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Studiert hat Daniel Kartmann klassisches Schlagzeug, sechs Jahre an der Musikhochschule Stuttgart bis zum Diplom. Aber eigentlich ist seine Musik der Jazz. Das freie Spielen ohne Notenblatt, mit anderen Musiker:innen interagieren, sich spontan auf Gegebenheiten einlassen, "das kann ich gut", sagt der schlacksige 46-Jährige. Und er tut dies in vielen verschiedenen Ensembles, Sunswept Sunday, The Great Boredom und Kartmann Kollektiv heißen die drei wichtigsten. "Die Improvisation ist mein Medium, fast ein Way of Life". Schon seit er denken kann. Im Nachhinein ein Glück. "Schwierige Partituren im klassischen Bereich schaffe ich oft von der Konzentration nicht mehr, das strengt meine Augen zu sehr an", sagt Kartmann. Auf dem rechten Auge hat er nur noch 20 Prozent Sehfähigkeit. Und auch, wenn er das im Alltag meist kaum noch merkt, weil das andere Auge und gute Brillen doch viel ausgleichen können, macht es sich beim Lesen bemerkbar, da fehle ihm die Ausdauer.

Bis zum 30. September 2010 war er nur ein bisschen kurzsichtig. Im Stuttgarter Schlossgarten demonstrierte er an diesem Tag mit Tausenden anderen gegen den Polizeieinsatz zur Räumung des Parks, der die ersten Baumfällungen für Stuttgart 21 ermöglichen sollte. Am Protest gegen das Großprojekt hatte er sich schon in den Wochen zuvor beteiligt. Oft mit seiner Frau und seinen Kindern, denn die Atmosphäre sei immer positiv und friedlich gewesen, auch mit der Polizei habe es nie Probleme gegeben, "das war eher so ein Miteinander".

Dann begannen die Wasserwerfer zu schießen

Ganz anders am 30. September. Die in voller Montur aufmarschierenden Beamten, deren brutales Vorgehen, der Einsatz der Wasserwerfer. "Eine Grenzüberschreitung der Polizei", nennt es Kartmann, ein einseitig gewaltsames Vorgehen gegen friedliche Menschen. Die in kurzer Zeit vielen Verletzten hätten ihn schockiert, "ich hatte das Gefühl, ich kann hier nicht weg, hier passieren Dinge, die nicht in Ordnung sind, das kann ich nicht zulassen, das ist meine Aufgabe als Bürger". Er sei vorgegangen zu den Wasserwerfern, wurde eingekesselt, die Linien verschoben sich immer wieder, dann begannen die Wasserwerfer zu schießen. Um sich vor dem Strahl zu schützen, habe er sich mit dem Rücken zu ihm gedreht, da sei ihm seine Brille runtergefallen. "Als ich sie aufheben wollte, wurde ich getroffen. Ich war komplett passiv."

Freunde fingen ihn auf, brachten ihn, weil kaum Rettungskräfte vor Ort waren, zu einem Taxi, das Kartmann in die Charlottenklinik fuhr, spezialisiert auf Augenerkrankungen. Nach einer "albtraumhaften Nacht" in der Klinik habe er am nächsten Morgen eine Zeitung in die Hand bekommen, mit dem linken Auge schemenhaft das Bild des noch viel schlimmer an den Augen verletzten Dietrich Wagner gesehen. "In diesem Moment wurde mir klar: Ich bin mit diesem Mann verbunden, bin auch Opfer", sagt Kartmann am vergangenen Montag auf der Montagsdemo gegen Stuttgart 21 (Link zum Video).

Die Ärzte in der Charlottenklinik konnten erst gar nichts tun, weil das Auge so voller Blut war. Erst nach vier Wochen wurde festgestellt, dass sich bei Kartmanns linkem Auge die Netzhaut fast komplett abgelöst hatte. Es musste sofort operiert werden. Behandlungen und Nachsorge zogen sich über Wochen hin. "Etwa drei Monate hat es gedauert, bis ich das Gefühl hatte, mein Auge hat so eine Stabilität erreicht, dass ich wieder anfangen kann zu arbeiten." Neben der verminderten Sehfähigkeit ist ihm eine Schädigung der Iris geblieben, deshalb hat Kartmann Probleme mit direkter Sonneneinstrahlung. "Aber dafür habe ich jetzt ein neues Markenzeichen, meine Mütze", sagt er und grinst. Mittlerweile vergesse er sogar manchmal, dass er hier und da Probleme habe, "darüber bin ich sehr froh und dankbar".

