geschätzte Lesezeit: 6 min

Seit dem langen Wochenende brummt die Twitter-Alternative Bluesky. Heerscharen bekannter und unbekannter Twitter-Accounts, sehr viele Journalist:innen und die ersten Medien (auch wir) klicken sich einen Account auf dem Dienst. Der ist in der Architektur zwar grundsätzlich dezentral angelegt, aber die Plattform ist in der Hand eines Unternehmens.

Im Gegensatz zu den Exodus-Bewegungen seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk zum föderierten Mastodon macht sich ein Gefühl breit, dass dies nun der Beginn eines tatsächlichen Wechsels sein könnte. Vor allem aber gibt es Freude darüber, zumindest vorübergehend ohne die ganzen Trolle und rechtsradikalen Accounts kommunizieren zu können. Das kann auch daran liegen, dass man sich bei Bluesky derzeit nur mit einem Einladungscode anmelden kann.

Doch was steckt hinter dem Hype und warum konnte Mastodon diesen nicht in dieser Form entfesseln? Warum kommt nun plötzlich Bewegung rein und was kann Bluesky, was Mastodon nicht kann? Begeben sich nun alle in die Hand der nächsten kommerziellen Plattform – oder wird nun alles anders? Oder kann Mastodon gar etwas vom Bluesky-Hype lernen?

Wir haben uns umgehört.

„Eine Welle weg von Twitter“

Luca Hammer, ein langjähriger Datenspezialist für die Auswertung von Twitter und Autor von diversen Umzugstools zur Flucht aus Twitter, sieht einen Tweet von Elon Musk als Auslöser für die neuerliche Welle. Der Milliardär hatte dort indirekt zur Wahl der rechtsradikalen AfD aufgerufen. „Daraufhin haben Accounts demonstrativ ihren Abschied bekannt gegeben, was andere aktiviert hat, sich ebenfalls zu positionieren und auch Angst des Absprung verpassens erzeugt hat“, schreibt Hammer auf Nachfrage von netzpolitik.org.

Auch die Netzaktivistin Anne Roth, die nach eigener Aussage seit zwanzig Jahren nach dem idealen sozialen Netzwerk sucht, sieht Musks Tweet als einen der Gründe: „Wenn Elon Musk etwas ändert oder etwas besonders Abstoßendes äußert, setzt eine Welle ein weg von Twitter.“

Den Post von Musk sieht auch die Publizistin und Twitter-Urgestein Ingrid Brodnig als einen der Gründe, ein anderer seien „Herdeneffekte“ in sozialen Medien. Außerdem seien durch die Umstellung auf ein Bezahlsystem bei Twitter eher unangenehm auftretende Kanäle mit dem blauen Haken umso deutlicher in Erscheinung getreten, was das Feeling auf der Plattform weiter verschlechtert habe.

„Eine nostalgisch verklärte Version von Twitter“

Dass Mastodon damals nicht diese Art von Wechselstimmung erzeugt habe, könne daran liegen, dass Mastodon als kompliziert wahrgenommen würde. „Viele schreiben, dass sie Bluesky weniger umständlich, weniger kompliziert finden und spontan besser damit klarkämen“, sagt Anne Roth.

Das sieht auch Luca Hammer so. Aus dieser Wahrnehmung von Mastodon habe Bluesky offenbar gelernt. Denn das Internetprotokoll hinter Bluesky (AT Protokoll) sei komplizierter als das Activity-Pub-Protokoll von Mastodon. „Bluesky verbirgt diese Komplexität bewusst“, sagt Hammer. Es mache den Umstieg genauso einfach wie die Nutzung von Twitter.

Bluesky erfülle so den Wunsch der Menschen, sich und ihre Gewohnheiten nicht ändern zu müssen. „Es wird eine nostalgisch verklärte Version von Twitter verkauft“, sagt Hammer. Brodnig sieht das ähnlich: „Was einige Leute suchen, ist einfach ein Twitter, das nicht Elon Musk gehört.“

Anne Roth fragt sich auch, warum es eigentlich soviel Zuversicht gäbe, dass mit Bluesky alles besser werde: „Aktuell im Beta-Stadium funktioniert vieles nicht, was wir von Twitter gewohnt sind: Keine DMs, keine Hashtags, keine Gifs oder Videos und die Verifizierung des eigenen Accounts ist noch komplizierter als bei Mastodon“, so Roth. Es gebe zudem wenig Möglichkeiten, sich vor Angriffen zu schützen, denn der eigene Account kann nicht auf ‚protected‘ umgestellt werden und alles am eigenen Verhalten sei öffentlich, selbst die Blocklisten.

