geschätzte Lesezeit: 1 min
  • [l] Die INSM war hier über die Jahre häufiger im Blog. Ein marktfundamentalistischer Think Tank der Industriebosse, der wesentlicher "Ideengeber" für die Wirtschaftspolitik von CDU und SPD war: Ewiges Wachstum. Hört nicht auf den Mann hinter dem Vorhang. Das geht immer so weiter. Wenigstens noch ein paar Jahre, da können wir hier noch schnell unsere Schäfchen ins Trockene bringen, und danach halt die Sintflut.

    Als deren Wachstumsmodell sich als kompletter Beschiss herausstellte, und auch der letzte Dorftrottel begriff, dass ewiges Wachstum in einer physischen Welt mit physisch endlichen Rohstoffvorräten nicht gehen kann, da haben sie auf andere hirnverbrannte Dinge umgeschwenkt: Eine antisemitische Hetzkampagne gegen die Baerbock (vom AfD und CSU geklaut), und sie schlugen vor, man solle einmal alle Arbeiter mit Covid durchseuchen. Außerdem bekämpften sie die Energiewende und Scientists for Future.

    Für ihre Ideologie des ewigen Wachstums sind die schon immer über Leichen gegangen.

    Warum erwähne ich die? Weil die aktuell eine Kampagne fahren (Achtung: Links gehen zur INSM), die so unfassbar dämlich ist, dass die PARTEI sie vorweggenommen hat. Das muss man erstmal schaffen.

    Ich weiß nicht, wieviel Einfluss die noch haben. Hoffentlich keinen. So vollumfänglich, wie deren Vorschläge das Land ruiniert haben... auf der anderen Seite regiert aktuell die Cum-Ex-Clankriminalitätspartei SPD und als nächstes wieder die CDU mit den nächsten 20 Jahren Kohl-Merkel, die haben ja sonst niemanden, der ihnen "Ideen" gibt.

geschätzte Lesezeit: 3 min

Linke verliert Bundestagsabgeordnete - Wagenknecht beginnt mit Gründung eigener Partei

Mo 23.10.23 | 13:14 Uhr

  125

Jahrzehntelang war sie in der Linken, jetzt geht Sahra Wagenknecht ihren eigenen Weg. Dafür bereitet sie mit weiteren Bundestagsabgeordneten und dem Verein "Bündnis Sahra Wagenknecht" die Gründung einer eigenen Partei vor.

Die bisherige Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat offiziell mit der Gründung ihrer eigenen Partei begonnen. Der Verein "Bündnis Sahra Wagenknecht - Für Vernunft und Gerechtigkeit" wurde gegründet, um eine neue Partei vorzubereiten", hieß es in einer am Montag in Berlin verteilten Erklärung.

Die Ampel-Regierung sei trotz zahlreicher Krisen in der Welt planlos, und Deutschland habe eine absurd schlechte Infrastruktur, sagte Wagenknecht in einer Pressekonferenz am Montag. "So wie es derzeit läuft, darf es nicht weitergehen." Deutschland drohe ein Wohlstandsverlust. Das Land müsse weg von einem blinden Öko-Kurs, der Mindestlohn müsse deutlich angehoben werden.

Zehn Abgeordnete verlassen Partei - Verbleib in Fraktion noch unklar

Wagenknecht hat zusammen mit den Bundestagsabgeordneten Amira Mohamed Ali und Christian Leye sowie dem Unternehmer Ralph Suikat und dem ehemaligen Geschäftsführer der Linken in Nordrhein-Westfalen, Lukas Schön, einen Verein ins Leben gerufen, um eine Parteigründung vorzubereiten. Experten trauen ihr zu, einen größeren Teil an Nicht- und Protestwählern auf sich zu vereinen.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch hat den Parteiaustritt von Sahra Wagenknecht und neun weiteren Abgeordneten als "unverantwortlich und inakzeptabel" kritisiert. Bartsch bestätigte am Montag, dass die zehn betroffenen Abgeordneten trotz ihres Parteiaustritts einen Antrag auf Verbleib in der Linksfraktion gestellt hätten. "Unsere Fraktion wird souverän und in großer Ruhe darüber entscheiden", kündigte Bartsch an.

