PHP 668 Updated Aug 24, 2022
Von Null auf Passwort-Manager – etwas Aufwand, großer Sicherheitsgewinn
Von Null auf Passwort-Manager – etwas Aufwand, großer Sicherheitsgewinn

Der ideale Zeitpunkt auf einen Passwort-Manager anstatt auf Passwort-Schemas, einer Loseblattsammlung oder Browser-Verwaltung zu setzen, ist: jetzt!
Dem Wechsel auf einen Passwort-Manager haftet ein ähnlicher Reiz an wie der Einführung von einem Backup. Eigentlich wissen alle, dass so etwas nötig ist. Aber sich darum zu kümmern, bedeutet Aufwand. Um den inneren Schweinehund zu überwinden, braucht es eine Art Zündfunken. Den soll dieser Artikel liefern.
Dabei soll nicht verharmlost werden, dass der Umzug auf einen Passwort-Manager tatsächlich kurzzeitig etwas Arbeit macht. Bereits nach geringer Zeitspanne gehen jedoch die geänderten Wege im Browser so ins Blut über, dass davon nichts stört oder negativ auffällt.
Vergessene Konten
Auslöser zum Schwenk auf einen externen Passwort-Manager war bei mir der aufgeregte Anruf eines Freundes, dessen Facebook-Zugang aufgrund kinderpornografischer Inhalte gesperrt wurde. Die stammten selbstverständlich nicht von ihm. Er fand jedoch eine Erpresser-E-Mail, in der die Einbrecher Kryptogeld für die Löschung der Zugangsdaten forderten.
An die Zugänge gelangten Cyberkriminelle durch einen alten, vergessenen Account bei einem Mail- und Webprovider. Bei einem Einbruch dort konnten die dortigen Zugangsdaten offenbar entwendet werden, ohne, dass der Anbieter einen Passwortwechsel im Anschluss forderte. Der Facebook-Zugang kann nicht wiederhergestellt werden, aber mit umfangreichen Passwort-Änderungen für diverse Zugänge, Anzeige bei der Polizei und auch sonstig viel Ärger ist die Situation zumindest im Griff.
Alte, vergessene Zugänge sind also ganz offenbar ein Problem. Auch ich hatte bis vor wenigen Jahren ein noch immer genutztes Konto, dessen Passwort seit 17 Jahren unverändert blieb. Allerdings ohne ernste Folgen. Der Vorfall des Freundes war jedoch der nötige Augenöffner, doch einmal die bequeme Zone zu verlassen und es nun besser zu machen. Das Kombinieren von Zugangsdaten aus diversen Datenlecks und Einbrüchen gehört zum derzeitigen Standardrepertoire von Cyberkriminellen, es wird also dringlicher.
Auswahl des Passwort-Managers
Eigentlich sollte die Nutzung des Passwort-Managers aus dem Webbrowser schon helfen, dass komplexe und stets andere Passwörter zum Einsatz kommen können. Die sind dann in der Regel auch geräteübergreifend verfügbar. Inzwischen kann etwa Google Chrome die Passwörter lokal verschlüsselt ablegen [1], sodass Google theoretisch keinen Zugriff darauf hat. Das müssen (Alt-)Nutzer jedoch selbst aktivieren, was erfahrungsgemäß also nicht stattfindet.
Die Passwörter können Cyberkriminelle jedoch aus den Browser-Speichern oftmals einfach auslesen. Weiterreichende Funktionen wie das Teilen von Zugangsdaten mit anderen oder Passwortgeneratoren bieten sie in der Regel nicht. Zudem fehlen den Browser-eigenen Passwortspeichern praktische Zusatzfunktionen, etwa Konten aus Programmen und Apps zu verwalten.
Es gibt zahlreiche, oftmals gute Passwort-Manager am Markt [2]. Allen gemein ist, dass Nutzerinnen und Nutzer sich statt zahlreicher individueller Passwörter lediglich ein einziges Master-Passwort merken müssen. Oder gar auf biometrische Freischaltung etwa per Fingerabdruck setzen können. Das ist sicherer und zugleich bequem.
Die Wahl fiel im konkreten Fall auf Bitwarden. Das ist Open-Source, kostenlos und sehr flexibel. Es bietet zudem Zusatzfunktionen, wie das verschlüsselte und geschützte Abspeichern etwa von Kreditkartendaten oder das Teilen von Zugangsdaten für Teams respektive Arbeitsgruppen.
