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Kommentar: Armin Laschets gestörtes Verhältnis zur Wissenschaft ist kein Zufall

Gregor Honsel
(Bild: nicostock/Shutterstock.com)

Konservative Politiker finden die Folgen des Klimawandels zwar schlimm, greifen aber zu abenteuerlichen rhetorischen Volten, um nichts dagegen tun zu müssen.

1958: Der US-Klimaforscher Charles David Keeling [1] weist nach, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ansteigt.

1979: Die erste Weltklimakonferenz [2] findet in Genf statt.

1986: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft warnt vor einem Anstieg des Meeresspiegels. Der Spiegel titelt [3]: "Die Klima-Katastrophe".

1988: Gründung des Weltklimarats IPCC.

1995: Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung warnt Umweltministerin Angela Merkel [4]: "Wenn weiterhin gleiche Mengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangten, wäre ein Gegensteuern in rund 25 Jahren nicht mehr möglich."

1997: Das Klimaprotokoll von Kyoto legt eine völkerrechtlich verbindliche Begrenzung der Treibhausgasemissionen für Industrieländer fest.

2006: Der britische Ökonom Nicholas Stern [5] rechnet in einer Studie vor, dass die Folgen des Klimawandels teurer sind als dessen Bekämpfung. Al Gores Klima-Doku "Eine unbequeme Wahrheit [6]" kommt ins Kino und macht das Thema einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

2015: Die Klimakonferenz in Paris vereinbart, bis 2060 die Treibhausgas-Emissionen auf Null zu senken.

2019: Armin Laschet sagt [7] in einer Talkshow: "Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich zu einem weltweiten Thema geworden."

Jetzt, im Sommer 2021, warnt der IPCC "plötzlich" [8], die kritische 1,5-Marke könne bereits 2030 erreicht werden. So überraschend kann die Welt sein, wenn man Wissenschaftler für Typen "mit irgendwelchen Kurven" hält. So formulierte es Armin Laschet [9], bezogen auf die Corona-Pandemie, am 2. Juni im nordrhein-westfälischem Landtag. Weiter sagte er: "Immer, wenn jemand ankommt und sagt ,die Wissenschaft sagt‘, ist man klug beraten, zu hinterfragen, was dieser im Schilde führt, denn diese Wissenschaft hat auch Mindermeinungen, und wenn es nur ein Einzelner ist." Mit anderen Worten: Was soll ich mich um den wissenschaftlichen Konsens scheren – zur Not finde ich immer irgendeinen Professor, der genau das vertritt, was ich gerade hören möchte.

Ein Kommentar von Gregor Honsel

Gregor Honsel ist seit 2006 TR-Redakteur. Er glaubt, dass viele komplexe Probleme einfache, leichtverständliche, aber falsche Lösungen haben.

Natürlich gibt es innerhalb der Wissenschaft verschiedene Positionen, und natürlich hat die Mehrheit nicht automatisch recht. Aber trotzdem existiert bei vielen Dingen ein gesicherter Erkenntnisstand, den man nicht beliebig vom Tisch wischen kann. Und schon gar nicht mit dem Argument, damit führe stets jemand etwas im Schilde. Hinter allem eine finstere Absicht zu wittern ist typisch für einen verschwörungsideologischen Denkstil – intellektuell also trübstes Wasser.

Dass Laschet so ein gestörtes Verhältnis zur Wissenschaft hat, ist kein Zufall. Denn sie macht regelmäßig darauf aufmerksam, dass bestimmte Sachverhalte nicht verhandelbar sind. Wenn die Erderwärmung bestimmte Kipppunkte erreicht, verstärkt sie sich selbst – etwa durch Methan, das auftauende Permafrostböden freisetzen. "Die Irreversibilität der Veränderung ökologischer Systeme ist noch nicht begriffen worden", warnte dieTransoformationsforscherin und Regierungsberaterin Maja Göpel [10] bereits 2019.

Eine solche Dynamik verhält sich zu Laschets passiv-aggressiver Bräsigkeit wie Feuer zu Wasser. Sie lässt sich nämlich weder wegverhandeln noch aussitzen. Dieser Widerspruch nötigt Laschet zu abenteuerlichen rhetorischen Volten: Am 15. Juli 2021, einen Tag nach den verheerenden Überschwemmungen, forderte er nachmittags [11]auf einer Presskonferenz "mehr Tempo beim Klimaschutz".

Da stellt sich die Frage: Von wem genau fordert er das? Sich selbst jedenfalls meint er offenbar nicht: Am Abend des gleichen Tages sagte er in einem WDR-Interview [12] ziemlich unwirsch: "Weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik." Nach einem halben Tag ist er also wieder in die Werkseinstellung konservativer Klimapolitik eingerastet: Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass.

Auf der Pressekonferenz vom 15. Juli behauptet Laschet zudem: "Nordrhein-Westfalen ist eines der Länder, das am meisten tut gegen den Klimawandel." Das ist schlicht falsch oder zumindest deutlich geschönt [13]. Und gerade einmal zwei Wochen vor der Pressekonferenz hatte der Landtag eine Abstandsregelung für Windräder beschlossen, die den weiteren Zubau praktisch unmöglich macht.

Mit seinen Wirklichkeitsverdrehungen ist Laschet nicht allein. Auch CSU-Chef Markus Söder forderte zwar einen "Ruck" in der Klimapolitik, unterbindet in seinem Bundesland aber weiterhin durch eine strenge Abstandsregelung jeglichen Ausbau der Windkraft und ist auch sonst nicht allzu ambitioniert, wie Michael Sterner, Professor für Energiesysteme in Regensburg, darlegt [14].

Und Ralph Brinkhaus, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, sagte [15], "Verbote" und "moralische Zeigefinger" seien "nicht der Ansatz der Union". Ach, und was genau ist dann die Abstandsregelung für Windkraft, wenn nicht ein Verbot – nur in diesem Fall eben zu Ungunsten der Bekämpfung des Klimawandels?