Clash von Netzkulturen

Ein weiterer Grund, den viele für den Erfolg von Bluesky und als Problem von Mastodon nennen, sei die Rechthaberei bei Mastodon und die ungebetenen Erklärungen, schreibt Anne Roth. „Sehr, sehr häufig gibt es zu Posts bei Mastodon ungebetene Erklärungen, oft von oben herab, klassisches Mansplaining.“

Luca Hammer sieht dieses Problem auch, wenn auch in anderen Worten. Es liege daran, dass das Fediverse eine eigene Kultur entwickelt hätte, lange bevor Musk Twitter übernommen habe. Wenn alte Nutzer:innen die Neuen auf diese Kultur oder etablierte Verhaltensweisen hingewiesen hätten, habe sich das für die Neuen wie Ablehnung angefühlt.

Dennoch ist Hammer nicht der Meinung, dass sich das Fediverse und Mastodon grundsätzlich ändern müssten, denn es wolle ja nicht Twitter ersetzen, sondern es besser machen. So setze Mastodon auf Rücksicht und Gemeinschaft statt maximale Reichweite für emotionale Themen. Es würde aber helfen, wenn das Standard-Interface von Mastodon verbessert würde und sich z. B. an elk.zone orientiere und wenn die Nutzer:innen rücksichtsvoller mit den Neuen umgehen würden.

Benutzbarkeit als zentraler Faktor

Auch Roth sieht die Benutzbarkeit von Mastodon als elementar an: „Ganz offensichtlich spielt UI/UX eine zentrale Rolle, also Usability, gewissermaßen die ‚Haptik‘ bei der Benutzung. Da würden eingefleischte Fediverse-Fans sagen: Es steht ja allen frei, alles kann angepasst werden, aber das ist der Mehrzahl der Nutzer:innen natürlich nicht mal eben so einfach möglich.“

Hinzu komme, dass Mastodon bewusst keine Algorithmen habe. „Für alle, die Social Media für mehr als das reine Geplauder in der kleinen eigenen Community benutzen, ist das ein Problem“, sagt Roth. Wer nicht den ganzen Tag davorsitze, verpasse viele wichtige Infos. „Twitter hatte für viele auch den Zweck, sich über Nachrichten zu informieren, die nicht über den dpa-Ticker gelaufen sind: internationale und Bewegungs-News und spezifische Themen. Über die Algorithmen konnte ich relativ sicher sein, dass ich relevante Entwicklungen auch mitkriege, wenn ich tagsüber arbeiten muss.“

Das fehle ihr persönlich am meisten, sagt Roth – und vermutlich geht das auch vielen Journalist:innen so, die Mastodon auch wegen der bis vor Kurzem fehlenden Suchfunktion nur schlecht für ihre Arbeit nutzen können.

„Musk wird als Ausnahme gesehen“

Unklar ist auch die Frage, warum nun so viele Menschen zu Bluesky wechseln, obwohl es sich doch wieder um eine mit Venture Capital finanzierte Plattform handelt, während mit dem Fediverse eine Alternative besteht, die nicht vom nächsten Milliardär gekauft werden kann.

Hammer sieht hier einerseits ein Unwissen bei den neuen Nutzer:innen und ist der Meinung, dass Musk von vielen als Ausnahme gesehen würde. Die meisten Social Media Plattformen würden andererseits zwar nicht die Interessen der Nutzer:innen in den Mittelpunkt stellen, aber eben doch indirekt darauf achten, weil ihre kommerziellen Interessen davon abhängen würden.

