geschätzte Lesezeit: 6 min

Seit Beginn des Ukraine-Krieges wird wieder vermehrt über die Rolle von Lobbyist:innen und anderen offenen und heimlichen Interessenvertreter:innen Russlands diskutiert. Einer der prominentesten von ihnen ist sicher Gerhard Schröder. Im Dezember 2021 deckten „Abgeordnetenwatch“ und „Die Zeit“ auf, dass Schröder Lobbytreffen von seinem steuerfinanzierten Altkanzler-Büro organisieren ließ. Ob dazu auch Verabredungen mit russischen Unternehmen und Staatsvertreter:innen zählten, blieb unklar.

Die Internetplattform „FragDenStaat“ versteht sich als Anlaufstelle für Informationsfreiheit in Deutschland und bietet Nutzer:innen unter anderem die vereinfachte Möglichkeit, an amtliche Informationen auf Basis geltender Informationsfreiheitsgesetze zu gelangen.

Immer wieder arbeitet „FragDenStaat“ aber auch mit Medien zusammen, um an relevante Informationen zu gelangen und diese zu publizieren. Projektleiter Arne Semsrott ist selbst Journalist, auch andere Mitarbeiter:innen von „FragDenStaat“, wie etwa die Investigativjournalist:innen Aiko Kempen und Vera Deleja-Hotkooder, arbeiten journalistisch und besitzen Presseausweise.

Gericht erkennt „FragDenStaat“ nicht als Presse an

Im März hat „FragDenStaat“ daher Fragen ans Kanzleramt geschickt, das offiziell für Schröders Büro zuständig ist. Unter anderem wollte man wissen, welche Termine des Altkanzlers Schröders Büro von 2019 bis 2022 vereinbart hat, ob die Themen bekannt waren, und wenn ja, welche davon in Zusammenhang mit Energiepolitik, Gazprom, Nord Stream 2 oder Rosneft gestanden haben.

Doch weil man keine Antwort erhielt, reichte man bei Gericht einen Eilantrag auf eine einstweilige Anordnung an. Basis dafür ist die Auskunftspflicht von Behörden gegenüber der Presse. „Wir wollen erfahren, wann, wo und mit wem sich Schröder auf Kosten von Steuerzahler:innen getroffen hat“, so Arne Semsrott.

Die Pressekammer des Verwaltungsgerichts Berlin hat jedoch am 21. Juni 2022 gegen „FragDenStaat“ entschieden. Und zwar mit der Begründung, Semsrott sei trotz Journalistenausweis kein Pressevertreter.

„Vertreter der Presse, ist nur, wer deren vom Gewährleistungsauftrag des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG erfasste Funktion für den öffentlichen Meinungsbildungsprozess, mithin deren Informations- und Kommunikationsfunktion, wahrnimmt. Dieser Funktionsbezug setzt u.a. voraus, dass der Betreffende bezüglich der Publikation eines Druckerzeugnisses tätig ist; der Schutz der Pressefreiheit knüpft nach Maßgabe des weiten und formalen Pressebegriffs an das sächliche Substrat einer Publikation in gedruckter und zur Verbreitung geeigneter und bestimmter Form an.

Der Antragsteller hat nicht, insbesondere nicht ausdrücklich behauptet, geschweige denn glaubhaft gemacht, dass er bezüglich der Publikation eines Druckerzeugnisses – welches? – tätig ist. Nach eigenem Vorbringen ist der Antragsteller vielmehr für ein Internetangebot tätig. […] Unter diesen Umständen besagt und belegt auch der Presseausweis, der dem Antragsteller ausgestellt und in Kopie vorgelegt wurde, trotz seiner Bezeichnung nicht, dass der Antragsteller bezüglich der Publikation eines Druckerzeugnisses tätig ist, zumal ein Presseausweis der dem Antragsteller ausgestellten Art nicht nur Journalisten, die für Medien in Form von Druckerzeugnissen, mit anderen Worten für Presseorgane, tätig sind, sondern allen hauptberuflich tätigen Journalisten ausgestellt werden kann.“

Ja, Sie haben richtig gelesen: Ein Berliner Verwaltungsgericht beschließt im Jahre 2022, dass Presse nur dann Presse ist, wenn sie ausgedruckt werden kann, denn schließlich hat Johannes Gutenberg nicht das Internet erfunden, sondern die Druckerpresse (sic!). Da können „spiegel.de“ und „tagesschau.de“ natürlich froh sein, dass es sich bei ihnen um Telemedien-Angebote von „Presse und Rundfunk im ursprünglichen Sinn handelt“.

Im Hinblick auf „FragDenStaat“ verneint das Gericht die Offensichtlichkeit des presserechtlichen Status‘ und lehnt deshalb die einstweilige Anordnung ab.

„Ob Telemedien mit journalistisch-redaktionellen Inhalten, bei denen es sich weder um Presse noch um Rundfunk im ursprünglichen Sinn handelt, aufgrund dieser Inhalte eine von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG garantierte institutionelle Eigenständigkeit zuzubilligen ist“, sei vom Einzelfall abhängig. Weil: Die denkbare Vielfalt der Erscheinungsformen und Inhalte von bei Schaffung des Grundgesetzes noch nicht existenten Telemedien könnte dagegen sprechen […].“

Dem Urteil fehlt es an Mut

Doch der Sachverhalt ist nicht ganz so unkompliziert, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat: Da es kein bundeweites Presserecht gibt, weil dies in der Kompetenz der Länder liegt (eine Folge der Gleichschaltung der Medien mithilfe des Reichspressegesetzes im Nationalsozialismus), gelten hinsichtlich der Auskunftspflichten von Behörden gegenüber der Presse Landesgesetze. Beim Kanzleramt handelt es sich jedoch um eine Bundesbehörde. Da die Länder wiederum dem Bund und Bundesbehörde per Landesgesetz keine Pflichten auferlegen können, ergibt sich Auskunftspflicht der Bundesbehörden allenfalls unmittelbar aus Art. 5 des Grundgesetzes, der die Pressefreiheit garantiert.

Das Problem: Für reine Telemedienangebote, also auch für Webseiten, gibt es noch keine abschließende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg. Daher hat das in erster Instanz urteilende Berliner Verwaltungsgericht im Eilverfahren nur geprüft, ob es sich bei „FragDenStaat“ um Zeitung oder Rundfunk handelt – beides verneint – und den Eilantrag verworfen.
Der Berliner Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Thorsten Feldmann* kommentiert das Urteil für Übermedien wie folgt:

„Diese Entscheidung argumentiert formal nicht falsch, denn sie stellt darauf ab, dass das für Berlin zuständige Oberverwaltungsgericht ausdrücklich entschieden hat, dass die Prüfung der Frage, ob ein Telemedienangebot als Presse gewertet werden kann, einer Einzelfallprüfung im Hauptverfahren vorbehalten ist. Dennoch hätte ich mir hier ein mutigeres Urteil gewünscht und meiner Auffassung nach wäre eine solche auch möglich gewesen, ja vielleicht unter kommunikationsrechtlichen Erwägungen zwingend geboten gewesen: Denn schließlich liegt es auf der Hand, dass ‚FragDenStaat‘ eine unverzichtbare Funktion für den vom Grundgesetz bezweckten öffentlichen Meinungsbildungsprozess wahrnimmt. Diese Würdigung kommt mir persönlich hier gegenüber der formalen Frage nach einem Druckerzeugnis oder nicht deutlich zu kurz.“

Das „DE“ steht für…

Natürlich geht „FragDenStaat“ gegen das Urteil vor. In ihrer Begründung führt die Organisation unter anderem die langjährige, zum Teil preisgekrönte journalistische Arbeit von Semsrott an – und verweist darauf, dass er bereits in anderen Verfahren als Journalist anerkannt wurde. Zudem beruft man sich auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg, das ausdrücklich festgestellt habe, dass einem Auskunftsanspruch nicht entgegenstehe, „dass der Antragsteller kein in Printmedien veröffentlichender, sondern ein primär für das Fernsehen bzw. Online-Medien tätiger Journalist ist. Denn dieser Umstand ändert nichts an seiner Eigenschaft als Journalist, die ihn dazu berechtigt, sich auf das Grundrecht aus Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG für Auskünfte gegenüber der Bundesregierung zu berufen.“

Aber um der Entscheidung des Gerichts Genüge zu tun, geht man auch andere Wege. Arne Semsrott schreibt dazu: „Zwischen der Demokratie und der Autokratie steht die Druckerschwärze. Gäbe es keine gedruckten Zeitungen mehr in Deutschland, die Pressefreiheit wäre verschwunden.“ Doch: „Was das Gericht nicht wusste: Das DE in FragDenStaat.de steht für Druckerzeugnis.“

Sreenshot: „FragDenStaat“

Daher hat man sich nun entschieden, die besten Texte, die bisher erschienen sind, als Zeitung im Layout des Stils der 1920er Jahre herauszugeben. Das Druckerzeugnis werde „am Mittwoch, den 20. Juli 2022 am Bahnhof Zoo in Berlin ganz in der Nähe vom Oberverwaltungsgericht“ verteilt. Um den Anforderungen des Gerichts nach Regelmäßigkeit zu entsprechen, will man das Ganze sogar wiederholen.

Gedruckte Zeitungen mit Artikeln von "FragDenStaat"
Druck erzeugen mit einem Druckerzeugnis: „FragDenStaat“ bringt seine besten Texte in Papierform. Foto: „FragDenStaat“

Der Deutsche Journalistenverband kritisiert die Entscheidung scharf: „Das Gericht wendet wendet einen Medienbegriff aus dem 19. Jahrhundert an. Die Pressefreiheit wie auch alle Rechte von Journalistinnen und Journalisten, die sich daraus ableiten, bezieht sich nicht nur auf gedruckte Medien. Online-Portale gehören selbstverständlich auch zu den Medien, und zwar mit allen Rechten, nicht als lästige Anhängsel. Es ist zu hoffen, dass das Gericht im Hauptsacheverfahren anders entscheidet“, so Sprecher Hendrik Zörner.

Interessant ist die zukünftige Entwicklung allemal: Denn schließlich bewegt sich „FragDenStaat“ tatsächlich entlang der oft behaupteten Grenze zwischen Aktivismus und Journalismus. Die journalistische Arbeit des Portals und seiner Beteiligten ist unbestreitbar, gleichzeitig kämpft man aber natürlich auch juristisch und zivilgesellschaftlich für politische Veränderungen, wie zum Beispiel für ein auch gegenüber Bundesbehörden gültiges Bundestransparenzgesetz. Ein Journalismus-Begriff, der auf „Neutralität“ abstellt wie in dem oft zitierten (aber umstrittenen) Hanns-Joachim-Friedrichs-Satz, wonach sich Journalismus mit keiner Sache gemein macht, auch nicht mit einer guten, lässt sich damit nur bedingt vereinbaren. In einem möglichen Hauptverfahren könnte es daher auch auch darum gehen, was die aktuelle Rechtsprechung als Journalismus anerkennt.