Dreizehn Jahre bis zur Heilung

Die körperlichen Einschränkungen, mit denen er sich arrangieren kann, sind das eine. Die psychischen Wunden, die die Verletzung und die Art, wie er sie erlitt, nach sich zieht, das andere. Er habe fast dreizehn Jahre gebraucht, "um zu überwinden, zu verarbeiten und heilen zu lassen", sagt Kartmann. Zwölf Jahre lang war er in psychotherapeutischer Behandlung. Die Zeit unmittelbar nach der Verletzung sei "die schlimmste Zeit meines Lebens" gewesen. Später wechselten sich Gefühle der Ohnmacht und der Wut ab, worunter auch seine Familie litt. Er sei in einer Lebensphase, in der seine Kinder einen starken Vater gebraucht hätten, nicht in der Lage gewesen, diese Rolle auszufüllen, sagt Kartmann. Doch vor allem seine Frau habe ihm viel Rückhalt gegeben. "Es hat schon eine Qualität, dass man als Familie gemeinsam durch so eine Situation durchgeht und zusammenbleibt." Mittlerweile habe er den Eindruck, "dass wieder eine gewisse Stabilität da ist. Und das gibt mir auch die Kraft, mich zu engagieren und aus der eigenen Isolation herauszutreten."

Das Kontext-Gespräch findet im Biergarten des Mittleren Schlossgartens statt, sehr nahe an der Stelle, wo Kartmann verletzt wurde. Wie ist es für ihn, hier zu sein, triggert ihn der Ort? Nein, eigentlich nicht, sagt Kartmann. Aber in den ersten Jahren habe er den Ort komplett gemieden.

Später dann, einige Jahre nach dem "Schwarzen Donnerstag", sei er nachts mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Stadtbibliothek hier entlang gefahren. "Auf einmal bin ich auf einen Widerstand gestoßen, es hat mich über den Lenker geschmissen, direkt auf die Schnauze", erzählt Kartmann. Er rappelte sich auf, doch nirgendwo habe es ein Hindernis gegeben. Auch am Fahrrad sei nichts defekt gewesen. "Das war schon ein bisschen spooky", sagt er, der nicht so wirkt, als hänge er übersinnlichen Deutungsmustern an. "Vielleicht war es eine Art innerer Blockade, die dazu geführt hat, dass ich einen Fehler beim Fahren gemacht habe." Aber weil es genau an diesem Ort passierte, an diesem Ort mit Geschichte, sei er so geschockt gewesen, dass er in Tränen ausbrach.

Verblasst ist auch dieser Vorfall allmählich, überwunden habe er auch nach und nach "diese Opferrolle", in der er sich anfangs nach dem Polizeieinsatz fühlte, "dieses sich klein fühlen, sich machtlos fühlen". Ein wichtiger Impuls sei da ausgerechnet der Tod von Dietrich Wagner Ende Juni und dessen Beerdigung gewesen. Zwar seien sie sich beide persönlich nie sehr nahe gewesen, doch imponiert habe ihm immer der Mut Wagners, "der noch viel schlimmer von dieser staatlichen Willkür gegen uns Demonstranten am 30.9. betroffen war". Sein Engagement gegen Stuttgart 21 und für die juristische Aufarbeitung des "Schwarzen Donnerstags". Wagner habe sich nicht nur in Stuttgart gegen Polizeigewalt engagiert, sondern sich mit Organisationen weltweit zusammengetan, sagt Kartmann, er habe die Opferrolle verlassen, um auf Dinge aufmerksam zu machen, die nicht in Ordnung seien.

Sowohl Wagner als auch Kartmann waren Nebenkläger im Stuttgarter Wasserwerferprozess, über den Kontext ausführlich berichtete und der Ende 2014 abrupt endete. So unbefriedigend die juristische Aufarbeitung des 30. September 2010 hier blieb, ein Jahr später, im November 2015, urteilte das Verwaltungsgericht Stuttgart, dass der Polizeieinsatz rechtswidrig gewesen sei. Erst nach diesem Urteil hat es für Wagner, Kartmann und andere Betroffene eine Entschädigung des Landes und eine Entschuldigung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gegeben.

Lehren aus dem Musikmachen

Die Entschädigung für Kartmann, 14.000 Euro (Wagner erhielt 120.000), war bei einer sechsköpfigen Familie "in kürzester Zeit" aufgebraucht. Und die Entschuldigung des MP habe für ihn "im Nachgang keine besondere Bedeutung" gehabt – "Kretschmann brauchte diese Inszenierung auch, um das Thema von der Agenda zu haben", sagt Kartmann. Aber "sehr wichtig" sei das Verwaltungsgerichtsurteil doch für ihn gewesen. Allein schon, um die Zweifel zu überwinden, damals irgendwie falsch agiert zu haben. "Das Urteil hat klargestellt: Es ist unser verbrieftes Recht, unsere Meinung kundzutun, unser Demonstrationsrecht wahrzunehmen." Das ist seine Bestätigung für das Zurückliegende und sein "Antrieb für weiteres Handeln". Denn mit Stuttgart 21 sei es ja nicht vorbei. "Möglicherweise sind wir jetzt an einem Punkt, wo wieder viel mehr Protest gegen das Projekt nötig ist, weil wir mittlerweile mehr wissen als damals."

Doch Kartmann will nicht bei Stuttgart 21 stehen bleiben, die Jahre nach 2010 haben seinen Blick geweitet. "Für mich war eine der wichtigsten Weiterentwicklungen im Protest die Erkenntnis, dass wir hier nicht nur ein Stuttgarter Problem haben, sondern dass wir eingebunden sind in einen globalen Missstand." An S 21 zeigten sich nicht nur exemplarisch die Folgen von globalem Kapitalismus und Profitgier. Sondern auch die zuweilen kritische Rolle der Medien, die oft enge Verschränkung mit der Politik, den Regierenden. Und entsprechend müssten sich die Bürger:innen bei viel mehr Problemen unserer Gesellschaft einmischen. Für Kartmann steht das Engagement gegen Faschismus und Neofaschismus an erster Stelle, gefolgt vom Kampf gegen Umweltzerstörung und für Klimaschutz. Und zwar nicht nur mit Instagram-Posts, sondern mit konkreten, lokalen Handlungen. Bei Klima- und Umweltschutz etwa "dem Schutz der Bäume, wie wir es im Schlossgarten gemacht haben. Weil sie die Luft in der Stadt verbessern". Eine seiner täglichen Formen des Protests sei, "einfach Fahrrad zu fahren, so oft ich kann".

Überhaupt sei es bei Protest, bei gesellschaftlichem Engagement wichtig, sich mehr auf Gemeinsamkeiten zu besinnen, findet Kartmann. Er ist Berufsmusiker, seit 2008 freiberuflich, er gibt Schlagzeugunterricht und spielt selbst in zahlreichen Formationen: "An einem Morgen in einem klassischen Ensemble in der Kirche, am nächsten Abend spiele ich im Rotlichtviertel im Jazzclub", sagt er und erzählt, wie er dabei sehr viele unterschiedliche Menschen trifft. "Ich habe in meiner fast 30-jährigen Laufbahn gemerkt: Ich komme mit allen gut klar. Es ist möglich, trotz unterschiedlicher Meinungen miteinander in Diskurs zu treten."

Die Corona-Zeit sei in dieser Hinsicht nicht gerade günstig gewesen. Jetzt sei die Zeit, sich wieder zusammenzutun, meint Kartmann. "Sich auf die Dinge zu besinnen, die Gemeinsamkeit bedeuten, ist etwas, das ich beim Musikmachen gelernt habe. Diese Erfahrung möchte ich weitergeben. Sie ist ein großer Antrieb für mich. Und für mein weiteres Handeln."

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In den letzten Monaten wurde die Frage "Brauchen wir die Linke noch?" in Artikeln ausreichender Zahl abschließend verhandelt und differenziert beantwortet. (Ergebnisse: "Nein!", "Auf keinen Fall!", "Was war nochmal 'Die Linke'?") Während wir uns alle darauf geeinigt haben, dass wir Kommunisten, Marxisten und die anderen Ungeheuer aus dem roten Sumpf nicht länger benötigen im Angesicht des neoliberal ausgestalteten Kapitalismus und seiner überwältigenden Erfolge (Klimakatastrophe, Pflegenotstand, Elon Musk), fiel eine womöglich wichtigere Debatte unter den Tisch: Wenn wir die Linken bald los sind, haben wir dann überhaupt noch Verwendung für die Konservativen? Braucht es Batman, wenn der Joker aus der Welt ist? Was macht Tom, nachdem er Jerry gefressen hat?

Aus staatspolitischer Verantwortung will man rufen: "Selbstverständlich! Wir brauchen die Konservativen! Sie müssen die Brandmauer gegen die AfD errichten!" Und das stimmt ja auch. Andererseits sind wir vermutlich gut beraten, uns in architektonischen Fragen nicht auf eine Partei zu verlassen, die den deutschen Reichstag mit dem georgischen Präsidentenpalast verwechselt.

Feierabendbiere und CDU-Stammtische

Linke und CDU sind sich im Grunde sehr ähnlich. Ein Satz, den ich schon immer mal schreiben wollte, um beide Seiten auf die Palme zu bringen. Die Schwarzen (respektive seit Kurzem: die Cadenabbia-Blauen) sind ebenfalls tief gespalten: Die einen wollen mit der AfD zusammenarbeiten, die anderen wollen die AfD-Positionen lieber ohne die AfD umsetzen. Die Union ist geteilt in Ost und Wüst.

Während Generalsekretär Carsten Linnemann in Berlin hilflos an der Parole festhält, der Unvereinbarkeitsbeschluss gelte überall, trinken CDUler und AfDler in Thüringen längst gemeinsam ihr Feierabendbier und vergleicht eine CDU-Landrätin das Konrad-Adenauer-Haus mit der SED-Parteileitung. Andreas Rödder, der als Friedrich Merzens wichtigster Berater die Partei mit seinem Grundwertekompass navigiert, plädiert derweil gelassen für den Mittelweg in den Faschismus. Er empfiehlt Minderheitsregierungen, die sich bei Bedarf, also immer, auf die Rechtsradikalen stützen.

Optisch ist die Union den ersten Schritt auf diesem Mittelweg bereits gegangen – denkt man! Doch Linnemann, der bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen CDU-Looks offenbar völlig unvorbereitet einfach eine Runde Powerpoint-Karaoke gespielt hat, erklärte dabei, dass der neue Blauton im Corporate Design der Partei keineswegs für eine Annäherung an die AfD stehe, sondern für "Vitalität, Zuversicht und Freiheit". Gehen Sie mal zu einem CDU-Stammtisch in Ihrer Gegend, da kommt Ihnen der Begriff "Vitalität" zumindest nicht als erstes in den Sinn.

Als wäre der Druck von rechts nicht hoch genug, tüfteln auch die anderen Parteien an der Überflüssigmachung der Union. Die Scholz-und-Faeser-SPD feiert die alte Seehofer-Vision von Haftlagern an den EU-Außengrenzen und Abschiebungen in Drittstaaten als neuen "Kompromiss", weil sich angeblich nur so das Europa der offenen Grenzen hätte retten lassen. Ein Kompromiss wie er im Buche steht: Ihr werdet monatelang eingesperrt oder zurück in die Wüste geschickt, dafür dürfen wir weiterhin ohne Passkontrolle an den Gardasee fahren. Wo bleibt zwischen dieser SPD und jener AfD noch Platz für die Union?

Dürftig: gegens Gendern und für Fleisch essen

Dergestalt in der politischen Knautschzone zerdrückt, krächzen die Konservativen auf der verzweifelten Suche nach einem Gewinnerthema gegen völlig egale Dinge wie Cannabislegalisierung, Vegetarismus und das ewige Gendern und palavern noch immer von christlichen Werten, als ob nicht seit mindestens 50 Jahren jede und jeder in diesem Land wüsste, dass die Christdemokraten mit der Lehre des Sozialisten Jesus Christus wirklich so gar nichts anfangen können. Überdies sind inzwischen ohnehin weniger als 50 Prozent der Deutschen noch Kirchenmitglied, und wenn wir über die letzten Jahrzehnte eines von der Union gelernt haben, dann dass wir uns hier von religiösen Minderheiten bekanntlich nicht vorschreiben lassen, wie wir zu leben haben.

Erfolg hat man mit all diesem unredlichen Unsinn nicht einmal mehr in Bayern, wo Markus Söder seit zwölf Wochen keinen Sonnenstrahl mehr abbekommen hat, weil er nur noch in Bierzelten haust und auf Instagram unter dem Hashtag #Söderisst seinen täglichen Fraß von Wurst, Schweinshaxe, Schnitzel und Fleischpflanzerl dokumentiert, was zwar den Umfragewerten seiner Partei nicht hilft, ihn persönlich jedoch zum führenden Politiker im Bereich Cholesterinwerte macht.

Auch wirtschaftspolitisch hat's die Merz-Truppe schwer: Skrupellose Politik für Reiche kriege ich bei der FDP, pragmatische Politik für Reiche bei der SPD und Politik für Reiche mit Bauchschmerzen bei den Grünen.

Zwischenfazit: Rein inhaltlich brauchen wir die Konservativen tatsächlich nicht mehr. Als politisch interessierter Mensch sind Sie davon aber wohl kaum überrascht.

Unsympathisch, aber unterhaltsam

Dennoch sagꞌ ich's frei heraus: Wir dürfen die Konservativen nicht aufgeben! Zum einen aus Unterhaltungsgründen. Allein die Comedy-Gestalten, die das sinkende Schiff noch nicht verlassen haben, sind den Erhalt der Partei wert: das unberechenbare Element Friedrich "Loose Cannon" Merz; der in Talkshows schon nach Sekunden auf 180 zischende und geifernde Linnemann; Running-Gag Amthor; Maaßen und seine alberne Brille; die schon vor Jahren erfolgreich von Großkonzernen eingeschleusten Spahn und Klöckner – die Union hat keinen einzigen vertrauenerweckenden Menschen mehr in ihren Reihen, aber schickt ihre Schützlinge nichtsdestominder selbstbewusst nach vorne. Jedes Taschentuch ist dicker als ihre Personaldecke. Man will diese Leute unter keinen Umständen im privaten Umfeld, aber man schaut ihnen gern zur Belustigung zu. Die Union ist der Mr. Bean unter den Parteien.

