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Wie Medien den israelischen Krieg gegen Palästinenser ermöglichen

Immer wieder bombardiert Israel den Gazastreifen. In westlichen Medien wird von "Selbstverteidigungsakten" gesprochen. Bild: Mazur/cbcew.org.uk / CC BY-NC-ND 2.0

Die israelischen Kriege gegen den Gazastreifen werden nicht nur durch westliche Waffen und politische Unterstützung ermöglicht, sondern auch durch einen endlosen Strom von Falschdarstellungen in den Medien.

Während die US-amerikanischen sowie westlichen Mainstream- und kommerziellen Medien weiterhin voreingenommen im Sinne Israels berichten, verhalten sie sich oft so, als seien sie eine dritte, neutrale Partei. Das ist aber nicht der Fall.

Ramzy Baroud ist Journalist und Buchautor. Er ist Senior Research Fellow am Zentrum für Islam und Globale Angelegenheiten.

Nehmen wir als Beispiel die Berichterstattung der New York Times über den jüngsten israelischen Krieg gegen den Gazastreifen. Ihr Artikel vom 6. August [1] "Israel-Gaza Fighting Flares for a Second Day" ist die typische westliche Mainstream-Berichterstattung über Israel und Palästina, aber mit einer deutlichen NYT-Note.

Dem Artikel gelingt es, für den Durchschnittsleser eine ausgewogene Sprache zwischen zwei gleichwertigen Seiten zu finden. Diese irreführende moralische Gleichwertigkeit ist einer der größten intellektuellen blinden Flecken westlicher Journalisten. Denn jenseits ihrer offenen Parteinahme für den israelischen Diskurs über "Sicherheit" und "Selbstverteidigungsrecht", kreieren sie immer wieder falsche Parallelen zwischen Palästinensern und Israelis, als ob ein militärischer Besatzer und ein besetztes Volk vergleichbare Rechte und Pflichten hätten.

Diese Logik gilt natürlich nicht für den russisch-ukrainischen Krieg. Für die NYT und alle westlichen Mainstream-Medien ist es keine Frage, wer in diesem blutigen Kampf die Guten und die Bösen sind.

"Palästinensische Kämpfer" und "Terroristen" waren schon immer die Bösen des Westens. Nach der Logik der Medienberichterstattung führt Israel keine nicht provozierten Kriege gegen Palästinenser und ist kein gleichgültiger militärischer Besatzer oder ein rassistisches Apartheidregime. Solche Bezeichnungen können nur von den "radikalen" und "linken" Medien am Rand verwendet werden, niemals vom liberalen Mainstream.

In der kurzen Einleitung des NYT-Artikels [2] war von der steigenden Zahl der Todesopfer die Rede, wobei zunächst nicht erwähnt wurde, dass sich unter den zwanzig getöteten Palästinensern auch Kinder befinden. Stattdessen wurde betont, dass die israelischen Angriffe einen "militanten Anführer" getötet haben.

Als im zweiten Absatz die sechs von Israel getöteten Kinder genannt werden, stellt der Artikel im gleichen Satz sofort klar, dass "Israel sagt, dass einige zivile Tote das Ergebnis von Militanten waren, die Waffen in Wohngebieten versteckten", und dass andere durch "fehlgeleitete" palästinensische Raketen getötet wurden.

Am 16. August gab das israelische Militär schließlich zu [3], dass es hinter den Angriffen steckt, bei denen die fünf palästinensischen Jungen von Jabalia in Nordgaza getötet wurden. Es ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich entscheidend, ob die NYT darüber berichtet oder nicht. Der Schaden ist angerichtet worden, und das war von Anfang an der Plan Israels.

Der Titel des BBC-Berichts [4] vom 16. August "Gazas Kinder sind an den Tod und die Bombardierung gewöhnt" nennt nicht unmittelbar die Verantwortlichen für den "Tod und die Bombardierung". Sogar israelische Militärsprecher stimmen solchen allgemeinen Aussagen zu, obwohl sie die Schuld immer direkt den "palästinensischen Terroristen" zuschieben.

Als der BBC-Bericht schließlich am Ende enthüllt, dass ein kleines Mädchen mit dem Namen Layan bei einem israelischen Angriff getötet wurde, wird die Formulierung sorgfältig gewählt, um die Schuld der israelischen Täter abzumildern. Das Mädchen, so wird uns gesagt, war mit seiner Familie auf dem Weg zum Strand, als ihre Autorikscha "an einem Militärlager, das von der militanten Gruppe Palästinensischer Islamischer Dschihad betrieben wird, vorbeifuhr", das "genau in dem Moment (...) unter israelischen Beschuss geriet". Der Bericht teilt nichts darüber mit, wie er zu dem Schluss kommt, dass die Familie nicht das Ziel war.