*Offenlegung: Thorsten Feldmann hat in medienrechtlichen Verfahren bereits sowohl Übermedien als auch „FragDenStaat“ vertreten. Übermedien hat zudem mit „FragDenStaat“ bei einer Klage gegen die Brema zusammengearbeitet.

geschätzte Lesezeit: 18 min

Ausgabe 34 · Mai 2022

Diesen Artikel als PDF

Einleitung

Mit freundlicher Genehmingung von Tom

Die Fahrradergonomie beschäftigt sich mit der geometrischen Anpassung des Fahrradrahmens und der einzelnen Komponenten, um dauerhaft schmerzfreies, körperoptimiertes und kräfteschonendes Radfahren zu gewährleisten – so was nennt man auch Spaß!

Ich möchte mit diesem und zwei Folgebeiträgen aus meiner Sicht erläutern, welche grundlegenden Erklärungen zu einem korrekten Verständnis der Fahrradergonomie beitragen können.

Unter Radfahrenden gibt es eine Unzahl nicht verifizierter Ergonomiefaustregeln, die gebetsmühlenartig auch von Journalisten von Fachzeitschriften ungeprüft wiederholt werden.

Meine Erfahrungen (und somit entstandenen Theorien) beruhen auf mehreren Tausend erfolgreich durchgeführten Ergonomieberatungen jenseits des Mainstreams. Ich habe zusätzlich eine C-Trainer-Ausbildung für das Fach Eisschnelllauf und sowohl dort als auch im Langstreckenradfahren jahrzehntelange Erfahrung, die ich mit einfließen lasse. Viele meiner Kunden kommen von erfolglosen Beratungen aus anderen Bereichen und suchen bei mir Aufklärung und Hilfe. Das reicht von falsch angepassten Maßrahmen über unsinnige Sattelempfehlungen bis hin zu Rennradfahrern, die ihre Rückenschmerzen nicht in den Griff bekommen.

Seit 2003 halte ich Schulungen und Vorträge mit dem Thema Fahrradergonomie. 2006 kam die intensive Beschäftigung mit Sattelgeometrien, Formen und Eigenschaften dazu, was jetzt zu einem Forschungsvorhaben an der TU Clausthal geführt hat. Nachdem ich erste Ergonomieerfahrungen bei der Konstruktion des mitwachsenden Kinderfahrrads »Skippy« gesammelt hatte, wurde ich auch mitverantwortlich für die Ergonomieüberlegungen, die die Firma PATRIA in Bielefeld ihren Maßanfertigungen voranstellt.

Durch die Berücksichtigung von Körperwinkeln (Arbeitswinkeln) und ohne die festen Vorgaben traditioneller Längenverhältnis-Betrachtungen (»Oberrohrlänge ist das xy-fache der Beinlänge!«) kann ich mich mit meinen Beratungen auf jede Ungewöhnlichkeit einstellen und unter anderem auch die Fahrräder für kleinwüchsige, disproportionale Menschen entwerfen, die dann perfekt passen.

Übliche Vorgehensweise bei einer Ergonomieberatung

Bild 1: Nachstellung der Ausgangssituation
Geometrie und Sitzposition des vorhandenen Rades werden auf dem Velochecker nachgestellt. Es entsteht die der Fahrerin bekannte Sitzhaltung mit allen Problemen: Rundrücken, Kopf im Nacken, Schultern hochgedrückt.
Bild 2: Korrektur
Die Sitzposition wird Stück für Stück optimiert: Die Rückenmuskulatur ist aktiv, die Schultern fallen entspannt nach vorn, Rücken und Nackenlinie sind verbessert und entkrampft.
Bild 3: Ergebnis
Die gelungene Umsetzung auf dem eigenen Fahrrad.

Fahrradergonomie für Alltags- und Langstreckenfahrer hat zum Ziel, sich möglichst kräfteschonend und mit optimalem muskulärem Gelenkschutz fortzubewegen. Im Gegensatz zum Hochleistungsradsport steht nicht die maximale Spitzenleistung im Vordergrund, sondern eine bestimmte Form von Effizienz, die neben dem Radfahren auch noch die Bewältigung des Alltags gewährleisten muss.

Durch die Berücksichtigung der Arbeitswinkel werden die Gelenke geschont und muskulär unterstützt. Eine ausbalancierte Sitzposition bringt den Körperschwerpunkt aktiv zum Einsatz und trägt zur Effizienz bei.

Bild 4: Ergonomische Haltung über den Körperschwerpunkt ausbalanciert (Bewegungsstudie)

Was sind Arbeitswinkel?

Unsere Gliedmaßen bestehen aus einer Reihe von hintereinander angeordneten Gelenken, die alle einen bestimmten Bewegungsradius haben und einen begrenzten Bereich, in dem sinnvoll Arbeit geleistet werden kann. Nicht jedes Gelenk ist gleich. Das Ellenbogengelenk, mit dem wir durch Anwinkeln des Armes Lasten heben können, hat sein Leistungsmaximum, wenn es stärker als 90° angewinkelt ist. Dann kann der Bizeps (Oberarmmuskel) seine volle Kraft entfalten.

Das Kniegelenk, mit dessen Hilfe wir hohe Sprünge vollbringen können (oder kräftig in die Pedale treten können), arbeitet bei der fast vollständigen Streckung am besten. Alle Bewegungen, die stattdessen mit hoher Last bei einem Kniewinkel unter 90° ausgeführt werden, belasten die Gelenkstrukturen ungünstig und führen zu hohem Knorpelverschleiß.

Bild 5: Optimierte Beinstreckung mit aktivem Fußeinsatz

Korrekte Arbeitswinkel beschreiben den Körperwinkel, bei dem Gelenke maximale Arbeit leisten können und gleichzeitig optimal vor Verschleiß geschützt sind. Zu den Arbeitswinkeln gehören immer auch mehrere Muskelgruppen, die dafür sorgen, dass die Kraftübertragung mit Muskelspannung geschieht und nicht durch Druck (und Kräfte) auf ungeschützte Gelenkstrukturen (ungebremster Gelenkflächenkontakt).

Beispiel: Wenn ich von einem Hocker auf den Boden springe und dabei sofort mit der ganzen Sohle aufkomme, werden die Gelenkstrukturen stärker (und schmerzhafter) belastet, als wenn ich mit dem Vorfuß (Zehenspitzen) aufkomme und dabei die restliche Fußsohle erst vergleichsweise langsam und muskulär gebremst Fußbodenkontakt bekommt.

Interessanterweise beklagen viele Radfahrende, die eigentlich mehr fahren wollen, dass ihnen alle möglichen Körperteile (Handgelenk, Schulter, Nacken, Rücken) wehtun, bevor sie ihre eigentliche Leistungsgrenze erreicht haben, denn dann würden ja die radfahrspezifischen Muskeln wie Wade oder Oberschenkel schmerzen. Genau das ist der Arbeitsbereich der Ergonomie beim Radfahren: Wie kann ich das Gesamtsystem »arbeitender Körper« so im Fahrradrahmen unterbringen, dass es möglichst wenig Schmerzen und Überlastungen erfährt und dabei gute Leistung erbringt.

Da ich seit fast 20 Jahren sehr intensiv Ergonomieberatung an Alltagsradfahrern anbiete, habe ich einen ganz guten Überblick, wie der Alltagsradfahrer denkt bzw. von welchen Glaubenssätzen er geprägt ist. Viele dieser Aussagen, die nicht selten von Fachleuten wie Fahrradhändlern, Sportjournalisten, Orthopäden oder Physiotherapeuten geäußert werden, entbehren jeder Grundlage oder sind nie hinterfragt worden. Da diese Aussagen nicht dazu beitragen, dass die Menschen mehr und vor allem mit Spaß und ohne Schmerzen längere Strecken Rad fahren, sind sie ein Zeichen dafür, dass sie nicht die volle Wahrheit enthalten.

Hinzu kommt, dass der Mensch es bequem haben möchte. Und Bequemlichkeit kann z. B. bedeuten, dass man an der Ampel stehend nicht absteigen muss, sondern auf dem Sattel sitzend mit den Füßen auf den Boden kommt. Außerdem wurde diese »Anweisung« ja von früher Kindheit an eingetrichtert und durch Verkehrserziehung in der Schule noch mit offiziellem Siegel gelehrt. Warum sollte man daran etwas ändern.

Erschwerend kommt hinzu, dass einige ergonomische Regeln, die eindeutig zum schmerzfreieren und effizienteren Radfahren beitragen, als Paradox daherkommen. Da wäre der harte, schmale Sattel, der die Tretbewegung und die Auflagefläche des Gesäßes verbessert, oder der tiefe Lenker, der dafür sorgt, dass Schultern und Handgelenke nicht mehr schmerzen. Auch der Orthopäde, der bei Bandscheibenproblemen die aufrechte Sitzposition propagiert, hat in den seltensten Fällen recht, da im Gegensatz dazu der korrekt geneigte Rücken (unter Mitnahme des Beckens) die Rückenmuskulatur viel besser und physiologisch sinnvoll trainiert und gleichzeitig die geplagten Bandscheiben entlastet.

Als letztes Argument, um alles beim Alten zu lassen, kommt dann die Aussage, ich fahre doch schon immer so, oder: Die bei der »Tour de France« (TdF) sitzen doch auch krumm und tief. Die erste Aussage entkräftet der Ratsuchende schon dadurch, dass er Rat sucht. Wahrscheinlich hat er beim Radfahren Schmerzen, die nicht tolerabel sind (nach wenigen Kilometern, nur auf dem XY-Rad) oder steht kurz davor, das Radfahren ganz aufgeben zu müssen, was nicht selten einen Beratungsgrund darstellt. Bei der zweiten Aussage muss ich weiter ausholen und erklären, dass die Art und Weise und die Geschwindigkeiten, die bei der TdF gefahren werden, ganz andere Voraussetzungen brauchen als der Alltagsradfahrer, der nach 10 km Arbeitsweg noch einen Arbeitstag zu bewältigen hat und auch wieder mit dem Rad nach Hause fährt. Der Profiradfahrer hat nicht in erster Linie seine Gesundheit im Blick, sondern das Erreichen der maximalen Geschwindigkeit. Da kann ein tiefer Sattel und die damit verbesserte Aerodynamik mehr zum Tempo beitragen als eine korrekte schmerzfreie und bandscheibenschonende Rückenhaltung.

Als 2011 mein Buch »Richtig sitzen – locker Rad fahren« (an dem Titel bin ich unschuldig, das war der Wunsch des Verlages) rauskam, habe ich darin versucht, alle Zusammenhänge so sinnvoll wie möglich zu erklären. In dem Buch war aber kein Raum, noch tiefer in die Materie einzusteigen und die wirkliche Arbeitsweise und Bedeutung der Körperwinkel und der Schwerpunktlage zu erläutern. Das wäre auch nicht zielgruppengerecht gewesen, denn das Buch sollte so allgemein verständlich wie möglich informieren.