Die Fraktion hat nur 38 Abgeordnete. Wenn mehr als zwei von ihnen austreten oder ausgeschlossen werden, verliert sie den Fraktionsstatus und kann nur noch als Gruppe weitermachen. Dies bedeutet neben weniger Rechten im parlamentarischen Betrieb auch den Verlust bedeutender Mittel der Bundestagsverwaltung, insbesondere für die Anstellung von Mitarbeitern.

Die Linke-Parteispitze will gegen die Wagenknecht-Mitstreiter vorgehen. Parteichef Martin Schirdewan hatte am Sonntag all jenen Mitgliedern mit Parteiausschluss gedroht, die sich Wagenknechts Verein anschließen wollen.

Insa: 27 Prozent können sich vorstellen, Wagenknecht-Partei zu wählen

Die bisherige Co-Fraktionschefin der Linken, Amira Mohamed Ali, sagte, die Gruppe sei bereits aus der Linkspartei ausgetreten. "Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen." Die Linke habe trotz immer neuer Wahlniederlagen ihren Kurs nicht korrigiert und sei auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Viele Menschen hätten das Vertrauen in die Politik verloren.

Mohammed Ali erklärte, dass viele Menschen sich nicht von den bestehenden Parteien vertreten fühlen. "Wir wollen die bestehende Lücke im deutschen Parteiensystem schließen und eine Partei gründen, die für wirtschaftliche Vernunft, soziale Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit einsteht."

Einer Insa-Umfrage für "Bild am Sonntag" zufolge könnten sich 27 Prozent der Befragten in Deutschland vorstellen, eine Wagenknecht-Partei zu wählen.

Partei soll bei ostdeutschen Landtagswahlen antreten

Mit ihrer neuen Partei will Wagenknecht möglichst bei den drei ostdeutschen Landtagswahlen kommendes Jahr antreten. "Wir streben an, in den drei Bundesländern zu kandidieren, aber ob wir es wirklich in allen dreien schaffen, wird natürlich davon abhängen, wie sind die Landesverbände bis dahin aufgestellt, welche Kandidaten haben wir vor Ort", sagte die 54-Jährige am Montag in Berlin. Sie betonte, dass die Entscheidung letztlich bei der neu zu gründenden Partei liege.

Kommendes Jahr werden in Thüringen, Sachsen und Brandenburg Landtage gewählt. In Thüringen hätte eine Wagenknecht-Partei einer Insa-Umfrage vom Juli zufolge Potenzial, stärkste Kraft im Freistaat zu werden - vor allem auf Kosten der AfD und der Linken.

Die Brandenburger AfD befürchtet nach der angekündigten Neugründung Stimmenverluste bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland kommendes Jahr. Wagenknecht setze auf eine Spaltung der Opposition, kritisierte die AfD-Landesvorsitzende Birgit Bessin am Montag laut einer Mitteilung.

Sendung: rbb24 Inforadio, 23.10.2023, 11:00 Uhr

geschätzte Lesezeit: 2 min

Vetreter*innen und Mitarbeiter*innen der Wohnungsunternehmen im Arbeitskreis StadtSpuren und der Stadtverwaltung trafen sich zur Stadtteilklausur Waldstadt I & II im Haus der Begegnung.

Zu Beginn der Veranstaltung führte Carsten Hagenau, Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren in die Bedeutung der Stadtteile für die Wohnungsunternehmen ein. Die kommunale ProPotsdam und die Genossenschaften WK Karl Marx, PWG 1956 und pbg sind mit einem hohen Anteil in beiden Stadtteilen der Nachkriegszeit vertreten. In der Waldstadt I sind es rund 56 % und in der Waldstadt II 66 % Wohnungsanteil der sozialen Wohnungswirtschaft. Dementsprechend liegen auch die Durchschnittsmieten bei 5,96 € Nettokalt pro m² (Waldstadt I) und 5,84 € Nettokalt pro m² (Waldstadt II).

