Article note: #urgs :-o Danke!

“Das darf doch wohl nicht wahr sein!” Wenn es eine Formulierung gibt, die den Inhalt und die Recherche zu diesem Text zusammenfasst, dann ist es dieser Satz. Uns war zwar klar, dass wir zur Kehrseite unseres Gendermedizin-Artikels von 2017 einges an Material finden würden, aber das es so viel sein würde, damit hätten wir nicht gerechnet.

Recherchiere gerade zur Pathologisierung von weiblichem Verhalten und die Liste mit Fake-Syndromen und "Krankheiten", die sich irgendwelche Dudes aus dem Arsch gezogen haben, um Frauen mundtot oder gefügig zu machen, wird immer länger.
WTF einfach.

— Nils Pickert (@pickinese) June 10, 2020

Aber der Reihe nach: Seit einigen Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft endlich mit dem Problem, dass Medizin, medizinische Produkte und Medikamente fast ausschließlich für Männer gedacht, erforscht und entwickelt wird. Dass ein Herzinfarkt bei Frauen oft völlig anders aussieht als bei Männern, sie in zu wenig klinische Studien aufgenommen werden und Medikamente bei ihnen anders wirken können, spricht sich allmählich rum und das ist gut so. Der sogenannte Gender Data Gap (also die Lücke in der Datenmenge, die über Frauen und Männer zugunsten letztgenannter herhoben wird) ist real und muss dringend geschlossen werden.
Worüber aber, wenn überhaupt, viel zu wenig gesprochen wird, ist die Tatsache, dass es eine erschreckende Anzahl von Krankheiten, Syndromen, und psychischen Verfasstheiten gibt, die sich Männer ausgedacht haben, um das ihnen nicht genehme Verhalten von Frauen zu pathologisieren, sie gefügig zu machen, zu diskreditieren oder zum Schweigen zu bringen. In unserer Alltagssprache wirkt das nach, was die Grundlagentexte zu diesem Thema von Phillys Chesler (Women and Madness) und Elaine Showalter (The Female Malady) in den 70ern und 80er Jahren beleuchtet haben: Die hysterische, verrückte, wahnsinnige Frau, deren Verhalten medizinisch problematisiert wird, obwohl es oft einfach nur den Rahmen gesellschaftlicher, um nicht zu sagen männlicher Erwartungen sprengt. Es hat einen Grund, warum Menschen, die den Klimawandel leugnen oder verharmlosen, von “Klimahysterie” (Unwort des Jahres 2019) sprechen. Die Fridays for Future Bewegung wird vor allem von Frauen angeführt und ist ihrem Protest am sichtbarsten. Und über diesen Grund müssen wir reden. Nicht nur am Beispiel der Hysterie, sondern auch an noch so manch anderem.

Stockholm-Syndrom
Ausschlaggebend für diesen Text waren die Rechercheergebnisse der australischen Journalistin Jess Hill zu ihrem Buch See What You Made Me Do über häusliche Gewalt. Hill zeichnet die Geschichte des Stockholm-Syndroms nach, die so absurd klingt, als hätte man sie sich ausgedacht.

I actually cannot believe this origin story for "Stockholm Syndrome" which is basically just a "myth invented to discredit women victims of violence by a psychiatrist with an obvious conflict of interest, whose first instinct was to silence the woman questioning his authority" pic.twitter.com/DN62JezT95