Fortwährende Krise im westlichen Journalismus

Der BBC-Artikel suggeriert zudem durchweg, dass es nicht Israels Absicht gewesen ist, Layan zu töten – und logischerweise auch keines der 17 anderen Kinder, die während des dreitägigen Krieges gegen Gaza ermordet wurden. Außerdem hat Israel laut BBC versucht, das kleine Mädchen zu retten. Leider konnte "eine Woche Behandlung in einem israelischen Krankenhaus ihr Leben nicht retten".

Obwohl israelische Politiker unverhohlen davon gesprochen haben, palästinensische Kinder zu töten – die ehemalige israelische Justizministerin Ayelet Shaked hat auch "die palästinensischen Mütter, die die 'kleinen Schlangen' zur Welt bringen", ins Visier genommen [5] – wird das im BBC-Bericht und in anderen Berichten über den jüngsten Krieg nicht erwähnt. Stattdessen wird der israelische Premierminister Jair Lapid zitiert [6], der gesagt haben soll, dass "der Tod unschuldiger Zivilisten, insbesondere von Kindern, herzzerreißend ist". Lapid hat übrigens den jüngsten Krieg gegen den Gazastreifen angeordnet, bei dem insgesamt 49 Palästinenser getötet wurden [7].

Selbst in einer Human-Interest-Story über ein getötetes palästinensisches Kind werden Formulierungen vermieden, die Israel für die grausame Tötung des kleinen Mädchens verantwortlich machen könnten. Darüber hinaus bemüht sich die BBC, Israel in einem positiven Licht darzustellen, indem sie die Erklärung der Besatzungsarmee zitiert, sie sei "erschüttert über (Layans) Tod und den von allen Zivilisten".

Die NYT und die BBC wurden hier nicht ausgewählt, weil sie die eklatantesten Beispiele für die Parteilichkeit westlicher Medien darstellen, sondern weil sie oft als "liberale", wenn nicht "progressive" Medien zitiert werden. Ihre Berichterstattung steht jedoch für die fortwährende Krise im westlichen Journalismus, insbesondere in Bezug auf Palästina.

Es wurden Bücher über das Thema geschrieben [8], zivilgesellschaftliche Organisationen gegründet [9], um die westlichen Medien zur Verantwortung zu ziehen. Zahlreiche Redaktionssitzungen konnten organisiert werden, um ein wenig Druck auf Redakteure auszuüben – ohne irgendeinen Erfolg.

Verzweifelt über die unveränderten Pro-Israel-Narrative in westlichen Medien argumentieren einige, die sich für Menschenrechte in Palästina einsetzen, dass es im israelischen Medien-Mainstream größere Spielräume gäbe als beispielsweise in den USA. Auch das ist nicht zutreffend [10].

Die irrige Annahme vermeintlich ausgewogenerer Medien in Israel [11] ist eine direkte Folge davon, dass es nicht gelungen ist, die Berichterstattung in westlichen Medien über Palästina und Israel zu beeinflussen. Die Wunschvorstellung wird zum Teil dadurch genährt, dass eine israelische Zeitung wie Haaretz kritischen Stimmen wie denen von Gideon Levy und Amira Hass ein wenig Platz einräumt.

Die offizielle israelische Propaganda, eine der mächtigsten und raffiniertesten der Welt, kann jedoch kaum durch gelegentliche Kolumnen einiger weniger abweichender Journalisten ausgeglichen werden.

Zudem wird Haaretz oft als Beispiel für relativ fairen Journalismus angeführt, einfach deswegen, weil die Alternativen – Times of Israel, Jerusalem Post und andere rechtsgerichtete israelische Medien – abschreckend sind in ihrer Gefühllosigkeit [12], ihrer parteiischen Sprache und der Verdrehung von Fakten [13].

Die pro-israelischen Vorurteile in den westlichen Medien schwappen oft auf Palästina-freundliche Medien im gesamten Nahen Osten und im Rest der Welt über, insbesondere auf diejenigen, die in englischer und französischer Sprache berichten.

Da viele Zeitungen und Online-Plattformen auf westliche Nachrichtenagenturen zurückgreifen, übernehmen sie – oft unbeabsichtigt – dieselbe Sprache, die in westlichen Nachrichtenquellen verwendet wird, und bezeichnen palästinensische Aktivisten und Widerstandskämpfer als "Militante", die israelische Besatzungsarmee als "Israelische Verteidigungskräfte" und den israelischen Krieg gegen den Gazastreifen als "Auflodern" von Gewalt.