Vertreter des Arbeitskreises StadtSpuren und der Stadtverwaltung trafen sich am Donnerstag in der Waldstadt zur fünften Stadtteilklausur. Fotos: Josephine Braun

Einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und in die städtebaulichen Kompositionen stellte Josephine Braun, Mitarbeiterin im Arbeitskreis StadtSpuren vor. Um in den Nachkriegsjahren auf die herrschende Wohnungsnot zu reagieren, wurden unter anderem mit der Errichtung der Waldstädte reagiert. Die Waldstadt I gilt als erste Plattenbausiedlung in Potsdam. Die benötigten Platten stammten aus dem benachbarten Plattenwerk. Beide Stadtteile zeichnet die Eingliederung in ihre natürliche Waldumgebung aus. 1983 wurde die Waldstadt II mit dem ersten Preis beim Architekturwettbewerb der DDR ausgezeichnet.

Einen übergeordneten Blick auf die gesamträumliche Perspektive stellte Sebastian Anderka, Bereichsleiter Gesamtstädtische Planung, vor. Dabei ging es um die Ergebnisse im INSEK 2035 und umliegend Vorhaben am Nuthetal.

Viola Holtkamp, Bereichsleiterin Stadtraum Süd-Ost, und Robert Werner, Geschäftsbereich Bildung, Kultur, Jugend und Sport, stellten den aktuellen Planungsstand für den Schulstandort Waldstadt-Süd sowie die Entwicklung eines integrierten Schul- und Sportstandorts mit zwei Großspielfeldern am Standort der ehemaligen Kulturbodendeponie vor. Für Beide Schulentwicklungsplanungen stehen Überarbeitungen der Bebauungspläne an. Die entsprechenden Verfahren sollen im kommenden Jahr beginnen.

Teilnehmende der Stadtteilklausur Waldstadt I und II

Thomas Nader, Fachbereich Wohnen, Arbeit und Integration gab einen Überblick über die Wohnstruktur und Wohnbedarfe in den Stadtteilen. Annekatrin Bundrock, Bereich Statistik und Wahlen gab einen Überblick über die Einwohnerzahlen und Entwicklungen. Dr.-Ing. Jörg Leben, Bereich Verkehrsentwicklung, befasste sich in seinem Vortrag mit der Verkehrssituation.

Von Seiten der Wohnungsunternehmen stellte Bert Nicke, Geschäftsführer ProPotsdam, das Neubauvorhaben des kommunalen Wohnungsunternehmens im Rahmen des Sonderbauprogrammes vor. Gregor Heilmann, Geschäftsführer Gewoba ProPotsdam, stellte die Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten in der Waldstadt II vor.

ProPotsdam-Geschäftsführer Bert Nicke stellte das Sonderbauprogramm vor.

Sebastian Kraus, Vorstand WG Karl Marx, stellte das Neubauvorhaben am Kahleberg vor. Die WG „Karl Marx“ Potsdam eG errichtet in der Waldstadt II zwei neue Wohngebäude mit insgesamt 83 Wohneinheiten. Am selben Abend wurde hierfür die Grundsteinlegung gefeiert.

Abschließend befasste sich Martin Harsche, Vorstand pbg, mit Studien zur Weiterentwicklung des Bestandes durch Aufstockungen.

Mehr zu den Stadtteilklausuren des Arbeitskreises StadtSpuren.

geschätzte Lesezeit: 3 min

Nicht nur im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer. Auch beim beabsichtigten Wiederaufbau der Garnisonkirche war sie frühzeitig abhanden gekommen. Zwei Beispiele: Nur mit Spendengeldern sollte das Projekt errichtet werden, war einer der vielen falschen Aussagen. 2017 zum Reformationsjahr ist Einweihung. Am Ende hat den Bau der Turmkopie mehrheitlich der Staat bezahlt, Spenden machen nur einen Bruchteil aus. Und 2017 war lediglich der Baubeginn. Das Ende ist noch nicht absehbar. Von nachfolgenden Generationen ist manchmal die Rede.

Vor wenigen Tagen wurde eine Tafel an der Turmkopie angebracht. Auf ihr steht entgegen der Wahrheit: „Friedrich Wilhelm König in Preussen hat diesen Thurm nebst der Garnison Kirche zur Ehre Gottes erbauen lassen“, daneben steht: „anno 1735“. Beides entspricht nicht der Wahrheit. Bauherrin der Turmkopie ist die Stiftung Garnisonkirche. Gebaut 2017 bis 2025?