— Sarah Mohammed (@sezmohammed) April 21, 2020

Dabei ist es das Syndrom an sich, dass sich der Psychiater Nils Bejerot zunächst unter dem Namen Norrmalmstorg Syndrom ausgedacht hat. Bejerot hatte dieses Syndrom einer weiblichen Geisel als eine Art irrationale Fraternisierung mit ihren Entführern attestiert. Diese Verbindung nennt er explizit “emotional oder sexuell”. Tatsächlich war Bejerot als Unterhändler in dem völlig verkorksten Polizeieinsatz tätig, bei dem sich die Geisel Kristin Enmark unter anderem am Telefon vom damaligen Ministerpräsidenten Schwedens anhören musste, dass sie sich damit zufrieden geben müsse, vor Ort zu sterben. Nach dem Einsatz wurde Bejerot von Enmark scharf kritisiert. Was ihn dazu veranlasste, dieses Syndrom aus dem Hut zu zaubern, ohne auch nur einmal mit Enmark persönlich gesprochen, geschweige denn sie untersucht zu haben. Seitdem wurde das Stockholm-Syndrom häufig diagnostiziert, jedoch nicht von Fachleuten sondern medial – meist sensationsgierig und exploitativ. Beispielhaft dafür ist beispielsweise der Umgang mit Natascha Kampusch.

Hysterie
Der Klassiker. Die wandernde Gebärmutter ist Schuld an dem unkontrollierbaren Verhalten von Frauen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert führte der “Hysterieexperte” Jean-Martin Charcot zahlreichen Kollegen (unter ihnen auch Sigmund Freud) vor, wie es aussieht, wenn Frauen sich “wie von Sinnen” gebären.

@Fradales | Hystérie a la même étymologie que le mot utérus… pic.twitter.com/10C5Cyor3M

— Marguerite Poulin (@bcbg100) July 30, 2016

Sein erklärter “Lieblingsfall” ist dabei die 15 Jährige Augustin, die er immer wieder durch Hypnose in Trance versetzt, um den angereisten Herren seine 5 Stadien der Hysterie präsentieren zu können. Um sie begaffen zu lassen, während er sie und andere mit Elektroschocks und einer “Ovarienpresse” malträtierte.

Über die Jahre werden etwa 4000 Frauen in der Pariser Nervenheilanstalt Salpêtrière interniert. “Weibliche Hölle” nennen die Einheimischen diesen Ort und “zweite Bastille”. Die Medizin distanziert sich mittlerweile von diesem Konzept, verschwunden ist es allerdings nicht.

O Ton mein Hausarzt “Sie sind ja hysterisch, Freud hätte ihre Freude an ihnen gehabt”

Nur weil ich gelesen hab das sich 2 der medis nicht vertragen konnten und das gerne besprochen haben wollte.

— mellory nox (@MellNox) June 10, 2020

Besessenheit
Der eigentliche Klassiker. Daten zu angeblicher Besessenheit und damit verbundenen Exorzismen sind nicht leicht zu erheben, weil die katholische Kirche sie geheim hält. Aber zum einen ist Besessenheit eng mit dem Thema Hexenverfolgung verknüpft, das wir hier schon einmal näher beleuchtet haben: Knapp 80 % der etwa drei Millionen verurteilten Personen, darunter 40.000 bis 60.000 Todesopfer, waren Frauen. Und zum anderen dreht es sich bei den wenigen schließlich doch bekannt geworden Fallbeispielen fast ausschließlich um Frauen. Ob nun eine junge Polin vom Teufel besessen zu sein scheint, in Belize eine 22 Jährige bei einem Exorzismus einen Herzinfarkt erleidet, ein italienisches Mädchen unter dem Vorwand eines Exorzismus 2018 von einem Priester missbraucht wird oder die deutsche Anneliese Michel, die nicht weniger als 67 große Exorzismen ertragen musste, bevor sie 1976 an Unterernährung starb – der an Epilepsie leidenden jungen Frau hätte definitiv anders geholfen werden müssen. Und auch in anderen Religionen lassen sich Rituale identifizieren, die nach einem ähnlichen Muster ablaufen und ähnliche Folgen haben.

Piblokto
Steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe von Krankheiten, Symtomen oder Besessenheitsformen, die ganz zufällig immer dann “disgnostiziert” werden, wenn weiße Männer sich für die einheimischen Frauen der Gebiete interessieren, die sie gerade erobern oder “besuchen”. Wird auch als “arktische Hysterie” bezeichnet und fast ausschließlich auf Inuit-Frauen bezogen. Piblokto tut nur so als wäre es ein Wort aus einer Inuit-Sprache und beheuchelt Eigeninteresse mit angeblicher Neugier auf andere Menschen. Sehr vieles spricht dafür, dass Piblokto weniger ein befremdliches kulturspezifisches Phänomen ist als vielmehr eine Reaktion auf kolonialistische Besatzung und (sexualsierte) Gewalt.

