranstaltungen integrieren.

Die Kontaktdaten der erfassten Gäste landen bei fast allen Systemen auf einem zentralen Server – datenschutzkonform verschlüsselt und mit automatischer Löschfrist [3], wie die Anbieter übereinstimmend betonen. Einig sind sie sich auch, dass die digitalen Gästelisten nur im Infektionsfall an Gesundheitsämter gehen sollen, doch in der Frage, wer die Daten wann und wie einsehen kann, gibt es große Unterschiede.

In Systemen wie HygieneRanger oder GastIdent können Gastgeber laut den Herstellern zumindest zeitweise die Daten der eingecheckten Kunden einsehen. Das sei nötig, erklären die Betreiber von GastIdent: "Die Unternehmen werden zum Teil durch die Ordnungsbehörden angehalten, zu überprüfen, ob die Kunden Phantasienamen bei der Erfassung angeben." Recover hingegen setzt bei dieser Plausibilitätsprüfung darauf, dass sich Gastgeber das Check-In-Ticket jeder Person auf deren Smartphonebildschirm zeigen lassen. "Ich war da" wiederum verifiziert bei der Registrierung die angegebene E-Mail-Adresse – ähnlich wie die Luca-App, die die Mobilnummer via SMS überprüft.

Die Schlüssel, mit denen die Gästelisten für das Gesundheitsamt entschlüsselt werden können, liegen je nach System an unterschiedlichen Stellen. Im Fall von DarfIchRein verfügt allein der Gastgeber über den nötigen privaten Schlüssel – nach Angaben von Geschäftsführer Dominik Wörner ebenfalls, weil der Betrieb im Zweifelsfall dafür verantwortlich sei, dass die Daten stimmen. Wecken die Listen beispielsweise Begehrlichkeiten der Polizei [4], liegt die Entscheidung also nicht beim App-Betreiber. Unternehmen, die recover oder die Dehoga-App BarCov nutzen, müssen für die Entschlüsselung nach einer Behördenanfrage zumindest erst die Betreiber kontaktieren. In anderen Fällen, beispielsweise e-guest, gibt nur der App-Betreiber im Infektionsfall einen eigenen Schlüssel direkt an das Gesundheitsamt weiter.

Die baden-württembergische Datenschutzbehörde, deren Leiter Stefan Brink sich bereits für das Luca-System stark gemacht hat, betont auf Anfrage, dass personenbezogene Daten in solchen Systemen "bestmöglich" geschützt werden müssen. "Dazu gehört, dass weder der Anbieter der App noch der Veranstalter Zugriff auf die Daten der Kontaktnachverfolgung haben, sondern ausschließlich die Gesundheitsämter. Die Luca-App [5] ist nach unserer Kenntnis die einzige, die diese Anforderung umsetzt."

Tatsächlich scheint eine doppelte Verschlüsselung mit einem Schlüssel des Gesundheitsamts und einem des Veranstalters bisher die Ausnahme zu sein – neben Luca fällt dabei nur bomocha mit einem ähnlichen Ansatz auf, bei dem der QR-Code mit den verschlüsselten Gästedaten auch auf Papierausweisen stehen könnte. Ob die Verschlüsselungskonzepte jedoch tatsächlich sicher funktionieren, lässt sich kaum überprüfen. Bis auf wenige Ausnahmen wie recover oder das kleine Hackathon-Projekt "IchBinDa" setzt bisher niemand auf Open Source, die Luca-Betreiber wollen den Quellcode erst Ende März offenlegen.

Während die App Luca an ihrer direkten Anbindung an Gesundheitsämter arbeitet und auch die Entwickler der Corona-Warn-App ein offenes "Gateway" angekündigt haben [6], wollen die Anbieter hinter "Wir für Digitalisierung" nun ebenfalls Fakten schaffen und die Datenübermittlung an die Gesundheitsämter vereinheitlichen. Statt für einen Tracing-Fall viele Excel-Listen von unterschiedlichen Betreibern oder Unternehmen abzufragen oder für jedes System eine eigene Schnittstelle zu programmieren, soll eine gemeinsame Plattform die Anfragen der Gesundheitsämter bündeln und automatisch an den gewünschten Anbieter weiterleiten.

"Wir testen diese Ende-zu-Ende-Kontaktverfolgung zusammen mit dem Gesundheitsamt der Stadt Köln", erklärt Kus. Er wolle sicherstellen, dass die Plattform zu den Prozessen des Amtes passe. Ein Prototyp sei bereits fertig, fünf Check-In-Systeme angeschlossen. Eine direkte Übernahme der Gästedaten in Gesundheitsamt-Systeme wie Sormas oder Mikado sei ebenfalls geplant, ebenso wie die Veröffentlichung des Quellcodes. Kus hält es für besser, alle bereits bestehenden Systeme zu integrieren und einen Wettbewerb um das beste System zuzulassen, statt eine App flächendeckend einzuführen. Er betont: "Luca ist auf unserer Plattform herzlich willkommen."

Landen Kontaktpersonen aus einem der Systeme schließlich beim Gesundheitsamt, bekommen sie wie gehabt eine E-Mail oder einen Anruf. Nur Luca wirbt bisher mit einem direkten Rückkanal innerhalb der App, der die Nutzer bei Datenzugriffen noch vor dem Anruf des Gesundheitsamts informieren soll, während das Schweizer CrowdNotifier-Protokoll mit der App NotifyMe [7] seine Nutzer ohne weitere Kontaktdaten nur in der App informiert.

Wörner, Kus und e-guest-Mitgründer Paul Kalisch erklären jeweils auf Nachfrage, dass sie sich aus Datenschutzgründen bisher gegen einen direkten Rückkanal entschieden haben – schließlich sei das laut den Corona-Verordnungen Sache der Ämter. Kus erklärt jedoch, dass man einen Rückkanal bei der gemeinsamen Plattform berücksichtigen wolle – "wann er bei uns kommt, ist aber noch unklar." Die baden-württembergische Datenschutzaufsicht jedenfalls hat nichts gegen eine zusätzliche digitale Benachrichtigung, die den Datenzugriff transparent mache: "Durch sie kann die betroffene Person frühzeitig zur Vorsicht und zur Abklärung der eigenen Infektiosität veranlasst werden."

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[5] https://www.heise.de/download/product/luca
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[7] https://www.heise.de/news/NotifyMe-Schweizer-App-meldet-Corona-Infektionen-an-Event-Teilnehmer-5073852.html
[8] mailto:anw@heise.de

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160 Millionen für Nix

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Anja Karliczek „feiert“ 50 Jahre Bundesausbildungsförderung und reißt die Sozialleistung als personifizierte Abrissbirne nieder. Sie rühmt sich für Corona-Nothilfen, die sie aus ungenutzten BAföG-Beständen abzweigt, deren Rest der Finanzminister einsackt. Sie amtiert als sogenannte Bildungsministerin und sollte das lieber bleiben lassen.

„OH NO!“ in Pop Art-Retro-Style Comic-Wortblase

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Oh no! Wie schon 2019 verfallen auch 2020 BAföG-Mittel ungenutzt.

Am 1. September 2021 wird das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) 50 Jahre alt. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Hat sich auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gedacht und zum fröhlichen Nostalgieplausch mit glücklichen „Bildungsaufsteigern“ aus einem halben Jahrhundert gelebter „Chancengerechtigkeit“ geladen. Der „Jubiläumstalk“ steigt in zwei Wochen, verspricht allerhand „individuelle Erfolgsgeschichten“ und läuft unter dem Motto „Karliczek trifft...“.

Was es freilich nicht ganz trifft: Denn wie üblich in Corona-Zeiten kommen Feiernde und Gefeierte bloß digital zusammen, im virtuellen Partykeller also, wo die „schöne neue Welt“ heimisch ist und die raue Wirklichkeit Hausverbot hat. Welche Musik dort spielen wird, lässt sich denn auch der „Einladung“ entnehmen, die der Pressestab des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Ende der Vorwoche unter die Leute brachte.




Eitel Sonnenschein

In der Ankündigung gibt es eitel Sonnenschein satt. Zum Beispiel: „Für viele Menschen hat das BAföG die Türen geöffnet, um Berufsträume wahr werden zu lassen.“ Oder: „Geförderte haben als erste in ihrer Familie studiert, nach einem Studium auf dem zweiten Bildungsweg ein Erfolgsunternehmen gegründet, im Auslandsjahr die große Liebe getroffen oder einfach nur konzentriert studiert.“ Und zur Krönung noch dieses Karliczek-Zitat: „Wenn wir das BAföG nicht hätten, müssten wir es erfinden.“

Ganz besonders erfinderisch macht bekanntlich die Not, wovon es gerade in der Pandemie ganz besonders viel gibt. Studierende verloren während zweier Lockwdowns massenweise Jobs, vielen wurde die Unterstützung aus dem Elternhaus gekürzt oder gestrichen, Rechnungen bleiben unbezahlt, zu Essen gibt`s nur Dosenravioli, Freunde und Spaß praktisch gar nicht mehr und studiert wird bis auf weiteres eher schlecht als recht vorm Bildschirm.

Angesichts dessen hatten Studierenden- und Bildungsverbände, Gewerkschaften und die Opposition im Bundestag schon zu Anfang der Krise gefordert, das BAföG temporär auch für diejenigen zu öffnen, die sonst keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung haben. Oder, wie das Deutsche Studentenwerk (DSW) empfiehlt, im Rahmen des BAföG einen Notfallmechanismus zu institutionalisieren, der im Falle außergewöhnlicher Notlagen wie der aktuellen greift, um junge Menschen vor dem finanziellen Absturz und davor zu bewahren, ihr Studium aus Gründen höherer Gewalt hinschmeißen zu müssen.

Die Bank dankt

Ministerin Karliczek blockte alle diese Vorschläge knallhart ab und zog ihr eigenes Ding durch: Statt den BAföG-Zugang zu erleichtern, schickte sie die Leidtragenden zur Bank und bei Abschluss eines befristet zinsfreien Studiendarlehens der Kredit Anstalt für Wiederaufbau (KfW) in die Schuldenfalle. Das hat sich gelohnt – für die Bank versteht sich. Der „deutliche Anstieg“ beim Förderschwerpunkt Bildung „basierte vor allem auf Produktanpassungen im KfW-Studienkredit als Corona-Hilfsmaßnahme“, frohlockte das Management jüngst bei der Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2020. Belief sich die Fördersumme 2019 noch auf 0,7 Milliarden Euro, waren es im Vorjahr 1,3 Milliarden Euro, nahezu doppelt so viel.

Wobei „Förderung“ nach Bankermanier selbstredend Geschäftemacherei meint und mit „Ausbildungsförderung“ im Sinne der BAföG-Erfinder nichts gemein hat. Als die vor 50 Jahren damit loslegten, erhielt man die Zuwendungen als staatlichen Vollzuschuss mit dem ausdrücklichen Anspruch, daraus seinen Lebensunterhalt komplett bestreiten zu können. Davon sind die Verhältnisse heute so weit weg wie die Ministerin von ihrer Verheißung, eine „Trendumkehr“ bei der Gefördertenzahlen einzuleiten.

Statt dessen ist auch mit ihrer „großen“ Reform vor eineinhalb Jahren der Kreis der Begünstigten dramatisch kleiner geworden: um 5,5 Prozent im Jahr 2019 gegenüber dem Jahr 2018, das wiederum mit sieben Prozent Schwund gegenüber 2017 zu Buche geschlagen hatte. So geht das seit etlichen Jahren und weder Karliczek noch ihre beiden Amtsvorgängerinnen Annette Schavan und Johanna Wanka (beide CDU) haben die Talfahrt gestoppt. Und das, obwohl sich alle drei immer wieder zu glühenden Anhängerinnen des BAföG (v)erklärt haben.

Die Gescheitertste

Den Titel der Gescheitertsten im Trio der Gescheiterten hat sich aber ohne Frage Karliczek verdient. Nicht nur, weil ihre Minusbilanz den Anteil der Geförderten unter allen Studierenden auf den historischen Tiefststand von elf Prozent abschmieren ließ. Zum Vergleich: 1972 erhielten über 44 Prozent aller Hochschüler Fördermittel. Vor allem verdankt sich ihre Ausnahmestellung der Corona-Ausnahmesituation. Diese hat die Mängel und Grenzen des BAföG in großer Klarheit aufgezeigt und zwingt geradezu zum Umdenken dahingehend, das Angebot qualitativ und quantitativ attraktiver und bislang unberücksichtigten Gruppen zugänglich zu machen.

Es braucht also nicht einfach nur mehr Geld und höhere Elternfreibeträge, sondern den Wegfall von Altersgrenzen, einen besseren Zuschnitt auf individuelle Lebenslagen (zum Beispiel bei Zweit- oder Teilstudium, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen), eine über die Regelstudienzeit hinausgehende Förderdauer sowie Anschlussförderungen bei Studienabbruch und -fachwechsel. All diese Rezepte hat Karliczek mit ihrer 2019er-Novelle links liegen lassen, obwohl Experten schon seit langem eine strukturelle Runderneuerung des Systems anmahnen.

Was die Sache noch schlimmer macht: Statt wenigstens in der Corona-Krise von ihrer Linie abzuweichen, legte sie eher widerwillig und pflichtschuldig eine „Überbrückungshilfe für akut notleidende Studierende“ auf, die mit ihren bürokratischen Fallstricken und der unzureichenden finanziellen Ausstattung über weite Strecken am Bedarf vorbeigeht. In den Genuss von Zuschüssen in Höhe von maximal 500 Euro monatlich kommt man nur bei absoluter Mittellosigkeit (Kontostand unter 100 Euro) und auch nur dann, wenn die Notsituation nachweislich pandemiebedingt eintrat. Anfangs stellte Karliczek dafür 100 Millionen Euro bereit und bewilligte schließlich erst nach langem Zögern mehr. Auch für eine Verlängerung der Hilfsleistung über den Winter hinaus musste sie erst bekniet werden.

Millionen für Olaf Scholz

Zurück zum BAföG und dem, was davon übrig ist, beziehungsweise übrig bleibt. Wie dieser Tage bekannt wurde, hat die BMBF-Chefin aus den ihr dafür zugeteilten Haushaltsmitteln mal eben 160 Millionen Euro ans Bundesfinanzministerium zurücküberwiesen. Soll heißen: Die Ministerin ließ das schöne Geld auf Kosten derer verfallen, die es dringend nötig gehabt hätten.

Nach einem Zeitungsbericht wurden 2020 sogar 360 Millionen Euro weniger für die Sozialleistung aufgewendet, als der Bildungs- und Forschungsetat dafür hergab. Dabei setzte Karliczek diese sogenannten Minderabflüsse nur teilweise für die „Überbrückungshilfe“ ein. Rund 134 Millionen Euro gingen demnach an die Studierendenwerke, weitere 66 Millionen Euro wurden für den KfW-Studienkredit aufgewendet. Über den Rest durfte sich Finanzminister Olaf Scholz (SPD) freuen.

Der Vorgang hat schlechte Tradition. 2019 war die Bildungsministerin sogar auf 900 Millionen Euro BAföG-Mitteln sitzen geblieben, wovon am Ende zwei Drittel wieder in den Scholz-Kassen landeten. Studierendenvertreter hatten deshalb im Frühjahr 2020 verlangt, die Überschüsse in die Corona-Hilfen zu stecken. Nicht nur geschah das nicht. Wie sich jetzt zeigt, hat die Bundesregierung keinen einzigen Euro extra für ihren Nothilfefonds locker gemacht, sondern aus vorhandenen Beständen abgezweigt und von diesen auch noch Teile in den Sparstrumpf gesteckt.

„Bildungsministerin der Reichen“

„Schönen Dank für nichts“, kommentierte Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Hunderttausende Studierende hätten eine Finanzspritze dringend gebraucht, „etwa jene, die bei der Überbrückungshilfe durch die Maschen fallen“, bemerkte er am Dienstag gegenüber den Studis Online. Damit erweise sich das Angebot „nicht nur als halb-, sondern auch als hartherzig“.

„Die soziale Lage der Studierenden scheint der Ministerin vollkommen egal zu sein“, befand Oliver Nerger vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen in einer Medienmitteilung. Es sei ein „Skandal“, Hunderte Millionen Euro ungenutzt liegen zu lassen, „während sich Tausende Studierende in einer bisher nie da gewesenen existenziellen Krise befinden“. Man male sich aus, was für die Betroffenen mit den Reserven mehr drin gewesen wäre. Damit hätte man etwa den Kreis der Anspruchsberechtigten deutlich ausweiten oder die Fördersummen glatt verdoppeln können.

Entsprechend empört äußerte sich Nicole Gohlke, hochschulpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke. „Karliczek ist Bildungsministerin der Reichen und pfeift auf die Studierenden in finanzieller Not“, beklagte sie im Gespräch mit Studis Online. „Bis dato hat die Bundesregierung kein tragfähiges Konzept vorgelegt, das bei Nebenjobverlust, struktureller Armut und Studienabbrüchen hilft. Und das in der größten Bildungskrise der bundesdeutschen Geschichte.“

Für „skandalös“ hält auch Kai Gehring von der Grünen-Bundestagsfraktion die Vorgänge. Der Ministerin fehle „jedweder sozialer Kompass!“, sagte er Studis Online. „Die Überbrückungshilfe hilft und überbrückt nicht, fast 90 Prozent erhalten kein BAföG, Studienkredite gehen durch die Decke“, gab er zu bedenken und weiter: „Da ist eine desaströse Entwicklung und unterlassene Hilfeleistung.“

Weg mit der Märchentante!

Wo die Ministerin gerade so schön am Feiern ist, bekommt sie auch noch reichlich Wein eingeschenkt – allerdings reinen. „50 Jahre nach seinem Inkrafttreten ist das BAföG auf den Hund gekommen“, betonte GEW-Vize Keller. Karliczek solle das Geld „schleunigst beim Finanzminister loseisen und eine echte BAföG-Reform auf den Weg bringen – am besten mit einer Krisenklausel, die eine unbürokratische Öffnung für alle im Falle einer Pandemie oder ähnlichen Notlage vorsieht“.

Für einen „Neustart“ plädierte auch Gehring, „mit einem elternunabhängigen Garantiebetrag, ergänzt um einen einkommensabhängigen Bedarfszuschuss“. Den „historischen BAföG-Sinkflug“ kehre man nur um, „wenn eine ordentliche Schippe draufgelegt wird und mehr Studierende in die Förderung kommen“, bekräftigte Linke-Politikerin Gohlke.

Und was meint die Adressatin auf dem BMBF-Thron? „Damals wie heute gilt: Es ist nicht nur für das persönliche Lebensglück wichtig, die eigenen Talente zu entfalten. (...) Deutschland kann als Innovationsland nur Erfolg haben, wenn möglichst viele Menschen ihre Fähigkeiten und Ideen einbringen – deshalb ist die Erfolgsstory BAföG noch längst nicht auserzählt.“ Und wenn Sie nicht gestorben sind ... Zum Schluss ein gutgemeinter Rat an die Bundeskanzlerin: Setzen Sie die Märchentante ab. (rw)



1. Benkommentierte am 11.03.2021 um 08:46:02 Uhr

Leider wahr und volle Zustimmung

Ich kann dem nur zustimmen. Wer in München studiert merkt schnell, das BAföG deckt nicht einmal die Fixkosten. Durch die Pandemie sind zwei! von zwei meiner Nebenjobs weggebrochen. Konzentriert studieren ist so einfach nicht möglich. Meine Noten sind in den Keller gefallen, nun folgen zwei Fächer neben der Masterarbeit. Herzlichen Dank für nichts.




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