Ein weiterer Virtuose darin, Offensichtliches zu ignorieren, ist Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Unsere neuen ambitionierten Klimaziele erfordern eine Anpassung unserer Analysen zum Stromverbrauch [16] 2030“, teilte er Mitte Juli mit [17]. Schon die ersten drei Worte enthalten drei Wirklichkeitsverdrehungen: Erstens sind es nicht die Ziele der Regierung oder der Union oder wen auch immer Altmaier mit "uns" gemeint haben mag – sie wurden ihm vom Bundesverfassungsgericht auferlegt. Zweitens sind die Ziele nicht "neu", sondern basieren auf dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015. Drittens sind sie nicht "ambitioniert", sondern werden die völkerrechtlichen Verpflichtungen voraussichtlich deutlich reißen. Die Folge: Deutschland wird Emissionszertifikate [18] von anderen Ländern aufkaufen müssen. Das wird teuer. Und alle werden wieder überrascht tun. ()


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Links in diesem Artikel:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Keeling-Kurve
[2] https://www.deutschlandfunk.de/vor-40-jahren-erste-weltklimakonferenz-in-genf.871.de.html?dram%3Aarticle_id=440681
[3] https://cdn.prod.www.spiegel.de/images/3c56d3ff-0001-0004-0000-000001096900_w487_r0.7609375_fpx52.78_fpy47.82.jpg
[4] https://twitter.com/tagesschauvor20/status/1309040057068781569?lang=he
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Ich-habe-die-Kosten-unterschaetzt-1365032.html
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Eine_unbequeme_Wahrheit
[7] https://www.youtube.com/watch?v=KD0LIyD_nI4
[8] https://www.heise.de/news/Wissenschaftlich-weiter-untermauert-Folgen-des-Klimawandels-werden-drastisch-6158469.html
[9] https://www.mimikama.at/aktuelles/laschet-afd-wissenschaft/
[10] https://www.youtube.com/watch?v=V-ZD3eXKArA
[11] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/starkregen-in-nrw-laschet-fuer-mehr-tempo-bei-klimaschutz-massnahmen-17438691.html
[12] https://www.tagesspiegel.de/politik/laschet-laviert-in-der-klimafrage-weil-jetzt-so-ein-tag-ist-aendert-man-nicht-die-politik/27427218.html
[13] https://taz.de/Fragwuerdige-Zahlen-von-Armin-Laschet/!5787534/
[14] https://twitter.com/prof_sterner/status/1417841817903587329
[15] https://www.fuldaerzeitung.de/fulda/bundestagswahl-ralph-brinkhaus-corona-impfung-ansage-impfgegner-cdu-fraktionschef-fulda-90907374.amp.html
[16] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Wie-Altmaier-Stromprognosen-als-politische-Verhandlungsmasse-benutzt-6136541.html
[17] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2021/07/20210713-erste-abschaetzungen-stromverbrauch-2030.html
[18] https://www.heise.de/tr/blog/artikel/Keine-Energiewende-kostet-auch-4955086.html
[19] mailto:grh@technology-review.de

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Ein Spiegel der Geschichte: Das Rechenzentrum links und die Baustelle der Garnisonkirche rechts
Ein Spiegel der Geschichte: Das Rechenzentrum links und die Baustelle der Garnisonkirche rechts Foto: Foto: imago images/Martin Müller

Am Morgen ging die E-Mail mit dem Dokument an Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg raus: Der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller (Linke) und Potsdams Linksfraktionschef Stefan Wollenberg beantragen, in der Landeshauptstadt das alte Rechenzentrum an der Dortustraße unter Denkmalschutz zu stellen.

»Die Idee ist nicht so spektakulär. Da wären andere sicher auch darauf gekommen. Wir waren nur schneller«, erklärt der Abgeordnete Müller am Donnerstag vor dem alten Rechenzentrum, in dem sich inzwischen ein Kunst- und Kreativhaus etabliert hat.

Zu ihrem Schritt veranlasst sehen sich die beiden Politiker durch die überraschende Entscheidung von Drachenbergs Behörde, das umstrittene Potsdamer Glockenspiel in die Denkmalliste aufzunehmen. Es handelt sich dabei keineswegs um das originale barocke Glockenspiel aus der im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten und 1968 gesprengten Potsdamer Garnisonkirche, sondern lediglich um einen zunächst im nordrhein-westfälischen Iserlohn aufgestellten Nachbau der 1980er Jahre. Die Stadt Potsdam bekam ihn 1991 von einer rechtsnationalen Traditionsgemeinschaft aus dem Dunstkreis der Bundeswehr geschenkt.

Das Glockenspiel steht einen Steinwurf vom Rechenzentrum entfernt an der sogenannten Plantage und damit auch in der Nähe des Ortes, an dem gegenwärtig der Turm der Garnisonkirche wiederaufgebaut wird. Auch die Kirche ist umstritten, aber nicht so extrem wie das Glockenspiel. Denn Letzteres war mit äußerst zweifelhaften Inschriften versehen, die unter anderem Einheiten der hitlerfaschistischen Armeen verherrlichten. Erste Widmungen seien bereits in den 90er Jahren getilgt worden, inzwischen auch die übrigen, erläutert der Abgeordnete Müller.

Weil das Glockenspiel eigentlich unzumutbar ist, wurde es 2019 abgestellt. Nicht einmal die Stiftung Garnisonkirche will dieses Glockenspiel noch haben. Die Grünen und die Linke beantragten in der Stadtverordnetenversammlung, die Bronze einzuschmelzen und den Erlös zugunsten der Kulturszene zu verwenden. Daraus wird nun nichts, da ein Denkmal erhalten bleiben muss.

Doch aus der für Müller »befremdlichen« Entscheidung des Landesdenkmalamtes, das auf Antrag einer namentlich nicht bekannten Privatperson handelte, ergibt sich für den Bundestagsabgeordneten quasi zwingend, dass nun erst recht das in der DDR errichtete Rechenzentrum unter Denkmalschutz gestellt werden muss. Vollständig ist es schon nicht mehr erhalten. Der Teil, in dem die Rechentechnik stand, ist bereits abgerissen. Dieses Schicksal droht auch dem größeren, ebenfalls würfelförmigen Verwaltungstrakt, in dem sich heute Ateliers von bildenden Künstlern und Büros von Schriftstellern und anderen Kreativen befinden.

Sollte nach Vollendung des Turms auch noch das Schiff der Garnisonkirche wiederaufgebaut werden, so steht das Rechenzentrum im Weg. 15 Prozent seiner Fläche befinden sich auf dem historischen Standort der Garnisonkirche. Eine Modellrechnung hat ergeben, dass es natürlich wirtschaftlicher wäre, nicht nur Teile des Rechenzentrums, sondern das gesamte Gebäude zu erhalten. Geplant war ursprünglich der Totalabriss, die Nutzung als Kunst- und Kreativhaus sollte nur eine vorübergehende sein.

Neben der Baustelle der Garnisonkirche, auf der sich emsig der Kran dreht, sind schon Bagger für ein anderes Bauprojekt zu sehen – die Errichtung eines neuen Kreativquartiers an der Plantage. Nach Ansicht von Linksfraktionschef Wollenberg könnte es aber überhaupt nicht schaden, neben diesem neuen Kreativquartier das Rechenzentrum zu bewahren. Denn die Nachfrage nach Ateliers sei groß. Definitiv erhalten werden müssen die 18 großen Mosaike an der Außenfront des Rechenzentrums. Sie befinden sich dort seit 1972. Fritz Eisel hat sie geschaffen und dem Kunstwerk den Titel »Der Mensch bezwingt den Kosmos« gegeben. Bereits seit 1977 stehen die Mosaike unter Denkmalschutz. Sie müssten bei einem Abriss des Rechenzentrums gesichert und aufbewahrt werden.