Ich habe aber das Gefühl, dass ich den wirklich Interessierten noch Erklärungen schuldig bin, und sehe in der Fahrradzukunft ein sehr gutes Medium dafür. Obwohl ich in den Vorworten aller drei Auflagen darauf hingewiesen habe, dass eine wissenschaftliche Untersuchung der von mir aufgestellten Theorien wünschenswert wäre, ist dies nirgendwo aufgegriffen worden.

Zusammenfassung

  • Das Fahren längerer Strecken im Alltag darf keine Schmerzen verursachen, vor allem nicht im Rücken, im Nacken, in den Handgelenken und den Knien.
  • Effizientes und schmerzfreies Radfahren kann man lernen, auch wenn man es jahrelang anders ausgeübt hat.
  • Es gibt scheinbare Paradoxe, auf die ich mich einlassen muss.
  • Hochleistungsradsport ist kein Maßstab für den Alltag.
  • Die Lage des Körperschwerpunkts trägt wesentlich zur Effizienz des Radfahrens bei und verbietet in den meisten Fällen eine »aufrechte Sitzposition« (was sich viel schlimmer anhört, als es ist).
  • Korrekte Arbeitswinkel für alle Gelenke sind ein Muss. Arbeitswinkel sind für jeden einzelnen Körper absolute Größen und erlauben keine großen Abweichungen. Die Toleranzbereiche für den jeweiligen Körperabschnitt liegen erfahrungsgemäß im Bereich von 1–2 cm. Daher fordert jeder Körper für sich genau eine Sitzposition zum effektiven Radfahren, wobei es letztendlich egal ist, auf welchem Rad sie eingenommen wird. Vorausgesetzt, das Ziel ist die Bewältigung längerer Strecken und nicht die Fahrt zum Bäcker oder zur nächsten Eisdiele.

Die Anforderungen im Einzelnen, die ich in drei Teilen im Laufe des Jahres erklären werde:

  • Teil 1: Der Antrieb von der Fußspitze bis zum Hüftgelenk
    • Ich trete mit dem Fußballen auf dem Pedal
    • Ich fahre mit angehobener Ferse/leicht gestrecktem Fußgelenk
    • Im tiefsten Punkt ist das Bein dabei fast gestreckt.
    • Die Kurbellänge passt zu meiner Beinlänge.
    • Die maximale Kurbellänge (in Millimetern) ist nicht größer als meine Körpergröße (in Zentimetern) (gilt nicht für disproportionierte Personen, z. B. Kleinwüchsige). Eine »zu kurze« Kurbel tut aber nicht weh.
    • In der 11-Uhr-Position (von links gesehen) ist mein Knie nicht stärker als 90° angewinkelt.
  • Teil 2: Sattelposition und Beckenstellung
    • Der Sitzrohrwinkel ist so konstruiert, dass bei optimaler und deswegen maximaler Sattelhöhe das Knielot bei waagerechter Pedalstellung nach vorne, auf Zehengrundgelenk und Pedalachse zeigt oder evtl. sogar weiter nach vorne, aber niemals dahinter.
    • Der Sattel passt zu meinem Körpergewicht und übernimmt mit der flexiblen Sattelschale die vorhandene Beckenwölbung und passt sich entsprechend an.
    • Der Sattel ist so schmal, dass ich ohne nach vorne zu rutschen mit den Oberschenkeln bequem an der Sattelflanke vorbeikomme.
    • Der Sattel wird nicht mit den Sitzbeinhöckern und auch nicht mit dem Steißbein belastet, sondern das Becken liegt mit der gesamten Unterseite (Schambeine und Schambeinbogen) auf. Der Sattel verschwindet bestenfalls vollständig unter dem Fahrer und der hintere Bereich ist nicht zu sehen (hängt von der Sattelkonstruktion ab).
    • Der Sattel ist mit der Sattelnase leicht nach unten geneigt.
    • Der nach vorn geneigte Rücken hat seine natürliche Doppel-S-Form und stellt die Verlängerung der Beckenachse dar. Es gibt keinen Rundrücken. Die Lendenlordose ist aktiv. Die leicht angespannte Bauchmuskulatur verhindert ein »Durchhängen«.
  • Teil 3: Bedeutung der Oberkörperhaltung und der erforderlichen Lenkerhöhe (bzw. -tiefe)
    • Der Abstand zwischen Sattel und Lenker ist so groß, dass ein rechter Winkel zwischen Oberarm und Oberkörper entsteht.
    • Die aufkommenden Stützkräfte werden in die starke Schulter- bzw. Brustmuskulatur, die seitlich der Brustwirbelsäule liegt, geleitet (und nicht in den Nackenbereich).
    • Die Rückenneigung ist so ausbalanciert, dass der Körperschwerpunkt über dem antreibenden Pedal liegt und sehr wenig Stützkräfte notwendig sind. Bei voller Pedallast würden fast keine Stützkräfte auf Sattel und Lenker entstehen (it’s like flying over the bike).
    • Die Lenkerhöhe ist so niedrig, dass bei ausbalancierter Rückenhaltung die Arme locker Richtung Lenker zeigen und die Schulter abfällt. Ein Hochdrücken der Schulter ist nicht nötig. Die Arme haben genug Platz.
    • Die Lenkerbreite ist etwas größer als die Schulterbreite, die Arme liegen nicht parallel, sondern öffnen sich leicht.
    • Der Lenker ist gerade und bietet durch ergonomische Griffe eine maximale Auflagefläche, die die Handgelenke stützt. Ein Rennlenker bietet noch mehr Vorteile für die ergonomische Haltung.

Der Antrieb von der Fußspitze bis zum Hüftgelenk

Der Vorfuß, oder vordere Fußballen, sollte ungefähr mit dem Zehengrundgelenk über der Pedalachse auf das Pedal gesetzt werden. Gleichzeitig soll beim Treten in (fast) jeder Position die Ferse leicht angehoben sein.

Bild 6: Beinlänge mit Fußlänge und Beckenkippung ergänzt

Dadurch ist die effektive Beinlänge um ein Drittel der Fußlänge ergänzt. Die dadurch entstehende effektive Beinlänge unterscheidet sich von der »Innenbeinlänge«, indem nicht nur die Länge des Oberschenkels und des Unterschenkels berücksichtigt wird, sondern auch der teilweise gestreckte Fuß, der dadurch zu einem Teil der Beinlänge wird. Der Antrieb des Radfahrenden geschieht in erster Linie durch die Beinstreckung. Das entspricht ziemlich genau der Bewegung, wie man sie beim Eisschnelllaufen beobachten kann. Eisschnelllaufen und Radfahren sind von ihrem muskulären Anspruch sehr, sehr ähnlich. Nicht nur, dass die Eisschnellläufer das Radfahren grundsätzlich als Trainingsmethode in eisfreien Zeiten nutzen, es gab sogar Olympiateilnehmer, die bei den Winterspielen auf dem Eis teilnahmen und bei den Sommerspielen sich im Radfahren Medaillen holten. Eine wesentliche Neuerung im Eisschnelllaufen waren vor über 20 Jahren die sogenannten Klappschlittschuhe. Der Schuh konnte wie beim Skilanglauf von der Kufe wegklappen. Der Fuß wurde gestreckt (und ergänzte die effektive Beinlänge) und die Kufe blieb auf dem Eis und konnte Vortrieb erzeugen. Damit purzelten die Rekorde.

Die effektive Beinlänge wird auch noch über die Beckenstellung beeinflusst. Wenn das Becken senkrecht auf dem Sattel steht (und die Sitzbeinhöcker unnötigerweise als Einzige belastet sind), ist das obere Ende des Oberschenkelknochens in seiner Hüftgelenkpfanne am weitesten von der Satteloberfläche und vom Pedal entfernt. Die effektive Beinlänge ist dadurch verkürzt. Wird das Becken nach vorne geneigt, wie es ergonomisch sinnvoll ist, wandert das Hüftgelenk weiter nach unten und die effektive Beinlänge nimmt zu. Das Ganze ist nur dann sinnvoll, wenn die Sattelhöhe dabei diesem Längengewinn angepasst wird. In der Regel liegt die Sattelhöhe dann 6–15 cm über der einfachen Innenbeinlänge (hängt von der Schuhgröße und von der Beckengeometrie ab). Die optimale Sattelhöhe ist dann erreicht, wenn bei der o. g. Haltung (Fußballen auf dem Pedal, Ferse angehoben, Becken gekippt) das Bein bei tiefster Pedalstellung nicht ganz durchgestreckt ist, was normalerweise dann auch keiner macht.

Einen zu hohen Sattel merkt man, einen zu tiefen in der Regel nicht.

Wer allerdings seine maximale (und somit optimale Höhe) kennt, wird erfahrungsgemäß nie wieder davon abweichen und jede zu tiefe Abweichung wieder nach oben korrigieren.

Bild 7: Beinstreckung mit einem Meterstab kontrollierbar. Die Verlängerungslinie vom Oberschenkel kommt sehr nahe an die Fußspitze heran.

Warum das Ganze? Es ist doch viel praktischer und bequemer, mit dem Fuß den Boden zu erreichen und dabei auf dem Sattel sitzen bleiben zu können!

Solange wir Fahrräder fahren, die 170 mm lange Kurbeln oder längere haben (was bei 99 % der Fall sein dürfte), brauchen wir die maximale effektive Beinlänge, um in der Nähe des oberen Todpunktes im Kurbelkreis (11-Uhr-Position) einen Kniewinkel von 90° nicht zu unterschreiten.

Bild 8: Ab der 11-Uhr-Position sollte der Kniewinkel immer größer als 90° sein.

Noch mal: Wenn die Pedalkurbel von links gesehen in der 11-Uhr-Position steht (Kurbel zeigt leicht nach vorne), können schon 40 % der Maximalkraft eingeleitet werden. Biodynamisch wird das oft als Startpunkt der Krafteinleitung angenommen. Wenn bei diesem Kraftakt das Knie zu stark gebeugt ist, nämlich unter 90°, treten erhebliche Kräfte senkrecht zur Kniescheibe auf, die die Knorpelflächen zerstören können und es auch tun. Wenn man es merkt, ist es meistens zu spät. Man kann eigentlich immer davon ausgehen, dass Radfahrende, die Knieschmerzen haben, entweder zu tief sitzen oder zu lange Pedalkurbeln fahren (oder beides). Wenn man auf dem Sattel sitzend mit den Fußspitzen den Boden berühren kann, sitzt man schon fast 10 cm zu tief, denn diese Haltung sollte ja eigentlich auf dem Pedal stattfinden. Das Pedal ist aber im tiefsten Punkt immer mindestens 10–11 cm vom Boden entfernt, sonst würde das Pedal in der Kurve aufsetzen, wenn es in der unteren Position ist. Vorgeschrieben ist, dass man mindestens 25° Seitenneigung bei unten stehendem Pedal fahren können muss. Das erzeugt die genannte Mindesthöhe. Bei Mountainbikes mit Federungssystemen oder E-Bikes mit Mittelmotor können das auch mal 5–8 cm mehr sein.