Dass der neue Turm dem barocken Original ähnlichsieht, steht außer Frage. Ähnlich klobig und größenwahnsinnig, umbaute Leere. Seine Raumstruktur ist aber eine völlig andere. Und seine Funktion soll es auch sein. Auch wenn immer wieder darüber diskutiert wird, ob nicht doch eine (teil-)militärische Nutzung, zum bspw. Opfergedenken für im Ausland gefallene Soldat*innen, stattfinden könnte. „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Die in Stein gemeißelte Botschaft des Lukas-Evangelium, Kapitel 1, Vers 79 soll den Bruch mit der Geschichte verdeutlichen. Soll das ein Eingeständnis sein, dass die ursprüngliche Kirche eine militärische, kriegerische und somit unfriedliche, also Gott missachtende Rolle hatte? Wozu dann die Tafel, dass die Hütte zu Ehren Gottes gebaut wurde? Zu Ehren welches Kriegsgottes?

Ungeachtet dieses Gedankengangs steht die Frage: Wollen sich Huber, Vogel, Eschenburg und Co; also die heutigen Erbauer mit der Tafel dem Preußen-König gleichsetzen? Ist das Amtsanmaßung, Größenwahn oder Realitätsverlust? Zumindest ist es eine Fake-Botschaft, die nun die Turmkopie „schmückt“. Gleichzeitig täuscht es vor, der Turm sei ein historisches Gebäude. Damit entwertet die Stiftung die echten Denkmale dieser Stadt. Nur eine kommentierte Tafel, mit dem Hinweis, dass das ursprüngliche Gebäude durch den Soldatenkönig errichtet wurde, hätte der Realität Rechnung getragen.

Die Halb- und Unwahrheiten nehmen kein Ende. Neuste Botschaft: Der Turmbetrieb soll bald aufgenommen werden und kostendeckend sein. Ein Witz oder eine erneute Fehleinschätzung?

„Mit einem minimalen Personalaufwand geht die Kalkulation derzeit auf“, versicherte Eschenburg der PNN.

Nach aktuellen Aussagen der Stiftung (siehe https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/zwolf-euro-eintritt-potsdams-garnisonkirchturm-soll-im-april-fertigwerden–haube-bis-herbst-2025-10652863.html) soll der Eintrittspreis für Turm und Ausstellung 12,- Euro betragen. Für Gruppen sowie Schüler sind Ermäßigungen geplant. Das bedeutet in einer Mischkalkulation 10,- pro Besucher*in. Bei 80.000 Menschen pro Jahr macht dies 800.000 Euro Einnahmen. Etwas mehr als noch vor zwei Jahren veranschlagt (5 €/Nase). Den Einnahmen stehen aber Kosten von 1,3 bis 1,5 Mio. € gegenüber (z.B. Personalkosten, Lernort-/Ausstellungskosten, Gebäudebetrieb, speziell die Aufzüge, technische Wartung …). Diese Einschätzung basiert auf Auskünften diverser Museen und touristischen Einrichtungen. Leider legt die Stiftung zum Turmbetrieb und ihrer Behauptung keine Zahlen vor. Leider druckt der Tagesspiegel die Aussagen zur Kalkulation auch unkontrolliert und unkommentiert ab.

Auch die Aussage der Stiftungssprecherin Beatrix Fricke zur Eintrittspreisbildung ist irreführend: „Zudem müsse man bedenken, dass der Betrieb nicht subventioniert werde.“ Ohne Subventionen durch die Landeskirche (aktuell 500.000 Euro/Jahr) hätte die Stiftung schon längst dicht machen müssen und könnte nicht mal den Turmbetrieb aufnehmen. Nur mit weiteren Zuschüssen der EKBO kann die Kalkulation zum Turmbetrieb unserer Einschätzung nach, nicht mal annähernd „kostendeckend“ sein. Dies geht zu Lasten anderer Kirchen im Land.

Interessant ist auch, dass die Stiftung nun schon viele Monate äußert, dass die Ausschreibung für die Turmhaube in Vorbereitung ist, aber diese nicht beginnt. Kosten für das Projekt Turmhaube kann oder will sie auch nicht benennen. Für ein öffentlich gefördertes Bauvorhaben ist dies weder transparent noch versöhnlich.