Mit dieser Sprachgebung wird der palästinensische Freiheitskampf als Aneinanderreihung blinder Gewaltakte innerhalb eines langwierigen "Konflikts" [14] fehlinterpretiert, bei dem unschuldige Zivilisten wie Layan "ins Kreuzfeuer geraten".

Die tödlichen israelischen Kriege gegen Gaza werden nicht nur durch westliche Waffen und politische Unterstützung ermöglicht, sondern auch durch einen endlosen Strom von Fehlinformationen und Falschdarstellungen in den Medien. Obwohl Israel in den letzten Jahren Tausende von palästinensischen Zivilisten getötet hat, verteidigen die westlichen Medien Israel nach wie vor, als hätte sich nichts geändert.

Der Artikel erscheint in Kooperation mit dem US-Medium Common Dreams [15].

Dr. Ramzy Baroud ist Journalist und Herausgeber der Palästina-Chronik [16]. Er ist der Autor von sechs Büchern. Sein neuestes Buch, das er gemeinsam mit Ilan Pappé herausgegeben hat, ist "Our Vision for Liberation: Engagierte palästinensische Führungspersönlichkeiten und Intellektuelle kommen zu Wort [17]". Baroud ist ein Non-Resident Senior Research Fellow am Zentrum für Islam und Globale Angelegenheiten (CIGA). Seine Website lautet: www.ramzybaroud.net.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7247603

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.nytimes.com/2022/08/06/world/middleeast/fighting-israel-gaza.html
[2] https://www.nytimes.com/2022/08/06/world/middleeast/fighting-israel-gaza.html
[3] https://www.haaretz.com/israel-news/2022-08-16/ty-article/.highlight/after-initial-denial-israeli-officials-admit-5-palestinian-minors-killed-in-gaza-strike/00000182-a2b6-d825-a5a7-aaf6d3320000
[4] https://www.bbc.com/news/world-middle-east-62553628
[5] https://electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/israeli-lawmakers-call-genocide-palestinians-gets-thousands-facebook-likes
[6] https://www.gov.il/en/departments/news/event_statement080822
[7] https://www.aljazeera.com/news/2022/8/12/gaza-death-toll-rises-to-49-including-17-children
[8] https://www.plutobooks.com/9780745329789/more-bad-news-from-israel/
[9] https://www.palestinedeepdive.com/
[10] https://www.palestinechronicle.com/on-haaretz-can-settler-colonialism-be-liberal-and-apartheid-be-progressive/
[11] https://www.haaretz.com/jewish/2022-08-17/ty-article/.highlight/not-even-the-shoah-can-guarantee-germanys-duty-to-israel-today/00000182-ad44-d1f9-a59e-fd6ce9580000
[12] https://www.timesofisrael.com/armed-drones-gave-idf-surgical-precision-during-recent-gaza-fighting-officers-say/
[13] https://www.jpost.com/middle-east/article-714967
[14] https://www.jpost.com/middle-east/article-714967
[15] https://www.commondreams.org/views/2022/08/26/deliberate-misrepresentation-western-media-bias-makes-israeli-war-palestinians
[16] http://www.ramzybaroud.net/
[17] https://www.amazon.com/Our-Vision-Liberation-Palestinian-Intellectuals/dp/1949762440

Article note: +1 #tcomfail

Die Deutsche Telekom bietet für Geschäftskunden seit einigen Jahren eine »Telefonanlage in der Cloud« an. Kurz: CloudPBX. Unter anderem bietet der Dienst Komfortfunktionen, wie Makeln, Anrufbeantworter und Gruppen können via Webinterface und App angepasst werden – Videokonferenzen sind darüber ebenfalls möglich. Nun möchte die Deutsche Telekom auf die Version 2.0 der CloudPBX umstellen und (Bestands-)Kunden sollen ergänzende Bedingungen zur Auftragsverarbeitung zustimmen bzw. neue Datenschutzhinweise abnicken/»zur Kenntnis nehmen«:

ErgB-AV | Datenschutzhinweise

Die ErgB-AV stehen erstmal in einer »gekürzten« Version zur Verfügung. Erst nach einer Anfrage an GDPR@telekom.de bekommt man das vollständige ErgB-AV-Dokument zugesendet, in dem dann auch alle (Sub-)Unterauftragnehmer (ab Seite 9) genannt werden. Schnell wird klar, dass die Daten aus der CloudPBX 2.0 vom Unterauftragsverarbeiter Broadsoft Inc. (Cisco Systems) theoretisch weltweit verarbeitet werden können:

  • Vereinigte Staaten von Amerika
  • Kanada
  • Nordirland
  • Niederlande
  • Großbritannien
  • Brasilien
  • Singapur
  • Japan
  • Australien
  • Hongkong
  • China
  • Jordanien
  • Bulgarien
  • Cosa Rica
  • Indien

Wenn ich das richtig einschätze, betrifft das die Kerndienstleistung: Bereitstellung des Webex-Service bzw. der Anwendungen für die Telekom-eigene Cloud PBX 2.0 Plattform, Betrieb (Webex) und Support. (WebEx-Videokonferenz sind ebenfalls in CloudPBX 2.0 integriert).