Für ihren Vorstoß, das gesamte Rechenzentrum unter Denkmalschutz zu stellen, rechnen sich Müller und Wollenberg gute Chancen aus. Schließlich stehe dieser letzte DDR-Verwaltungsbau in der Innenstadt exemplarisch für die 30 Jahre währende Auseinandersetzung um die Frage, wie das Potsdamer Zentrum aussehen sollte. Damit kontern die beiden Politiker die ähnlich klingende Begründung für die angebliche Denkmalwürdigkeit des Glockenspiels. »Die Bezwingung des Kosmos stellt die frühere Dominante des Garnisonkirchenturms von 88 Meter Höhe in den historischen Schatten«, steht in ihrem Antrag.

Wie Müller vernommen hat, regt Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) an, das gesamte Plantage-Areal unter Schutz zu stellen – also Rechenzentrum, Garnisonkirche und Glockenspiel. Müller lobt diesen »interessanten Gedanken« – »auch wenn ich persönlich nie meinen Frieden mit Glockenspiel und Garnisonkirche machen werde«. Ihm ist das Rechenzentrum mit seinen Mosaiken und dem damit ausgedrückten sozialistischen Fortschrittsgedanken lieber als der »monarchistische Mief«. Dass jemals das Kirchenschiff wiederaufgebaut wird, glaubt er nicht. Schon für den Turm gebe es viel zu wenig Spenden, sodass der Bund mit Fördermitteln einen großen Anteil bezahlt.

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Frauen, Männer, Perspektiven. Das biologische Geschlecht (Teil 1)

Dass Menschen als Mann und Frau "erschaffen" wurden, wie es in der Bibel heißt, beschäftigt den Menschen seither so intensiv wie kaum etwas anderes. Egal, ob er einen Gott oder die Evolution dafür verantwortlich macht. Das fängt spätestens in der Pubertät an und endet noch nicht, wenn sich der Trieb ersatzweise nur noch in die Seiten eines akademischen Traktats zum Genderthema ergießt.

Wie die Welt aussähe, wenn es keine Geschlechtlichkeit gäbe, hat Ursula LeGuin zu untersuchen begonnen ("The left hand of darkness"), aber das war der Winterplanet, und es gab immerhin noch die beiden Pole. Die Erde ganz ohne Sex - das wäre eine Welt ohne die Epen Homers und die Komödien Shakespeares, ohne Mozarts Opern und "Silly love songs", ohne die Bildhauerei des Perikles und des Michelangelo, ohne Aktmalerei, Hollywood und Youporn, ohne picklige Teenager, Beziehungsratgeber, Rosenkriege und Illustrierte. Und natürlich ohne den leidigen Kampf zwischen Genderist:innen und jenen realen und virtuellen Bürgerwehren, die unaufgefordert "ihre" Frauen verteidigen.

Eindeutig nicht wäre es hingegen eine Welt ohne Armut, ohne Ungleichheit, ohne Krieg. Aber davon später. Zunächst werde ich in dieser Serie die Geschlechtlichkeit des Menschen unter biologischem und sozialem Gesichtspunkt betrachten, ehe ich im dritten Teil zum politischen Aspekt kommen werde.

Das biologische Geschlecht

Für einen Biologen ist die Lage klar: Es gibt zwei Geschlechter. Und zwar nicht nur beim Menschen, sondern fast im gesamten Reich des Lebendigen, sofern es sich überhaupt sexuell vermehrt: von denjenigen Protozoen, die zu Reifeteilung und Befruchtung fähig sind, über die Schwämme und Quallen bis zu den Gefäßpflanzen und Tieren: zwei. Genau zwei. Fast immer eines, das einer größere Zelle Nährstoffe bereitstellt, und ein anderes, das nur zahlreiche kleine Zellen zum Befruchten produziert. Weibchen und Männchen. (Ehrlicherweise sei darauf hingewiesen, dass das große Reich der Pilze hier vollkommen ausschert. Nun gut.)

Warum es gerade zwei sein müssen, hat Evolutionsbiologen durchaus verwundert, und Antworten werden noch immer gesucht [1]. Zumal es durchaus nicht so ist, dass allenthalben eine genetische Geschlechtsbestimmung nur zwei Möglichkeiten ließe, so wie es bei uns Säugetieren mit den Geschlechtschromosomen der Fall ist.

Wie im heranwachsenden Organismus das Geschlecht festgelegt wird, ist faszinierend volatil: Allein innerhalb der bunten Gruppe der Insekten hat sich die Evolution dafür mindestens fünf Varianten ausgedacht. Darunter auch solche wie bei den Bienen, die über 18 verschiedene Allele (Varianten am selben Genort) des geschlechtsbestimmenden Gens verfügen. Trotzdem gibt es keine 18 Bienengeschlechter, sondern: zwei.

Ebenso, wie es genau zwei Schildkröten- und Alligatorengeschlechter gibt, obgleich diese Tiere ganz auf genetische Unterschiede verzichten und die Geschlechtsbestimmung der Temperatur beim Ausbrüten überlassen: Das Ergebnis ist nicht fluide, sondern binär.

Tiere inklusive des Menschen erscheinen in zwei Geschlechtern. Und dass die Grenze zwischen ihnen nicht immer messerscharf ist, ändert daran nichts. Begriffe sind nie scharf begrenzt. Aber dass die Grenze zwischen Licht und Schatten ein wenig flimmert, heißt nicht, dass es nur ein Grau gäbe, ebenso wenig wie Wellen, die den Strand hinauflaufen, den Unterschied zwischen Meer und Land nivellieren.

Obgleich der Mensch wie (fast [2]) alle Säugetiere Geschlechtschromosomen hat, ist es streng genommen nicht ganz korrekt zu sagen - etwa um die soziale Konstruktion von Geschlechtlichkeit zu leugnen [3] - , dass diese das Geschlecht bestimmen. Es gibt durchaus auch XY-Frauen, denn die Festlegung der körperlichen Geschlechtsmerkmale obliegt, sobald die Keimdrüsen - also Hoden oder Eierstöcke - gebildet sind, den dort gebildeten Hormonen, v.a. dem Testosteron. XY-Embryonen mit einem Defekt im Testosteronrezeptor entwickeln sich daher zu Frauen.

Es ist trivial, dass die beiden Geschlechter körperlich verschieden sind: hie Eierstöcke, da Hoden. Häufig geht die Unterschiedlichkeit noch deutlich weiter. Sexuelle Selektion sorgt dafür, dass es meist die Männchen sind, die sich prachtvoll vor den Weibchen präsentieren, während diese sich gut getarnt um den Nachwuchs kümmern können.