Mehr zum Thema Bau- und Betriebskosten im Recherchebericht https://potsdam-stadtfueralle.de/2022/02/22/millionengrab-garnisonkirche-stiftung-mit-rechenschwaeche-turmbetrieb-defizitaer/

Hier noch eine kleine Rechenhilfe:

Die Stiftung Garnisonkirche rechnet mit 80.000 Besucher*innen im Jahr, um den Betrieb des Turmes zu finanzieren. Etwa 225 Besucher pro Tag (bei 360 Tagen), Frühling/Sommer eher 400, Herbst/Winter eher 100. Jeden Tag 225 Menschen. Gehen wir von einer Lastverteilung innerhalb des Tages aus, sind dies in Spitzenzeiten 50 Personen. Laut Zulassung dürfen aber nur 40 Personen gleichzeitig im Turmschaft sein. Es müssten als Zeitfenstertickets verkauft werden, die wiederum kontrollintensiv (also personal- oder technikintensiv) sind. Vor dem Turm müssten sich an Potsdams lautester Straße sogar kleine Besucher*innenschlangen bilden, wenn der erhofften Andrang eintreten soll. Im Jahr 2025 können nicht mal täglich 225 Menschen den Turm besuchen, da über Wochen die Turmhaube aufgesetzt wird. Wie so oft, ist Wunschdenken der Kern des Stiftungshandels und der PR-Arbeit.

image_pdfRunterladen als PDF

geschätzte Lesezeit: 3 min

Das Urheberrecht als Comic? Mit Superheldinnen und Bösewichten, mit Zzzzosch!-Wumms!-Boingggg!-Action?? Nun ja, nicht ganz, eigentlich gar nicht. Das vorliegende Buch gehört zum Genre der Sach-Comics, die zeichnerisch und narrativ Wissen vermitteln. Sie arbeiten mit den genre-typischen, film-artig inszenierten Blickwinkeln, Sprechblasen-Texten und Bild-für-Bild-Abfolgen. Und sie widmen sich Sachgebieten wie Geschichte, Technik, Gesellschaft oder Naturwissenschaften.

Mit diesen Mitteln klären also die beiden französischen Autoren Emmanuel Pierrat (Text) und Fabrice Neaud (Zeichnungen) über Geschichte und Wirkungsweisen des Urheberrechts auf – und das gelingt ihnen alles in allem, oder passender formuliert, „unterm Strich“ wirklich gut.

„Das Urheberrecht“ von Emmanuel Pierrat (Text) und Fabrice Neaud (Zeichnungen), aus dem Französischen von Edmund Jacoby, farbig, 72 Seiten.

Deutschsprachige Ausgabe, Comic-Bibliothek des Wissens, 2023 (Original 2016), ISBN 978-3-396428-189-0, erschienen im September 2023.

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit beim Verlagshaus Jacoby & Stuart.

Urheberrecht erklären, aber anschaulich und mit Augenzwinkern

Ihr ambitioniertes Werk punktet mit visuellem Ideenreichtum und catchy Motiven. Das zeigt sich gut in den vielen bildnerischen Metaphern, wie den immer wieder auftretenden Wolf (aus dem Märchen mit der Großmutter) als Sinnbild für intendierte Urheberrechtsverletzungen. Oder eine Art Bauhelm, der für Schutzmechanismen zugunsten der Urheber*innen steht. Später kommt ein Bowler (Melonenhut) hinzu, als „Kopfarbeitsschutz“ für ausübende Künstler*innen.

Amüsant sind die zeichnerischen Zitate, wenn weltbekannte Künstler*innen wie Modeschöpfer Karl Lagerfeld sowie bekannte Filmfiguren und Filmszenen auftauchen (Terminator, 2001, Matrix) und narrativ „eingebaut“ werden. Da begegnen den Leser*innen tatsächlich die (frei nachgezeichneten) Superheld*innen aus Marvel- und DC-Universen. Das signalisiert ein entspannendes Augenzwinkern, mit dem die Autoren auf die bekanntlich oft trocken-seriöse Materie blicken.

Ein komplexes Rechtsgebilde, das auch Laien heute beschäftigt

Die Autoren gehen nur anfangs chronologisch vor. Vielmehr orientiert sich ihre Kapitelaufteilung an unterschiedlichen Perspektiven auf die urheberrechtlichen Prinzipien und Regelungen, etwa die der Konsument*innen, der Verwerter*innen und ausübenden Künstler*innen. Zudem gehen sie auf Aspekte ein, wie Verwertungsmechanismen und Vergütungen – wobei die Verwertungsgesellschaften leider etwas zu kurz behandelt werden, um für Laien verständlich genug zu sein.

Auch die Kapitel über offene Lizenzen und Creative Commons könnten etwas mehr Erklärraum vertragen. Hier wirkt das Buch etwas hektisch. Dass ganz neue Phänomene, wie das Verhältnis von Künstlicher Intelligenz zum Urheberrecht, nicht vorkommen, liegt gewiss daran, dass das Werk bereits 2016 erschien und erst jetzt – 7 Jahre danach – ins Deutsche übersetzt wurde. Dies übrigens inhaltlich sehr aufmerksam und sprachlich gut.

Kleine Abstriche bei Format und Gestaltung

Etwas schade ist das A5-kleine Buchformat – eine Comic-typische A4-Größe hätte hier Vorzüge. So würden die Zeichnungen besser zur Geltung kommen, die Schrift wäre lesbarer und die Augen hätten angesichts der vielen, kleinen Textkästen mehr Flächen zum Ausruhen. Mitunter ist die schwarze Schrift vor blauem Hintergrund schwer lesbar – ein seltsamer Fauxpas in dem sonst sehr gut produzierten Werk.

Die Kapitel-Anfänge sind jeweils mittendrin im Bilderreigen platziert statt an Seitenanfängen. Das wirkt wie eine etwas unglückliche Verdichtung. Und warum gibt es eigentlich kein Inhaltsverzeichnis? Es wäre nützlich für gezielte Nutzungen.

Urheberrecht: Entwickelt in Zeiten der Aufklärung …

Sehr überzeugend ist das Kapitel zu den Auswüchsen des heutigen Urheberrechts aufgrund von komplexen Verträgen und juristischen Feinheiten, insbesondere bei Film-, Games- und anderen Mammutproduktionen, an denen zahlreiche Ausführende beteiligt sind. An dieser Stelle mag sich erschließen, mit welchem Anliegen die Autoren eigentlich an ihr Werk gingen.

Als Quintessenz lässt sich herauslesen, dass das Urheberrecht heute, im Zeitalter von Digitalisierung, Klonen und künstlicher Werkschöpfung, vor großen Herausforderungen steht – wohingegen seine Grundzüge aus der Zeit der Aufklärung stammen.

… und katapultiert in die digitale Gegenwart

Darauf mag auch auch das Cover subtil hinweisen. Der darauf gezeichnete Victor Hugo, den die Autoren als einen der Urväter des europäischen Urheberrechts beschreiben, scheint quasi aus dem Hier und Jetzt darauf zu blicken, wie komplex, ausgefeilt, wimmelig und überreguliert das Ganze geworden ist – und sich nachdenklich zu fragen, was er den nachkommenden Gesellschaften damit wohl eingebrockt hat …  .

Trotz der genannten Kritikpunkte ist der Sach-Comic von Pierrat und Neaud sehr gelungen und gut geeignet für jene, die sich auf kurzweilige bis amüsante Weise nützliches Grundwissen zu Ursprung, Rolle und Wirkungen des Urheberrechts draufschaffen oder es revitalisieren wollen.

Sie möchten iRights.info unterstützen?

iRights.info informiert und erklärt rund um das Thema „Urheberrecht und Kreativität in der digitalen Welt“. Alle Texte erscheinen kostenlos und offen lizenziert.

Wenn Sie mögen, können Sie uns über die gemeinnützige Spendenplattform Betterplace unterstützen und dafür eine Spendenbescheinigung erhalten. Betterplace akzeptiert PayPal, Bankeinzug, Kreditkarte, paydirekt oder Überweisung.

Besonders freuen wir uns über einen regelmäßigen Beitrag, beispielsweise als monatlicher Dauerauftrag. Für Ihre Unterstützung dankt Ihnen herzlich der gemeinnützige iRights e.V.!