Anne Roth erklärt es mit der Benutzbarkeit: „Weil es einfacher zu benutzen ist und ansprechender aussieht. Weil die Menschen andere Themen haben im Leben und ihnen das einfach nicht so wichtig ist.“

„Da tut sich was“

So schätzt das auch Ingrid Brodnig ein: „In vielen Fällen siegt Usability über hehre Netz-Ideale.“ Viele Menschen seien eben keine Technik-Afficionados, denen Open Source oder eine nicht-kommerzielle Ausrichtung digitaler Angebote ein Herzensanliegen ist. Solche idealistischen, nicht-kommerziellen Angebote fänden zwar viele in der Theorie gut, in der Praxis setzten sich aber oft jene Angebote durch, die besonders leicht zu benutzen sind und die bereits von vielen Bekannten im eigenen Umfeld genutzt würden.

„Für sie sind womöglich technische Details gar nicht ausschlaggebend, sondern sie wechseln einfach dorthin, wo sie das Gefühl haben, da tut sich etwas, da findet man genügend Leute ähnlich wie auf Twitter“, so Brodnig weiter.

Anne Roth ist gespannt, ob der aktuelle Bluesky-Hype anhält und die neue Plattform hält, was sich viele von ihr versprechen: „Ich glaube, die Karten werden nochmal neu gemischt, wenn die Invites wegfallen und sich bestimmte Dynamiken wiederholen, die es bei Twitter schon gab.“

geschätzte Lesezeit: 8 min

Präsident Selenskyj. Bild: president.gov.ua / BY-NC-ND 4.0 DEED

Abkommen mit Russland wäre verheerend. Kiew braucht nun Taurus-Marschflugkörper. Dies zu verkennen, ist nicht der einzige Fehler eines fragwürdigen Appells. Eine Replik.

Kürzlich veröffentlichten die Autoren Peter Brandt, Hajo Funke, Harald Kujat und Horst Teltschik auch bei Telepolis einen Artikel mit dem Titel "Gerechten und dauerhaften Verhandlungsfrieden erreichen". An diesem völlig empathielosen Beitrag ist besonders auffällig, wie General a.D. Harald Kujat, der seit Beginn der russischen Offensive gegen die Ukraine noch mit jeder Prognose danebenlag, jetzt mit professoraler Unterstützung apodiktisch behauptet, die Ukraine könne diesen Krieg nicht gewinnen.

Anzeige

Da mag ein großes Missverständnis vorliegen: "Sieg" über Russland muss man sich in diesem Fall nicht vorstellen, wie die Zerstörung und Besetzung Nazideutschlands 1945, sondern er würde darin bestehen, dass die Position von Russlands Streitkräften in der Ukraine so unhaltbar wird, dass sie abziehen müssen.

Das ist durchaus vorstellbar, vorausgesetzt, dem überfallenen Land wird weiterhin geholfen, und zwar nicht nur "so lange wie nötig", sondern auch "mit allem, was erforderlich ist" – und jeweils zeitgerecht ohne monatelange Verzögerung.

Folgendes ist an diesem Plädoyer für einen "Verhandlungsfrieden" kritisch zu sehen: Außerdem ersten Satz, der eher einer Pflichtübung gleicht (russischer Angriffskrieg, legitimer ukrainischer Verteidigungskrieg) geht der Appell, "Vernunft walten zu lassen" und "sich der Steigerung von Gewalt und Zerstörung nicht hinzugeben", nicht etwa an den Aggressor, sondern an die ukrainische Regierung, als ob diese für die "ständige Intensivierung der Kriegsführung" verantwortlich sei.

Diese latente Identifizierung mit der Position Russlands durchzieht das ganze Papier. Der verbrecherische Charakter der russischen Unterwerfungsoffensive, sowohl nach dem ius ad bellum (Rechtfertigungsgrund) als auch nach dem ius in bello, angesichts der kriegsvölkerrechtswidrigen Methoden, wird völlig unterschlagen.

Anzeige

Die Auflistung der "politischen Ziele, derentwegen sie diesen Krieg führen", beziehungsweise der "Positionen der Kriegsparteien" ist naiv, fast tendenziös verharmlosend. Denn Russlands oberstes Ziel ist die Unterwerfung der Ukraine und, wenn sie sich dem widersetzt, ihre Zerstörung samt Vernichtung ihrer staatlichen Identität und Kultur.

