Article note: #solidarität + #bildetbanden!

OFFENER BRIEF: Solidarisierungsschreiben bezüglich der Anzeigen gegen Aktivist:innen bei der Besetzung des ehemaligen Havelbuchshop-Gebäudes am Neuen Palais

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrter Herr Kanzler,

sehr geehrter Senatsvorsitzender,

sehr geehrte Senatsmitglieder,

sehr geehrter Herr Dezernent des Dezernats 3,

sehr geehrte Leitung der Abteilung Bauwesen, Sicherheit und Organsiation,

 

am 17.11.2020 wurde auf dem Campus Neues Palais das Gebäude des ehemaligen Buchladens Havelbuchshop von studentischen Aktivist:innen besetzt.

Die derzeitige Planung für die Nutzung des kleinsten Gebäudes auf dem Campus sieht trotz einer studentischen Initiative und einer Petition für die Nutzung des gesamten Gebäudes als studentisch selbstverwalteter Freiraum vor, dass nur der kleinste von drei vorhandenen Räumen als solcher zur Verfügung gestellt wird. In die beiden anderen Räume sollen der Unishop und ein Coworking Space einziehen. Während für die beiden letztgenannten Projekte auf dem Campus bereits Räumlichkeiten vorhanden sind, mangelt es an einem Freiraum am Universitätsstandort Neues Palais seit Jahren dringend, ohne dass ein Konzept zur Schaffung eines solchen besteht.

Da bereits alle anderen Verhandlungs- und Forderungsmöglichkeiten nach einem studentischen Freiraum von angemessener Größe in den letzten Jahren ausgeschöpft worden sind und die Universitätsleitung in Gesprächen nicht willens war, studentischen Forderungen entgegenzukommen, sahen sich die studentischen Aktivist:innen zur Besetzung als letzte politische Handlungsoption zur Anhörung und Durchsetzung ihres Anliegens gezwungen.

Auf dieser Basis Anzeige zu erstatten, finden wir als Unterstützer:innen eine vollkommen überzogene Reaktion auf die aktivistische Verdeutlichung studentischer und campuspolitischer Notwendigkeiten, die seit Jahren ignoriert werden. In Augenschein der Situation bezüglich des studentischen Freiraums bis zum und am 17.11.20 zieht es die Universitätsleitung anscheinend vor, direkt polizeilich gegen die eigenen Studierenden vorzugehen, anstatt zum Zeitpunkt der Besetzung die Möglichkeit wahrzunehmen, ein lösungs- und dialogorientiertes Gespräch mit den Besetzer:innen zu suchen.

Im Lichte dieser Geschehnisse solidarisieren wir uns mit den Besetzer:innen in ihrem Einsatz für studentisch selbstverwaltete Räume und Projekte und sprechen uns hiermit für die Rücknahme der Strafanzeigen aus.

Dies schließt als weitere Forderung vonseiten der Aktivist:innen und der Unterstützer:innen dieses Schreibens die Aufnahme von Neuverhandlungen über den Freiraum ein.

 

gez.  XXIV. AStA der Universität Potsdam

AK Freiraum an der Universität Potsdam

Hochschulgruppe BEAT!

Hochschulgruppe Grüner Campus

Hochschulgruppe Die Linke.SDS

Grüne Hochschulgruppe

Hochschulgruppe The Cosmopolitan Youth

Lesecafé Golm

Article note: +1 #maybeseeuthere!
Vom 9. bis 13. Dezember findet bundesweit die SEEBRÜCKE-Winterkampagne 
"Wärme für alle" statt. Dazu passend rufen wir, die *SEEBRÜCKE Potsdam*, 
am *13.12.2020 um 16:00* unter dem *Motto "All Camps Are Bad"* zu einer 
*Demonstration vom Platz der Einheit zum Landtag* auf.

*Wir fordern Wärme für alle, kein weiterer Winter in den Lagern!*

Die Brände in Moria und auf Samos, Stürme, bei denen die Zelte der 
Geflüchteten weggespült wurden und Erdbeben im Herbst haben erneut 
dramatisch gezeigt: Die Lager bietenkeinen Schutz.

Mit dem Winter kommen nun nicht nur vermehrt Stürme und Regen, sondern 
vor allem auch noch die zusätzliche Kälte.
Die Situation in den Lagern und an den EU Außengrenzen ist nach wie vor 
menschenunwürdig und lebensgefährlich.
Deshalb fordern wir die sofortige Evakuierung der Lager auf den 
griechischen Inseln und aller anderen Lager an den europäischen 
Außengrenzen!