So sind Hirschgeweihe, Pfauenfedern und Sportwagen entstanden. Allerdings kann in finsteren Lebensräumen auch das Gegenteil geschehen, und das Ergebnis sind Männchen wie diejenigen des Igelwurms oder des Anglerfischs, die als winzige, spermaliefernde Anhängsel vollkommen mit ihrer Partnerin verschmelzen.

Beim Menschen ist der körperliche Geschlechtsunterschied weniger extrem. Trotzdem sieht man meistens, ob man Mann oder Frau vor sich hat. Und spätestens auf dem Sportplatz wird es unübersehbar. Die männlichen Leistungen im Laufen, Werfen, Stemmen sind für Frauen schlicht unerreichbar.

Das weibliche und das männliche Gehirn

Wie aber sieht es "drinnen" aus? Dem Siegeszug von Outdoorbekleidung zum Trotz gibt es wenig gesellschaftliches Unwohlsein darüber, dass Männer und Frauen unterschiedlich aussehen. Kontroverser hingegen wird es, wenn wir das wichtigste Organ betrachten.

Schon, dass das Gehirn von Frauen kleiner ist als das von Männern und weniger Neuronen enthält, ist ein unerschöpflicher Quell von Häme und Trost. Der bescheidene quantitative Unterschied taugt aber eher nicht als großartige qualitative Verschiedenheit.

Doch auch die gibt es. Im Hypothalamus mittig vorne unten zwischen den Großhirnhemisphären, dort wo die lebenserhaltenden Verhaltensweisen wie Essen, Trinken, Schlafen und Wüten gesteuert werden, gibt es auch einen Teil-Kern, der das sexuelle Verhalten regelt [4]. Er wird auch geradezu "sexual dimorpher Kern" genannt, denn er ist bei Männern größer als bei Frauen [5] (und bei hetero- größer als bei homosexuellen Männern).

Nun gut, so haben Hetero-Männer also einen kleinen Neuronenklops, der sie scharf auf Frauen macht. Das ist biologisch sinnvoll, aber noch immer nicht die Art von Unterschied zwischen Männern und Frauen, nach denen die interessierte Allgemeinheit seit jeher sucht. Gibt es denn auch Persönlichkeitsunterschiede zwischen den Geschlechtern?

Eine einflussreiche Metastudie aus dem Jahr 2005 von Janet Hyde trägt den vielsagenden Titel: "The gender similarities hypothesis [6]". Die Effektstärke, also die Differenz im Verhältnis zur Standardabweichung, des Geschlechtseinflusses ist bei den meisten kognitiven Maßen schwach (unter 0,2) bis allenfalls mäßig. Männer sind etwas besser in Naturwissenschaften, Mechanik, mentaler Rotation und räumlicher Vorstellung, Frauen im sprachlichen und sozialen Bereich.

Männer sind deutlich aggressiver - es sei denn, es handelt sich um indirekte Aggression. Doch für all diese Effekte liegt der Mittelwert des einen Geschlechts noch satt in der Standardabweichung des anderen. Die einzige Tätigkeit, bei der die Effektstärke im Bereich von 2 liegt, ist das Werfen.

Viele Menschen beziehen sich bis heute auf diese Studie. Sie markiert aber - wie so oft in der Wissenschaft - mitnichten das Ende der Geschichte. Einige Jahre später hielten Forscher aus Turin mit einer neuen (und weitaus weniger zitierten) Auswertung [7] dagegen.

Die Kollegen warfen Janet Hyde Fehler in der statistischen Auswertung vor. Man brauche eine hinreichende Feinauflösung der untersuchten Eigenschaften, eine mathematische Berücksichtigung von Messungenauigkeiten, und v.a. ein vieldimensionales Maß der Effektstärke, anstelle des arithmetischen Mittels. Dann bekommt man zum Ergebnis, dass in den meisten von fünfzehn Persönlichkeitseigenschaften sich Männer und Frauen moderat unterscheiden, so dass die Geschlechter insgesamt zu nur rund 15 Prozent überlappen: "die Distanz zwischen Mars und Venus", so der Titel der Arbeit.

Psychologie vs. Medizin

Während also einige Psychologen noch darüber streiten, ob Männer und Frauen nun gleich oder verschieden seien, läuft in der Medizin längst der umgekehrte Trend: Die "gender medicine [8]", die wiederum richtig "sex medicine" heißen müsste - aber das wäre zweideutig -, beschäftigt sich damit, dass Männer und Frauen unterschiedliche Krankheiten bekommen - Männer die Gicht, Frauen Arthritis, Männer Parkinson, Frauen Migräne und chronische Erschöpfung.

Die Geschlechter reagieren auch auf Medikamente unterschiedlich. Dass Pharmaka jahrzehntelang an Männern ausgetestet wurden, hat Frauen ernstlich geschadet. Zum Beispiel wurde das Risiko, dass die oft als Cholesterinsenker verschriebenen Statine Typ II-Diabetes auslösen könnten, zunächst in klinischen Studien mit rein männlichen Behandlungsgruppen bei null gesehen. Es steigt aber bis auf 42 Prozent [9] mit wachsendem Anteil von Frauen in der Gruppe.

Und diese Unterschiede gibt es nicht nur bei körperlichen Krankheiten, sondern auch bei seelischen Störungen. Bei Frauen wird doppelt so oft wie bei Männern eine Depression diagnostiziert; auch unter Angst- und Essensstörungen leiden sie häufiger. Männer finden sich dagegen häufiger auf dem autistischen Spektrum oder bei ADHS. Frauen versuchen auch häufiger, sich selbst zu töten - Männer schaffen es. Auch hier gibt es möglicherweise Unterschiede darin, wie Medikamente wirken: Sofern Antidepressiva überhaupt etwas nutzen (was fraglich ist [10]), helfen sie Frauen [11] (vor der Menopause) besser als Männern.

Als Zoologe oder Mediziner findet man die Sache ziemlich klar: Es gibt zwei Geschlechter, und sie unterscheiden sich. Doch damit ist das Thema noch lange nicht erledigt. Der Mensch ist ja keine biologische Monade, sondern ein durch und durch soziales Wesen. Und das spielt, wie wir im zweiten Teil sehen werden, eine Rolle dafür, was wir für männlich und für weiblich halten.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC524165/
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Transcaucasian_mole_vole
[3] http://www.endeavourforum.org.au/old/articles/babette_social.html
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27339689/
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1887219/
[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16173891/
[7] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22238596/
[8] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32828189/
[9] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23801803/
[10] https://www.heise.de/tp/features/Groesstenteils-nutzlos-und-potenziell-schaedlich-3977880.html
[11] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28179816/
[12] https://www.heise.de/tp/features/Was-die-Geschlechter-koennen-sollen-und-duerfen-6150446.html

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... bestimmt nicht die Biologie allein. Frauen, Männer, Perspektiven. Das soziale Geschlecht (Teil 2)

In der ersten Folge dieser Serie wurden die menschlichen Geschlechter aus biologischer Sicht betrachtet. Aus dieser Perspektive gibt es genau zwei Geschlechter. Welchem von beiden ein Mensch angehört, wird während der Entwicklung hormonell festgelegt. Da die körperliche Geschlechtsidentität früher bestimmt wird als die seelische, kann es vorkommen, dass ein sich verändernder Testosteronspiegel der werdenden Mutter [1] zu einer Diskrepanz führt. Dann hat das Kind möglicherweise seelisch ein anderes Geschlecht, als es körperlich darstellt.

