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„Wir wollen die Fehler, die im Bornstedter Feld gemacht wurden, nicht in Krampnitz wiederholen.“ Diesen Satz habe er schon oft gehört, sagt Jochen Putz, der als Stadtplaner beim Entwicklungsträger von Anfang an die Umwandlung des Bornstedter Feldes in ein neues Stadtquartier mit bald 15.000 Einwohnern mitplante. „Mir ist nicht bewusst, dass wir hier Fehler gemacht haben“, sagt Putz bei einem Spaziergang durchs Bornstedter Feld.

Der Beschluss zur Entwicklung des 300 Hektar großen Areals wurde vor 30 Jahren gefasst. Das wird am Sonnabend im Volkspark Potsdam mit dem Fest „Dreißig“ groß gefeiert. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz mit acht Kasernen sei seit 1993 eine „Stadt in der Stadt“ entstanden, sagt Jochen Putz. 7680 Wohneinheiten sind entstanden. 470 Wohnungen befinden sich derzeit im Bau. Am Ende sollen es 8275 Wohnungen sein. Außerdem wurden 4300 von geplanten 5000 Arbeitsplätzen angesiedelt, im Einzelhandel, bei SAP, der kommunalen Pro Potsdam, der Kassenärztlichen Vereinigung und mehreren mittelständischen Betrieben.

Das Gebäude der ehemaligen Kriegsschule der Wehrmacht vor dem Umbau.
Das Gebäude der ehemaligen Kriegsschule der Wehrmacht vor dem Umbau. © ProPotsdam

Zwölf Kitas mit zusammen 1120 Plätzen wurden im Bornstedter Feld gebaut. Eine weitere Kita mit 120 Plätzen befindet sich im Bau. Außerdem entstanden drei Grundschulen für 1135 Kinder und die Da-Vinci-Oberschule. Das Oberstufenzentrum Technik I zog in die sanierte Garde-Ulanen-Kaserne, die Fachhochschule Potsdam erhielt einen modernen Campus. „Es fehlen noch Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen“, räumt Jochen Putz ein.

Für die Entwicklung des Bornstedter Feldes wurden 25 Bebauungspläne in Kraft gesetzt, ein weiterer Plan ist in Bearbeitung. In drei bis vier Jahren soll alles fertig sein. Dann werde der Entwicklungsträger abgewickelt, sagt Putz, dessen Arbeitsschwerpunkt inzwischen bei der Entwicklung des neuen Stadtquartiers in Krampnitz liegt.

Vieles haben wir uns anfangs nicht vorstellen können.

Volker Härtig, früherer Chef des Entwicklungsträgers.

Das Bornstedter Feld sei immer auch wieder Ziel von Stadtplanern, sagt Sigrun Rabbe, Landschaftsplanerin beim Entwicklungsträger. Die Umwandlung der riesigen, stadtnahen Konversionsfläche sei schon sehr besonders. Vergleichbare Entwicklungen gebe es nicht. Auch Volker Härtig, langjähriger Geschäftsführer des Entwicklungsträgers, ist zufrieden mit dem Erreichten. „Natürlich gibt es einige Stellen, an denen man Abstriche machen muss.“ Aber insgesamt sei das Konzept, ein Militärgelände mitten in der Potsdamer Kulturlandschaft zu einem Stadtteil zu entwickeln, gelungen und das bestmögliche Ergebnis für eine Konversionsfläche, sagt Härtig.

„Vieles haben wir uns anfangs nicht vorstellen können“, sagt der frühere Chef des Entwicklungsträgers, der am Sonnabend auch zur Feier im Volkspark kommen will. So sei es in der ursprünglichen Planung nicht um Architektur gegangen. „Die Biosphäre hatten wir nicht auf dem Schirm.“ Ausgangspunkt war ein Entwurf aus einem Workshop des Bundes der Architekten, dessen Grundstruktur übernommen und umgesetzt wurde. Ein Landschaftspark verbindet und verlängert Ruinenberg und Pfingstberg und öffnet sich zur Feldflur. Um die ursprünglich acht Kasernen gruppieren sich acht Quartiere des neuen Stadtteils. Dazu gibt es offene Übergänge in die Landschaft.