Das Ziel der überfallenen Ukraine ist Überleben in ihren staatlichen Grenzen nach den zentralen Regeln der europäischen Sicherheitsordnung (Helsinki 1975, Paris 1990), die Präsident Wladimir Putin allesamt mit Füßen getreten hat: souveräne Gleichheit der europäischen Staaten, territoriale Integrität, Unverletzlichkeit der Grenzen, friedliche Streitbeilegung, freie Bündniswahl.

Wie kann man da vorgeben, als handele es sich um zwei "Kriegsgegner", die ihre Kräfte messen, und auf diese Weise Aggressor und Verteidiger implizit gleichsetzen? Wie kann man glauben, zwischen Vernichtungswillen und Überlebenskampf seien Kompromisse denkbar? Wo ist denn hier der Appell an Russland, "die Eskalationsschraube anzuhalten"?

Der pseudowissenschaftliche Anstrich des Beitrags durch zahlreiche Fußnoten kann nicht beeindrucken, ist aber aufschlussreich, weil die Zitate hauptsächlich die russische Position reflektieren. Insbesondere Putins Aussagen scheinen zum Nennwert genommen zu werden.

Ob er die Sowjetunion oder Großrussland wiedererstehen lassen will, ist etwa völlig belanglos, und angesichts vieler seiner Aussagen – nicht zuletzt in dem Aufsatz vom Juli 2021 über die "historische Einheit der Russen und der Ukrainer" (natürlich unter russischer Beherrschung) wie auch der militärische Kräfteansatz am 24. Februar 2022 – lassen die Aussage in dem Pamphlet ziemlich arglos erscheinen, es gebe "keinen Beleg dafür, dass das politische Ziel der ‚militärischen Spezialoperation‘ die Eroberung und Besetzung der gesamten Ukraine ist".

Die hier mithilfe mehrerer zitierten Äußerungen so positiv bewertete "Bereitschaft" Präsident Putins zu Verhandlungen lässt kein auch noch so geringes Abrücken von irgendeinem seiner Ziele oder Neigung zur Rückgabe eroberten Territoriums erkennen. Sie steht unter dem Motto "Was ich haben will, nehme ich mir, über den Rest können wir verhandeln".

Der vorgeschlagene Verhandlungsplan soll hier nicht im Einzelnen kommentiert werden. Angesichts der mit Russland gemachten Erfahrungen hat er keinerlei Chance auf Realisierung und eröffnet keine Aussichten auf Vertragstreue der russischen Führung.

Bezeichnend ist, dass deren Schreiben an die Nato und die USA vom 17. Dezember 2021 "berücksichtigt" werden sollen, in denen ja die Rückabwicklung der Veränderungen in Mittelosteuropa seit 1991 verlangt wurde.

Und es darf angenommen werden, dass Russland jeglichen Waffenstillstand zur Auffrischung und Neuordnung seiner militärischen Kräfte benutzen, die nächste Offensive vorbereiten und generell so handeln wird wie nach dem Minsk-II-Abkommen, das die Verfasser nur hinsichtlich der die inneren Angelegenheiten der Ukraine betreffenden Aspekte würdigen und nicht hinsichtlich der russischerseits übernommenen Verpflichtungen.

Über 12.000 Tote gab es nach dem damaligen "Waffenstillstand"! "Die Ukraine hat dem russischen Angriffskrieg bisher durch die umfassende Unterstützung des Westens widerstanden" ist nur die halbe Wahrheit.

Ohne den geradezu heldenhaften Widerstand der Streitkräfte und des ganzen Volkes in seiner Entschlossenheit, sich nicht unterwerfen zu lassen, hätten auch westliche Waffen nichts genützt.

In diesem Zusammenhang fällt der Vorwurf gegen "die bisher und immer wieder aufs Neue von Laien geforderte Lieferung von ‚Wunderwaffen‘" auf die Verfasser zurück.

Damit sind wohl Experten wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter ("deutsche Politiker, die das strategische Prinzip der Zweck-Mittel-Relation nicht verstehen") oder auch General a.D. Erhard Bühler und der Autor dieser Zeilen gemeint, die schon lange für die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern eintreten.

Der Fall möge hier als Exempel dafür dienen, wer wohl laienhaft argumentiert: Taurus ist eine Luft-Boden-Abstandswaffe mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Circa 600 Systeme befinden sich im Bestand der deutschen Luftwaffe.

Die Ukraine fordert seit Langem einen Teil davon mit zunehmender Dringlichkeit, weil damit hinter den russischen Verteidigungslinien und aus sicherer Entfernung Ziele wie Gefechtsstände, Straßen und Eisenbahnlinien, Brücken, logistische Einrichtungen wie Depots und dergleichen getroffen werden können – zur Reduzierung der russischen Kampfkraft und zur Beeinträchtigung des Nachschubs.

Wie wirksam solche Systeme sind, erweist sich an den von Großbritannien und Frankreich bereits gelieferten Marschflugkörpern Storm Shadow und Scalp.

Insofern gibt es hier nicht die Gefahr eines deutschen "Alleingangs". Trotz der Appelle auch aus den Koalitionsparteien zögert Bundeskanzler Scholz mit einer Entscheidung.

Es wiederholt sich offenbar das Drama um die Kampf- und Schützenpanzer, wo die positive Entscheidung erst ein Dreivierteljahr nach dem Bundestagsbeschluss vom 28. April 2022 für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine fiel.

Dass diese im vergangenen Herbst nicht die Mittel hatte, das Angriffsmomentum bei Charkiw und Cherson auszuweiten, hat es den russischen Kräften erst ermöglicht, sich während eines halben Jahrs ungestört zu tief gestaffelter, befestigter Verteidigung einzurichten und das Gelände in nie gesehenem Ausmaß zu verminen.

Warum die Appelle auch von Koalitionspolitikern an ihm abprallen, begründet der Bundeskanzler nicht und verweist lediglich auf die Unterstützung seines "besonnenen" Kurses durch die Bevölkerung. Die wäre jedoch sicher zu größerer Zustimmung bereit, würde eindringlich erklärt, dass bei einem Sieg Putins die Kosten auch für uns viel höher wären, als was wir jetzt "auszuhalten" haben in puncto Flüchtlinge, Inflation, Energiekosten.

Setzte er seine Ziele durch, werden vielleicht sogar eines Tages deutsche Soldaten bei der Verteidigung Litauens ums Leben kommen.

Natürlich sind Scholz’ eigentliche Beweggründe leicht zu vermuten: Verstecken hinter dem auch zögerlichen US-Präsidenten; Eskalationsfurcht (die sich aber bei keinem Übergang zu einem potenteren Waffensystem als berechtigt erwies); Misstrauen gegenüber ukrainischen Zusagen, westliche Systeme nicht auf russischem Territorium einzusetzen; Rücksichtnahme auf Kräfte in der SPD.

Auch wenn das Zeitfenster für Taurus eigentlich schon fast verpasst ist (gut, dass wenigstens London und Paris geliefert haben!), hätte man gehofft, dass am Rande der UN-Generalversammlung oder bei der letzten Ramstein-Konferenz endlich eine positive deutsche Entscheidung verkündet worden wäre.

Natürlich ist das System Taurus keine "Wunderwaffe", solche gibt es nicht, und eine derartige Unterstellung gegenüber den "laienhaften" Politikern ist albern. Aber es kann im oben beschriebenen Sinn zur Verkürzung des Krieges beitragen.

Der wird wohl nicht dadurch enden, dass der letzte Quadratkilometer eroberten ukrainischen Territoriums physisch befreit wird. Aber realistische Szenarien, wie die russischen Streitkräfte zum Abzug gezwungen werden, lassen sich durchaus vorstellen und sollten verfolgt werden.

Der Beitrag ist auch durchzogen von dem Unterton, Russland verfolge mit dem Krieg vertretbare Ziele, "eine weitere Eskalation durch absehbare Offensiven der russischen Streitkräfte" wird als Reaktion auf ukrainisches Handeln dargestellt, und von der "Verteidigung" durch die russischen Streitkräfte wird mit einer Konnotation des Legitimen gesprochen.