Ist damit alles gesagt?

Offensichtlich nicht. Denn der Mensch ist ein Kulturwesen. Kultur ist seine Natur. Natürlich gibt es Männer und Frauen. Aber wie sie sind und sein dürfen - das hängt sehr stark von der Kultur ab. Darum unterscheidet das Englische eigentlich zwischen sex und gender. "Eigentlich" deshalb, weil mir scheint, dass die ursprünglich sinnvolle Unterscheidung im allgemeinen Eifer, das hippere "gender" zu benutzen, mittlerweile fast geschleift worden ist - siehe "gender reveal parties [3]". Vielleicht ist daher die etwas steifere Rede vom "biologischen" und "sozialen Geschlecht" zutreffender.

Mit der Unterscheidung kommt die Frage: Wie weit kann sich das soziale vom biologischen Geschlecht lösen? Darüber gibt es viel Streit, unter zwei Aspekten: darüber, was weiblich und männlich sei, und darüber, ob dies die einzigen zwei Möglichkeiten seien.

Echte Kerle und zarte Frauen

Dass der Mann hinaus in die feindliche Wildnis müsse, während daheim sittsam am Herde die züchtige Hausfrau waltet - das ist, im Gegensatz zum Körperbau der beiden, keine biologische Tatsache. Sondern eine Erfindung der Frühromantik, die weder vorher noch nachher noch nebenher immer wahr gewesen wäre.

Sehr viele Vorstellungen von dem, was "männlich" und was "weiblich" ist, die wir für selbstverständlich halten, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als kulturelle Konventionen. Das fängt schon mit den Farben an: Rot, die Farbe des Blutes und des Mars, des Roten Korsaren und des Toreros, war bis in die Neuzeit hinein mit männlicher Kraft assoziiert, das sanfte Blau hingegen, das die Madonna auf Fresken trägt, mit dem Weiblichen.

Aber von wegen: "sanft". Frauen vertragen ebenso viel oder wenig Schmerzen [4] wie Männer - vom Geburtsschmerz ganz zu schweigen. Wie aggressiv [5] Menschen im Gegenzug sind, hängt weit mehr von den Zuständen in ihrem Heimatland und ihrer unmittelbaren Umgebung als von ihrem Geschlecht ab. Zwar schlagen Jungen eher einmal zu als Mädchen, aber wenn es daran geht, Mitschüler auszuschließen und zu mobben ("Beziehungsaggression"), nehmen sich die Geschlechter nichts. Und dass Frauen ebenso schlecht regieren können wie Männer, wenn man sie nur lässt, ist in den letzten Jahrzehnten hinreichend bewiesen worden.

Mythos Mathe-Schwäche

Hartnäckig hält sich auch der Glaube, Mädchen und Frauen seien schlecht in Mathematik. "Mädchen sind halt nicht gut in Mathe. Das war bei meinen Töchtern auch so", glaubte die Grundschullehrerin meiner großen Tochter zu wissen. Tatsächlich aber gab sie sich damit selbst als Problem und Ursache zu erkennen, denn eine viel- aber offenkundig nicht genug beachtete Studie [6] hatte kurz zuvor gezeigt: Schuld sind Lehrerinnen mit genau dieser Voreinstellung.

Mädchen werden in der Grundschule dann und nur dann schlechter im Rechnen, wenn ihre Lehrerin (und es sind halt fast nur Frauen) selbst Angst vor Mathematik hat. Was, nebenbei bemerkt, ein Beispiel dafür ist, dass die Unterdrückung der Frauen durchaus nicht nur von Männern ausgeht.

Schon der Ansatz, soziale Unterschiede zwischen den Geschlechtern aus der Biologie herzuleiten, ist bei historischer Betrachtung [7] fragwürdig. Bis zum Siegeszug der Naturwissenschaften in der Aufklärung wäre auf diesen Gedanken niemand gekommen. Unterschiede zwischen Menschen bestanden bis zur Französischen Revolution ohnehin zuallererst in ihrem Stand: Die Markgräfin wäre niemals auf die Idee verfallen, sich mit der Magd gegen den Markgrafen zu solidarisieren.

Erst, als die Köpfe des Adels rollten, merkten die Revolutionäre, dass sie das mit der "égalité" nicht ganz so gemeint hatten, soweit es Frauen betraf. Da die bewährten Rechtfertigungen der Ungleichheit nicht mehr verfügbar waren, beschworen sie die Biologie und guillotinierten Olympe de Gouges [8]. Die Geschlechtscharaktere, die uns heute selbstverständlich erscheinen, wurden im Bürgertum erst von da an konstruiert.

Bedeutet das, dass jegliche Zuschreibung von "weiblichen" und "männlichen" Eigenschaften immer nur kulturell bedingt ist? Dass die Biologie nichts mitzureden hätte?

Letztlich wissen wir es nicht, denn eine völlig geschlechtsneutrale Erziehung ist noch nie versucht worden - heute weniger als noch vor einigen Jahrzehnten, wie ein einfacher Blick in ein Geschäft für Babybekleidung oder einen Spielwarenladen offenbart. Kultur formt das Geschlechterbild in hohem Maße. Trotzdem spricht vieles dafür, dass es biologische Grenzen gibt. So spielen kulturelle Konventionen bei unseren nahen tierischen Verwandten sicherlich keine Rolle.

Aber wenn man einer Gruppe Makakenkinder Puppen und Autos zum Spielen gibt [9], dann spielen die Mädchen mit den Puppen - sogar in der Wildnis [10] - und die Jungen mit den Autos. Dass solche Präferenzen auch beim Menschen veranlagt sein dürften, hat das grausige, tragische Experiment an David (Bruce) Reimer [11] überdeutlich gemacht. Ja, tatsächlich bestätigen auch die Erfahrungen von Transsexuellen - gemeinhin als Kronzeugen fluider Geschlechtergrenzen angerufen -, dass das Selbstbewusstsein einer gewissen Geschlechtsidentität - und zwar der anderen von zweien - im Inneren hart verdrahtet ist.

So bleibt die Erkenntnis: Wie kulturell formbar soziale Geschlechterrollen sind, ist unwissbar, denn der Mensch ist von Natur aus ein Kulturwesen. Es wäre geradezu gegen die Natur des Menschen, ihn ohne soziale Einbindung aufzuziehen: Wolfskinder zeigen gerade nicht, wie der Mensch von Natur aus ist. Daher ist die Bestimmung, was weiblich und männlich sei, immer an die jeweilige Kultur gebunden; das "Richtige" gibt es nicht. Es ist sowohl falsch, zu behaupten, "eigentlich" seien Männer wilde Kerle und Frauen zarte Röslein, als auch zu behaupten, "eigentlich" seien sie ganz gleich.

Unentschiedene Geschlechter

Jonathan Gilb [12] zog vom Kopf seinen Hut:
"Gibt’s nur die beiden Möglichkeiten?"

Auch hier scheinen Zoologie und Soziologie im Clinch zu liegen. Biologisch hat jedes Lebewesen (außer Pilzen) im Normalfall eines von zwei Geschlechtern. Soziologisch aber ändert sich mit der Übereinkunft darüber, wie die Geschlechter sind, auch die Grenzziehung zwischen ihnen.

Wenn die soziale Geschlechterrolle, welche transidente Menschen für sich annehmen, von ihrem biologischen Geschlecht unabhängig ist - warum sollte das für andere Menschen anders sein? Warum sollten sich nicht, bei zwei biologischen Geschlechtern, unendlich viele soziologische Geschlechterrollen festlegen lassen? Ja, ist das nicht vielleicht schon der Fall, indem Männlichkeit für Bruce Willis etwas anderes bedeutet als für Bill Gates, und Weiblichkeit für Salma Hayek etwas anderes als für Angela Merkel?

Andere Kulturen konstruieren Geschlechtsidentitäten seit Langem anders als das Abendland. Manche sehen zusätzliche Rollen vor, die in der aktuellen westlichen Diskussion als "drittes Geschlecht" bezeichnet werden, wie die Hijra in Südasien. Nordamerikanische Natives kennen anscheinend das Konzept von Geschlechtsidentitäten [13], die vom körperlichen Geschlecht abweichen, und die Bugis in Süd-Sulawesi anerkennen fünf Geschlechter. Offensichtlich - so viel kann man zugestehen - gibt es weder Notwendigkeit noch Rechtfertigung dafür, Menschen anhand ihres Körpers auf eine Geschlechtsidentität festzulegen.

Andererseits stimmt es nicht, dass diese abweichenden Konzepte das abendländische binäre System über den Haufen werfen [14]. Die fünf sozialen Geschlechter der Bugis sind: "weiblich", "männlich", "weiblich-zu-männlich gewechsel", "männlich-zu-weiblich-gewechselt" und "unentschieden". Sie umfassen damit genau die logischen Möglichkeiten, die das binäre System bietet, und keine einzige mehr. Ähnlich ist es bei den nordamerikanischen Indigenen oder den Hua in Papua-Neuguinea, die bei Gender-Ethnologen als Anschauungsmaterial beliebt sind: Sie erlauben zwar den Übergang zwischen den Polen, verleugnen aber die Pole nicht.

Was wäre universal?

Wenn wir wissen wollen, ob es in der kulturellen Konstruktion von Geschlechtsidentitäten allgemeingültige Muster und Grenzen gibt - die vielleicht auf biologische Vorgaben zurückzuführen sind -, dann wäre der Königsweg dahin eine Art kulturvergleichende Suche nach Universalien. Für die Arbeitsaufteilung zwischen den Geschlechtern ist das vor bald 50 Jahren gemacht worden [15].

Im Überblick über 185 Kulturen zeigte sich (Zusammenfassung [16]), dass es Tätigkeiten wie die Jagd oder die Metallbearbeitung gibt, die in keiner Kultur von Frauen ausgeübt werden, wohingegen vor allem Kochen und Textilverarbeitung meist den Frauen überlassen wird. Der Grund dafür dürfte weniger in der Körperkraft liegen als in den Erfordernissen der Kinderbetreuung. Daher löst sich diese Zuordnung in der abendländischen, städtischen Zivilisation zunehmend auf.

Solch ein unvoreingenommener Überblick über die Kulturen der Welt wäre auch wünschenswert zur Frage, wie und wie viele Geschlechtsidentitäten konstruiert werden. Denn dass etwa Menschen bei den Hua in Neu-Guinea zur Midlife-Crisis ihr soziales Geschlecht wechseln können [17], ist zwar ungemein weltbilderweiternd und ein sicheres Antidot gegen jede einfache Verallgemeinerung.

Für die Wissenschaft aber, deren Streben die Suche nach Regeln, Mustern und Gemeinsamkeiten ist, ist es weitgehend irrelevant. Hilfreicher wäre eine Art kultureller Universalienforschung, ähnlich wie sie in der europäischen Linguistik [18] hypothesenfrei durch Sprachvergleich nach Regelhaftigkeiten in der Syntax sucht und dabei auf Wenn-Dann-Gesetze stößt.

Dagegen versuchte die amerikanische Linguistik im Gefolge von Noam Chomsky, aus der Kenntnis von Englisch und Spanisch - was man halt in den USA so kann - die Universalgrammatik der über 6000 Sprachen der Welt zu induzieren.

"Lehnstuhlwissenschaft" nannte man das in Europa gerne. In der Gender-Forschung scheint es eine ähnliche Form der Lehnstuhlwissenschaft zu geben, nur im Negativ: Angesichts einer Handvoll von Kulturen, die mit Geschlechtsidentitäten anders umgehen, wird das, was westliche Forscherinnen und Forscher daheim vorfinden, als einsame Ausnahme disqualifiziert. Auch darin steckt ein paradoxer Eurozentrismus, denn die soziale Definition von zwei Geschlechterrollen, die man vermutlich in der Mehrheit der Kulturen der Welt findet, wird als typisch westlich reklamiert - nur um sie unmittelbar darauf zu verwerfen.

Südamerikanische, ostasiatische, australische, geschweige denn afrikanische Geschlechtsdefinitionen spielen in der Diskussion daher keine Rolle, sofern sie nicht die Wunschbedingung erfüllen, sich von der westlichen Norm zu unterscheiden.

Die Ursache für diese Fokussierung auf die Ausnahmen könnte darin liegen, dass Genderforschung sich häufig nicht als objektive Wissenschaft versteht, sondern gesellschaftlichen Aktivismus für sich reklamiert. Politische Wirkung ist nicht nur akzeptiert, sondern sogar gewünscht. Damit stellt sich die Frage, wie Geschlecht und Geschlechterrollen politisch gesehen werden. Das ist das Thema des dritten Teils dieser Serie.


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[1] https://www.scinexx.de/dossierartikel/weichenstellung-im-mutterleib/
[2] https://www.heise.de/tp/features/Wie-steht-es-denn-nun-mit-den-Geschlechtern-rein-wissenschaftlich-6150452.html
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Gender_reveal_party
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22192712/
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23935227/
[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20133834/
[7] https://geschichtedergegenwart.ch/gender-studies-und-die-polarisierung-der-geschlechtscharaktere-ein-alter-text-verdient-es-neu-gelesen-zu-werden/
[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Olympe_de_Gouges
[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2583786/
[10] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21172622/
[11] https://en.wikipedia.org/wiki/David_Reimer
[12] https://vimeo.com/272112857
[13] https://www.entitymag.com/5-genders-ditch-western-binary/
[14] https://www.entitymag.com/5-genders-ditch-western-binary/
[15] https://www.jstor.org/stable/3773347
[16] https://www.unl.edu/rhames/courses/ppoint/divlab.pdf
[17] https://www.jstor.org/stable/3773307
[18] https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachuniversalien
[19] https://www.heise.de/tp/features/Geschlechter-Warum-sollten-psychische-und-soziale-Unterschiede-ein-Problem-sein-6150459.html

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Wie der Kapitalismus weibliche Präferenzen abwertet. Frauen, Männer, Perspektiven. Das politische Geschlecht (Teil 3 und Schluss)

Vor vier Jahren fragte Google seine Angestellten, was das Management tun könne, um den Frauenanteil unter den Beschäftigten zu erhöhen. Auch James Damore reichte einen Vorschlag ein, explizit zum internen Gebrauch. Nachdem dieser Text an eine breitere Öffentlichkeit lanciert worden war, brach der Shitstorm los, der Damore als mindestens schlechten Wissenschaftler, wahrscheinlicher aber auch rotnackigen Sexisten brandmarkte, und letztlich seinen Job kostete.

Vielleicht am übelsten verstieg sich eine Kommentatorin [3] des ehrwürdigen Nature-Magazins, die ihn mit einem Amokläufer gleichsetzte, der im Dezember 1989 an der École Polytechnique in Montreal aus Frauenhass vierzehn Ingenieursstudentinnen erschossen hatte.

Was steht in dem anstößigen Text [4]? Damore greift explizit die Zielvorgabe auf, den Frauenanteil in den IT-Unternehmen zu erhöhen. Um dies zu erreichen, solle man anerkennen, dass sich Frauen und Männer im Durchschnitt charakterlich unterscheiden, und daher Anreize und Unterstützungen schaffen, die explizit auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind.

Schaut man sich die Reaktionen an, dann hatte Damores Verbrechen darin bestanden, auszusprechen, dass Frauen anders sind als Männer. Er schien damit eine unterschiedliche Eignung der Geschlechter für IT-Berufe zu behaupten, und das durfte nicht sein.

Denn hier liegt der Hase im Pfeffer: Es geht eben nicht nur darum, ob Frauen und Männer unterschiedlich ticken. Das ist für sich genommen eine rein akademische Frage. Sondern es geht darum, dass Männer mächtiger sind und mehr Geld verdienen. Die Softwareingenieure bei Google genießen ein höheres Ansehen und höheres Einkommen als die Sekretärinnen.

Diese Herabsetzung der Frauen widerspricht dem moralischen und grundgesetzlichen Anspruch, dass die Geschlechter gleichberechtigt sein sollen. Die Gesellschaft steht vor dem Dilemma, sich seit Jahrzehnten für die Emanzipation der Frauen eingesetzt und trotzdem nur einen Teilerfolg erreicht zu haben. Sie steht vor dem Dilemma, dass Frauen anders sind, es aber nicht sein dürfen. Weil anders schlechter bedeutet.

Je gleicher, desto verschiedener

Im ersten und zweiten Teil der Serie haben wir gesehen, dass es durchaus neben den körperlichen auch psychische, charakterliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Inwieweit diese Unterschiede gesellschaftlich vorgegeben und geformt sind, lässt sich nicht abschließend klären. Man muss sie wohl als gegeben hinnehmen. Zumal alle bisherigen Bestrebungen, die Unterschiede zu verringern, nach hinten losgegangen sind.

Mehrere Untersuchungen sind in den letzten Jahren zu einem verwirrenden und für manche Menschen verstörenden Ergebnis gekommen: Je mehr in einem Staat die Gleichheit der Geschlechter gefördert wird, desto ungleicher werden sie. Und zwar in allen Belangen.

Etwa in der Persönlichkeit [5]: Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den bekanntesten fünf Persönlichkeitsfaktoren – Frauen sind im Durchschnitt extravertierter, verträglicher, gewissenhafter, neurotischer und offener für neue Erfahrungen – sind am geringsten in Ländern, die Frauen gesellschaftlich benachteiligen, wie etwa Malaysia und Südkorea, und am größten in "gender equal" Ländern wie Norwegen und Schweden.

Anstelle von Eigenschaften kann man auch nach Präferenzen fragen [6]: Wie wichtig sind einem Menschen Werte wie Altruismus, Vertrauen, Geduld, Vergeltung oder Risikofreude? Auch darin unterscheiden sich die Geschlechter (Frauen liegen bei Vertrauen, Altruismus und positiver Vergeltung vorne, Männer bei Risikofreude, negativer Vergeltung und Geduld), und wieder sind die Unterschiede umso größer, je gleichstellungsbemühter die Länder sind – und je reicher. Frauen und Männer in Tansania und Pakistan unterscheiden sich nicht in ihren Werten, in Kanada und Schweden hingegen enorm.

Diese Diskrepanzen schlagen sich naheliegenderweise in der Berufswahl nieder. Obgleich Mädchen in fast allen Ländern eher besser in den Naturwissenschaften sind [7] als Jungen, wählen sie seltener ein entsprechendes Studium - und das wiederum umso deutlicher, je gleichberechtigter das Land, in dem sie wohnen.

Damit nähern wir uns dem Herzen der Angelegenheit. Frauen können also die prestigeträchtigen MINT- oder STEM-Fächer so gut wie Männer, und wählen sie trotzdem nicht. Warum? Falsche Vorbilder, gesellschaftliche Diskriminierung?

Eine Umfrage [8] warf vor vier Jahren eine weitere Möglichkeit auf: Vielleicht wollen sie einfach nicht. "Welchen Beruf hätten Sie am liebsten, wenn Ausbildung, Alter oder Einkommen keine Rolle spielten?" lautete die Frage. Und siehe da: Männer wollen im Ernst gerne Softwareentwickler, Fußballprofi, Forscher werden, Frauen hingegen Ärztin, Psychologin und – Platz 1: Tierpflegerin.

Da gibt man ihnen die Möglichkeit, Chefingenieurin oder Topmanagerin zu werden, und dann wollen sie einfach nicht! Was fällt denen ein?!

Nun, vermutlich fällt ihnen ein, dass sie seit Jahrtausenden das machen mussten, was von ihnen erwartet wurde. Und dass sie jetzt einfach und verdammt noch mal das machen, was sie wollen.