Vor dem Umbau: Der ehemalige Pferdestall der preußischen Garde-Ulanen-Kaserne wurde jahrelang als Fahrzeuggarage genutzt.
Vor dem Umbau: Der ehemalige Pferdestall der preußischen Garde-Ulanen-Kaserne wurde jahrelang als Fahrzeuggarage genutzt. © ProPotsdam
Nach der Sanierung: Zunächst nutzte der Entwicklungsträger das lange Stallgebäude für seine Büros. Heute dient es als Lehrerzimmer für das Oberstufenzentrum Technik I.
Nach der Sanierung: Zunächst nutzte der Entwicklungsträger das lange Stallgebäude für seine Büros. Heute dient es als Lehrerzimmer für das Oberstufenzentrum Technik I. © ProPotsdam

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hätte sich in der Verlängerung des Parks am Ruinenberg einen breiten Grünstreifen gewünscht, erinnert sich Putz. Dafür hätten Plattenbauten mit Wohnungen abgerissen werden müssen. Stattdessen wurden zwei Grünstreifen um die Häuser geplant - „die Hosenträger“, sagt Putz. Die Stiftung habe auch für die Höhenbegrenzung von maximal vier Geschossen auf dem gesamten Gelände gesorgt, damit Sichtachsen nicht gestört werden. Vom Belvedere auf dem Pfingstberg ergibt sich ein hervorragender Blick auf das Bornstedter Feld.

Aus heutiger Sicht wäre das in so kurzer Zeit nicht mehr zu schaffen.

Landschaftsplanerin Sigrun Rabbe über die fünfjährige Vorbereitungszeit für die Buga 2001.

Die Idee, auf dem Areal eine Bundesgartenschau zu veranstalten, gehört wohl zu den Erfolgsprojekten des Bornstedter Feldes. Der Zuschlag nach der Bewerbung 1996 eröffnete den Zugang zu großen Fördergeldsummen. Allerdings war auch Tempo angesagt. Innerhalb von fünf Jahren musste der Park aus dem militärisch verunreinigten Boden gestampft werden. „Aus heutiger Sicht wäre das in so kurzer Zeit mit den notwendigen Beteiligungsformaten nicht mehr zu schaffen“, ist sich Sigrun Rabbe sicher. „Es würde vermutlich doppelt so lange dauern.“ Der Aufwand sei immens gewesen. Die Militärwälle wurden zum Gestaltungsmerkmal des Buga-Parks. Allerdings waren die Wälle voller Munition. „Sie wurden abgetragen, durchsiebt, neu wieder aufgetragen und für eine Nutzung verdichtet“, erklärt Rabbe.

Die alte Schwimmhalle der Kaserne an der Kirschallee wurde zur Sporthalle umgebaut.
Die alte Schwimmhalle der Kaserne an der Kirschallee wurde zur Sporthalle umgebaut. © ProPotsdam

Als die Buga im April 2001 mit Moderator Günther Jauch bei sehr kühler Witterung eröffnet wurde, fuhren hinter der Bühne noch die letzten Baufahrzeuge vom Gelände. Bis zuletzt waren Beete bepflanzt und Wege gepflastert worden. Die Bilder einer Freiluftausstellung im Veranstaltungswall des heutigen Volksparks zeigen die Entwicklung. Das zarte Grün im frisch hergestellten Park ist mit den aktuellen Ansichten kaum zusammenzubringen. Viele große Bäume spenden jetzt Schatten im Park. Unter dem Veranstaltungsdach wird bei Regen Basketball gespielt und an diesem Wochenende das Parkfest zu 30 Jahren Entwicklung des Bornstedter Felds gefeiert.

Der Buga-Park musste schrumpfen

Der Buga-Park musste später auf heute 62 Hektar Parkgelände schrumpfen. So verschwanden die Themengärten zugunsten neuer Wohnhäuser. Es habe damals einige Vorwürfe gegeben, der Park werde immer kleiner, erinnert sich Sigrun Rabbe. Doch die Planung habe die Häuser auf dem ehemaligen Buga-Parkgelände von Anfang an so vorgesehen.

4250

Bäume wurden im Bornstedter Feld neu gepflanzt.

Für die Erschließung des Feldes wurden 46 Kilometer Straßen und 4,4 Kilometer Tramgleise gebaut. Außerdem wurden 4250 Bäume neu gepflanzt. „Die Baumbilanz ist positiv“, sagt Rabbe. Die Zeit bis zur Eröffnung der Bundesgartenschau 2001 auf dem Bornstedter Feld sei eine Durststrecke in der Entwicklung gewesen. Danach sollte es aber zum Aufschwung kommen - so die Hoffnung. „Wir hatten viel investiert“, so Rabbe. Besonders wichtig und richtig sei gewesen, die Tram von Anfang an zu planen - zuerst für die Buga-Gäste, später für die Bewohner des neuen Stadtteils. Die Straßenbahn habe erst gegen große Widerstände durchgesetzt werden müssen.