Wenn man als Kunde zunächst explizit ein ErgB-AV-Dokument anfragen muss, um zu erfahren, welche (Sub-)Unterauftragnehmer die Daten verarbeiten, dann kann von Transparenz eigentlich keine Rede sein. Als Kunde würde ich in die ergänzenden Bedingungen zur Auftragsverarbeitung jedenfalls nicht einwilligen bzw. dem Vertrag zustimmen. Und selbst die »ausführliche Version« ist nicht vollständig, denn man muss konkret über GDPR@telekom.de anfragen, wo die Daten in der Amazon Cloud (AWS) verarbeitet werden:

Verarbeitungsort: AWS (Global) – Welche dies konkret sind, ist abrufbar bzw. über GDPR@telekom.de zu erfragen.

Nein Danke, so nicht liebe Deutsche Telekom.

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In der EU gilt ab 2035: Nur Elektrofahrzeuge dürfen neu zugelassen werden. Doch E-Fuels bieten möglicherweise einen Weg, Verbrennungsmotoren weiterhin zu nutzen –auf klimaneutrale Art und Weise. Ob dies in der EU auch nach 2035 zulässig ist, soll noch geprüft werden.

E-Fuels nutzen Kohlendioxid aus der Atmosphäre

E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe. Mithilfe von Strom werden sie aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt. Um die Entwicklung klimaneutral zu halten, wird auf erneuerbare Energien und Kohlendioxid gesetzt, das ohnehin in der Atmosphäre vorhanden ist. So können sowohl Methanol als auch Kerosin, Diesel oder Benzin entstehen – und in Verbrennungsmotoren weiterhin genutzt werden. Der Effekt: „Wer einen Verbrennungsmotor statt mit Benzin, Diesel oder Kerosin mit eFuels antreibt, stößt nicht mehr CO2 aus, als der Atmosphäre zur Herstellung der Kraftstoffe entnommen wurde“, so die Interessengemeinschaft eFuel Alliance.

Doch hier schon das erste, große Aber: Nicht jeder „synthetische Kraftstoff“ ist CO2-neutral. So bietet Shell aus Erdgas gewonnen synthetischen Kraftstoff an. Ein anderes Projekt nutzt CO2 welches bei der Zementherstellung entstanden ist. Auch der E-Fuel Partner von Porsche, HIF Global, will CO2 aus „industriellen Prozessen“ für die E-Fuel Produktion nutzen.

Das „reduziert“ zwar den CO2-Ausstoß, aber ist inkompatibel mit den „Netto Null“ Zielen der Staaten im Pariser Abkommen, denn am Ende kommt aus dem Auspuff ja wieder CO2 raus. Damit wird die Entwicklung klimafreundlicher Technologien verschleppt: Die Zementhersteller und andere Industriezweige sparen sich den Umstieg auf CO2-freie Technologie und auch die Autohersteller können an veralteten Technologien wie dem Verbrennungsmotor festhalten.  

E-Autos sparen mehr Emissionen als E-Fuels

Während FDPler wie Christian Lindner E-Fuels für eine „spannende Chance für klimafreundlichen Verkehr“ halten, bezeichnen einige Umweltschützer und Mobilitätsexperten sie als Irrweg. So nimmt Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser die Option der E-Fuels als verwässerten Verbrenner-Ausstieg wahr. Kritikpunkte gibt es viele. Einer davon ist der hohe Strombedarf zur Herstellung von E-Fuels. Angenommen, zehn Prozent der Autos in der EU nutzten E-Fuels, würde die jährliche Nachfrage nach erneuerbaren Energien bereits um fast 40 Prozent steigen. Das hat das Thinktank Transport & Environment (T&E) berechnet, das den wachsenden Bedarf als größten Kritikpunkt sieht. Falko Ueckerdt vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung bezifferte den Strombedarf sogar so hoch wie die gegenwärtige jährliche Nachfrage in Deutschland.