Die anderen Passwort-Manager sind jedoch ebenfalls eine legitime Wahl. Der Umzug dorthin unterscheidet sich dann im Detail etwas von Bitwarden, grundsätzlich läuft der jedoch sehr ähnlich ab.
Umzugspläne
Der Umzug selbst gestaltete sich schlussendlich einfach – die nötigen Informationen liegen jedoch verteilt im Netz und manche hilfreiche Einstellung lässt sich nicht intuitiv finden. Die konkrete Aufgabe lautete, die lokal verschlüsselten Passwörter aus Google Chrome zu Bitwarden zu migrieren.
Dazu müssen Interessierte zunächst die Bitwarden-Software herunterladen [3] und installieren sowie ein Bitwarden-Konto einrichten. Die Zugangsdaten landen dadurch mit dem Master-Passwort verschlüsselt auf den Bitwarden-Servern. Wer das nicht möchte, kann sich eine eigene Bitwarden-Instanz aufsetzen und behält so vollständig die Kontrolle – auch der Server ist als Open-Source verfügbar. Insbesondere für den Einsatz in Firmennetzen ist das eine oft wichtige Funktion.
Bitwarden nutzt dazu eine Hauptanwendung und Plug-ins für die gängigen Webbrowser. Theoretisch ließe sich der Passwort-Manager jetzt schon nutzen, aber ein paar Optionen in den Einstellungen bringen deutlichen Komfort. Außerdem sollen die bestehenden Passwörter gleich in den Passwort-Manager einziehen.
(Bild: Screenshot)
Unter "Datei" finden sich die "Einstellungen" im Bitwarden-Hauptprogramm. Unter Windows sind bei vorhandenen Biometrie-Sensoren die Einstellungen zu Windows Hello spannend, diese sollten Nutzerinnen und Nutzer aktivieren. Zudem fehlen unter den tiefer liegenden App-Einstellungen alle Haken.
(Bild: Screenshot)
Das Taskleisten-Symbol sorgt dafür, dass Bitwarden stets zugreifbar bleibt. Die Optionen "Zum Taskleisten-Symbol minimieren", "In den Infobereich minimieren", "Minimiert in Taskleiste starten" sowie "Automatisch bei der Anmeldung starten" sorgen für einen aufgeräumten Desktop auch dann, wenn Bitwarden aktiv im Hintergrund bleibt. Wichtig ist zudem natürlich, die "Browser-Integration aktivieren" auszuwählen, damit Bitwarden die Passwörterverwaltung in den Webbrowsern übernehmen kann.
Hin und her
Damit die Passwörter in Bitwarden landen können, müssen Anwender sie zunächst etwa aus Google Chrome exportieren. Der Passwort-Manager des Browsers findet sich im Chrome-Menü hinter den drei gestapelten Punkten unter "Einstellungen", "Autofill" und dort "Passwortmanager". Alternativ klappt der Aufruf via URL [4]. Dort bietet Google den Export in eine unverschlüsselte CSV-Datei an.
(Bild: Screenshot)
Nach dem Speichern der Daten kann ein kurzer Blick in die CSV-Datei nicht schaden: Dort lagern gelegentlich auch veraltete Zugangsdaten zu Konten, die vor einem Import in einen anderen Passwort-Manager für Dubletten und Verwirrung sorgen könnten – dort stehen mitunter dann mehrere Zugangsdaten für ein Konto zur Auswahl. Bei der Suche nach dem korrekten Zugang könnten Nutzerinnen und Nutzer in der Praxis in einer Zugangssperre aufgrund häufiger Fehlversuche landen. Daher empfiehlt sich, bekannt veraltete Passwörter zu einem Konto in der CSV-Datei zu löschen.
(Bild: Screenshot)
Anschließend lässt sich diese Datei nun in Bitwarden einfach importieren. Entweder melden Sie sich online in Ihrem neu erstellten Bitwarden-Konto an [5] oder an dem eigenen, selbstgehosteten Web-Tresor. Dort findet sich unter "Werkzeuge" der Eintrag "Daten importieren". Anschließend sollte die CSV-Datei gelöscht werden, da sie die Zugangsdaten unverschlüsselt enthält.
Jetzt müssen die Daten nur noch aus dem Google Passwortspeicher gelöscht werden. Am Einfachsten gelingt das durch das Deaktivieren der Option "Speichern von Passwörtern anbieten" in den Chrome-Einstellungen oder dem Google-Passwort-Tresor-Link. Einen Browser-Neustart später sind die Zugangsdaten im Webbrowser verschwunden.