Man könnte jetzt annehmen, dass sehr große Menschen (>190 cm), die eine Beinlänge von 95–100 cm haben, bei normalen 170er-Kurbeln das Problem nicht haben. Der Pedalhub (Abstand von der tiefsten zur höchsten Pedalstellung) mit seinen 34 cm macht bei ihnen nur einen Bruchteil der Beinlänge aus. Ganz im Gegensatz zu einer kleinen Person, die vielleicht gerade mal 70 cm Innenbeinlänge hat. Der Kniewinkel sollte also theoretisch bei großen Menschen deutlich größer ausfallen und dann nicht mehr im kritischen Bereich liegen.

In einer kleinen Messreihe habe ich folgendes Experiment gemacht. Meine Probanden, die Schüler des Meister-Vorbereitungskurses in Frankfurt, wurden auf dem Velochecker (verstellbarer Messbock von PATRIA mit 170er-Kurbel) in der Sattelhöhe so eingestellt, wie es der landläufigen Meinung entsprach: Ferse auf unten stehendes Pedal, dabei das Bein durchgestreckt. Mit dieser Sattelhöhe wurde dann der Kniewinkel in der 11-Uhr-Position gemessen und selbst die »ganz Langen« konnten die 90° dabei kaum überschreiten, der kleinste Proband hatte dabei einen Kniewinkel von knapp 70°. Ursache war die Schuhgröße! Sobald mit angehobener Ferse gefahren wurde und das Bein seine effektive Länge ausnutzen konnte, war der Sattel immer viel zu tief, denn bei den sehr großen Teilnehmern musste man auch mit einer großen Schuhgröße rechnen. Die Gegenprobe haben wir auch gemacht: Fußballen auf unten stehendes Pedal, Ferse angehoben, Bein fast gestreckt. Fast alle Probanden konnten dabei in der 11-Uhr-Position die 90° überschreiten, nur der, der vorher bei 70° war, lag noch etwas drunter. Der wäre ein Kandidat für eine kürzere Kurbel.

Bild 9: Kniewinkelmessung nach unterschiedlichen Sattelhöhenregeln

Eine einfache Grundregel für die Kurbellänge lautet: Die Kurbellänge darf die Körpergröße in Millimetern nicht überschreiten. Für eine 170er-Kurbel sollte man also mindestens 1,70 m groß sein. Natürlich hängt die Kurbellänge dann noch von den Proportionen des Radfahrenden ab. Sind diese sehr verschoben (langer Oberkörper, kurze Gliedmaßen), gilt ungefähr ein Fünftel der Beinlänge oder ein Sechstel der Sitzhöhe als Maß für die Kurbellänge. Grundsätzlich ist es gesünder, eher kürzere Kurbeln zu fahren.

Warum fährt man dann nicht einfach mit der Ferse oder mit dem Mittelfuß, dann braucht man doch die hohe Sattelhöhe gar nicht, denn das Bein ist effektiv kürzer? Genau das ist die klassische Ausweichbewegung, die man überall beobachten kann, wo mit zu tiefen Sätteln gefahren wird. Im Leistungssport, wo Systempedale verwendet werden, ist es dann das Nach-unten-Durchdrücken der Ferse, weil die Fußposition sich ja nicht verändern lässt.

Beim Radfahren ist dem Körper sehr viel daran gelegen, die maximale Beinstreckung zu erreichen, auch wenn andere Strukturen darunter leiden könnten. Hier kommt ein wichtiger Arbeitswinkel ins Spiel: Die maximale Kraftentfaltung bei der Beinstreckung findet in den höheren Winkelbereichen statt, bis kurz vor der größten Streckung bei ca. 170°. Um das ausnutzen zu können, wird instinktiv eine Haltung eingenommen, die das ermöglicht. Ist der Sattel zu niedrig eingestellt, wird die Fußlänge eingespart (Mittelfußtreten, Fersentreten) oder der Sattel wird sehr weit hinten belastet oder weit nach hinten geschoben. Dadurch entsteht ein flacherer effektiver Sitzrohrwinkel und der Abstand zum Pedal verlängert sich. Die Nachteile, die durch den flachen Sitzrohrwinkel entstehen, werde ich später erläutern.

Wird mit Systempedal (Vorfuß ist durch Klicksystem auf dem Pedal fixiert) und zu tiefem Sattel gefahren, kann man beobachten, dass die Ferse sehr oft tief nach unten gedrückt wird, um die Beinstreckung zu erreichen. Dabei kommt es typischerweise zur Überlastung der Achillessehne.

Es gibt noch einen wichtigen Aspekt für das Treten mit dem Vorfuß/Fußballen, und der betrifft das Kniegelenk. Das Kniegelenk ist kein einfaches Scharnier, was auf- und zuklappt, sondern es hat schräge Gelenkflächen, sodass die schlichte Beugebewegung gleichzeitig eine Taumelbewegung des Knies erzeugt, wenn dieses angewinkelt und wieder gestreckt wird. Von vorne gesehen beschreibt die Knieschiebe dabei eine in der Senkrechten gestreckte Acht. Die anderen beiden Gelenkpunkte, die das Knie einrahmen, sind das Fußgelenk und das Hüftgelenk. Das Hüftgelenk hat genug Freiheit in seiner Beweglichkeit und stört die notwendige Bewegung des Kniegelenks nicht wesentlich. Anders ist das beim Fußgelenk (Sprunggelenk). Der Fuß wird ja durch das Pedal zu einer Bewegung »gezwungen«, die sich in einer festgelegten senkrechten Ebene abspielt. Wenn dabei der Vorfuß auf dem Pedal steht, kann das Sprunggelenk die notwendige Gegenbewegung für das Knie anbieten, denn das Sprunggelenk ist dann frei. Wenn mit dem Mittelfuß oder mit der Ferse getreten wird, ist das Sprunggelenk in seiner Bewegung stark eingeschränkt und kann dem Knie nicht den notwendigen Ausgleich der Taumelbewegung ermöglichen. Die Folge sind Knieschmerzen und möglicherweise Entzündungen der Bandstrukturen.

Runder Tritt oder paddeln?

Der Fuß sollte während des gesamten Trittvorgangs in einer möglichst ruhigen und weitgehend angehobenen Position bleiben, das spart Kräfte. Bei mir wird nicht »gepaddelt«. Paddelbewegungen sind starke Auf-und-ab-Bewegungen während eines Tretvorgangs. Sie entstehen, wenn der Körper immer versucht, an verschiedenen Stellen eine Beinstreckung zu erzeugen, wo ihn die Sattelhöheneinstellung dran hindert (z. B. Absenken der Ferse am tiefsten Punkt). Viele verwechseln Paddeln mit dem runden Tritt. Beim runden Tritt ist die Winkelgeschwindigkeit in jedem Bereich der Kurbelumdrehung möglichst gleich oder gleichmäßig.

Bei vielen Radfahrenden kann man eine starke, sich absenkende Fußbewegung beobachten, wenn das Pedal nach vorne unten bewegt werden soll (maximale Krafteinleitung von 11 Uhr bis 9 Uhr bzw. auf der anderen Seite von 13 bis 15 Uhr). Dieses Absenken entsteht durch mangelnde Muskelspannung (Kraft!) in Wade und Fußmuskulatur. Um die Antriebskräfte gelenkschonend zu übertragen, sollte Muskelspannung vorhanden sein. Fehlt diese, werden die knöchernen Strukturen so lange aufeinander zubewegt, bis der direkte Kontakt von Knochen zu Knochen die Kraft übertragen kann (hohes Verschleißrisiko). Dabei kommen die Gelenkflächen von Unterschenkel und Fußgelenk, also das obere Sprunggelenk, in fast ungeschütztem Kontakt zu nah aufeinander.

Das typische und ergonomisch nicht sinnvolle Absenken der Ferse zwischen 11- und 9-Uhr-Position stoppt die Pedalbewegung oder verlangsamt sie deutlich, weil ja erst mal die Bewegung der Ferse erfolgt. Danach dauert es, bis der Fuß die Position wieder eingeholt hat und weiter tritt. Übertriebene Fußbewegungen wurden in den 1990er Jahren gerne propagiert (Fußposition immer im richtigen Winkel zur Kraftrichtung). Bei Systempedalen ist eine angehobene Ferse von Vorteil, weil der Übergang von der »Nach-unten-Drück-Bewegung« zur »Nach-oben-Zug-Bewegung« keine Veränderung der Fußstellung mit sich bringt und übergangslos ohne Verzögerung funktioniert. Die einfachste und sicherste Methode, die Fußfehler zu verhindern, ist eine hohe Trittfrequenz. Bei Frequenzen zwischen 80 und 100 Umdrehungen pro Minute kann man sich keine unnötigen Bewegungen erlauben.

Ein Beispiel zum Verständnis der Fußstellung: Wenn man eine lange Treppe (z. B. die Kapitol-Treppe) in einem zügigen Tempo, mit einer dem Radfahren ähnlichen Frequenz hochlaufen müsste, würde man den Fuß immer in der angehobenen Position behalten, weil ein ständiges Absenken der Ferse unnötig viel Kraft kosten würde.

Logischerweise müsste jetzt noch die Betrachtung des Knielots und des Sitzrohrwinkels anschließen. Diese beiden Punkte haben aber mehr mit der Schwerpunktlage des Oberkörpers zu tun als mit dem Antrieb (wobei die Schwerpunktlage selbstverständlich einen wichtigen Aspekt des Antriebs darstellt). Deshalb werde ich diese Punkte im nächsten Block behandeln.

geschätzte Lesezeit: 15 min

Mit eini­gen Vor­keh­run­gen las­sen sich Let’s-Encrypt-Zertifikate auch für inter­ne Net­ze nut­zen, die nicht vom Inter­net erreich­bar sind.

Zer­ti­fi­ka­te von Let’s Encrypt

Let’s Encrypt [1] bie­tet schon seit eini­gen Jah­ren kos­ten­lo­se SSL-Zer­ti­fi­ka­te für ein­zel­ne Domains an. Seit kur­zem wer­den auch Wild­card-Zer­ti­fi­ka­te aus­ge­stellt, die für alle Sub­do­mains einer Domain gül­tig sind. Wird ein sol­ches Zer­ti­fi­kat zum Bei­spiel für *.home​.kunz​.de aus­ge­stellt, gilt es auch für alle Sub­do­mains, also zum Bei­spiel auch für hinz​.home​.kunz​.de.