Wir fordern eine Politik der Solidarität und Aufnahme anstelle eines 
EU-Migrationspaktes, derauf Abschottung und Abschiebungen setzt.
Diese menschenrechtswidrige Politik, die ihre Augen wieder und wieder 
vor dem Leid tausender Menschen verschließt, muss jetzt ein Ende finden.

Wir fordern sichere Fluchtwege und mit ihnen auch eine 
Entkriminalisierung der Seenotrettung. Schluss mit der Blockade von 
Schiffen! Stattdessen brauchen wir eine Migrationspolitik, die endlich 
die Rechte der fliehenden und geflüchteten Menschen an erste Stelle setzt.

Die europäischen Staaten und vor allem Deutschland müssen Verantwortung 
übernehmen und die katastrophalen Lager noch in diesem Winter evakuieren!

Deshalb treffen wir uns am 13.12.2020 am Platz der Einheitundlaufen 
anschließend gemeinsam zum Landtag, wo wir mit Kerzen einen Schriftzug 
bilden wollen, um zu verdeutlichen:*All **C**amps **A**re **B**ad**! 
**Wärme für alle**!****Kein weiterer **Winter in den Lagern! *

Article note: #wow! + #thx!

Zum internationalen Tag des Ehrenamtes haben wir mit dem Wikipedianer Gereon Kalkuhl (Benutzer:Gereon K.) darüber gesprochen, was Ehrenamt für ihn bedeutet, was das Besondere an dieser Art von Freizeitaktivität ist und was das Engagement in der Wikipedia ausmacht. 

Was bedeutet Ehrenamt für dich persönlich? 

Für mich ist das Ehrenamt ein Engagement, um etwas in Umwelt oder Gesellschaft zu verbessern. Aber es ist auch eine Tätigkeit, die einem selbst Spaß machen sollte und bei der man etwas dazulernen kann. Toll ist am Ehrenamt, dass man etwas, was einen stört, direkt verbessern kann. 

Ich habe zum Beispiel in der Wikipedia mein Interesse an Schach vertiefen können und viele Artikel zu Schachspielern angelegt oder verbessert. Ich hatte das Erlebnis, dass durch mein Zutun etwas besser wurde. Das war sehr befriedigend für mich. Dann habe ich gemerkt, dass auch noch andere davon profitieren und das hat mich sehr gefreut. 

Was ist für dich das Besondere an einem Online-Ehrenamt?

Ein Online-Ehrenamt ist zeitlich und räumlich entgrenzt. Zum Beispiel ist man als Wikipedianer sehr selbstbestimmt was Arbeitsort und -zeit angeht und kann auch die Regeln des Projekts selbst mitgestalten. Wir brauchen nur einen Internetzugang und können loslegen. Darüber hinaus ist natürlich die Skalierung und Reichweite online viel höher, als es bei einem Offline-Ehrenamt jemals möglich ist: Was ich in der Wikipedia editiere, kann man sofort weltweit einsehen. 

Hast du auch ein Offline-Ehrenamt? 

Ja, ich bin zum Beispiel Stadtrat. Das gilt als Ehrenamt. Aber ich bin auch Mannschaftsführer in einem Schachverein, Schiedsmann und war Schöffe an einem Landgericht.

Wie viel Zeit investierst du in die Wikipedia? 

Seit 2007 in etwa 2-4 Stunden jeden Tag. Ich glaube, ich habe seitdem wirklich fast keinen einzigen Tag ausgelassen. 

Kann das Ehrenamt in den Beruf übergehen, oder siehst du das klar getrennt? 

Das Ehrenamt ist schon ganz anders, weil es hier keinen Druck und keine Vorgaben gibt. Aber natürlich kann man dabei viel lernen, was sich auch in anderen Lebensbereichen oder im Beruf anwenden lässt. Auf die Wikipedia bezogen zum Beispiel die Fähigkeiten des journalistischen und enzyklopädischen Arbeitens oder das Schlichten von Streit zwischen verschiedenen Parteien, zum Beispiel als Administrator. Denn immer wieder muss man ja in der Wikipedia zu Artikelversionen kommen, mit der alle zufrieden sind, das erfordert schon eine ganze Menge Fingerspitzengefühl.

Dabei muss gesagt werden, dass Ehrenamt wie wir es hier leben nicht überall gibt, denn man muss es sich auch leisten können. Da sind wir in Deutschland in einer privilegierten Situation. In vielen afrikanischen Ländern ist das etwa nicht so einfach, da haben die Menschen sehr existenzielle Sorgen. 

Würdest du das, was du in der Wikipedia machst, „Arbeit“ nennen? 

Nein. Eher Kunst. Arbeit ist das, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Das muss nicht unbedingt Spaß machen, aber man muss ja irgendwie die Miete zahlen. Aber in meiner Freizeit mache ich Dinge, die mich erfüllen; ich mache Musik oder schreibe und drücke mich dadurch aus. 

Wie siehst du die Bedeutung des Ehrenamts in der deutschen Gesellschaft? 

Wir haben hier zum einen sehr gute Rahmenbedingungen, allein schon dadurch, dass wir in Deutschland Spenden absetzen können. Dadurch wird ehrenamtliches Arbeiten enorm erleichtert. In Nordmazedonien etwa wird auf Spenden eine Steuer erhoben, die es extrem teuer macht – weshalb kaum jemand spendet. Unsere Wikipedia-Community dort hat große Schwierigkeiten, ihre Projekte zu finanzieren. 

Zudem hat das Ehrenamt in Deutschland einen guten Ruf, auch wenn es immer eine Minderheit ist, die ehrenamtlich tätig ist. Dennoch wissen die Menschen um die Bedeutung des Ehrenamts und es wird anerkannt, dass darin ein hoher Wert liegt. 

Der Beitrag „Ich schreibe seit 2007 jeden Tag drei bis vier Stunden in der Wikipedia“ erschien zuerst auf Wikimedia Deutschland Blog.

Article note: #schmunzel

Corona ist nach katholischer Betrachtung die Schutzpatronin des Geldes. Gedanken zur Weihnachtszeit.

Krippe für Purist*innen von Corpus Delicti

Schon vor Wochen wurde entschieden, es gibt keinen Weihnachtsmarkt in Potsdam. Der alberne „blaue Lichterglanz“ reduziert sich auf den Weihnachtsbaum am Brandenburger Tor. OBM Schubert in der Kutsche mit dem Weihnachtsmann bleibt uns auch erspart. Was bleibt? Schwibbögen und Krippen! Viele Weihnachtskrippen verbinden die Bilderwelt der Adventszeit mit jener des Dreikönigsfests. Diesmal steht ein etwas andere Dreikönigstreffen an. Die unheiligen drei Könige heißen diesmal SARS-CoV-2, ASF-V und H5N8. Diese Viren sind die Könige der Zeit und bestimmen unseren Alltag. Sie lassen nicht bis zum 6. Januar auf sich warten.  Ganz im Gegenteil – sie sind schon da. Angekündigt haben sie sich bereits zu Jahresbeginn.

Die aktuellen Corona-Einschränkungen, könnten das „Fest der Liebe“ ggf. zu dem machen, was es früher einmal war – ein besinnliches Fest. Ein Kontrapunkt zu einen Fest(ival) des besinnungslosen und bedeutungsleeren Kommerzes. Corona als Symbol der Reglementierung oder als heilige Schutzpatronin.

Luther war es, der um 1535 das Schenken vom Nikolaustag auf den Heiligen Abend verschob und den Grundstein für die Erwartungen der heutigen Handelsindustrie legte. Eine Ich-bezogene Gesellschaft, mit stetig sinkenden Werten von Miteinander und Solidarität taten ihr übriges. Ebenso die steigende Zahl der nicht gläubigen Menschen und die Abkehr von den traditionellen Kirchen.

In Brandenburg ist vor einigen Tagen der vierte Fall von Vogelgrippe (auch Geflügelpest genannt) bestätigt worden. Wie das Verbraucherschutzministerium am 4.12. mitteilte, wurde im Landkreis Havelland eine Graugans positiv auf H5N8 getestet. Am 10. September 2020 erfolgte erstmals eine Bestätigung des Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest (ASP) in Brandenburg im Spree-Neiße-Kreis durch das Friedrich-Löffler-Institut. Bereits im Nov/Dez 2019 gab es entsprechende Meldungen in den Nachbarstaaten. Wenige Tage später, am 31. Dezember 2019 wurde der Ausbruch einer neuen Lungenentzündung mit noch unbekannter Ursache in Wuhan in China bestätigt. Heute kennt JedeR Covid-19.

Doch was haben wir bisher daraus gelernt? Was lernt unsere Gesellschaft daraus? Sind diese drei Pandemien nur Einzelfälle oder sind sie ein weiterer Beleg für unsere umweltzerstörendes Verhalten? Wie lange wollen wir noch Massentierhaltung gutheißen? Wie viele Pandemien und wissenschaftliche Warnungen brauchen wir noch, um grundsätzlich umzusteuern?

Natürlich ist es leichter, den politischen Ausnahmezustand auszurufen und sich dann mit Vorschlägen zu Lockerungs- oder Verschärfungsmaßnahmen zu überbieten; von Landesfürst*in zu Landesfürst*in, von Fürstentum zur Kanzlerin und umgekehrt. Statt Weihnachtsmarkt erleben wir einen Jahrmarkt der Vorschläge. Aktuell entbrennt ein Selbstdarstellungs-Wettbewerb der Politik um das Weihnachtsfest und einen Kurz-Shutdown über Silvester bis zum Drei-Königs-Treffen. Ein tägliches Hin und Her zwischen Lockerungen und Lockdown. Volksnähe kontra „Volksgesundheit“. Vielleicht ist es der Zauber der Weihnacht der die Logik verdrängt: Lockerungen zum Fest der Liebe! Dem Treiben folgt dann der Monat der Trauer, der Beerdigungen. Rund um den Drei-Königs-Tag würden die Sterbezahlen deutlich steigen.

Die aktuelle Entwicklung der Ansteckung und Todesraten zeigt auch, dass der kulturlose Teil-Lockdown seit Anfang November nichts brachte. Vielleicht wurden die falschen Branchen geschlossen? In jedem Kino konnten bis Ende Oktober durch klar geregelte Platzzuordnungen die AHA-Regeln eingehalten werden. In Bau-, Super- oder anderen Märkten ist dies bis heute nicht der Fall. Von Auto- und Fleischfabriken ganz zu schweigen.  Corona ist die Schutzheilige des … was? Der Politik? Des Geldes? Beides?

Wir wollen teilhaben! Teilhaben am Überbieten mit Vorschlägen zur Corona-Weihnachtszeit:

Unser 1. Vorschlag: Das Sternsingen sollte dieses Jahr den Kindern verboten werden. Nicht wegen der Ansteckungsgefahr, sondern aus Nächstenliebe. Dieses Jahr sollten nur die Künstler*innen, Kinobetreiber*innen und Gastwirt*innen singen gehen. Denn die Tradition des Dreikönigsingens, auch Sternsingen genannt, geht auf mittelalterliche Heischebräuche zurück. Diese wurden seit dem Mittelalter genutzt, um sich in der kalten Jahreszeit ein Zubrot zu verdienen. Wer, wenn nicht die vom politischen Showdown betroffenen Kultur-, Kunstschaffenden und die im Gast- und Hotelgewerbe Tätigen, hätten es dieses Jahr nötiger?

Unser 2. Vorschlag: Alle Parlamentarier*innen in Bund und Land verzichten rückwirkend zum 1. März 2020 auf 25 Prozent ihrer Bezüge. Die Begründung ist einfach: mit den ganzen Sonderregeln ging die Handlungshoheit an die Kanzlerin und die Landesfürst*innen über. Die Parlamente werden lediglich noch informiert. D.h. die komplizierte Arbeit der Gesetzgebung und des Abwägens von Für und Wider obliegt nicht mehr den Parlamentarier*innen. Diese Fast-Kurzarbeit sollte entsprechend honoriert werden. Wir alle müssen doch den Pandemiegürtel enger schnallen. Das gesparte Geld sollte Bedürftigen zukommen. Davon müsste es 2020 mehr als sonst geben.

Unser 3. Vorschlag: Alle unseren andersgläubigen Mitmenschen bekommen ebenfalls zu ihren wichtigsten Glaubensfesten (z.B. zu Ramadan, Jom Kippur, orthodoxen Weihnacht, …) gegen Vorlage ihrer „Religionszugehörigkeitsbescheinigung“ 10 Tage lang die Erlaubnis, die Verwandtschaft (aus bis zu 10 verschiedenen Haushalten) einzuladen und in Saus und Braus – oder je nach religiöser Festregel – zu feiern, sich zu Umarmen und Corona-Roulette zu spielen. Eine Geste der Toleranz. Ganz im Sinne eines „Neuen Toleranzedikts“. Denn in der Krise zeigt sich wahre Toleranz.

P.S. Auch wenn in der katholischen Kirche die „drei Könige“ als Heilige verehrt werden, so sind doch Zweifel an der Geschichte angebracht. Sie wurden der Legende nach durch den Stern von Betlehem zu Jesus geführt. Im Neuen Testament werden sie nicht als „Könige“ bezeichnet, auch gibt es keine Angabe über ihre Anzahl. Diese Angaben entstammen einer umfangreichen Legendenbildung, die erst im späten 3. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Die geläufigen Namen Caspar, Melchior und Balthasar werden erstmals im 6. Jahrhundert erwähnt. Zum Glück war die Erde damals noch eine übersichtlich große Scheibe und Maria konnte ihr Kind ganz unbefleckt im Stall von Bethlehem zur Welt bringen. Direkt zwischen den Tieren – zwischen Ochs, Esel und Schaf – ganz ohne Virengefahr. Ein krippales Wunder.