Browser-Plug-ins
Jetzt fehlt noch ein Browser-Plug-in, um das (automatische) Ausfüllen von Zugangsdaten durch Bitwarden zu ermöglichen. Im Bitwarden-Hauptprogramm findet sich unter "Hilfe" – "Browser-Erweiterung installieren" eine Sammlung der verfügbaren Plug-ins. Die führen im Standard-Webbrowser des Systems auf den jeweiligen Store, aus dem sich die Erweiterung rasch installieren lässt.
(Bild: Screenshot)
Dort sollten Nutzerinnen und Nutzer den Einstellungen ebenfalls kleine Optimierungen angedeihen lassen. So lässt sich auch im Browser-Plug-in die Einstellung vornehmen, es "Mit Biometrie entsperren" sowie es "Beim Start nach biometrischen Daten fragen" zu lassen. Unter "Sonstige" – "Optionen" hat sich die Auswahl von "Host" für die "Standard-URI-Match-Erkennung" als praxistauglicher als die Voreinstellung erwiesen. Dadurch berücksichtigt Bitwarden bei der Daten-Auswahl auch Subdomains. Das Löschen der Zwischenablage sollte einen Zeitraum, beispielsweise "20 Sekunden" erhalten, damit nach dem Kopieren eines Passworts dieses nicht dauerhaft darin erhalten bleibt.
(Bild: Screenshot)
Am Ende der Optionen finden sich Einstellungen zum automatischen Ausfüllen von Zugangsdaten-Feldern in Webseiten. Durch das Aktivieren der Funktion sowie der Auswahl "Automatisches Ausfüllen beim Laden der Seite" erreicht man den maximalen Komfort. Manchen ist das automatische Ausfüllen jedoch aus Sicherheitsgründen zu heikel, sie sollten die Standardvorgabe belassen. Dann lassen sich die Felder durch Klick auf das Bitwarden-Icon im Browser auswählen und nach Klick automatisch einfügen.
(Bild: Screenshot)
Andere Geräte
Bitwarden lässt sich anschließend auf weiteren Rechnern einfach installieren. Idealerweise aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung, sodass nur Kontoinhaber neue Geräte hinzufügen können. Bitwarden läuft zudem auch unter Android und iOS. Hier gibt es auch einige Optionen für mehr Komfort zu aktivieren, sodass etwa der "Auto-Ausfüllen Dienst" läuft oder Bitwarden sich "mit Biometrie entsperren" lässt. Unter "Auto-Ausfüllen" finden sich die Optionen, mit denen sich neben "Inline Auto-Ausfüllen verwenden" auch "Bedienungshilfen verwenden" lassen, die dann auch automatisches Ausfüllen in Apps erlaubt, die das Auto-Fill-Framework von Android nicht unterstützen.
Umgewöhnung nach dem Umzug
An dieser Stelle ist der schwierige Teil des Umzugs auf einen vollwertigen Passwort-Manager mit mehr Sicherheitsfunktionen und Features wie einem integrierten Passwortgenerator bereits vollzogen. Was nun folgt, sind ein paar Stunden der Umgewöhnung, was jedoch aufgrund intuitiver Bedienung ein Selbstläufer ist. Etwas aufwendiger gestaltet sich das Entrümpeln von Zugangsdaten-Dubletten. Das sollte nach wenigen Tagen aber ebenfalls weitestgehend abgeschlossen sein.
Mit dem Passwort-Manager kann man die Passwörter für die diversen Konten schließlich Stück für Stück neu erstellen lassen und ändern. Der Sicherheitsgewinn dadurch ist enorm: Durch den besonders einfachen und damit auch stattfindenden Passwortwechsel beißen Cyberkriminelle sich anschließend die Zähne daran aus, mit veralteten erbeuteten Zugangsdaten Zugriff auf die sensiblen Daten und Zugänge zu erhalten. Noch mehr Sicherheitsgewinn liefert schließlich das Aktivieren von Mehrfaktorauthentifizierung, wo immer möglich – das sollten Umsteiger im gleichen Atemzuge gleich mit erledigen.
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J.K. Rowling beklagt sich in offenem Brief über „intolerantes Klima“
Der „Harry Potter“-Autorin wird Transfeindlichkeit vorgeworfen. J.K. Rowling reagiert mit einem offenen Brief, indem von einer „erstickenden Atmosphäre" die Rede ist.