Damit lässt sich rela­tiv ein­fach ein Zer­ti­fi­kat gene­rie­ren, dass für alle Ser­ver im Heim-Netz gül­tig ist und nicht - wie ein selbst­si­gnier­tes Zer­ti­fi­kat - von Web-Brow­sern als unsi­cher mar­kiert wird. Die Let’s-Encrypt-Zertifikate sind aller­dings nur jeweils 60 Tage gül­tig. Des­we­gen macht es Sinn, die Erneue­rung des Home-Zer­ti­fi­kats auto­ma­tisch ablau­fen zu lassen.

Über­prü­fungs-Pro­ze­du­ren (Chal­len­ges)

Wäh­rend der Bean­tra­gung oder Erneue­rung der Zer­ti­fi­ka­te muss der Let’s Encrypt Ser­ver über­prü­fen, dass  die Domain dem Bean­tra­ger gehört oder von ihm admi­nis­triert wird. Dafür gibt es meh­re­re Mög­lich­kei­ten, unter ande­rem die web­root- und die DNS-Prozedur.

Die web­root Pro­ze­dur erwar­tet eine Sei­te mit vor­ge­ge­be­nem Inhalt im Wur­zel-Ver­zeich­nis des Web­ser­vers. Das lässt sich zwar sehr leicht auto­ma­ti­sie­ren, aber zur Über­prü­fung muss der Ser­ver vom Inter­net aus erreich­barr sein, was im Heim­netz Port­wei­ter­lei­tun­gen auf dem Inter­net-Rou­ter erfor­der­lich macht.

Bei der DNS-Pro­ze­dur muss beim DNS-Ser­ver der Zone ein TXT-Record mit vor­ge­ge­be­nem Namen und Inhalt ein­ge­stellt wer­den. Die­ser Ein­trag wird bei der Bean­tra­gung vom Let’s Encrypt Ser­ver abge­ru­fen. Dafür muss die Domain selbst nicht erreich­bar sein, was die Nut­zung für Domains in pri­va­ten Net­zen sehr ver­ein­facht. Für Wild­card-Zer­ti­fi­ka­te ist die DNS-Chal­len­ge die ein­zig mög­li­che Überprüfungs-Prozedur.

Let’s Encrypt cert­bot installieren

Zunächst muss auf einem Ser­ver im Heim­netz das Let’s Encrypt cert­bot Paket instal­liert wer­den. Bei mir ist die­ser Ser­ver ein stän­dig lau­fen­der Raspber­ry­PI mit dem Debi­an-Stretch-basier­ten NAS-Sys­tem open­me­diavault 4 (omv).

Bei Debi­an Stretch befin­det sich das cert­bot-Paket im stretch-back­ports-Repo­si­to­ry, das bei omv 4 bereits in den Paket­quel­len ein­ge­tra­gen ist.

$ sudo apt-get install certbot -t stretch-backports

Das Zer­ti­fi­kat manu­ell beantragen

Jetzt kön­nen wir cert­bot benut­zen, um das Zer­ti­fi­kat zu bean­tra­gen. Der certonly Schal­ter bewirkt, dass das Zer­ti­fi­kat nur abge­ru­fen, aber nicht instal­liert wird. Wild­card-Zer­ti­fi­ka­te wer­den nur vom acme-v02 Ser­ver aus­ge­stellt, der mit dem ser­ver Schal­ter ange­ge­ben wer­den muss. Unter -d wird die Wild­card-Domain ange­ge­ben, für die das Zer­ti­fi­kat aus­ge­stellt wer­den soll.

Da die ein­zi­ge unter­stütz­te Prü­fungs­art die DNS-Chal­len­ge ist, muss sie mit pre­fer­red-chal­len­ges dns aus­ge­wählt wer­den. Der manu­al Schal­ter gibt an, dass der TXT-Record manu­ell ein­ge­tra­gen wird. Zur Auto­ma­ti­sie­rung spä­ter mehr.

# certbot certonly --server https://acme-v02.api.letsencrypt.org/directory -d *.home.kunz.de --email webmaster@kunz.de --preferred-challenges dns --manual
Saving debug log to /var/log/letsencrypt/letsencrypt.log
Plugins selected: Authenticator manual, Installer None
Obtaining a new certificate
Performing the following challenges:
dns-01 challenge for home.kunz.de
-------------------------------------------------------------------------------
NOTE: The IP of this machine will be publicly logged as having requested this
certificate. If you're running certbot in manual mode on a machine that is not
your server, please ensure you're okay with that.
Are you OK with your IP being logged?
-------------------------------------------------------------------------------
(Y)es/(N)o: y
-------------------------------------------------------------------------------
Please deploy a DNS TXT record under the name
_acme-challenge.home.kunz.de with the following value:
dhfjknfhuioOHoihHohoioioih568_nvihUGüj87ui87
Before continuing, verify the record is deployed.
-------------------------------------------------------------------------------
Press Enter to Continue

Nach­dem man sein Ein­ver­ständ­nis mit der Auf­zeich­nung sei­ner IP-Adres­se erklärt hat, druckt der cert­bot Namen und Inhalt des TXT-Records aus, der nun beim zustän­di­gen DNS-Zonen­ver­wal­ter - bei mir FreeDNS - ein­ge­tra­gen wer­den muss. Dazu öff­nen wir ein zwei­tes Terminal.

Die Heim­netz-Domain

Als Heim­netz-Domain wird eine Sub­do­main einer offi­zi­el­len Domain benutzt. Sie wird als Sub­do­main beim glei­chen Pro­vi­der ein­ge­tra­gen, der auch für die Basis-Domain ver­ant­wort­lich ist.

Wenn man vor­hat, auch vom Inter­net aus auf Ser­ver in der Heim-Domain zuzu­grei­fen, muss man auf die Diens­te eines dynDNS-Pro­vi­ders zurück­grei­fen. Ein­zel­hei­ten beschreibt der Arti­kel DynDNS für eine eige­ne Domain ein­rich­ten.

Im fol­gen­den arbei­ten wir mit dem DynDNS-Pro­vi­der FreeDNS, auf den die Namens­auf­lö­sung bei mei­nem Domain-Pro­vi­der dele­giert wurde.

Den DNS TXT-Record erzeugen

Nach Anmel­dung bei FreeDNS wäh­len wir aus dem Menü links den Ein­trag Dyna­mic DNS aus und kli­cken im Titel der Tabel­le der DNS-Records auf Add. Als Typ wäh­len wir TXT aus. Die Domain bleibt bei home​.kunz​.de. Unter Sub­do­main wird der gefor­der­te Chal­len­ge-Name und unter Desti­na­ti­on der Text in dop­pel­ten Anfüh­rungs­zei­chen eingetragen.

Nach dem Kli­cken auf Save che­cken wir per nslook­up, ob der TXT-Record schon ver­füg­bar ist, Das kann je nach TTL eini­ge Zeit dau­ern. Bei FreeDNS steht die TTL fest auf 60 Sekun­den, so dass spä­tes­tens nach etwa ein bis zwei Minu­ten der TXT-Record abruf­bar sein sollte.

$ nslookup
> set type=TXT
> _acme-challenge.home.kunz.de
Server: 192.168.1.1
Address: 192.168.1.1#53
Non-authoritative answer:
_acme-challenge.home.kunz.de text = "dhfjknfhuioOHoihHohoioioih568_nvihUGüj87ui87"

Wei­ter mit cert­bot

Jetzt kann im ers­ten Ter­mi­nal der cert­bot mit Return fort­ge­setzt werden:

Waiting for verification...
Cleaning up challenges
IMPORTANT NOTES:
- Congratulations! Your certificate and chain have been saved at:
/etc/letsencrypt/live/home.kunz.de/fullchain.pem
Your key file has been saved at:
/etc/letsencrypt/live/home.kunz.de/privkey.pem
Your cert will expire on 2018-09-30. To obtain a new or tweaked
version of this certificate in the future, simply run certbot
again. To non-interactively renew *all* of your certificates, run
"certbot renew"
- If you like Certbot, please consider supporting our work by:
Donating to ISRG / Let's Encrypt: https://letsencrypt.org/donate
Donating to EFF: https://eff.org/donate-le
#

Geht alles gut, lie­gen am Ende Schlüs­sel­da­tei und Zer­ti­fi­kat unter /etc/letsencrypt/live/home.kunz.de und kön­nen direkt ver­wen­det werden.

Das Zer­ti­fi­kat in omv nutzen

Um das Zer­ti­fi­kat für open­me­diavault ver­füg­bar zu machen, wählt man im omv-Menü Zer­ti­fi­ka­te aus, klickt auf den SSL Tab und wählt unter Hin­zu­fü­gen den Ein­trag Impor­tie­ren aus. Unter Pri­va­ter Schlüs­sel wird der Inhalt von privkey.pem und unter Zer­ti­fi­kat der Inhalt von fullchain.pem ein­ge­tra­gen. In’s Kom­men­tar­feld gehört eine mög­lichst ein­deu­ti­ger Text, um das Zer­ti­fi­kat spä­ter iden­ti­fi­zie­ren zu können.

Zuletzt wählt man unter All­ge­mei­ne Ein­stel­lun­gen bei Siche­re Ver­bin­dung das neue Zer­ti­fi­kat aus und sichert die Einstellungen.

Ab jetzt soll­te der Brow­ser die omv-Sei­te als Sicher mar­kie­ren, wenn sie mit dem voll­stän­di­gen Namen, also zum Bei­spiel mit omv​.home​.kunz​.de,  auf­ge­ru­fen wird.

Die­ses Zer­ti­fi­kat kön­nen alle Ser­ver mit einer Sub­do­main unter home​.kunz​.de  benut­zen; sie wer­den dann eben­falls als Sicher eingestuft.

Auto­ma­ti­sie­rung der DNS-Challenge

Das Über­prü­fungs­ver­fah­ren der DNS-Chal­len­ge kann mit einem Script auto­ma­ti­siert wer­den. Der manu­al-auth-hook [2.1] wird auf­ge­ru­fen, bevor die Über­prü­fung der Chal­len­ge statt­fin­det. In die­sem Script muss der gefor­der­te TXT-Record beim DNS-Pro­vi­der erzeugt werden.

Für eini­ge, vor­wie­gend ame­ri­ka­ni­sche DNS-Pro­vi­der exis­tie­ren vor­de­fi­nier­te auth-Scripts [2.2]. Für alle ande­ren muss man das Script selbst erzeu­gen. Die nöti­gen Wer­te wie Name und Inhalt des TXT-Records wer­den vom cert­bot als Umge­bungs­va­ria­blen über­ge­ben [2.1]. Uns inter­es­siert im Moment ledig­lich die Varia­ble CERTBOT_VALIDATION, in der der erfor­der­li­che Inhalt des TXT-Records über­ge­ben wird.