Was Frauen wollen – und Männer

Denn der zentrale Irrtum in der ganzen Debatte liegt darin, sich auf Fähigkeiten zu konzentrieren. Ich erkenne oder vermute hier – wie so oft [9] – die allgegenwärtige Maschinisierung des Menschen. So wie ein Auto durch die Fähigkeit definiert ist zu fahren, eine Kamera durch die Fähigkeit, Fotografien zu machen, und ein Staubsauger durch die Fähigkeit zu saugen, so definieren wir: "Kann den Ball 50 Meter werfen und die 100-Meter in 9,7 Sekunden laufen: Mann. Kann Kinder bekommen und säugen: Frau."

Der Mensch aber ist keine Maschine. Was ihn ausmacht, ist nicht, was er kann, sondern das, was er will. Keine Maschine will etwas: das Auto nicht fahren, die Kamera nicht knipsen, der Staubsauger nicht saugen. Maschinen können nicht wollen. Deshalb, nebenbei bemerkt, ist auch die Furcht vor der Machtübernahme der künstlichen Intelligenz nur Gefasel.

Lebewesen hingegen wollen vom Augenblick ihrer Geburt bis zum Moment ihres Todes immer. Dadurch werden sie zum autonomen, entscheidenden Subjekt ihrer Umwelt. Ohne unseren Willen wären wir Menschen kein Zoon politicon, denn jede Form sozialer Reibung, sei es eine Verhandlung, sei es ein Kampf, beruht auf dem Widerstreit von Interessen, und dem Drang zur Selbstbehauptung. Maschinen brauchen keine Demokratie.

Frauen wollen sich (mehrheitlich) lieber um Menschen und Tiere kümmern als um Apparate und Geld. Sie suchen eher Ausgleich als Macht. Der oft missverstandene Gender Pay Gap [10] hat hier seine Ursache. Denn als Erzieherin, Lehrerin, Krankenschwester, Tierpflegerin, und sehr oft auch als Ärztin und Psychotherapeutin verdienen Frauen kaum genug zum Unterhalt einer Familie, während der Softwareingenieur, der Investmentbanker oder der leitende Angestellte sechsstellig einsteigen [11].

Wir Alternativlosen

Offensichtlich ist also die politische und wirtschaftliche Organisationsform der Gesellschaft (das "System") außerstande, die Wünsche eines großen Teils der Menschen angemessen zu berücksichtigen. Frauen im Kapitalismus dürfen alles, aber nicht das, was sie wollen. Die naheliegende Folgerung wäre, diese Organisationsform infrage zu stellen. Man müsste Fragen aufwerfen nach der gerechten Bemessung von Leistung, nach der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums. Diese Fragen aber will kaum jemand stellen, geschweige denn beantworten. Denn der Kapitalismus gilt als alternativlos.

Stattdessen werden die Unterschiede der Geschlechter ignoriert und verleugnet. Da das System nicht infrage gestellt werden darf, muss der Fehler bei den Menschen liegen. Da man den Mut nicht aufbringt, das System an die Wünsche der Menschen anzupassen, passt man die Menschen an die Wünsche des Systems an.

Und wenn es nun einmal die Fähigkeiten und Vorlieben der Männer sind, die in diesem System zum Erfolg verhelfen, dann müssen Frauen gefälligst so werden und wollen wie Männer. Dann und nur dann sind sie respektabel, dann und nur dann dürfen sie mitreden. Wie es diese Haltung schafft, sich selbst für nicht-sexistisch zu halten, bleibt rätselhaft.

Es gehört zu den definierenden Merkmalen linker Politik, dass sie gesellschaftliche Organisationsformen als real anerkennt und problematisiert. Während Liberal-Konservative "There’s no such thing as society" beten, hat die Linke seit jeher genau diese Gesellschaft ändern wollen. Doch mit dem Glauben daran, dass das möglich sei, ist auch die Linke verschwunden.

Der heutige Kampf für die Gleichstellung der Frau steckt den Einsatz für gesellschaftliche Veränderung auf. Die Sachzwänge des Kapitalismus erscheinen naturgegeben, eine alternative Utopie ist nicht in Sicht. Also wird Resignation als moralische Überlegenheit getarnt und die Ungerechtigkeit mit schöner Sprache geschminkt. "Links" ist das selbstverständlich nicht.

Einflussreiche Feministinnen sehen das ähnlich. Martha Nussbaum hat der bekannten Gender-Theoretikerin Judith Butler in einer akademischen Erledigung [12] Quietismus vorgeworfen: eine lebensferne Theorie, die jede Hoffnung auf gesellschaftlichen Wandel verneint und zur spöttischen Akzeptanz des Bestehenden aufruft. Auch aus marxistischer Perspektive hat Georg Schuster in einem Telepolis-Artikel kritisiert [13], dass postfeministische Theorien die wirtschaftlichen Bedingungen für die fortwährende Ungleichheit der formal gleichberechtigten Geschlechter ignorieren.

Es ist schön, wenn eine Gesellschaft sehr tolerant und gleichberechtigt ist. In solchen Gesellschaften sind nämlich beide Geschlechter umgänglicher und offener für neue Erfahrungen [14] - ein Persönlichkeitsfaktor, der mit Intelligenz und Kreativität zusammenhängt. Es ist auch schön, wenn jede und jeder Astronautin oder Grundschullehrer, Psychotherapeutin oder MPI-Direktor werden kann, wie sie wollen, und unabhängig von ihrem Geschlecht.

Aber das genügt nicht. Sie müssen damit auch alle dasselbe Maß an materieller Sicherheit und sozialer Anerkennung erreichen können. Erst wenn diese Utopie erreicht wäre, könnten wir akzeptieren, dass James Damore (überwiegend) recht hatte.


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[1] https://www.heise.de/tp/features/Wie-steht-es-denn-nun-mit-den-Geschlechtern-rein-wissenschaftlich-6150452.html
[2] https://www.heise.de/tp/features/Was-die-Geschlechter-koennen-sollen-und-duerfen-6150446.html
[3] https://www.nature.com/articles/548373a
[4] https://firedfortruth.com/
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30206941/
[6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30337384/
[7] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29442575/
[8] https://www.manager-magazin.de/fotostrecke/traumberufe-xing-umfrage-ueber-die-vorlieben-der-deutschen-fotostrecke-144897.html
[9] https://www.heise.de/tp/features/Peinlich-Alter-4983656.html
[10] https://www.heise.de/tp/features/Ten-Years-Gender-Pay-Gap-Mistake-Ein-Irrtum-wird-zehn-Jahre-alt-3652060.html
[11] https://www.faz.net/aktuell/finanzen/deutsche-bank-gehaltserhoehung-fuer-nachwuchsbanker-in-new-york-17447488.html
[12] https://www.akad.se/nussbaum/
[13] https://www.heise.de/tp/features/Die-Frau-als-diskursives-Konstrukt-5024426.html
[14] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ijop.12529