- J.K. Rowling hat auf Twitter erneut Wut und Empörung ausgelöst.
- Die „Harry Potter“-Autorin veröffentlichte eine Reihe transfeindlicher Tweets.
- Neben zahlreichen Aktivistinnen und Aktivisten ergreift auch „Harry Potter“-Schauspieler Daniel Radcliffe das Wort
Update vom Donnerstag, 09.07.2020, 10.40 Uhr: Gemeinsam mit weiteren 151 Intellektuellen hat J.K. Rowling einen offenen Brief geschrieben. In dem Schreiben solidarisieren sich die Unterzeichner*innen auf der einen Seite mit den weltweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt, kritisieren auf der anderen aber eine intolerante Kultur, die der offenen Debatte schaden würde.
„Der freie Austausch von Informationen und Ideen, der Lebensnerv einer liberalen Gesellschaft, wird jeden Tag weiter verengt“, schreiben J.K. Rowling und ihre Kolleg*innen, zu denen unter anderem der deutsche Autor Daniel Kehlmann, der amerikanische Linguistik-Professor Noam Chomsky und die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood gehören. Veröffentlicht wurde der Brief durch das „Harper‘s Magazine“.
Die internationale Riege von Intellektuellen um Rowling kritisiert außerdem die feindliche Kultur, die ihnen entgegengebracht werden würde. Es gebe „im Geiste eine panische Schadenskontrolle“, die einen freien Austausch von Ideen verhindern oder zumindest beeinträchtigen würde. Auch Beispiele werden in dem Brief aufgeführt: „Redakteure werden entlassen, weil sie umstrittene Texte veröffentlicht haben. Bücher werden wegen angeblicher Inauthentizität zurückgezogen. Journalisten dürfen nicht über bestimmte Themen schreiben. Gegen Professoren wird ermittelt, weil sie im Unterricht literarische Werke zitiert haben.“
Die Idee des Briefes stammt laut Informationen der New York Times von Thomas Chatterton Williams. Der amerikanische Autor sagte gegenüber der US-Zeitung, der Brief sei „eine Verteidigung“ der freien Rede, „ohne Angst vor Strafe oder Vergeltung haben zu müssen“.
Die Kritik blieb nicht aus und entzündete sich vor allem an der prominentesten Unterzeichnerin, J.K. Rowling. Sie stand aufgrund ihrer Tweets, die von der Transgender-Community als feindlich eingestuft wurden, ohnehin in der Kritik. Emily VanDerWerff, Autorin für das US-Nachrichtenportal „Vox“, veröffentlichte auf Twitter ein Statement, in dem sie angab, sich als trans Frau durch den Brief an ihrem Arbeitsplatz unwohl zu fühlen, weil auch Teile ihrer Kollegen und „prominente Anti-Trans-Stimmen" zu den Unterzeichnern gehören würden.
Update vom Dienstag, 07.07.2020, 11.56 Uhr: J.K. Rowling steht wegen ihren transfeindlichen Tweets zunehmend in der Kritik. Jetzt äußerte sie sich auf Twitter zu Hormontherapien für Transmenschen und vergleicht diese mit Konversionstherapien. Sie schreibt in einer Reihe von Tweets unter anderem, dass „Jugendliche, die mit ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen haben, Hormone verabreicht bekommen oder Operationen durchführen lassen, die möglicherweise nicht in deren Interesse sind“.
Die Auswirkungen einer Hormontherapie vergleicht Rowling dabei mit Konversionstherapien, die den Zweck haben, Transmenschen zu „therapieren". Kritisch sieht sie vor allem einen möglichen Verlust der Fruchtbarkeit durch die Hormontherapie, der ihrer Meinung nach medizinisch bewiesen ist. Das sehen Trans-Aktivisten allerdings anders.
Update vom Dienstag, 16.06.2020, 15.37 Uhr: Einige Beschäftigte des Verlags Hachette sollen aus Protest gegen J.K. Rowlings Äußerungen ihre Arbeit an dem neuen Buch „The Ickabog“ niedergelegt haben. Laut der britischen Daily Mail wollen die Beschäftigten damit ihre Unterstützung für trans Menschen zeigen.
Der britische Verlag Hachette hatte sich in einem Statement für Rowlings Meinungsfreiheit ausgesprochen. Daher werde man ihre persönlichen Ansichten nicht kommentieren.
Update vom Sonntag, 14.06.2020, 16.40 Uhr: „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling steht wegen transfeindlicher Aussagen weiterhin in der Kritik. Nach Daniel Radcliffe und Emma Watson hat sich nun auch Schauspieler Rupert Grint geäußert. In einem Interview mit der britischen Tageszeitung „The Times“ sagte er, dass er fest hinter der Transgender-Gemeinschaft stehe und er die Meinung seiner Kollegen teile. „Transmänner sind Männer“, so Grint.
Mit Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint stellt sich nun der gesamte Hauptcast von „Harry Potter“ gegen Autorin J.K. Rowling.
Update vom Freitag, 12.06.2020, 10.01 Uhr: Auch „Harry Potter“-Schauspielerin Emma Watson hat sich nach der Kritik an Autorin J.K. Rowling geäußert. Watson war durch ihre Darstellung der Figur „Hermine Granger“ berühmt geworden. Auf Twitter machte sie nun ihre Unterstützung für trans Menschen deutlich.
„Trans Menschen verdienen es ihr Leben zu leben, ohne konstant dafür in Frage gestellt zu werden“, schrieb die Schauspielerin. „Ich und so viele andere Menschen weltweit sehen euch, respektieren euch und lieben euch.“ Zudem forderte sie dazu auf an gemeinnützige Organisationen zu spenden, die sich unter anderem für trans Menschen engagieren.
Update vom Donnerstag, 11.06.2020, 10.20 Uhr: J.K. Rowling (54) hat zum ersten Mal über sexuelle Übergriffe und Missbrauch in einer früheren Ehe gesprochen. „Ich stehe nun seit mehr als zwanzig Jahren im Blickpunkt der Öffentlichkeit und habe nie öffentlich darüber gesprochen, dass ich eine Überlebende von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen bin“, schrieb sie in einem Essay auf ihrer Internetseite. Sie schäme sich nicht für diese Dinge, die ihr passiert seien. Dass sie nicht darüber spreche, liege daran, dass es traumatisch sei.
„Die Narben, die Gewalt und sexuelle Übergriffe hinterlassen haben, verschwinden nicht - egal wie sehr man geliebt wird und wie viel Geld man verdient hat.“ Rowling erläuterte ihre Erfahrungen, um Stellung zu ihren umstrittenen Äußerungen über trans Menschen zu beziehen. Grundsätzlich sei sie besorgt, dass radikale trans Aktivisten keine Differenzierung der Geschlechter mehr zulassen würden, schrieb sie.
Erstmeldung:
Die „Harry Potter“- Autorin Joanne K. Rowling steht derzeit erneut im Zentrum der Entrüstung, nachdem sie am Samstagnachmittag (06.06.2020) eine Reihe transfeindlicher Tweets abgesetzt hat.
Rowling hatte auf Twitter einen Artikel von Devex, einer Plattform für Entwicklungszusammenarbeit, geteilt und sich über dessen Überschrift lustig gemacht. Genauer gesagt über die Formulierung „People who menstruate“, zu deutsch „Personen, die menstruieren“. Rowling spielte in ihrem Tweet darauf an, dass es sich stattdessen um Frauen handeln müsse.
Die Äußerungen der Autorin wurden in den Kommentaren schnell als transfeindlich bezeichnet. Der Grund: In ihren Tweets machte sich J. K. Rowling über die Notwendigkeit einer solchen Inklusion lustig. Denn die Formulierung „Menschen, die menstruieren“ schließt nicht nur biologische Frauen, sondern explizit auch trans, nonbinäre und gender-nonkonforme Menschen mit ein. Also Menschen, die entweder einem anderen Geschlecht jenseits binärer Geschlechter oder keinem bestimmten Geschlechtsideal zugehörig sind.
Auf die Kritik reagierte Rowling mit einer Argumentation, die auf einem angeblich unveränderbaren biologischen Geschlecht basiert. Ohne biologisches Geschlecht, schreibt Rowling, gebe es auch keine gleich-geschlechtliche Anziehung. Homosexualität sei also ein Beweis für die Exklusivität der biologischen Geschlechter. Damit impliziert die Autorin eine Art Konkurrenz zwischen der Existenz von trans und homosexuellen Menschen. Doch trans sein und homosexuell sein schließt sich keinesfalls gegenseitig aus.
Im modernen Feminismus, der trans Menschen miteinschließt, werden sowohl biologisches Geschlecht als auch das gesellschaftliche Geschlecht, zwischen denen im englischsprachigen Raum als „sex“ und „gender“ unterschieden wird, als fluide, also wandelbar gesehen. Die sexuelle und geschlechtliche Identität der Menschen wird also nicht zwangsweise an den Geschlechtsorganen festgemacht, mit denen sie geboren werden. Das Konstrukt der strikt binären Geschlechter, also männlich und weiblich, ist unterdessen auch in der Wissenschaft kein Konsens mehr.
J.K. Rowling betonte trotz ihrer biologistischen Argumentation, dass sie selbst trans Menschen kenne und liebe und dass es kein „Hass“ sei, die Wahrheit zu sagen. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass der „Harry Potter“-Autorin vorgeworfen wird, transfeindlich zu sein. Mehrfach fiel auf, dass sie auf Twitter transfeindliche Beiträge anderer Accounts mit „Likes“ versah. Im Dezember 2019 verteidigte Rowling dann auch die Ökonomin Maya Forstater, die aufgrund transphober Äußerungen gefeuert worden war.
Seither wird Rowling von einigen Menschen online „TERF“ genannt. Einen Bezeichnung, gegen die sich die Autorin vehement wehrt und deshalb als „Frauenhass“ abtut.
Die Abkürzung „TERF“ steht für „Trans-Exclusionary Radical Feminism“, auf Deutsch also einen „trans-ausschließenden radikalen Feminismus“. Wie Autor Linus Giese im „Queerspiegel“-Blog erklärt, handelt es sich dabei um ein Denken, das trans Menschen ihre Identität oder Existenz abspricht. Die sogenannten TERFS gehen, wie Rowling, von einem unveränderbaren biologischen Geschlecht aus.
In diesem Sinne sehen sie trans Männer als Opfer von frauenfeindlichen Strukturen. Anders gesagt: Biologische Frauen, die vor dem unterdrückenden Patriarchat in einen männlichen Körper flüchten. In diesem Gedankengang werden allerdings insbesondere trans Frauen zu Feindbildern. Nämlich als biologische Männer, die sich angeblich als Frauen verkleiden, um so andere Frauen in geschützten Räumen angreifen zu können. In den Vereinigten Staaten kochten genau diese transfeindlichen Argumente im Bezug auf öffentliche Toiletten hoch.
Im Gegenteil zeigen internationale Studien, dass trans Personen in allen Bereichen ihres Alltags häufiger Diskriminierung und Belästigung bis hin zu Gewalt ausgesetzt sind. Zwar sind trans Menschen in Deutschland und der EU gesetzlich geschützt, stoßen aber dennoch im Alltag auf große Hindernisse.
Zurück zu der Formulierung, die J.K. Rowling in ihrem Ursprungstweet kritisierte. Die inklusive Bezeichnung „Menschen, die menstruieren“ oder auch „Menschen mit Uterus“ gelten laut der TERF-Denkweise als frauenfeindlich, da so biologische Frauen angeblich unsichtbar gemacht würden. Ziel dieser Formulierungen ist es aber nicht, biologische Frauen unterdrücken, sondern schlicht mehr Menschen in der Debatte mitzudenken.
Der „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe hat sich im Zuge der Kontroverse um Rowling klar für die Rechte von trans Frauen ausgesprochen „Transgeschlechtliche Frauen sind Frauen“ schrieb er in einem Statement für „The Trevor Project“, eine US-Organisation, die sich für LGBTQI*-Kinder und -Jugendliche engagiert. Er selbst lerne weiterhin ein guter Verbündeter für trans und nonbinäre Menschen zu sein. Radcliffe entschuldigte sich darüber hinaus bei allen Menschen, deren Erinnerung an die „Harry Potter“-Bücher durch J.K. Rowlings Kommentare getrübt wurde.
Innerhalb der Twitter-Debatte kritisierten zudem viele Nutzerinnen und Nutzer Rowlings rassistische Benennung der „Harry Potter“-Figur Cho Chang. Daher äußerte sich auch deren Schauspielerin Katie Leung. Sie nutzte ihren Tweet aber, um stattdessen Aufmerksamkeit auf gemeinnützige Organisationen für Schwarze trans Menschen zu lenken.
Von Valérie Eiseler
Ex-Präsident Obama hatte zum Schutz der Bürgerrechte im Gesundheitswesen die Definition von Geschlecht ausgeweitet. Trump schafft Regelung zum Schutz vor Trans-Personen nun wieder ab. Dafür wird er scharf kritisiert.
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