Zum anderen brauchen wir sie noch als Sammelbecken. Als Sammelbecken für all die Deutschen, die sich unsicher sind bei Fragen wie: Bin ich ein Nazi? Sind mir unsere natürlichen Lebensgrundlagen wichtig? Interessiere ich mich überhaupt für Politik? Bei diesen Wählergruppen hat die Union großes Potenzial, sie müsste diese Unentschlossenheit nur ganz entschieden kommunizieren.

Fazit: zum Reparieren zu kaputt, zum Wegschmeißen zu schade. Die Union ist ein Fall für die "Zu verschenken"-Kiste. Meist denkt man ja beim Rausstellen einer verblühten Habseligkeit, die könne doch niemand mehr haben wollen, und umso überraschter ist man, ist sie dann plötzlich weg.

Auch wenn es unvorstellbar scheint: Irgendwer wird sich für die Union schon noch erwärmen. In Baden-Württemberg etwa hat sich Winfried Kretschmann (Grüne) den Überresten der von ihm selbst zerschmetterten Konservativen angenommen. In Brandenburg dient sie SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke als Steigbügelhalter. Und in Thüringen, wer weiß, freut sich entweder bald die AfD – oder, und das wäre vielleicht zu kitschig, aber nicht ausgeschlossen: Der Unvereinbarkeitsbeschluss fällt, aber in die andere Richtung, und es kommt zwischen Union und der Ramelow-Linken zur Koalition der Unbrauchbaren.

Cornelius W. M. Oettle schreibt fürs "Wahrheit"-Ressort der taz, das Faktenmagazin "Titanic", "Die Anstalt" im ZDF und den Mikroblogging-Dienst X (Twitter). Außerdem arbeitet er für den EU-Abgeordneten Martin Sonneborn und veröffentlicht im November sein neues Buch "Meine Witze sind alle nur gecloud", das er zusammen mit einer Künstlichen Intelligenz geschrieben hat.

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Per einstweiliger Verfügung des Landgerichts Hamburg wurde Kontext am vergangenen Donnerstag, 21. September, ein schon beinahe stehender Begriff untersagt, den die "Bild"-Zeitung erfunden und etwa 50 Mal verwendet hat, und den wir, wie auch andere Medien, in der Folge übernommen haben. Er verbindet den medizinischen Fachbegriff für das männliche Geschlechtsteil mit einer schlichten Berufsbezeichnung. Der Kontext untersagte Begriff ist seit Monaten fester Bestandteil der Diskussion in der Landeshauptstadt rund um Andreas Renner, den ehemals ranghöchsten und nun suspendierten Polizisten Baden-Württembergs.

Für uns bedeutet das zunächst: Wir müssen zahlen. Insgesamt etwa 6.000 Euro. Nachdem wir berichtet hatten, dass wir vor Gericht gezogen worden sind, hatten bereits einige Leser:innen bekundet, uns im schlechtesten Fall zu unterstützen – nun würden wir uns freuen, wenn wir die Strafzahlung nicht alleine stemmen müssen. Hier können Sie für unsere Arbeit spenden.

Der Hintergrund: Im Juli hat Kontext einen Text unserer Kolumnistin Elena Wolf veröffentlicht ("Angepisst") über den Fall Renner, den bisher größten Polizeiskandal in der Geschichte des Landes Baden-Württemberg. Andreas Renner stand bis vor Kurzem wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung einer Untergebenen vor Gericht, und wie bei den meisten MeToo-Fällen hieß es am Ende: im Zweifel für den Angeklagten, also Freispruch – gegen den die Staatsanwaltschaft mittlerweile Revision eingelegt hat.

Kontext-Kolumnistin Wolf fand in ihrer Kolumne deutliche Worte dafür. Und verwendete den – bislang nur für Kontext – verbotenen Begriff. Renner und seine Ehefrau haben uns daraufhin unter anderem deshalb abgemahnt. Einvernehmlich Sexuelles sei der Intimsphäre zuzuordnen – über die nichts veröffentlicht werden dürfe. Das Landgericht Hamburg ist dieser Argumentation gefolgt und hat Kontext außerdem eine Reihe von konkreten Textstellen untersagt, die sich auf Umstände bezogen, die Gegenstand des (zu größten Teilen öffentlichen) Gerichtsverfahrens gegen den Inspekteur der Polizei waren.

Kontext-Anwalt Markus Köhler sagt dazu: "Das Gericht wird dem Sachverhalt nicht gerecht, wenn es auf die Intimsphäre verweist. Das Sexualverhalten des ranghöchsten Polizisten – innerhalb seiner Organisation! – muss erlaubter Gegenstand der öffentlichen Beurteilung sein, unabhängig davon, ob und aus welchen Motiven die Polizistinnen dem letztlich zugestimmt haben. In der Konsequenz würgt das Gericht diese Diskussion – aus unserer Sicht zu Unrecht – ab." Der Hamburger Beschluss könnte durchaus weiter reichende Konsequenzen haben. Wenn es wirklich nur um Renners Intimsphäre ginge, könnte sich sein Verhalten auch der Diskussion im Disziplinarverfahren entziehen. Und: Mit dem Urteil kann nun auch gegen andere Medien vorgegangen werden.