Ja, die Initiative liegt mittlerweile bei den ukrainischen Streitkräften, und taktisch ist Russland in der Gefechtsart Verteidigung. Aber diese "Verteidigung" spielt sich auf ukrainischem Territorium ab, sie ist das fanatische Festkrallen an geraubten Gebieten, ohne Rücksicht auf Verluste.

Diese sind auf russischer Seite wesentlich höher als auf ukrainischer, was der Beitrag nicht erwähnt.

Zum Schluss noch Folgendes: Wenn diese Reaktion im ersten Satz das Wort "empathielos" benutzt, so bezieht sich das auf die herzlose Art, in welcher der Verhandlungsvorschlag die Abtretung der von Russland annektierten Oblaste voraussetzt.

Man hört ja oft, wie von oben herab gesagt wird, ohne Gebietsabtretungen werde es für die Ukraine nicht abgehen. Dabei wird übersehen, dass "abzutretende Gebiete" nicht abstrakte Landstriche sind, sondern Regionen, Städte, Dörfer mit Millionen von Einwohnern, denen unter russischer Herrschaft das passiert, was andernorts schon vorkam und hier teilweise bereits im Gange ist: Mord, Folter, Vergewaltigung, Vernichtung von Lebensgrundlagen und Kulturgut, Liquidation von Kommunalpolitikern, gewaltsame Russifizierung – und, besonders verwerflich, die Verschleppung Zehntausender Kinder, deren Personalpapiere vernichtet werden und die man in russischen Familien oder Heimen einer "Umerziehung" unterzieht.

Können die Verfasser sich in die Lage der Eltern versetzen, die nach Kriegsende verzweifelt nach ihren Kindern forschen müssen? Diese Vorschläge zur Kriegsbeendigung gehen einseitig von der russischen Sicht aus, verschweigen den Charakter dieses verbrecherischen Angriffskrieges, implizieren eine Kapitulation der Ukraine und gehen in den Einzelheiten an den Realitäten vorbei. Ein "gerechter" Frieden kann nicht auf Anerkennung der russischen Kriegsziele aufgebaut werden.

Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann lebt in Berlin und lehrt Zeitgeschichte an der Universität Potsdam.

Mit Ihrer Zustimmmung wird hier eine externe Buchempfehlung (Amazon Affiliates) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Amazon Affiliates) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

geschätzte Lesezeit: 1 min

I bought a Brother ADS-1700W document scanner, so I can fully utilize my Paperless-ngx installation.

When scanning a document and sending it as e-mail, Mail 16.0 on MacOS 12.6.9 does not show the attachment of the scanned PDF document. Thunderbird, Claws Mail and K-9 Mail properly show the attachment.

I suspected something wrong with the e-mail and indeed got errors on mimevalidator.net:

Byteplant MIMEValidator V1.2.5.2
Errors: linebreak found, MIME syntax violation
(line 1) linebreak found
(line 2) linebreak found
(line 3) linebreak found
(line 4) linebreak found
(...) parser error: too many bad linebreaks
(line 45) MIME syntax violation: ';' expected (name)
(line 45) MIME syntax violation: ';' expected (=)
(line 45) MIME syntax violation: ';' expected
(Scan_20230921_080714_000264.pdf)

I sent an e-mail to the Brother customer support (ADS-1700W is still supported) .. and they told me that on MacOS, only Thunderbird is supported.

My reply that the mail is invalid and that the scanner's firmware needs to be fixed by their developers were rejected. They did not even acknowledge the error; it seems their support staff did not even understand them.

Hierbei liegt kein Problem bei der Firmware Update und wie Sie schon von meinem Kohlegin informiert worden sind, wird bei macOS nur Thunderbird unterstützt, wenn Sie mit Ihrer MacOS Mailprogramm Probleme haben dann müssen Sie sich leider mit Apple in Verbindung setzen oder Thunderbird verwenden. Bezüglich der Validierungsfehler müssen Sie auch bei Apple nachfragen denn dieser Meldung ist leider nicht von dem Gerät.

Brother Support person, ticket 7001569466

Those bad spelling and grammatical errors were really in their email.

Mentioning the XKCD tech support keyword did not help :(