Landschaftsplanerin Sigrun Rabbe blickt auf 30 Jahre Entwicklung des Bornstedter Felds zurück.
Landschaftsplanerin Sigrun Rabbe blickt auf 30 Jahre Entwicklung des Bornstedter Felds zurück. © Klaus D. Grote/PNN

Bis heute hat der Entwicklungsträger insgesamt 410 Millionen Euro in das Bornstedter Feld investiert. 140 Hektar Bauland wurden verkauft. Doch trotz der guten Anbindung boomte das Feld lange Zeit nicht, die Vermarktung lief auch nach der Buga zunächst nur schleppend, sagt Sigrun Rabbe.

„Wir versanken in einem Tal der Tränen“, erzählt die Planerin. Einmal wurde eine Bebauungsfläche vom Investor zurückgekauft. Die bereits ausgehobenen Baugruben hatten jahrelang brach gelegen. Manchmal sei man froh über jeden Investor gewesen, auch wenn dessen Pläne kaum zu den Vorstellungen des Entwicklungsträgers passten.

Städteplaner Jochen Putz vom Entwicklungsträger hat die Umwandlung des Bornstedter Feld 30 Jahre lang begleitet.
Städteplaner Jochen Putz vom Entwicklungsträger hat die Umwandlung des Bornstedter Feld 30 Jahre lang begleitet. © Klaus D. Grote/PNN

So widerspricht die Bebauung am Johan-Bouman-Platz den Ideen des Entwicklungsträgers. Der gepflasterte Stadtplatz sollte von viergeschossigen Häusern und Läden umgeben sein. Stattdessen grenzt ein riesiger Parkplatz mit einem flachen Supermarkt an den Platz. „Mit dem Siegerentwurf des Architekturwettbewerbs hat das leider nichts zu tun“, bedauert Jochen Putz. Doch der Investor setzte sich durch. Der Bebauungsplan ließ es zu. Gerade an heißen Tagen zeigt sich, wie wenig Aufenthaltsqualität die komplett versiegelte Fläche mit nur wenig Schatten hat.

Die Schwammstadt wurde schon früh realisiert

In der sogenannten Gartenstadt an der Kirschallee mit Einfamilien- und Reihenhäusern wurden dagegen früh Maßstäbe gesetzt, die heute in Neubaugebieten Standard sein sollen. Sämtliches Regenwasser versickert auf den Grundstücken, auf den Straßen wird es in Rigolen gesammelt. „Das Thema Schwammstadt haben wir damals schon umgesetzt“, sagt Sigrun Rabbe. Die Grundstücke sind klein, weil die Bewohner Wiesen und den Volkspark vor der Tür haben, erklärt sie. Das spart Platz. Die Pläne für den Geschosswohnungsbau in den übrigen Quartieren musste der Entwicklungsträger jahrelang gegen politische Widerstände durchsetzen. Zum Glück - aus heutiger Sicht. Sonst hätte es mehr Einfamilienhäuser und weniger Wohnungen gegeben.

Wohnungsbau und die neue Kita (im Hintergrund) an der Georg-Hermann-Allee: Eine der letzten Baustellen der Pro Potsdam im Entwicklungsgebiet Bornstedter Feld.
Wohnungsbau und die neue Kita (im Hintergrund) an der Georg-Hermann-Allee: Eine der letzten Baustellen der Pro Potsdam im Entwicklungsgebiet Bornstedter Feld. © Andreas Klaer

Einige Neubauten des Bornstedter Felds seien architektonisch nicht so gelungen. „Es gibt aber auch Highlights, zum Beispiel das Lazarett der Ruinenbergkaserne“, sagt Jochen Putz. Auch einige Einfamilienhäuser gefielen ihm. Städtebaulich sei die Entwicklung des Bornstedter Feldes geglückt.

Nicht so gut zu sprechen sind Rabbe und Putz auf den Campus am Jungfernsee. Dort seien einige Gebäude der alten Wehrmachtskaserne durchaus erhaltenswert gewesen. Doch SAP-Gründer Hasso Plattner, der das gesamte Areal kaufte, als der Entwicklungsträger das Geld gut gebrauchen konnte, ließ Tabula rasa machen. So entstand Platz für Start-ups und eine Einfamilienhaussiedlung, die aber nicht den ursprünglichen Entwicklungszielen mit Geschosswohnungsbau entsprach, so Putz.

Die beiden Planer sind durchaus stolz auf das Erreichte. Beide waren von Anfang an bei der Entwicklung dabei. Bei einem Spaziergang durchs Feld sagt eine Anwohnerin der Gartenstadt, dass sie seit 2005 sehr gern in ihrem Eigenheim lebe. „Die Umgebung ist sehr schön, der Park vor der Tür, die Tram-Haltestelle nur zwei Minuten entfernt.“ Parkplätze gebe es auch genug, nur Gastronomie fehle. Sie wolle nie mehr wegziehen, sagt sie.