In den kommenden Tagen werden wir überlegen, wie wir mit dem Hamburger Beschluss umgehen. Eines scheint sich allerdings schon abzuzeichnen: Ohne Zeug:innen werden wir wenig Chancen haben.

Wir könnten uns allerdings vorstellen, dass die Probleme innerhalb des Polizeiapparats weit größer sind, als vor Gericht im Renner-Prozess bekannt wurde. Deshalb sind wir sehr interessiert an jeglichen weiterführenden Hinweisen zum Fall Andreas und Gabriele Renner. Wer uns Informationen zum Thema anbieten möchte, kann aus folgenden Kontaktmöglichkeiten wählen:

          Postadresse: Redaktion KONTEXT, Hermannstr. 5, 70178 Stuttgart          Einweg-Adresse für Mails: www.nervmich.net          Mail: redaktion@kontextwochenzeitung.de

Wir garantieren umfassenden Informantenschutz.

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In einem offenen Brief wenden sich Forschende gegen die sogenannte Integrierte Informationstheorie (IIT). Zentraler Vorwurf: Nicht experimentell überprüfbar.

124 Forschende haben online einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie die sogenannte Integrierte Informationstheorie (IIT) als "Pseudowissenschaft" bezeichnen. Zu den prominenten Befürwortern dieser Theorie zählt unter anderem Christof Koch [1] vom Allen Institute for Brain Science.

Nach der Integrated Information Theory [2] (IIT) kann – grob vereinfacht gesagt – in Materie Bewusstsein entstehen, wenn diese Informationen auf eine hinreichend komplexe Art verarbeitet sind. In bewussten Systemen übersteigt die Menge an Informationen, die ein System "als Ganzes‟ erzeugt, die Menge an Informationen, die von seinen einzelnen Teilen erzeugt werden. Jedem physikalischen System lässt sich laut IIT eine Bewusstseins-Maßzahl Phi zuordnen, die den Grad des Bewusstseins angibt und zwischen 0 und 1 liegt.

Das sei unwissenschaftlich, sagen die Unterzeichner des offenen Briefes, denn die Theorie lasse sich experimentell nicht überprüfen. Ungeachtet dessen werde IIT prominent in den Medien präsentiert. Damit würde sie indirekt ethische und juristische Debatten beeinflussen – sei es über Bewusstsein von KI [3], die Ethik von Experimenten mit Gehirn-Organoiden [4] oder die Diskussion um Gesetze zur Abtreibung, sagen die Kritiker der IIT.

Tatsächlich scheint einer der Auslöser für den Streit die Berichterstattung über eine Langzeit-Wette zwischen zwei prominenten Wissenschaftlern zu sein: David Chalmers und Christof Koch hatten gewettet, wer von ihnen zuerst Messergebnisse vorweisen könnte, die den Sitz des Bewusstseins im Hirn eindeutig lokalisieren – und damit auch, welche Theorie über das Bewusstsein die richtige sei. Unabhängige Labore führten im Sommer Experiment durch, die nach zahlreichen Berichten – unter anderem auch in Nature – [5] kein eindeutiges Ergebnis zeigten. Doch die Befürworter der IIT hätten sozusagen mit gezinkten Karten gespielt, erklärt einer der Initiatoren des Briefes, Hakwan Lau vom RIKEN Center for Brain Science in einem ergänzenden Aufsatz [6] auf der Preprint-Plattform PsyArxive. Damit hätten sie in der Öffentlichkeit ein falsches Bild erzeugt.

"Im umgangssprachlichen Sinn bezeichnet Pseudowissenschaft i) eine Reihe von wichtigen Behauptungen mit weitreichenden Auswirkungen, die ii) weder derzeit von der Wissenschaft gestützt werden, noch in absehbarer Zeit in der Zukunft (vielleicht sogar prinzipiell), und die dennoch iii) so tun, als seien sie bereits wissenschaftlich getestet und etabliert", schreibt Lau. "Pseudo bedeutet gefälscht. Für IIT ist es die drastische Diskrepanz zwischen ii und iii, die viele von uns beunruhigt. Die 'Flat Earth Theory' ist eindeutig falsch, aber wir sehen keine Artikel in Science und Nature, der New York Times, dem Economist oder New Scientist über viele Jahre hinweg erscheinen, manchmal von Autoritäten, die verkünden, dass es sich um eine führende, empirisch getestete und gut etablierte wissenschaftliche Theorie handelt."

Einer der zentralen Vorwürfe gegenüber der Theorie ist, dass sie nicht experimentell überprüfbar sei. Allerdings geht aus der IIT ein Testverfahren hervor, mit dem gemessen werden kann, ob Koma-Patienten bei Bewusstsein sind. Dabei wird aus dem EEG des Patienten der sogenannte Pertubation Complexity Index (PCI) berechnet – indem die LZW-Komplexität der Messwerte berechnet wird. Dieser Index soll darüber Aufschluss geben, ob eine Person bei Bewusstsein ist. Die Forscher, die das Verfahren entwickelten, haben einen Grenzwert von 0,31 errechnet, der 2016 bei einer Studie unbewusste und bewusste Zustände gesunder und hirngeschädigter Probanden unterscheiden konnte. Er stellt die genaueste Bewusstseinsmessung dar, die es bislang gibt.

Wie passt das zusammen? "Der PCI ist vom IIT inspiriert, aber er ist nicht das beste Beispiel (für die Überprüfbarkeit der Theorie), da der PCI keine Annäherung an Phi ist – ein Punkt, den die IIT-Leute manchmal übersehen – und die PCI-Ergebnisse auch mit anderen Theorien kompatibel sind", sagt der Bewusstseinsforscher Anil Seth, der selbst nicht zu den Verfechtern der IIT gehört. "Aber es gibt viele andere überprüfbare Vorhersagen, die sich aus IIT ergeben."

Es gäbe zur Zeit "rund 100 experimentelle Arbeiten, die mit IIT in Verbindung stehen", sagt auch Johannes Kleiner [20] vom Munich Center for Mathematical Philosophy. In ihrem Aufsatz "Falsification and Consciousness [21]" haben Kleiner und sein Kollege Erik Hoel untersucht, ob diese Experimente prinzipiell in der Lage wären die Theorie zu widerlegen – zu falsifizieren – laut dem Philosophen Karl Popper eine grundlegende Voraussetzung für Wissenschaftlichkeit. "Tatsächlich gibt es ein Problem mit der Falsifizierbarkeit der Theorie", sagt Kleiner. "Allerdings besteht dieses Problem nicht nur für IIT. Sondern, wie wir im Preprint zeigen, de facto, für jede neurowissenschaftliche Theorie des Bewusstseins. Der Grund dafür ist, dass der konzeptuelle bzw. formelle Apparat, der zu der Definition all dieser Theorien herangezogen wird, noch unvollständig ist."

"Die Frage, was Pseudowissenschaft auszeichnet, und was nicht, wird bis heute in der Philosophie der Wissenschaft untersucht [22]", ergänzt er. "Sicher ist in meinen Augen eigentlich nur, dass es sehr schwer bis unmöglich ist, zum jeweils aktuellen Zeitpunkt die Spreu vom Weizen – also Wissenschaft von Pseudo-Wissenschaft – zu trennen. Auch Theorien, die noch nicht experimentell überprüft wurden, oder vielleicht noch nicht einmal stichhaltige Vorhersagen machen, können valide Theorien sein. Sie brauchen unter Umständen einfach Zeit und Arbeit, um eine Beziehung zu Experimenten herstellen zu können. In der Physik gibt es eine ganze Reihe von Theorien, die keine testbaren Vorhersagen machen."

Es sei jedoch "gelinde gesagt, erschreckend, dass eine so große Zahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sich einem Brief anschließt, der ohne stichhaltiges Argument und ohne systematische Literaturrecherche, einer wichtigen Theorie in der Community den schwerwiegendsten Vorwurf macht, den man einer wissenschaftlichen Theorie, und den Menschen hinter dieser Theorie machen kann", sagt Kleiner. "Ich hätte dies noch vor einer Woche nicht für möglich gehalten und bin persönlich enttäuscht. Ähnlich sehen es zwei Drittel der Community [23]."

"Wissenschaft ist sowohl eine Methode als auch ein komplexes soziales Unternehmen", kommentiert Anil Seth. "Es wird immer politische Aspekte und eine übertriebene Medienberichterstattung geben. Ich denke, dass wir alle, die wir in der Bewusstseinsforschung tätig sind, mehr tun sollten, um sicherzustellen, dass unsere Arbeit so genau wie möglich dargestellt wird, ohne Überheblichkeit und vielleicht mit einer gewissen Bescheidenheit."