Bei FreeDNS [3] kann der Inhalt eines bestehen­den TXT-Records mit fol­gen­dem CURL-Kom­man­do geän­dert werden:

curl -b "dns_cookie=XXXXXXXXXX" -d "type=TXT" -d "subdomain=_acme-challenge" -d "domain_id=0000" -d "data_id=0000" -d "address=%22some_text%22" https://freedns.afraid.org/subdomain/save.php?step=2

Die Varia­blen data_id, domain_id und dns_cookie müs­sen aus der FreeDNS Web-Sei­te abge­le­sen werden:

  • Die data_id fin­det man unter dem Menu­ein­trag Sub­do­mains im Link zum edi­tie­ren des TXT-Records.
  • Die domain_id steckt auf der glei­chen Sei­te im add Link hin­ter der Basis-Domain.
  • Den Inhalt des DNS-Coo­kies kann man aus dem dns_cookie für freedns​.afraid​.org ablesen
    (Bei Chro­me: chrome://settings/cookies/detail?site=freedns.afraid.org).

Hat man alle Anga­ben zusam­men, kann man die Funk­ti­on zunächst auf der Kom­man­do­zei­le prü­fen. Im Erfolgs­fal­le erzeugt curl dabei kei­ne Aus­ga­be, son­dern kehrt Kom­men­tar­los zum Prompt zurück. Mit nslook­up kön­nen wir nach ein bis zwei Minu­ten prü­fen, ob der TXT-Record auch pro­pa­giert wird:

# nslookup -type=TXT _acme-challenge.home.kunz.de
Server: 192.168.2.1
Address: 192.168.2.1#53
Non-authoritative answer:
_acme-challenge.home.kunz.de text = "some_text"

Das curl Koman­do ste­cken wir nun in das Script freedns​-txt​.sh, dass der cert­bot dann als manu­al-auth-hook benut­zen kann:

#!/bin/bash
#
dns_cookie="xxxxxxxxxxxx"
domain_id="0000"
data_id="0000"
ttl=60
#
curl -S -b "dns_cookie=$dns_cookie" -d "type=TXT" -d "subdomain=_acme-challenge" -d "domain_id=$domain_id" -d "data_id=$data_id" -d "address=%22$CERTBOT_VALIDATION%22" https://freedns.afraid.org/subdomain/save.php?step=2
sleep $ttl

Der Schal­ter -S (oder --silent) bewirkt, dass curl kei­ne Fort­schritts­an­zei­ge, wohl aber Feh­ler­nach­rich­ten aus­gibt. Am Ende war­tet das Script, bis die TTL des (alten) DNS-Ein­trags abge­lau­fen ist, was bei FreeDNS nach 60 Sekun­den geschieht.

Auto­ma­ti­sche Zertifikats-Erneuerung

Das renew-Kom­man­do des cert­bot wird für einen Test mit dem Pfad zu obi­gem Script ergänzt und mit --dry-run getestet:

# certbot renew --manual-auth-hook=/root/freedns-txt.sh --dry-run
Saving debug log to /var/log/letsencrypt/letsencrypt.log
-------------------------------------------------------------------------------
Processing /etc/letsencrypt/renewal/home.kunz.de.conf
-------------------------------------------------------------------------------
Cert not due for renewal, but simulating renewal for dry run
Plugins selected: Authenticator manual, Installer None
Renewing an existing certificate
Performing the following challenges:
dns-01 challenge for home.kunz.de
Waiting for verification...
Cleaning up challenges
-------------------------------------------------------------------------------
new certificate deployed without reload, fullchain is
/etc/letsencrypt/live/home.kunz.de/fullchain.pem
-------------------------------------------------------------------------------
-------------------------------------------------------------------------------
** DRY RUN: simulating 'certbot renew' close to cert expiry
** (The test certificates below have not been saved.)
Congratulations, all renewals succeeded. The following certs have been renewed:
/etc/letsencrypt/live/home.kunz.de/fullchain.pem (success)
** DRY RUN: simulating 'certbot renew' close to cert expiry
** (The test certificates above have not been saved.)
-------------------------------------------------------------------------------

Wenn alles wie hier funk­tio­niert, kann die­ses Kom­man­do nun in die geplan­ten Auf­ga­ben des omv ein­ge­tra­gen wer­den, damit täg­lich über­prüft wird, ob das  Zer­ti­fi­kat erneu­ert wer­den muss.

Die Ver­tei­lung und Instal­la­ti­on des Zer­ti­fi­kats kann man eben­falls auto­ma­ti­sie­ren. Mit dem deploy-hook kann man ein Shell-Script ange­ben, dass nach einer erfolg­rei­chen Zer­ti­fi­kat­s­er­neue­rung auf­ge­ru­fen wird. Da mein pri­va­ter Ser­ver-Park aber noch über­schau­bar ist, ver­zich­te ich im Moment darauf.

Fazit

Mit einem Let’s Encrypt Zer­ti­fi­kat las­sen sich mit wenig Auf­wand auch Ser­ver absi­chern, die nicht vom Inter­net erreich­bar sind. Die Zer­ti­fi­kats-Erneue­rung lässt sich auto­ma­ti­sie­ren. Damit soll­ten auch im Heim­netz die Zei­ten unver­schlüs­sel­ter Über­tra­gun­gen vor­bei sein.

Nach­trag: crontab und sys­tem trigger

Das Debi­an-Paket cert­bot ent­hält schon sowohl einen crontab-Job als auch einen Sys­tem Trig­ger, die zwei mal täg­lich ver­su­chen, das Zer­ti­fi­kat zu erneu­ern. In mei­nem Fal­le läuft das schief, weil cert­bot ledig­lich mit

certbot renew -q

auf­ge­ru­fen wird. Wegen des feh­len­den manu­al-auth-hook schei­tert die­ser Ver­such immer mit einer Feh­ler­mel­dung in /var/log/letsencrypt/letsencrypt.log.

Man kann jetzt ent­w­der den Auf­ruf von cert­bot im Ser­vice cert­bot und im crontab ändern, oder bei­de stil­le­gen und wei­ter­hin den crontab-Ein­trag im omv benutzen.

Ich habe mich für letz­te­res ent­schie­den, weil dann alle cron-Jobs an einer Stel­le über­sicht­lich über die omv Web-Ober­flä­che zu ver­wal­ten sind.

Um den crontab-Ein­trag zu ent­fer­nen, löscht man ein­fach die Datei /etc/cron.d/certbot. Ser­vice und Trig­ger wer­den mit fol­gen­den Kom­man­dos entfernt:

systemctl stop certbot
systemctl stop certbot.timer
systemctl disable certbot
systemctl disable certbot.timer​
systemctl daemon-reload

Jetzt soll­te letsencrypt.log sau­ber bleiben.

Nach­trag 2: Umzug des certbot

[26.11.2018] Vor kur­zem war der Umzug des cert­bot auf einen ande­ren Ser­ver nötig. Dazu wird auf dem neu­en Ser­ver zunächst das cert­bot Paket installiert:

apt-get install certbot

Das manu­al-auth-hook Script wird vom alten Ser­ver an die glei­che Stel­le (bei mir: /root/freedns-txt.sh) auf dem neu­en Ser­ver kopiert. Zusätz­lich kopiert man die alten Zer­ti­fi­kats­da­ten aus /etc/letsencrypt des alten Ser­vers, am ein­fachs­ten per tar-Archiv:

cd /etc/letsencrypt
tar cfv trans.tar accounts archive csr keys live renewal

Das Archiv trans.tar wird in /etc/letsencrypt des neu­en Ser­vers kopiert und entpackt:

​cd /etc/letsencrypt
tar xvf trans.tar

Falls nicht ohne­hin vor­han­den, muss noch das beim manu­al-auth-hook benutz­te curl Paket nach­in­stal­liert werden:

apt-get install curl

Jetzt kann man die Auto­ma­ti­sche Zer­ti­fi­kats-Erneue­rung wie oben beschrie­ben tes­ten und als cron-Job eintragen.


Quel­len und Links:

  1. Let’s Encrypt Home­page: let​sen​crypt​.org
  2. Cert­bot Doku­men­ta­ti­on: cert​bot​.eff​.org/​d​o​c​s​/​u​s​i​n​g​.​h​tml
    1. Pre- and Post-Validation-Hooks
    2. DNS-Plugins
  3. FreeDNS Hom­a­pa­ge: freedns​.afraid​.org

geschätzte Lesezeit: 14 min

Für vie­le Zwe­cke ist es prak­tisch, wenn man sein Heim­netz aus dem Inter­net über einen fes­ten Host­na­men errei­chen kann. Will man dafür kei­ne Sub­do­main des Dienste­be­trei­bers, son­dern eine eige­ne Domain benut­zen, erfor­dert das etwas mehr Aufwand.

Der Pio­nier DynDNS

DynDNS​.com war vor Jah­ren der Pio­nier der kos­ten­lo­sen Diens­te für die dyna­mi­sche Zuord­nung einer IP-Adres­se zu einem Host­na­men. Man benö­tigt einen sol­chen Dienst, wenn man sein Heim­netz aus dem Inter­net mit einem fes­ten Host­na­men errei­chen will, auch wenn der Inter­net-Pro­vi­der regel­mä­ßig die Ver­bin­dung trennt und eine neue IP-Adres­se für den Anschluss ver­gibt. Im Ide­al­fall über­nimmt der Inter­net-Rou­ter auto­ma­tisch die Aktua­li­sie­rung der Adres­se beim DynDNS-Provider.

DynDNS-Alter­na­ti­ven

Inzwi­schen ist DynDNS von Ora­cle auf­ge­kauft wor­den und bie­tet kei­ne kos­ten­lo­sen Diens­te mehr an. Dafür sind vie­le ande­re in die Bre­sche gesprun­gen, die gleich­wer­ti­ge oder sogar bes­se­re Ange­bo­te haben. Schwie­rig wird es aller­dings, wenn man ent­we­der kei­ne Sub­do­main des DynDNS-Pro­vi­ders, son­dern eine eige­ne Domain ver­wen­den will, oder wenn der Inter­net-Rou­ter den aus­ge­wähl­ten DynDNS-Dienst nicht anbietet.

Bei mir trifft lei­der bei­des zu. Für mein Heim­netz will ich eine von mei­ner öffent­li­chen Domain abge­lei­te­te Sub­do­main benut­zen, und der DynDNS-Dienst, der so etwas anbie­tet, wird von mei­nem Tele­kom-Speed­port-Rou­ter nicht angeboten.

Aus­wahl des DynDNS-Anbieters

Wie oben schon erwähnt, soll der DynDNS-Dienst zumin­dest für den Pri­vat­be­darf kos­ten­los sein. Das ist bei vie­len Anbie­tern mög­lich, die meist einen kos­ten­lo­sen Basis-Ser­vice neben kos­ten­pflich­ti­gen Pre­mi­um-Accounts offerieren.

Auch ein Inter­face, mit dem man die Adres­se von einem Rech­ner des Heim­net­zes aus aktua­li­sie­ren kann, bie­ten die meis­ten Pro­vi­der an.

Der Dienst­leis­ter soll aber zudem mit belie­bi­gen Domains arbei­ten kön­nen. Bei die­ser Bedin­gung fal­len lei­der die meis­ten Anbie­ter aus der Wahl, weil sie nur Sub­do­mains ihrer eige­nen Domain anbie­ten, etwa self​host​.eu oder no​-ip​.com.

Regis­trie­rung bei FreeDNS

Übrig blieb für mich der Anbie­ter FreeDNS. Nach Regis­trie­rung kann man dort in sei­nem kos­ten­lo­sen Kon­to eine belie­bi­ge Domain ein­tra­gen und über die Name­ser­ver des Anbie­ters eine über das dyndns1-Pro­to­koll dyna­misch änder­ba­re IP-Adres­se zuord­nen lassen.

Dafür legt man sich zunächst ein Kon­to bei FreeDNS an. Der Kos­ten­lo­se Star­ter-Account reicht dafür aus. Wenn man FreeDNS unter­stüt­zen will, kann man aber auch ein kos­ten­pflich­ti­ges Kon­to mit Pre­mi­um-Sup­port aus­wäh­len. Nach Absen­den des For­mu­lars und Akti­vie­rung per eMail kann man sich unter Dyna­mic DNS eine Domain ein­rich­ten, in unse­rem Bei­spiel home​.kunz​.de.

Danach wer­den auto­ma­tisch zur Basis­do­main vier Sub­do­mains (ftp, irc, mail, www) ange­legt, die alle auf die Adres­se der Basis­do­main zei­gen. Über den add Link im Tabel­len­kopf wird jetzt noch ein A Record für die Sub­do­main ein­ge­tra­gen, über die spä­ter unser Ser­vice vom Inter­net erreich­bar sein soll, etwa cloud​.home​.kunz​.de. Sie bekommt die glei­che Ziel­adres­se wie die ande­ren Subdomains.

DNS-Dele­gie­rung einrichten

Unse­re Heim­netz-Adres­se home​.kunz​.de ist jetzt zwar auf den FreeDNS-Ser­vern ein­ge­rich­tet, aber da FreeDNS nicht der Ver­wal­ter der Basis-Domain kunz​.de ist, wird sie noch nicht in’s Inter­net propagiert.

Beim Ver­wal­ter der Basis-Domain - das ist bei mir Hetz­ner - muss home​.kunz​.de als Sub­do­main von kunz​.de ein­ge­rich­tet und die Namens­auf­lö­sung an die Name­ser­ver von FreeDNS dele­giert werden.

Die Sub­do­main kann ganz nor­mal über die Web-Ober­flä­che der Kon­so­leH per Einstellungen->Konfiguration->Subdomains ein­ge­rich­tet wer­den. Auf wel­ches Ver­zeich­nis sie zeigt, ist nicht von Belang, da die Adres­se spä­ter nicht auf Hetz­ner zei­gen wird. Sie wird nach der Dele­gie­rung sogar wie­der aus de Sub­do­main-Lis­te verschwinden.

Für die Dele­gie­rung muss aller­dings die Zonen­da­tei direkt edi­tiert wer­den - die Web­ober­flä­che lässt die Erzeu­gung von NS-Records nicht zu. Die DNS-Kon­fi­gu­ra­ti­on erreicht man über Einstellungen->Konfiguration->DNS-Verwaltung. Klickt man im Kopf der Domain auf Erwei­ter­te Ansicht, prä­sen­tiert die Sei­te den Inhalt der Zonendatei.

Unter­halb der exis­tie­ren­den NS-Records fügen wir nun die Dele­gie­rung an FreeDNS mit fol­gen­den Zei­len ein:

home IN NS ns4.afraid.org.
home IN NS ns3.afraid.org.
home IN NS ns2.afraid.org.
home IN NS ns1.afraid.org.

Das dele­giert die Namens­auf­lö­sung für die Sub­do­main home an einen der vier Name­ser­ver von FreeDNS. Der Punkt am Ende der Zei­len ist übri­gens wich­tig, denn er ver­hin­dert die Suche nach den DNS-Ser­vern in unse­rer eige­nen Domain. Die Zei­le mit dem A-Record für home

home IN A <ip-address>

wird gelöscht. Mit Zone­fi­le spei­chern sichern wir die Ände­run­gen. Bis sie bei ande­ren DNS-Ser­vern wirk­sam wer­den, kön­nen eini­ge Stun­den ver­ge­hen, denn meist sind die A-Records mit einer TTL von 24 Stun­den ver­se­hen. Am bes­ten legen wir jetzt also eine Pau­se ein und arbei­ten am nächs­ten Tag weiter.

DynDNS-Cli­ent installieren

Wir benö­ti­gen jetzt noch eine Pro­ze­dur, die bei FreeDNS die IP-Adres­se für unse­re Domain aktua­li­siert, sobald sie sich geän­dert hat. Wer so glück­lich ist, einen Rou­ter zu besit­zen, der die freie Aus­wahl des DynDNS-Anbie­ters erlaubt, ist jetzt schon fast fer­tig: er muss am Rou­ter ledig­lich den DNS-Anbie­ter aus­ge­wäh­len oder Adres­se und Pro­to­koll sowie den Namen der Domain ein­ge­tra­gen. Dann mel­det sich der Rou­ter von selbst beim DynDNS-Pro­vi­der und ändert wenn nötig die Adresse.

Die Speed­port-Rou­ter der Tele­kom erlau­ben nur eine sehr beschränk­te Lis­te von DynDNS-Anbie­tern, zu der FreeDNS lei­der nicht gehört. Wir müs­sen also einen Host im Heim­netz zum DynDNS-Cli­ent machen. Bei mir soll ddcli­ent auf dem stän­dig lau­fen­den Raspber­ry­PI mit open­me­diavault lau­fen, das auf der Linux-Dis­tri­bu­ti­on Debi­an Stretch basiert.

Für Linux bie­tet sich als DynDNS-Cli­ent der bewähr­te ddcli­ent an, der unter sei­nen unter­stütz­ten DynDNS-Pro­vi­dern auch FreeDNS hat. Er ist für die meis­ten Linux-Dis­tri­bu­tio­nen als Paket ver­füg­bar. Das Debi­an-Paket wird mit dem fol­gen­den Befehl installiert:

apt install ddclient libio-socket-ssl-perl

Kon­fi­gu­ra­ti­on von ddclient

Wäh­rend der Instal­la­ti­on fragt die Pro­ze­dur schon eini­ge Para­me­ter ab. Man kann sie nach bes­tem Wis­sen beant­wor­ten, aber die Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei muss in jedem Fal­le noch­mals bear­bei­tet wer­den. Dazu öff­nen wir /etc/ddclient.conf und ändern sie auf fol­gen­den Inhalt:

# Configuration file for ddclient
#
# /etc/ddclient.conf
ssl=yes
syslog=yes
mail=<mail-address>
mail-failure=<mail-address>
protocol=freedns
use=web, web=checkip.dyndns.com/, web-skip='IP Address'
server=freedns.afraid.org
login=<freedns-account>
password='<freedns-password>'
home.kunz.de

Die Platz­hal­ter <mail-address>, <freedns-account> und <freedns-pass­word> müs­sen natür­lich ent­spre­chend ange­passt wer­den. Die Web­sei­te che​ckip​.dyndns​.com lie­fert uns unse­re eige­ne Inter­net-Adres­se, also die exter­ne Adres­se unse­res Inter­net-Rou­ters. ddcli­ent trägt die­se dann bei FreeDNS ein.

Jetzt kön­nen wir mit ddcli­ent einen Test­lauf auf der Kom­man­do­zei­le starten.

# ddclient
SUCCESS: update not necessary home.kunz.de: good: IP address already set to 1.2.3.4
#

Ein Update der Adres­se ist in die­sem Bei­spiel nicht nötig, weil sie schon kor­rekt ist. Man kann ihn aber pro­vo­zie­ren, indem man am Rou­ter die Inter­net-Ver­bin­dung kurz kappt und neu auf­bau­en lässt. Der Inter­net-Pro­vi­der weist dabei eine ande­re exter­ne Adres­se zu. Das erkennt ddcli­ent und setzt die Adres­se bei FreeDNS ent­spre­chend um.

# ddclient
SUCCESS: updating home.kunz.de: good: IP address set to 2.3.4.5
#

Der ddcli­ent läuft als Ser­vice und prüft nun regel­mä­ßig unse­re Adres­se auf Änderung.

Jetzt müs­sen nur noch die ent­spre­chen­den Port­wei­ter­lei­tun­gen am Inter­net-Rou­ter ein­ge­tra­gen wer­den. Danach kann man die gewünsch­ten Hosts vom Inter­net über die Domain home​.kunz​.de erreichen.

Inter­ne DNS-Auflösung

Will man den neu­en Ser­vice vom inter­nen Netz aus errei­chen, wür­de man über das DNS eben­so die exter­ne Adres­se des Rou­ters erhal­ten wie jeder Cli­ent aus dem Inter­net. Man wür­de also über den Rou­ter ins Inter­net gerou­tet wer­den, um dann wie­der am exter­nen Port des­sel­ben Rou­ters zu lan­den und über die Port­wei­ter­lei­tung zurück in das inter­ne Netz zu kommen.

Abge­se­hen davon, dass das natür­lich nicht viel Sinn macht, beherr­schen vie­le Rou­ter die­sen loo­p­back nicht. Beim Tele­kom Speed­port läuft man so ein­fach in einen Timeout.

Sinn­vol­ler ist es, für die inter­nen Cli­ents vom DNS gleich die inter­ne Adres­se des Ser­vice gelie­fert zu bekom­men. Das setzt aber vor­aus, dass man dem DNS-Resol­ver des inter­nen Net­zes sta­ti­sche Adres­sen „unter­schie­ben” kann. Wäh­rend das bei bes­se­ren Rou­tern mög­lich ist, muss der Speed­port auch hier passen.

Eige­ner DNS-Server…

Bleibt also nur die radi­ka­le Lösung: Statt des Speed­port wird ein ande­rer Ser­ver zum DNS-Resol­ver gemacht. Dafür bie­tet sich das NAS als stän­dig lau­fen­de Maschi­ne natür­lich an. Mit der omv-Erwei­te­rung open­me­diavault-dns­masq funk­tio­niert  das auch recht ein­fach: Erwei­te­rung instal­lie­ren und mit dem Akti­vie­ren Knopf scharf schal­ten. Bei Domain Name tra­gen wir unse­re home Domain ein, also home​.kunz​.de.

Auf der Sei­te Sta­tic Ent­ries kann man jetzt die inter­nen Adres­sen der Ser­ver unse­rer home Domain ein­tra­gen. Spei­chern wir jetzt für cloud​.home​.kunz​.de die inter­ne Adres­se ab, etwa 192.168.1.123, lan­den die inter­nen Cli­ents direkt am ent­spre­chen­den Ser­ver, wäh­rend die Cli­ents aus dem Inter­net vom DNS die exter­ne Adres­se unse­res Rou­ters gelie­fert bekommen.

Damit das funk­tio­niert, müs­sen die inter­nen Cli­ents natür­lich den neu­en DNS-Ser­ver ver­wen­den. Bei Cli­ents mit sta­ti­scher IP-Adres­se kann man den DNS-Ser­ver direkt in die Inter­face-Kon­fi­gu­ra­ti­on ein­tra­gen. Bei Cli­ents, die ihre Adres­se über DHCP erhal­ten funk­tio­niert das aber nicht.

… und eige­ner DHCP-Server

Der DNS-Ser­ver wird dem Cli­ent bei der Adress­ver­ga­be vom DHCP-Ser­ver über­ge­ben. Hat man am Rou­ter (wie beim Speed­port) kei­ne Chan­ce, die­sen Ser­ver zu ändern, muss auch ein eige­ner DHCP-Ser­ver auf­ge­setzt werden.

Glück­li­cher­wei­se ist im open­me­diavault-dns­masq Paket auch ein DHCP-Ser­ver ent­hal­ten. Er wird über die Start­sei­te des Local DNS/DHCP Diens­tes akti­viert. Bei Lea­se Net­work selek­tie­ren wir unse­re Netz­werk-Adres­se und -Mas­ke, also etwa 192.168.1.0/255.255.255.0 aus der Lis­te. Das Gate­way ist unser Speed­port-Rou­ter, also z.B. 192.168.1.1.

Unter First IP Address und Last IP Address wer­den die ers­te und letz­te Adres­se unse­res dyna­misch ver­ge­be­nen Adress­be­reichs ein­ge­tra­gen. Im Zwei­fel hilft ein Blick in die aktu­el­le Ein­stel­lung des Speed­ports - der Bereich soll­te 1:1 über­nom­men wer­den. Unter Lea­se Time kann zunächst der Stan­dard­wert ste­hen bleiben.

Als letz­tes wird unter DNS Server(s) noch die Adres­se unse­res Speed­ports ein­ge­tra­gen. Die­ser DNS-Ser­ver wird zum For­ward benutzt, wenn unser neu­er DNS-Ser­ver die Adres­se nicht selbst auf­lö­sen kann. Jetzt kann die Kon­fi­gu­ra­ti­on abge­spei­chert und akti­viert werden.

Der DHCP-Ser­ver des Rou­ters muss jetzt zwin­gend abge­schal­tet wer­den, ansons­ten wür­den die Cli­ents unvor­aus­sag­bar ihre Adres­se mal vom einen, mal vom ande­ren DHCP-Ser­ver bekom­men. Bei über­lap­pen­den Adress­be­rei­chen könn­te das sogar zur Mehr­fach­ver­ga­be von Adres­sen füh­ren und unser Netz poten­ti­ell lahmlegen.

Jeder Cli­ent, der sich ab jetzt neu mit dem Netz ver­bin­det, erhält sei­ne Adres­se und damit auch den DNS-Ser­ver vom neu­en DHCP-Ser­ver. Damit erreicht er die Ser­vices ohne den Umweg über exter­ne Adressen.

Win­dows-Cli­ents und IPv6

Bei Win­dows-Cli­ents mit sta­ti­schen Adres­sen kann man zwar auch den DNS-Ser­ver in der Inter­face-Kon­fi­gu­ra­ti­on ein­tra­gen, aber die Ein­tra­gung des IPv6-DNS-Ser­vers wird der des IPv4-Ser­vers vor­ge­zo­gen, so dass DNS-Abfra­gen wei­ter­hin beim Rou­ter lan­den wür­den. Der ein­zi­ge mir bekann­te funk­tio­nie­ren­de Work­around ist, das IPv6-Pro­to­koll für das Inter­face kom­plett abzuschalten.

Fazit

DynDNS kann ganz ein­fach funk­tio­nie­ren, wenn man mit einer vor­ge­ge­be­nen Domain zufrie­den ist und der Rou­ter den DynDNS-Pro­vi­der unter­stützt. Will man eine eige­ne Domain und/oder einen spe­zi­el­len DynDNS-Pro­vi­der ver­wen­den, ist die Sache etwas kom­li­zier­ter. Mit die­ser Anlei­tung schafft man es trotz­dem sicher.

geschätzte Lesezeit: 4 minHi zusammen,

entschuldigt erst einmal die späte Antwort. Direkt nach der Rückkehr war es hier etwas stressig und dann habe ich es einfach vergessen zu antworten.

Grundsätzlich

Die Ladesituation in Griechenland würde ich als durchwachsen bezeichnen. In den Städten gibt es relativ viele Ladestationen, zum Teil sogar (noch) kostenlos. Aber bspw. in Thessaloniki gibt es keine Probleme eine freie Ladestation zu finden.

Problematisch wird es auf der Autobahn. Gerade das Stück von Igoumenitsa nach Thessaloniki ist schwierig. Schnellladestationen waren noch relativ rar gesät und befinden sich primär in der Nähe der Städte.
Allerdings bauen aktuell einige Tankstellen (meist Avin) Ladestationen auf. Da wird sich also vermutlich einiges verbessern.
Ein großer Akku ist aber im Moment meiner Meinung nach noch ziemlich wichtig. Zumindest, wenn unterwegs keine Zwischenübernachtungen geplant werden sollen.

Unsere Tour

Fahrzeug: Hyundai Kona 64kWh Modell 2021.

Wir kamen mit der Fähre in Igoumenitsa an. Da wir von Ancona übergefahren sind und dort noch Zeit zum Laden hatten, kamen wir mit ca. 90% an.
Da die Fähre Verspätung hatte, mussten wir sowieso eine Übernachtung einplanen und haben diese ungefähr nach einem Drittel der Strecke zwischen Igoumentisa und Thessaloniki in Metsovo gemacht. Dort konnten wir kostenlos über Nacht laden, allerdings "nur" an einer normalen Steckdose in der Garage. Das Hotel (Aroma Dryos) kann ich sehr empfehlen, da der Inhaber sich sehr für Elektromobilität interessiert. Allerdings solltet ihr am besten vorher ankündigen, dass ihr laden wollt, da die Garage recht eng ist.
Am nächsten Morgen ging es weiter zur Fähre in Kavala. Dazu haben wir noch einen Stopp am Schnellader der Avin Tankstelle an der Raststätte kurz vor Thessaloniki (https://www.goingelectric.de/stromtanks ... -A2/58816/). Das hat auch problemlos funktioniert. Es ist nur etwas ungewöhnlich, dass die Ladung am Schalter gestartet werden muss. Als ich jedoch mit dem Elektroauto vor der Ladestation stand, waren direkt alle sehr interessiert und die Chefin hat direkt alle in Bewegung gesetzt um die Pylonen wegzustellen, mich einzuweisen und die Ladung zu starten. Also alles sehr vorbildlich.
Von da aus kamen wir dann relativ entspannt bis Kavala, mussten dort jedoch noch ein wenig laden, damit wir unser endgültiges Ziel auf Thassos mit einem guten Puffer erreichen konnten. In Kavala war es wieder etwas schwieriger eine Ladestation zu finden, da diese nur an Hotels waren. Allerdings gab es zumindest eine öffentlich zugängliche vor einem Hotel am Stadtrand (Egnatia City Hotel & Spa). Wir mussten uns zwar in der App registrieren und die Freischaltung der Station war etwas zickig, aber zu unserer Überraschung war der Ladevorgang sogar kostenlos.
Danach ging es mit der Fähre nach Thassos. Dort hatten wir als Ziel den Ort Potos auf der anderen Seite der Insel. Insgesamt ist die Ladesituation auf der Insel eher schlecht. Es gibt keine öffentlichen Ladestationen und die Stadtverwaltung hat mir leider auch nicht auf meine Anfrage geantwortet. Die meisten Ladestationen befinden sich in Hotels und sind häufig nur für Gäste gedacht. Am Alexandra Beach Hotel in Potos ist meines Wissens nach die einzige Ladestation die auch nicht Gäste nutzen können, wenn sie bspw. im Restaurant essen o.ä. Wir konnten allerdings zum Glück an unserem Ferienhaus (Scandia Villas) laden, sodass wir über den gesamten Zeitraum (Mitte Juni bis Ende September) immer gut mit Strom versorgt waren. Ich denke, dass es grundsätzlich kein Problem ist, an der Unterkunft zu laden, sofern eine Steckdose verfügbar ist. Die meisten Griechen, mit denen wir gesprochen haben, waren sehr interessiert was das Elektroauto anging und haben viele Fragen zu Reichweite, Ladedauer und Ladekosten gestellt. Von daher im Zweifelsfall einfach vor der Buchung anfragen, ob ihr dort Laden könnt. Wir haben am Ende unseren Aufenthalts einen kleinen Extra-Betrag für den zusätzlichen Verbrauch bezahlt, was ich durchaus fair fand und immer noch deutlich günstiger war, als der Haushaltsstrom in Deutschland.

Auf der Rückfahrt sind wir mit 100% von der Insel gestartet und sind dementsprechend relativ entspannt in Thessaloniki angekommen, wo wir noch zwei Tage verbringen wollten.
Anschließend haben wir auf dem Weg zur Fähre in Igoumenitsa noch einmal am Schnelllader bei Ioannina (https://www.goingelectric.de/stromtanks ... ina/40203/) geladen.
In Igoumenitsa gibt es zwar auch ein paar Ladestationen am Hafen, aber leider konnte uns dort niemand sagen, wie diese freigeschaltet werden. Unsere Frage beim Kiosk führte uns bis zur örtlichen Polizeistation, wo einer der freundlichen Beamten sogar noch ein wenig rumtelefoniert hat, aufgrund der Uhrzeit aber leider niemanden mehr erreichen konnte. Zum Glück hatten wir aufgrund des Ladestopps bei Ioannina noch genug Ladung im Akku um in Italien weiterzukommen. Möglicherweise werden die Stationen nächstes Jahr freigeschaltet, da sie noch sehr neu aussahen und vermutlich noch nicht eingerichtet waren.

Fazit

Insgesamt hat es bei uns gut geklappt. Vor allem durch den relativ großen Akku des Kona kamen wir gut durch. Zudem haben wir zu Beginn auch ziemlich konservativ geplant, da das Auto noch neu für uns war und zudem ziemlich schwer beladen war. Zudem ist der Verbrauch insgesamt geringer, da man aufgrund der Straßenverhältnisse und Geschwindigkeitsbegrenzungen in der Regel eine geringere Durchschnittsgeschwindigkeit hat als in Deutschland.
Es bleibt also zu sagen, dass Griechenland mit dem Elektroauto gut möglich ist, allerdings sollte vor der Fahrt doch ein wenig geplant werden und ggf. schon die entsprechenden Accounts bei den Ladeanbietern erstellt werden, um Überraschungen zu vermeiden. Außerdem war uns die PlugShare App eine große Hilfe.

Wenn ihr noch weitere Fragen habt, könnt ihr euch natürlich gern melden. Dann werde ich auch hoffentlich deutlich schneller antworten als jetzt.

Viele Grüße

David