False Memory Syndrom
Die “Das stimmt doch alles gar nicht, hör auf das zu sagen” Variante. Anfang der 90er beschuldigt die Psychologieprofessorin Jennifer Freyd ihren Vater, den Mathematiker Peter Freyd des sexuellen Missbrauchs über ihre gesamte Kindheit und Jugend hinweg bis zum Alter von 16 Jahren. Als Reaktion darauf schrieb die Mutter des Opfers, die Erziehungswissenschaftlerin Pamela Freyd einen anonymen Artikel über die elterliche Version der Familiengeschichte, in der sie die Tochter beruflich und privat diskreditiert, ohne ihren Namen zu nennen. Anschließend gründeten die Eltern die False Memory Syndrome Foundation und begannen damit, Kolleg*innen ihrer Tochter den Artikel zu schicken. Ziel der Foundation war es, Lobbyarbeit für die Behauptung zu betreiben, in Therapien würden Betroffenen durch Therapeut*innen falsche Erinnerungen indiziert werden, die deshalb anschließend ihre Angehörigen des sexuellen Missbrauchs beschuldigen würden. Dem Beirat der bis 2019 existierenden Stiftung gehörte unter anderem Gründungsmitglied Ralf Underwager an. Der Psychologe und Pastor trat häufig als Experte für die Verteidigung in Fällen von Anschuldigungen bezüglich des sexuellen Missbrauchs von Kindern auf und tat sich dabei mit Aussagen wie der hervor, dass “60 Prozent der als Kinder missbrauchten Frauen rückblickend sagen, die Erfahrung sei gut für sie gewesen“. Ein anderes Beiratsmitglied schloss sich der Stiftung an, weil “ein Freund und Kollege von seiner erwachsenen Tochter des Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde und ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen konnte.” Letztlich brach die Reputation der Stiftung über die Jahre immer mehr zusammen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Journalist*innen ihren eigenen kritiklosen Umgang mit der Foundation hinterfragten und Fälle recherchierten, in denen sich Eltern schützend vor die Täterschaft ihres Sohnes gegenüber der Tochter stellten und alles leugneten, obwohl der Täter die Vorwürfe umfassend einräumte. Oder in denen DNA-Spuren und Zeug*innenaussagen die Angaben der Opfer bestätigten.

Elterliches Entfremdungssyndrom
Wurde 1985 erstmalig von dem Kinderpsychiater Richard Gardner beschrieben und hat seitdem seitdem immer wieder dazu gedient, Müttern in Gerichtsprozessen zu unterstellen, sie würden dem Kind bewusst oder unbewusst den Vater so sehr entfremden, bis es mit unbegründeter Ablehnung und Abwertung. Anfänglich war Gardner davon überzeugt, dass für 90% der Entfremdungsfälle die Mütter verantwortlich sind. In diesem Setting wurde es immer wieder vor Gericht dazu benutzt, Schuld zuzuweisen, ablehnendes Verhalten des Kindes zu relativieren bis hin zur Nutzung als Verteidigungsstrategie gegen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. Das elterliche Entfremdungssyndrom ist aufgrund seiner mangelhaften theoretischen Fundierung und seiner anfänglich sexistischen Zuschneidung wissenschaftlich hochumstritten, bzw. wird gänzlich negiert.

Nymphomanie
Über Satyriasis oder Donjuanismus, also eines übersteigerten sexuellen Verlangens bei Männern, spricht niemand. “Die ist ne Nympho” wird hingegen weitläufig verstanden als Kommentar zu einer Frau, die damit als leicht zu haben, sexuell besonders aktiv oder promiskuitiv markiert wird. Es ist eine abwertende Bezeichnung, die oft gleichzeitig mit der freudigen Erwartung eines möglichen Zugriffsrechts auf die so bezeichnete Frau kombiniert wird. Nymphomanie ist der sprachliche Käfig, in die eine sexistische Sexualmoral die Sexualität von Frauen steckt.
Unappetitliche Randbemerkung: In der Veterinärmedizin ist der Begriff nach wie vor als Bezeichnung von Eierstockerkrankungen bei Säugetieren gebräuchlich.

Frigidität
Der “Es liegt nicht an mir, es liegt an ihr” Selbstbetrug. Würde man den Begriff ernst nehmen, müssten “Geschlechtskälte”, Unerregbarkeit und geringes sexuelles Verlangen ja auch bei Männern vorliegen. Aber es sind zumeist Frauen, die als frigide bezeichnet werden und wurden. Und zwar nicht aus Sorge um ihre Gesundheit, sondern als Vorwurf, in der sexuellen Performance zu versagen. Als Abwehrreaktion. Wenn sie nicht von dem erregbar ist, was ihm so sexuell vorschwebt, dann muss es an ihr liegen. Frigititätsunterstellungen zielen gerne auf emanzipierte Frauen und werden häufig in antifeministischen Einwürfen bemüht – durchaus auch von Frauen.

Wir hätten hier noch einiges auffahren können. Von den 9 Pforten der Frauen-Homöopathie über die Frage, warum das Paris-Syndrom fast ausschließlich junge Japanerinnen betrifft, bis hin zu fatalen Fehlentscheidungen mit Blick auf das Münchhausen-Stellvertretersyndrom. Krankes Blut, falsche Brustwarzen, unreine Perioden und natürlich Bleichsucht, auch Jungfrauenkrankheit genannt, zu deren Überwindung Vätern empfohlen wurde, die blassen Töchter alsbald zu verheiraten, um das stockende Menstruationsblut wieder in Fluss zu bringen. Die Liste geht immer weiter. Aber dann würde der Text immer länger und abschließend nicht eingeordnet. Und eine Einordnung ist wichtig.

Denn wir behaupten nicht, dass es keine psychischen Störungen gibt oder dass gar keine Frauen existieren, die versuchen, ein Kind in einen Trennungssituation gegen den Vater einzunehmen. Wir sagen nicht, dass ein Gedächtnis unmanipulierbar ist und Erinnerungen niemals trügen. Oder dass das Verhalten von Männern nie pathologisiert wird. Und selbstverständlich gibt es auch im Bereich des sexuellen Missbrauchs Falschbeschuldigungen. Worum es uns hier geht, ist die Feststellung, dass offenbar eine lange, bis in die Gegenwart reichende Tradition gibt, das Verhalten von Frauen zu problematisieren, tatsächliche Krankheiten mit Phantasieprodukten zu überdecken und über den medizinischen Zugang weiblicher Autonomie habhaft zu werden. Nicht zuletzt der sexuellen Autonomie. Es bleibt also noch viel zu tun. Daten erheben, Forschung betreiben, Mythen entzaubern, Lehrmeinung überarbeiten. Und das mit einem möglichst geschlechtersensiblen Blick. Höchste Zeit dafür.

Der Beitrag Wenn Männer Frauen für krank erklären erschien zuerst auf Pinkstinks Germany.

Article note: #agree!

It’s easy to say “Break up Big Tech companies!” Depending how politics unfold, the thing might become possible, but figuring out the details will be hard. I spent the last sixteen years of my life working for Big Tech and have educated opinions on the subject. Today: Why and how we should break up Google.

egGolo

Where’s the money?

Google’s published financials are annoyingly opaque. They break out a few segments but (unlike Amazon) only by revenue, there’s nothing about profitability. Still, the distribution is interesting. I collated the percentages back to Q1 2018:

Ads on GoogleAds off GoogleAds on YouTubeCloudOther
2018 Q170.97%14.84%??14.19%
2018 Q271.69%14.77%??13.54%
2018 Q371.73%14.58%??13.69%
2018 Q469.05%14.32%??16.62%
2019 Q170.99%13.81%??14.92%
2019 Q270.36%13.66%??15.98%
2019 Q370.97%13.15%??15.88%
2019 Q459.39%13.10%10.26%5.68%11.57%
2020 Q159.76%12.68%9.76%6.83%10.73%

Note that they started breaking out YouTube and Cloud last year; it looks like Cloud was previously hidden in “Other” and YouTube in “Ads on Google”. I wonder what else is hidden in there?

Why break it up?

There are specific problems; I list a few below. But here’s the big one: For many years, the astonishing torrent of money thrown off by Google’s Web-search monopoly has fueled invasions of multiple other segments, enabling Google to bat aside rivals who might have brought better experiences to billions of lives.

  1. Google Apps and Google Maps are both huge presences in the tech economy. Are they paying for themselves, or are they using search advertising revenue as rocket fuel? Nobody outside Google knows.

    In particular, I’m curious about Gmail, which had 1.5B users in 2018. Some of those people see ads, but plenty don’t. So what’s going on there? It can’t be that cheap to run. Where’s the money?!

  2. The maps business, with its reviews and ads, has a built-in monopolization risk that I wrote about in 2017. It needs to be peeled off so we can think about it. We definitely want reviews and ads on maps (“Where’s the nearest walk-in clinic open on Sunday with friendly staff?”), but the potential for destructive corruption is crazy high.

    Used to be, there were multiple competing map producers and some of them were governments. The notion of mapping being a public utility (Perhaps multinational? What a concept!) with competing ad vendors running on it doesn’t sound crazy to me.

  3. The online advertising business has become a Facebook/Google duopoly which is destroying ad-supported publishing and thus intellectually impoverishing the whole population; not to mention putting a lot of fine journalists out of work. The best explanation I’ve ever read of how that works is Data Lords: The Real Story of Big Data, Facebook and the Future of News by Josh Marshall.

  4. The world needs Google Cloud to be viable because it needs more than two public-cloud providers. It’s empirically possible for such a business to make lots of money; AWS does. GCloud needs to be ripped away from its corporate parent, just as AWS does, but for different reasons.

  5. I note the pointed absence of Android in any of the financials. It’s deeply weird that the world’s most popular operating system has costs and revenues that nobody actually knows. Of course, the real reason Android exists is that Google needs mobile advertising not to become an Apple monopoly.

  6. YouTube has become the visual voice of several generations and is too important to leave hidden inside an opaque conglomerate. Is it a money-spinner or strictly a traffic play? Nobody knows. What we do know is that people who try to make a living as YouTubers sure do complain a lot about arbitrary, ham-handed changes of monetization and content policy. Simultaneously, Google’s efforts to avoid promoting creeps and malefactors aren’t working very well.

What to do?

First, spin Advertising off into its own company and then enact aggressive privacy-protection and anti-tracking law. Start by doing away with 100% of third-party cookies, no exceptions. It’d probably be OK to leave the off-site advertising in that company.

But YouTube definitely has to be its own thing; it’s got no real synergy that I can detect with any other Google property.

I’m not even sure Android is a business. Its direct cost is a few buildings full of engineers. Its revenue is (indirectly) mobile ads, plus Play Store commissions, plus Pixel sales plus, uh, well nobody knows what kinds of backroom arrangements are in place with Samsung et al. Absent the mobile ads, I doubt it’s much of a money-maker. Maybe turn it into a foundation funded by a small levy on everyone who ships an Android phone… Other ideas?

What to do with Maps isn’t obvious to me. It’s probably a big-money business (but we don’t know). In combination with the reviews capability it should be a great advertising platform, but the opportunities for corruption are so huge I’m not sure any private business could be trusted to manage them. First step: Force Google to disclose the financials.

I think Google Cloud could probably make a go of it as an indie, if only as a vendor of infrastructure to all the other ex-Google properties. And I think the product is good, although they’re running third in the public-cloud race.

To increase Google Cloud’s chances, throw in the Apps business; Microsoft classifies their equivalent as Cloud and I don’t think that’s crazy. My Microsoft-leaning friends scoff at the G Apps, but they’re just wrong; with competent administration the apps offer a slick, fast, high-productivity office-automation experience.

Finally, as a standalone company, we could hope they’d break Google’s habit of suddenly killing products heavily depended-on by customers. You just can’t do that in the Enterprise space.

The politics

So there should be at least four Google-successor organizations, each with a chance for major success.

I think this would be pretty easy to sell to the public. To start with, what’s left of the world’s press would cheerlead, eager to get out from under the thumb of the Google/Facebook ad cartel. Legions of YouTubers would march in support as well.

Financially, I think Google’s whole is worth less than the sum of its parts. So a breakup might be a win for shareholders. This is a reasonable assumption if only because the fountain of money thrown off by Web-search advertising leaves a lot of room for laziness and mistakes in other sectors of the business.

Also, it’s quite likely the ex-Googles could come out ahead on the leadership front. Larry, Sergey, and the first wave of people they hired made brilliant moves in building Web search and then the advertising business. But the leadership seems to have lost some of that golden touch; fresh blood might really help.

When?

The best time would have been sometime around 2015. The second best…

Article note: Mehr Paukenschläge bitte ...! + #thx

Mit einem Paukenschlag hat eine neue kritische Stimme in der Debatte um den Wiederaufbau und vor allem die künftige Nutzbarmachung der Potsdamer Garnisonkirche das Wort ergriffen. Seit Freitag ist das von der Martin-Niemöller-Stiftung getragene Portal »Lernort Garnisonkirche« (www.lernort-garnisonkirche.de) online. Die Initiatoren selbst sehen darin eine Einladung zur Auseinandersetzung, wie Gerd Bauz vom Vorstand der Stiftung erklärte. Eine Herausforderung sei es, ja vor allem »ein Affront an die Stiftung Garnisonkirche«, die seit 2017 in einem ersten Schritt den in der Landeshauptstadt höchst umstrittenen Wiederaufbau des Kirchturms vorantreibt.

Die Vorstellung der Plattform und des dazugehörigen wissenschaftlichen Beirates erfolgte in Berlin und nicht, wie geplant, im früheren DDR-Rechenzentrum, das nach der 1968 erfolgten Sprengung der Ruine der Garnisonkirche auf dem historischen Standort erbaut wurde. Weil in Potsdam am Freitag eine Weltkriegsbombe entschärft wurde, mussten die Organisatoren kurzfristig umdisponieren und nach Berlin einladen. Träger, Redaktion und Beitrag des vorerst also virtuellen »Lernortes« stehen dem Wiederaufbau, der Kopie der 1735 fertiggestellten und 1968 als Symbolbau des preußischen Militarismus abgerissenen Hof- und Garnisonkirche ablehnend bis kritisch gegenüber.

»In der ambivalenten Geschichte Preußens repräsentiert sie dessen problematische Seite: Sie steht nicht für Aufklärung, Emanzipation und Liberalität, sondern für Dynastie und Gehorsam, sie steht nicht für Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung, sondern für Expansionsstreben und Machtanspruch«, betonen die Autoren. »Sie steht nicht für Bildung und Wissenschaft, sondern für Militär und Staatskirche, sie steht nicht für den demokratischen Freistaat Preußen der Weimarer Epoche, sondern für die antidemokratischen Kräfte des Deutschen Reichs.«

Die Plattform »Lernort Garnisonkirche« will aufklären über die Geschichte des Ortes und eine vertiefte Forschung initiieren. Sie ist so gesehen ein im besten Sinne textlastiges, stetig wachsendes Projekt und zugleich Archiv für einen späteren realen Lernort. Schon zum Start der Website sind mehr als 30 Beiträge von rund 20 Autoren abrufbar, wie der Publizist Philipp Oswalt informierte, der der ehrenamtlichen Redaktion angehört. Dem zehnköpfigen wissenschaftlichen Beirat, der sich vor gut zwei Wochen konstituiert hat, gehören zum Teil ausgewiesene Experten der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts an. Zur Vorsitzenden wurde die Ostberliner Historikerin Annette Leo, zum Stellvertreter der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik gewählt.

»Ich möchte darauf hinwirken, dass insbesondere Schülerinnen und Schüler, auch Studenten nahegebracht wird, was diese Garnisonkirche in Deutschland für die deutsche Geschichte, für den Weg ins nationalsozialistische Unheil im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik erbracht hat«, erklärte Brumlik. »Es geht darum, was in dieser Garnisonkirche an antidemokratischen Inhalten unter dem Deckmantel des Kirchenglaubens verbreitet wurde.« Wichtig sei das gerade in einer Zeit, in der europaweit autoritäre und rechtspopulistische Strömungen zunähmen.

Die 2001 in der Debatte um den Wiederaufbau der Kirche entstandene Idee eines Lernorts deutscher Geschichte sei von der Stiftung Garnisonkirche zwar stets proklamiert, aber bis heute nicht mit Inhalt erfüllt worden, sagte Gerd Bauz. Das übernehme man nun selbst. Hauptinhalte seien die Geschichte der historischen Garnisonkirche, der Heilig-Kreuz-Gemeinde von 1949 bis heute, des Potsdamer Rechenzentrums von 1971 bis heute sowie die des Rekonstruktionsprojektes seit 1984.

»Der ganze Ort kann die Widersprüchlichkeit der deutschen Geschichte deutlich machen«, sagte der Potsdamer Aktivist Carsten Linke. Auch das Rechenzentrum will er erhalten. »Wollen wir wirklich nur eine Ausstellung im Tourismustempel Garnisonkirche, zwischen Café und Aussichtsturm, an der man mit dem auch Aufzug vorbeifahren kann«, fragte er. »Oder wollen wir dort einen Lernort gestalten, der sich mit der deutschen Geschichte, mit dem Militarismus und mit dieser Stadt beschäftigt?«

Die bei Blindgängersuche in der Havel entdeckte Fünfzentnerbombe musste am Ende gesprengt werden. Sie war offenbar bei dem alliierten Luftangriff auf Potsdam am 14. April 1945 abgeworfen worden, dem auch die Garnisonkirche zum Opfer fiel.

Article note: I'm a fan-boy of "Sprengmeister Mike Schwitzke"! :-D

Als Potsdamer bist du Bombenentschärfungen gewöhnt. Alle paar Monate mal buddeln die hier wieder mal einen Blindgänger an, der 1944-1945 an seinem eigentlichen angedachten Ziel nicht detoniert ist. Die Engländer hatten das damals schon ganz gut mit der heute so viel zitierten Nachhaltigkeit raus und haben halt nur sieben von zehn Bomben explodieren lassen. Dass wir Kartoffeln auch – und zu Recht – 50 bis 100 Jahre später noch was davon haben sollen. Weil: sowas kommt von sowas. Die haben ja nicht angefangen.

Jedenfalls gestern mal wieder mega Aufregung, halbe Stadt gesperrt, 13000 Menschen evakuiert, Verkehr ging gar nicht mehr, die beiden existenziellen Brücken der Stadt gesperrt, ich bin mit dem Rad über Berlin gefahren, um meinen Zug nach Beelitz zu bekommen – eine Bombe, die drei Meter tief unter dem Schlamm der Havel rumgammelte, konnte nicht entschärft und musste gesprengt werden – und das hat hier richtig großes Badaboom gemacht.

Mitten in Potsdams Innenstadt ist am Freitag in der Havel eine Weltkriegsbombe kontrolliert gesprengt worden. Die Fünf-Zentner-Bombe war am Dienstag bei einer systematischen Suche nahe der Freundschaftsinsel in drei Metern Tiefe entdeckt worden. Hinweise auf Schäden lagen nach der Sprengung zunächst nicht vor.

Sprengmeister Mike Schwitzke hatte am Vormittag entschieden, dass der Blindgänger nicht entschärft werden könne, sondern am Fundort gesprengt werden müsse. Zur Dämmung der Detonation und als Schutz gegen Splitter positionierte das Technische Hilfswerk daraufhin ein Floß aus Stroh über dem Sprengkörper.


(Direktlink)