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Links in diesem Artikel:[1] https://alleninstitute.org/person/christof-koch/[2] http://integratedinformationtheory.org/[3] https://www.heise.de/hintergrund/Anzeichen-von-Bewusstsein-bei-ChatGPT-und-Co-9295425.html[4] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-Hirnforscher-die-Raetsel-des-Gehirns-entschluesseln-wollen-6225415.html[5] https://www.nature.com/articles/d41586-023-02120-8[6] https://psyarxiv.com/28z3y[7] https://www.heise.de/hintergrund/Bewusstsein-beim-Sterben-Wie-das-Gehirn-ein-letztes-Mal-aktiv-wird-9010019.html[8] https://www.heise.de/news/Umstrittene-Bilanz-fuer-das-Human-Brain-Project-9310298.html[9] https://www.heise.de/news/Musks-Neuralink-sucht-erste-Probanden-fuer-Hirn-Computer-Schnittstelle-9310539.html[10] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-eine-Biotech-Firma-Dopamin-Zellen-ins-Gehirn-einschleusen-will-9292785.html[11] https://www.heise.de/news/Neue-Rekordwerte-beim-Sprechen-per-Gehirnimplantat-mehr-als-60-Worte-pro-Minute-9284309.html[12] https://www.heise.de/hintergrund/Ein-Nickerchen-bitte-Warum-mehr-Schlaf-gut-fuer-das-Gehirn-ist-9195098.html[13] https://www.heise.de/news/Gelaehmter-Patient-kann-mit-Gehirn-Rueckenmark-Schnittstelle-wieder-gehen-9064084.html[14] https://www.heise.de/news/Brain2Music-Google-will-Musik-auf-Basis-von-Gehirn-Aktivitaeten-generieren-9243124.html[15] https://www.heise.de/news/Biomarker-im-Gehirn-fuer-Chronische-Schmerzen-entdeckt-9063132.html[16] https://www.heise.de/hintergrund/14-Hirnelektroden-gegen-Depressionen-Als-waere-mein-Hirn-wieder-normal-online-7394781.html[17] https://www.heise.de/hintergrund/Warum-die-grosse-Gehirn-Simulation-zum-Scheitern-verurteilt-sein-koennte-6226125.html[18] https://www.heise.de/hintergrund/Warum-einer-Frau-ein-lebensveraenderndes-Hirnimplantat-wieder-entnommen-wurde-9067490.html[19] https://www.heise.de/hintergrund/Neues-Gehirnimplantat-ist-fuenfmal-duenner-als-ein-Haar-9195781.html[20] https://jkleiner.de/[21] https://doi.org/10.1093/nc/niab001[22] https://plato.stanford.edu/entries/pseudo-science[23] https://x.com/JohannesKleiner/status/1704015796320509954?s=20[24] https://www.instagram.com/technologyreview_de/[25] mailto:wst@technology-review.de

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Solarpaneel
Elektroauto, das an Wohngebäude geladen wird (Bild: Supamotionstock.com/Shutterstock.com)

Nicht einmal einen Tag lang konnte man einen Antrag auf bis zu 10.200 Euro Zuschuss stellen, um das Elektroauto mit Solarstrom zu laden. Das Geld ist weg.

Trotz technischer Probleme auf dem Internetportal wurde das Förderprogramm "Solarstrom für Elektroautos" innerhalb von nicht einmal 24 Stunden komplett ausgeschöpft. Die vom Bundesverkehrsministerium bereitgestellten 300 Millionen Euro seien weg, heißt es von der Kreditanstalt für Wiederaufbau [1] (KfW), die für die Verteilung zuständig ist. In dem Förderprogramm 442 sind Zuschüsse von maximal 10.200 Euro zum Kauf und Anschluss einer Ladestation, einer Photovoltaikanlage und eines Solarstromspeichers vorgesehen. "Insgesamt wurden rund 33.000 Anträge bewilligt - trotz zwischenzeitlicher technischer Verzögerungen", erklärte die KfW der dpa.

Eigentlich hatte das zugehörige Portal der KfW am Dienstagvormittag freigeschaltet werden sollen, es war aber bereits am Morgen losgegangen. Weil die Infrastruktur dem Ansturm aber nicht gewachsen [2] war, war meine.kfw.de [3] etwa ab 8 Uhr nicht zu erreichen – der Server antwortet auf die meisten Anfragen gar nicht und die Anfrage endet im Timeout. Dort sollte man einen Account anlegen und später den Antrag einreichen. Dass das System unter der Last zusammenbricht, war überraschend – die Adresse wurde zur IP-Adresse 20.82.36.215 aufgelöst, die zu Microsoft gehört. Das Antragsportal dürfte also in einem Microsoft-Azure-Rechenzentrum liegen.

Insgesamt hat das Ministerium von Volker Wissing (FDP) für die Förderung 500 Millionen Euro bereitgestellt, 300 Millionen wurden jetzt verteilt, der Rest soll im kommenden Jahr folgen, berichtet die dpa. Antragsberechtigt sind lediglich Eigentümer oder Eigentümerinnen von Wohngebäuden, die bereits ein Elektroauto besitzen. Die Höchstfördersumme gibt es nur, wenn der Akku des Autos auch zum Entladen freigegeben wird. Der kann so als kleiner Teil einer Reserve dienen, aus dem im Bedarfsfall auch Strom zurück ins Netz fließen kann oder im eigenen Haus benutzt wird. Wissing hat angesichts des Ansturms von einem "überwältigendem Zuspruch" gesprochen. Das Förderprogramm treffe "offensichtlich genau den Nerv der Bevölkerung".

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