Der Thinktank T&E hat sich darüber hinaus auch mit den Lebenszyklusemissionen der verschiedenen Autos beschäftigt. Ein Auto, das mit der Kombination aus E-Fuels und Benzin fährt, spart im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen lediglich 5 Prozent der Lebenszyklusemissionen ein. Zum Vergleich: Ein E-Auto erzeugt über seinen Lebenszyklus ganze 78 Prozent weniger Emissionen.

Quelle: Think Tank T&E

Auch bei einer Nutzung von reinem E-Fuel fallen die Ergebnisse übrigens nicht sonderlich erbaulicher aus: E-Autos stoßen laut Berechnungen während ihres Lebenszyklus 53 Prozent weniger Emissionen aus als Verbrenner, die mit reinen E-Fuels betrieben werden.

Quelle: Think Tank T&E

E-Autos kommen mit derselben Energiemenge weiter

Dazu kommt, dass die erneuerbaren Energien in E-Autos sehr viel effizienter angelegt sind – denn mit derselben Menge an Energie können Elektrofahrzeuge viel mehr anfangen. So berechnete T&E, dass ein batterieelektrischer Volkswagen ID.3 mit derselben Menge erneuerbarer Energien fünfmal so weit fahren kann wie ein VW Golf mit Verbrennungsmotor, angetrieben durch E-Fuels. Noch drastischer fällt das Ergebnis bei einem batteriebetriebenen BMW i4 aus, der gleich sechsmal so weit fahren kann wie ein BMW 4er mit E-Fuels.

Quelle: Thinktank T&E

Das liegt daran, dass bei E-Fuels aufgrund der stromaufwendigen Herstellung lediglich 13 Prozent der erneuerbaren Energien im Tank landen, während es beim E-Auto ganze 77 Prozent sind.

Quelle: Thinktank T&E (PDF, S. 19)

Nur scheinbarer Vorteil: Verbrenner würden weiterhin genutzt

Nun wären E-Fuels ein Weg, die Emissionen von bereits existierenden Verbrennungsmotoren zu reduzieren. „Bestandsfahrzeuge, die heute fast ausschließlich mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden, können durch den Betrieb mit nachhaltigen Kraftstoffen ganz erheblich zu einer schnellen CO2-Absenkung beitragen. Nur auf diese Weise ist es möglich, dass auch die auf dem Markt befindlichen Fahrzeuge ihren Beitrag zur Klimaneutralität leisten“, zitiert der BR Ulrich-Peter Thiesen und Ingo Behr vom Labor Verbrennungsmotoren des Fachbereichs Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences. Deswegen sollte man jedoch nicht das europaweite Aus des Verbrennungsmotors verschieben. Denn dabei geht es um neu zugelassene Wagen, die ab 2035 keine Verbrennungsmotoren mehr haben dürfen. Der Plan sollte also sein, die Bestandsflotte mit E-Fuels zu betreiben, aber Neuzulassungen rein auf E-Autos umzustellen.

Die Herstellung von E-Fuels ist zwar aktuell noch sehr teuer – das könnte sich mit einer Strompreisentwicklung und Massenproduktion von E-Fuels ändern. Da E-Autos aber grundsätzlich wesentlich weniger Energie benötigen, wäre ihr Betrieb immer noch günstiger als ein Betrieb mit E-Fuels.

Fazit: Schlechte Umweltbilanz, nur in manchen Bereichen nützlich

Klar ist: E-Fuels sind weniger umweltfreundlich als E-Autos. Dennoch bieten E-Fuels die Möglichkeit, Bestandsfahrzeuge CO2-neutral zu betreiben. Zwar steht das Aus für die Neuzulassung von Verbrennerautos ab 2035 eigentlich schon fest, doch EU-Staaten und Europaparlament wollen über die Nutzung von Verbrennungsmotoren mit E-Fuels erst noch abschließend verhandeln. So oder so wird an der Entwicklung von E-Fuels weiter gearbeitet – denn für den Flugverkehr oder die Schifffahrt spielen E-Motoren aktuell noch keine Rolle, wobei auch hier bereits an Alternativen geforscht wird. Genau da könnten E-Fuels Teil eines umweltfreundlichen Wechsels sein. Für den PKW-Verkehr dürfte ihr Einsatz aber angesichts der hohen Kosten und der mangelnden Verfügbarkeit höchstens übergangsweise realistisch sein.

Von viel Halbwissen und so manchem Schnellschuss ist auch die Debatte um AKW-Laufzeitverlängerungen angesichts des drohenden Gasmangels geprägt. Wir haben für euch etwas Licht ins Dunkle gebracht: