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An der Grundschule Nord in Finsterwalde fand zum Abschluss des Jahres ein weihnachtliches Indoor-Discgolfen statt.

Seit diesem Schulhalbjahr leitet der unermüdliche Marko Schubert von den Discgonauts aus Finsterwalde erfolgreich eine Discgolf-AG. Beim Weihnachts- und Jahresabschluss-Training der AG fand sie Indoor statt – und begeisterte auch in diesem Format die Kids.

Die AG-Leiter von den N8Fiwa Discgonauts Marko Schubert, Franz Schneider und Marko Ziske begeistern in Finsterwalde immer mehr Nachwuchs. Neben der Frisbee-AG an der Grundschule bieten die Discgonauts Ferien-Veranstaltungen in der Bürgerheide an. Zudem stellt die Stadt Finsterwalde nun über das Sängerstadtbudget allen drei Grundschulen in Finsterwalde eine Discgolf-Grundausstattung zur Verfügung.
Damit leisten die Discgonauts und die Stadt Finsterwalde eine proaktive und weit über die Grenzen Brandenburgs einmalige Nachwuchsarbeit für die Fairplay-Sportart Frisbee.
Leute! Was sollen wir hier schreiben? Die erste Staffel ParTherapie ist offiziell beendet. Es war uns eine Ehre mit euch tausende Minuten Podcast zu teilen. Das uns bis heute so viele von euch treu bleiben hätten wir uns nicht erträumen können.
Die wichtigste Frage zu erst: Wie es weiter geht? Wissen wir selbst noch nicht! Was aber klar ist.. ihr werdet von uns hören. Bald.
Die zweite wichtige Frage: Spinnt ihr? 2.5 Stunden?
Und auch hier gilt: keine Ahnung! Lasst es uns wissen, ob das übertrieben war oder nicht.
In dieser letzten Folge der Staffel eins wollten wir einige Themen angehen, die zuletzt zu kurz gekommen sind. Außerdem hattet ihr einige Fragen, die sollten ja auch beantwortet werden.
Zu guter letzt:
Wie geht es weiter bei Dom und Discmania?
Ihr könnt es euch denken: Siehe Antwort eins und zwei.
Was bleibt nach dieser Folge?
Ein dickes Danke! Danke an euch fürs zuhören, fürs Feedback, fürs weitersagen, fürs teilen, fürs liken, fürs da sein. Danke und bis ganz bald.
Liebe Grüße und alles Gute,
Bene & Dom

Wer sich mit einem Schlagwort politische Kontrahenten vom Leib halten will, muss aufpassen, dass es ihm nicht auf die eigenen Füße fällt
Der Attentäter von Christchurch nannte sich einen Ökofaschisten. Der Attentäter von El Paso1 [1] nannte sich ebenso. Für linke Gruppierungen der Umweltbewegung ist Extinction Rebellion ökofaschistisch. Diese wiederum distanziert sich von linker Militanz als, wen wundert’s, ökofaschistisch, wenn nicht gar "ökoterroristisch".
Jede Gruppe hat ihre Leitfiguren, die für die Gegenseite zum Buhmann werden. Einerseits ist das Roger Hallam [2] Mitbegründer von Extinction Rebellion, der den Holocaust relativierte, um die Klimakrise stärker zur Geltung zu bringen. Für den Ökoterrorismus kann hingegen Tadzio Müller [3] stehen, bunter Vogel der Bewegung, der jüngst verkündete: "Wer Klimaschutz verhindert, schafft die grüne RAF."
Der Ökofaschismus-Keule wird quer durch alle Fraktionen geschwungen und trifft gelegentlich auch Abweichler in den eigenen Reihen. Der Begriff wird durch inflationären Gebrauch seines Inhalts entleert. Jeder kann ihn nach seinem Gusto auslegen, sich aneignen und die verbleibende aggressive Konnotation gegen Andersgläubige richten.
Solche politischen Wortkompilation scheinen Gefahr zu signalisieren und neue Bedeutungen und Zuschreibungen zu kondensieren. So etwa die Wortschöpfung "Sozialfaschismus", die auf die deutsche Sozialdemokratie gemünzt war. Stalin erklärte damit die Partei zu einem Zweig des Faschismus. Ihm passte das ins Machtkalkül, aber der Partei tat es gar nicht gut.
Es ist genau hinzuhören, wer wie "Ökofaschismus" in seiner Rede verwendet, welches Motiv er hat. Man könnte es als Cui-bono-Frage bezeichnen: Wer ist es, der das mit welchem Zungenschlag unters Volk streut? Welchen Nutzen zieht er daraus?
Dieses mehrschichtige Hinhören ist umso nötiger, als im Zusammentreffen von linken und rechten Botschaften in der Umweltbewegung eine Seite die Regie führt. Die Rechte rückt von außen ihre Positionen an die linkslastigen Umweltorganisationen und deren Klientel in verschlüsselter Form heran. Die Verschlüsselung ist nicht zu durchschauen, weil sie als solche nirgends erscheint.
Gelogen wird mit der Wahrheit. Die Lüge wird nicht bemerkt, weil viele umweltpolitische Themen, mit denen die rechtsextremen Gruppierungen aufwarten, wortwörtlich denen der hergebrachten linken und sozial bewegten Gruppen entsprechen. Die Rechte, die auf Grün macht, hat mimetische Fähigkeiten.
Einige Themen wie Tierschutz, Vegetarismus, Kappung der Wachstumsökonomie und Zivilisationsflucht aufs Land [4] werden dabei in den Vordergrund gestellt, weil sie eingängig sind und dem grünen Wertekanon nur zu gut entsprechen.
In historischer Perspektive haben die rechten Umweltschützer sogar die älteren Rechte. Sie behaupten nicht ganz falsch, sich ihre ureigenen Themen zurückzuholen.
Die Unschärfe des Begriffs Ökofaschismus bildet einen virtuellen Raum, in dem sich linke und rechte Argumentationsmuster treffen. Sobald sich die rechte der linken umweltpolitischen Position assimiliert hat, kippt der ganze Komplex in die Realität und offenbart ein hohes faschistoides Vernichtungspotential.
Ganz harmlos wird auf das Wirtschaftswachstum sowie die Bevölkerungsexplosion verwiesen. Sie seien ein Raubbau an der Natur. Diese ist nur zu erhalten, wenn die Weltbevölkerung dezimiert wird. Das geschieht nicht allein durch Geburtenregelung, sondern unter eugenischen Gesichtspunkten. Eine Auswahl ist zu treffen. Getroffen werden zwangsläufig die Armen und Schwachen.
Da der Schutz der Rasse in ihrer Landschaft Vorrang hat, ist die Ausmerzung alles Fremden zu betreiben. Solche Ideen stammen nicht nur von den eingangs erwähnten Attentätern, sondern prominent auch von dem verstorbenen, international bekannten finnischen Umweltschützer Pentti Linkola [5], der die Vorteile eines Genozids darin sah, der Mutter Erde zu helfen.2 [6] Das Corona-Virus assistiert dabei. Das tatsächlich zu bekämpfende Virus ist der Mensch.
Nicht anders als Linkola bestreitet der australische Sozialphilosoph Peter Singer [7] eine Privilegierung des Menschen in der Natur. Er stellt die Tierrechte faktisch höher als die Menschenrechte.
Der Mensch beutet die Tiere aus, wofür er, die Schlussfolgerung liegt auf der Hand, bestraft werden muss. Singer bringt die Euthanasie ins Spiel. Ausdrücklich rechtfertigt er die Tötung behinderter Babys.3 [8]
Die Tierrechtsdiskussion ist eine Kippfigur. Ein von einer hohen ethischen Warte aus befeuertes emotionales Engagement zum Schutz der Tiere mündet in einen Hass gegen karnivore Täter, die Tiere quälen, foltern, töten und die zur Not, im Notstandsfall, auch am Rechtssystem vorbei bestraft werden müssen.
Wer die Schuldigen sind, wird schon in dem von Goebbels inspirierten Film "Der ewige Jude" am Beispiel des Schächtens aufgezeigt. Mit solchen verschreckenden Stimulanzien wurden die Juden zugleich zu einer "Gegenrasse" stilisiert.
Dass die Nazis, vorneweg der Vegetarier Himmler, in Auschwitz, Dachau und Mauthausen Versuche mit ökologischem Landbau und veganer Ernährung durchführten, widerspricht dem nicht. Der Sozialökologe Rudolf Bahro [9] schlug 1990 den Bogen zurück von der grünen zur braunen Ökologie: "Eigentlich ruft es in der Volkstiefe nach einem neuen Adolf."
Die Linien verlaufen nicht nur quer zwischen den Fraktionen, sondern auch längs der Geschichte. Der Naturschutz war ein Abkömmling des 1904 institutionalisierten Heimatschutzes. Dieser wurde spätestens 1933 durch den Schutz der Rasse untermauert.
Die nächste Zäsur von 1945 beeindruckte durch eine große Kontinuität in den Karrieren des Personals, das unter den Nazis für die Landschaftspflege zuständig gewesen war.
Es war gar keine Zäsur [10]. Etliche der Altvorderen tauchten in der Gründungsphase der Grünen bzw. beim BUND wieder auf. Die Zuschreibung "Ökofaschisten" war herabsetzend, aber diesmal gerechtfertigt. Sie brauchten nicht viel vom erlernten Handwerk aufzugeben. Das war scheinbar neutral. Man könnte die Frage stellen: Ist Landschaft unpolitisch?

Wie kann der friedliche Kern der Umweltbewegung den antisemitischen, völkischen und rassistischen Kräften von rechts begegnen, wie kann sie sich der wachsenden Militanz erwehren? Einmal durch klare Abgrenzung. Das ist ein Allgemeinplatz, aber es sollte klar geworden sein, dass das immer nur zeitweise hilft.
Die Einflüsse sind subtil, und die Einflüsterer treiben Camouflage. Sie sind vor und hinter der Grenze, quer zur Grenze aktiv, und die Bedeutungen der politischen Aussagen, siehe Ökofaschismus, changieren. Sie sind anpassungs- und anschlussfähig.
Die manichäische [11] Einteilung in "wir, die Friedfertigen" auf der einen Seite und "ihr, die menschenfeindlichen Ökofaschisten" auf der anderen Seite, hält nicht lange. Hannah Arendt [12] beschreibt die Banalität des Bösen.
Adolf Eichmann ist kein Monstrum gewesen, keine zerrissene Figur, sondern ein Niemand, ein braver Beamter, der funktionieren wollte. Er war "einer von uns". Wer sich heute mit dem Unheil beschäftigt, das Eichmann anrichtete, sollte sich fragen, wie er/sie unter den gleichen Umständen sich verhalten hätte. Wohnt nicht etwas von dem Übel und dem Opportunismus in uns allen? Oder kann das mit Sicherheit verneint werden?
Aber was exkludiert wird, kommt gerade wegen des Ausschlusses um so monströser zurück. Das könnte in Eichmanns eigenes Psychogramm passen. Es könnte im kleinen Maßstab aber auch auf die Umweltbewegung zutreffen, die immer wieder aufs Neue sich politisch unerwünschter Strömungen erwehren muss, denen sie "Hausverbot" erteilt hat. Das Übel kehrt immer stärker wieder. Da die Quelle nicht erkannt wird, entsteht unbestimmter Hass. Auf wen nur?
Die Vertauschungslogik, das Quidproquo von innen und außen, ist auch das logische Grundmuster, auf dem sich Antisemitismus und Rassismus analysieren lassen. Im Umgang mit der Gesellschaft entspricht dem Anteil des Eigenen am Anderen, am Fremden, umgekehrt ein Anteil des Fremden im Eigenen.
Dieser Fremdkörper kann nach Einverleibung virulent werden. Der eigene Körper drängt auf Abstoßung, so wie erweitert "der Volkskörper" auf Abstoßung "der Juden" drängt. Auch diese Logik reproduziert sich im kleinen Maßstab - bei der Debatte um das Impfen und die Schädlichkeit des Vakzins [13].
Die Kräfte, welche die Umweltbewegung in totalitäre Denk- und Verhaltensweisen lenken mögen, schlummern ebenso in ihr selbst, wie sie von außen kommen. Wenn rechtsextreme Vorurteile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, können sie auch in der Mitte der Umweltbewegung Platz greifen. Der Sprengsatz ist gelegt.
Die wechselseitigen Einflüsse linker und rechter Ideologeme entziehen sich weitgehend dem rationalen Diskurs. "Klimaangst" treibt die Diskutanten vor sich her. Die Kombination aus Abgrenzung nach außen und tiefenentspannter Motivforschung nach innen mag zur Aufklärung beitragen.
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Wie staatliche Fehlentscheidungen und individuelle Unvernunft ein verheerendes Gespann bilden konnten (Teil 1)
Es kann verwundern, dass Deutschland trotz seiner beträchtlichen Ressourcen eher schlecht als recht durch die Pandemie-Krise kommt. Offenkundig liegt dies an einer Vielzahl von Fehlern – einerseits einer Serie von Fehlentscheidungen und Nicht-Entscheidungen in der Politik und andererseits an mehr oder weniger unvernünftigem Verhalten in weiten Teilen der Bevölkerung.
Um als Gesellschaft die Herausforderungen besser meistern zu können, gilt es, die Fehler, deren Ursachen und mögliche Lösungen sorgfältig analysieren. Hierzu soll dieser Essay einen Beitrag leisten.
Trotz der ausgeprägten Stärken im Bereich von Wissenschaft und Technik, auf denen auch ein Großteil des erreichten Wohlstands beruht, gelingt eine konsequente geistige Orientierung am besten verfügbaren Wissen weiten Teilen der Bevölkerung nicht.
Selbst bei etlichen gebildeten Menschen fehlt es offenkundig an Verständnis dafür, dass diverse wichtige Fakten und komplexen Zusammenhänge nur durch eine systematische und sorgfältige Arbeit von dafür speziell geschulten Fachpersonen einigermaßen sicher beurteilt werden können.
Wo völlige Sicherheit nicht erreichbar ist, müssen gerade angesichts notwendiger folgenreicher Entscheidungen solche Einschätzungen gefunden werden, die auf der Basis des momentan besten vorhandenen Wissens am vernünftigsten sind. Dazu gehört beispielsweise, dass sie besser als andere Einschätzungen zu den bekannten Fakten passen und dass sie verbleibende Risiken betreffend möglicher Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit möglichst realistisch beschreiben und abwägend bewerten.
Diese Arbeit ist in einer komplexen Situation wie einer Pandemie weitaus schwieriger, als sich viele vorstellen. Jede einzelne, noch so wissende und intelligente Person wäre damit völlig überfordert. Jedoch arbeitet eine große Zahl von Wissenschaftlern Hand in Hand an der Untersuchung der Sachlage und an der Ausarbeitung möglichst zuverlässiger Beschreibungsmodelle und praktischer Schlussfolgerungen.
Die Wissenschaft funktioniert zwar in der Praxis keineswegs perfekt, und es kommen nicht alle Wissenschaftler dabei zu den gleichen Einschätzungen. Trotzdem kann und muss davon ausgegangen werden, dass Einschätzungen, von denen am Ende der größte Teil der Fachwelt überzeugt ist, dem mit Wissen und Vernunft bestmöglichen Resultat ziemlich nahekommen – jedenfalls erheblich näher als jede andere Methode.
Personen ohne besondere Fachkenntnis sollten sich immerhin eine gewisse Vorstellung davon machen können, wie schwierig die Gewinnung und Auswertung solchen Wissens ist und dass deswegen die Qualität (Aussagekraft, Präzision, Verlässlichkeit etc.) der Resultate der Wissenschaft niemals mit alternativen Methoden erreichbar ist, etwa mit der Auswertung von Einzelfällen und einiger mit Google gefundener Texte durch einen Laien.
Man kann die Resultate umfangreicher wissenschaftlicher Studien nicht vom Tisch wischen mit dem bloßen Hinweis auf sein Bauchgefühl und Pseudo-Widerlegungen auf der Basis weniger Einzelfälle (etwa nach der Art, das Rauchen könne gar nicht schädlich sein, denn schließlich kenne man jemanden, der damit gesund alt geworden sei).
Ebenso sollte klar sein, dass es auch in der Wissenschaft immer abweichende Einzelmeinungen geben wird, denen aber kein übergroßes Gewicht zugeschrieben werden sollte, wenn der Großteil der Fachwelt davon nicht überzeugt werden kann: Das wird wohl Gründe haben. Man kann etwa die Erde nicht mehr als eine Scheibe ansehen, selbst wenn es immer noch ein paar Promovierte gibt, die daran festhalten.
Bedauerlicherweise gilt aber selbst ärgste Ignoranz zu solchen Grundlagen vielerorts nicht als bedenklich und peinlich. Leider überschätzen viele Menschen auch ihre diesbezügliche Bildung völlig; insbesondere übersehen sie völlig die Lücken in ihrem Verständnis von grundsätzlichen Aspekten der Wissenschaft.
Manche fühlen sich sogar geadelt durch ihre "alternative" Weltsicht, die auf vermeintlich höheren Einsichten beruht, und betrachten konventionelles wissenschaftliches Denken (basierend auf Evidenz, Logik und diversen Mechanismen der Überprüfung) als etwas für den geistig beschränkten Mainstream, was für sie nicht maßgeblich sein könne.
Extreme Unvernunft kann nicht nur aus mangelndem Wissen entstehen, sondern insbesondere auch durch ideologische Verblendung. Solche führt leicht dazu, dass gar nicht erst nach bestmöglichem Wissen gesucht wird, sondern nur nach Möglichkeiten der Bestätigung längst gefasster Meinungen und Glaubenssätze wie auch der Widerlegung "feindlicher" Meinungen.
Je stärker die psychische Notwendigkeit des Erreichens solcher Ziele ist, desto geringer werden die Anforderungen an die Evidenz und an die Stringenz von Überlegungen. In diversen Zirkeln wurde und wird die Fähigkeit, dabei störende Einflüsse (etwa nicht ins Bild passende Fakten) so effektiv wie möglich auszublenden, immer wieder trainiert, auch mit Anleitung durch die Führer entsprechender Gruppen.
Das konsequente Operieren mit "alternativen Fakten" wurde keineswegs erst von Donald Trump und seiner Entourage erfunden, sondern ist schon seit langer Zeit eine vielerorts übliche Methode, etwa in esoterischen Zirkeln, bei Anthroposophen und natürlich in religiösen Gruppen.
Teils werden sogar erhebliche Spannungen mit offenkundigen Tatsachen oder mit Grundsätzen der Logik hingenommen, etwa wenn der soziale Preis für die Ablehnung unhaltbarer Positionen zu hoch wäre.
Ein solcher Preis kann entstehen durch den Gruppendruck, aber auch dadurch, dass man sich mit eigenen Meinungen schon so weit aus dem Fenster gelehnt hat, dass man sie nicht mehr ohne ein Eingeständnis massiver eigener Fehler revidieren könnte. Eine große Hilfe bei der Stabilisierung seltsamer Ansichten sind natürlich die Filterblasen des Internets.
Zu den Grundsätzen der Wissenschaft gehört ein kritisches Denken, welches aber gerade die Gegner der Wissenschaft immer wieder fest für sich reklamieren. Sie verstehen darunter oft die Freiheit, noch so klar präsentierte Evidenz beiseite wischen zu können und ihrem eigenen Bauchgefühl den unbedingten Vorrang zu geben.
Sie fallen damit geistig weit hinter den Stand zurück, der schon von Denkern der Antike längst erreicht war. In Wirklichkeit praktizieren sie genau das Gegenteil von kritischem Denken: Sie legen ein extremes Maß an Voreingenommenheit an den Tag, greifen begierig alle ihre vorgefasste Meinung scheinbar bestätigenden Berichte und Einschätzungen auf und wehren alles, was die eigene Meinung infrage stellen könnte, ungeprüft ab.
Wenn aber kritisches Denken nur zur Suche nach Fehlern bei anderen dient und die eigene Position davon ausgenommen ist, ist es schlicht pervertiert. Bezeichnungen wie "Kritiker" oder "Skeptiker" sollten Personen, die so operieren, verwehrt bleiben. Stress macht unvernünftig
In Zeiten mit schwierigen Herausforderungen für die Gesellschaft wäre es natürlich besonders wichtig, die Vernunft erfolgreich gegen ideologische Einflüsse zu verteidigen. Leider scheint aber die Neigung vieler, sich gegen als bedrohlich empfundene Einsichten zu wehren, gerade in solchen Zeiten sogar erheblich zuzunehmen.
Dies ist natürlich beunruhigend, gerade auch mit Blick auf voraussehbare Herausforderung etwa im Zusammenhang mit Auswirkungen des Klimawandels (Naturkatastrophen, wirtschaftliche Schäden, Flüchtlingsströme etc.) und mit internationalen Spannungen.
Häufig zu beobachten ist, dass eine als bedrohlich empfundene Komplexität von Sachverhalten einfach dadurch reduziert wird, dass eigentlich wichtige Teile davon komplett ignoriert werden. Funktionierende Lösungen zu finden, wird so freilich nicht leichter. Konflikte werden geschürt
Falsche Vorstellungen entstehen nicht nur durch Ignoranz und Dummheit. Konflikte werden gezielt geschürt von manipulierenden Akteuren, die sich davon Vorteile versprechen. So haben sich einige Politiker nach dem Vorbild von Donald Trump darauf verlegt, Teile der Bevölkerung gegen die Corona-Maßnahmen aufzuhetzen, um damit eine treue Gefolgschaft zu bilden.
Diese übt dabei geflissentlich die geistige Abschottung ein, die für die Verteidigung ihrer Positionen gegen Fakten und Vernunft nötig ist, und wird damit für weitere Manipulationen bestens vorbereitet. Letztendlich ermöglicht dies dann die Unterstützung einer Politik, die den eigenen vitalen Interessen vielfach massiv zuwiderläuft.
Auch eine wirtschaftliche Schädigung der Irregeleitenden dürfte eher sogar vorteilhaft sein für die Anführer, da die Manipulation umso besser funktioniert, je mehr sich die Menschen bedroht fühlen.
Zudem gibt es klare Anzeichen, dass z. B. von der russischen Regierung gesteuerte Gruppen gezielt in den sozialen Medien Desinformationskampagnen zu verschiedenen Themenbereichen durchführen, die unsere Gesellschaften destabilisieren.
Leider sind solche Aktivitäten schwer zu bekämpfen bei gleichzeitiger Verteidigung essenzieller Werte unserer demokratischen Gesellschaft. Mit viel kreativer Denkarbeit sollte trotzdem einiges möglich sein.
In der Coronaviren-Pandemie ist sehr klar auch eine Epidemie der Irrationalität und Unvernunft klar zu beobachten. Im Folgenden werden einige typische Beispiele erläutert.
Von Anfang an gab es einen Streit darum, ob diverse Maßnahmen zur Eindämmung von Ansteckungen wirksam und sinnvoll seien. Dass durch das konsequente Tragen von medizinischen und FFP2-Masken das Ansteckungsrisiko erheblich gesenkt wird, hat sich schnell erwiesen, wird aber von bestimmten Gruppen immer noch vehement abgelehnt.
Hilfsweise wird zusätzlich noch die völlig unbegründete Behauptung eingesetzt, das Maskentragen selbst sei gesundheitlich bedenklich. Das ideologisch bedingte Beharren auf alternativen Fakten ist hier sehr augenfällig.
Häufig zu beobachten ist ein mangelndes Verständnis für die Dynamik exponentiellen Wachstums. Zwar wurde vielfach erklärt, dass es entscheidend wichtig ist, ob der sogenannte R-Wert durch entsprechende Maßnahmen unter 1 gedrückt werden kann oder doch oberhalb von 1 bleibt.
Im letzteren Falle resultiert unausweichlich ein exponentielles Wachstum der Infektionszahlen, welches zwar für die nächsten zwei Wochen noch beherrschbar bleiben mag, innerhalb der weiteren Wochen jedoch unausweichlich in eine Katastrophe führen würde, vor allem in den dann völlig überlasteten Intensivstationen.
Die Krankenhauskapazitäten können offenkundig nicht exponentiell ausgeweitet werden, um mit einem exponentiellen Anstieg der Infektionen mitzuhalten, und selbst stark ausgeweitete Kapazitäten würden von einer exponentiell ansteigenden Belastung nur wenig später erschöpft. So erzwingen die üblen Konsequenzen unzureichender Maßnahmen unweigerlich Verschärfungen. Die Folgen der anfänglichen Unvernunft werden noch massiv gesteigert durch den Umstand, dass die Wirkung der Maßnahmen z. B. auf die Belegung der Intensivstationen leider immer erst verzögert einsetzt. Zur Vermeidung inakzeptabler Schäden müsste deswegen die Einsicht als Voraussetzung für wirksame Gegenmaßnahmen bereits vorhanden sein, deutlich bevor die Folgen mit aller Härte zuschlagen.
Leider sind wir in Deutschland trotz der bereits im Winter 2020/21 gemachten Erfahrungen immer noch nicht so weit. Und aus im Ausland gemachten Erfahrungen kann man offenbar auch nicht lernen; man muss den Schaden immer erst in unmittelbarer Nähe beobachten.
Ärgerlich ist auch, dass die Belegung der Intensivstationen immer wieder zum zentralen Maßstab gemacht wird und andere Aspekte völlig ausgeblendet werden: nicht nur die sehr hohen Behandlungskosten, sondern auch die zu befürchtenden Langzeitfolgen für die vielen Erkrankten (Stichwort Long Covid).
Daraus resultieren auch enorme finanzielle Risiken für die Gesellschaft, wenn etwa Tausende dauerhaft arbeitsunfähig werden sollten. Dazu kommen dann noch die üblen Folgen für viele mangelhaft versorgte Patienten mit anderen Erkrankungen.
Erstaunlicherweise nehmen viele mit einem Achselzucken hin, dass in Deutschland zeitweise mehrere hundert Menschen täglich (!) an Corona-Infektionen qualvoll sterben. Normalerweise würde man erwarten, dass so etwas als ein unbedingt zu vermeidender Horror wahrgenommen würde. (Man stelle sich vor, Terroristen würden täglich drei Geiseln erschießen – wie viele Monate bräuchten wir, bis wir fänden, jetzt sei es genug, auch wenn eine signifikante Übersterblichkeit fehlt?)
Jedoch scheinen sich gerade unter den sonst eher sensiblen Anhängern der Alternativmedizin viele recht leicht damit abzufinden. Anscheinend hängt dies damit zusammen, dass man diese Todesfälle als "natürlich" einstufen kann, während die extrem viel weniger schwerwiegenden Impfschäden als das Werk von sinistren Verbrechern (die Gentechnik verwenden!) und somit als völlig inakzeptabel empfunden werden.
Gewiss wäre anders, wenn das Virus ein Produkt der Gentechnologie wäre, der Impfstoff dagegen homöopathisch, also harmlos, wenn auch leider wirkungslos.
Selbstverständlich müssen die Kosten und negativen Nebenwirkungen von Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie immer in eine vernünftige Abwägung einbezogen werden. Gerade hier zeigt sich immer wieder eine erschreckende Inkompetenz, und dies in ganz unterschiedlichen Spielarten.
Besonders offensichtlich ist der Fehler, ausreichende Gegenmaßnahmen ohne konstruktiven Gegenvorschlag als zu teuer und damit unzumutbar abzulehnen, obwohl die Folgen einer unzureichend eingedämmten Pandemie gesundheitlich wie wirtschaftlich verheerend wären.
Große unnötige Schäden entstehen aber auch durch die Unfähigkeit zu erkennen, dass die notwendige Eindämmung aus mehreren Gründen wesentlich schwieriger und kostenträchtiger wird, wenn man einen starken Anstieg der Infektionszahlen für einige Zeit hinnimmt.
Anstatt erst dann den R-Wert wieder auf deutlich unter 1 zu drücken, um die Infektionszahlen wieder zu senken, könnte man mit insgesamt weniger Aufwand und weitaus geringeren Schäden den R-Wert von Anfang an auf einen Wert etwas unterhalb von 1 stabilisieren. Wohlgemerkt sind z. B. die für ein ausreichendes R = 0,95 erforderlichen Maßnahmen kaum einschneidender als die für R = 1,05 oder 1,1.
Man beachte auch, dass der R-Wert ganz ohne Gegenmaßnahmen (die Basisreproduktionszahl R0) für die aktuell bedrohliche Virusvariante Delta weitaus höher wäre – vermutlich 6 oder noch mehr. (Für Omikron wissen wir es noch nicht.)
Es ist also richtiggehend dumm, eine tödliche und teure Pandemiewelle über uns ergehen zu lassen, anstatt sie von vornherein mit kaum einschneidenderen Maßnahmen weitestgehend zu unterdrücken. Aber man versteht offenbar nicht, dass relativ geringfügige Änderungen der Maßnahmen darüber entscheiden, ob eine massive Welle auftritt oder nicht, oder rafft sich trotzdem nicht zum Handeln auf.
Übrigens hätte die erfolgreiche Unterdrückung einer Infektionswelle zur Folge, dass die meisten Geimpften am Ende dem Virus gar nicht mehr ausgesetzt würden. Daraus würden manche dann gerne schließen, die Impfungen seien gar nicht nötig. Das ist aber nur unter der Annahme korrekt, dass man ein einzelnes Individuum in einer weitgehenden geimpften Gesellschaft betrachtet.
Einzelne Trittbrettfahrer kämen tatsächlich risikoarm durch, aber eben nicht eine Gesellschaft mit Millionen von Trittbrettfahrern. Ähnlich könnte man beim Klimaschutz denken, es genüge doch, wenn es alle Länder täten außer eben unserem, wo wir es leider unpraktisch finden, auf Billigflüge, SUVs und Raserei ohne Tempolimit zu verzichten. Das stimmt schon, außer dass man so niemals zur Problemlösung kommt.
Natürlich mag man sich im Einzelfall darüber streiten, welche Maßnahme genau wie effektiv und angemessen ist. Leider sind wir aber von einem optimalen Mix von Maßnahmen vor allem an einer Stelle weit entfernt: Gewisse Kreise ignorieren zeitweilig komplett alle Notwendigkeiten (etwa bei Fußballspielen oder Familienfeiern) oder lehnen sich gar öffentlich gegen Schutzmaßnahmen auf, wobei sie dicht gedrängt auf den Straßen stehen und jede Menge von Infektionen unnötig zulassen.
Unter solchen Umständen kann eine Infektionswelle nur durch zusätzliche einschneidende Maßnahmen an anderer Stelle wieder zum Abklingen gebracht werden. Oft regen sich dann ausgerechnet diese Kreise über die wirtschaftlichen Schäden auf, die sie zuallererst zu verantworten haben. Und wenn man diese ja nicht von der Hand zu weisende Verantwortung benennt, kracht es erneut.
Besonders konfliktreich ist derzeit der Streit um die Impfungen. Aus wissenschaftlicher Sicht kann kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass die Impfungen zwar nicht perfekt wirken, aber jedenfalls einen sehr großen Beitrag zur Problemlösung bringen. Wenn alle geimpft wären (mit Auffrischungen ca. alle sechs Monate), bei denen kein triftiger Grund dagegenspricht, könnte der R-Wert mit moderaten und kostengünstigen Zusatzmaßnahmen zuverlässig unter 1 gehalten werden.
Das öffentliche Leben und die Wirtschaft kämen damit gut zurecht. Das Risiko von Nebenwirkungen der Impfungen liegt für den Einzelnen mit hoher Wahrscheinlichkeit weit unter dem, welches eine Pandemiewelle mit massenhaften Infektionen verursacht. Zwar sind im Prinzip schwere Langzeitwirkungen der Impfungen denkbar, aber auch sehr unwahrscheinlich.
Gleichzeitig gibt es für schwerwiegende Langzeitwirkungen der Infektionen bereits eine erhebliche Evidenz: Eine große Zahl von Menschen leidet seit Monaten unter Long Covid, und ob diese Erkrankungen entweder mit der Zeit doch von selbst abklingen oder durch neuartige Behandlungen (ohne Nebenwirkungen?) geheilt werden können, ist völlig ungewiss, außer für Anhänger der Alternativmedizin, die auch ohne jede Evidenz auf deren segensreiche Wirkungen vertrauen.
Übrigens beinhaltet auch die Intensivbehandlung bei schweren Infektionen notwendigerweise schwere Eingriffe, bei denen mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen ist; dieses Risiko wird von vielen aber völlig ignoriert, obwohl es viel größer ist als das der Impfungen. Aus den genannten Gründen ist es in hohem Maße irrational, die Impfungen auf der Basis gefürchteter Nebenwirkungen abzulehnen – außer in außergewöhnlichen Fällen mit speziellen medizinischen Umständen.
Man bedenke auch, wie katastrophal unsere Lage ohne Impfungen wäre: Man müsste dann entweder mit viel einschneidenderen Maßnahmen den R-Wert trotz unter 1 halten oder aber voll von einer unkontrolliert sich entwickelnden Infektionswelle überrollen lassen, inklusive Zusammenbruch des Gesundheitssystems.
Die Impfgegner an Kants kategorischen Imperativ zu erinnern, treibt sie so in die Enge, dass sie gewöhnlich mit alternativen Fakten kontern. Viel anderes bleibt ihnen nicht, wenn ihre Position eben bedingungslos verteidigt werden muss, egal was Fakten und Logik sagen.
Die Sinnhaftigkeit einer Impfpflicht ergibt sich natürlich nicht einfach aus diesen Erkenntnissen. Neben praktischen Erwägungen wie der Verfügbarkeit von Impfstoffen sind hierfür auch weitere Aspekte eingehend zu prüfen, etwa betreffend denkbare andere (hinreichend wirksame?) Methoden sowie Abwägungen zwischen Freiheit und dem Schutz von Gesundheit und Leben (mit zu Ende zu denkenden Konsequenzen).
Ebenso können pragmatische Überlegungen über antizipierte Reaktionen eine Rolle spielen: Würde damit Vertrauen zerstört und eine Spaltung vertieft? Oder hat die Spaltung ganz andere Ursachen (etwa Desinformationskampagnen) und eine Impfpflicht womöglich sogar entspannende Wirkungen, etwa indem sie Impfungen ohne Gesichtsverlust erlaubt (d.h. ohne offizielle Aufgabe von verirrten Positionen)? Das sind gewiss schwierige Fragen.
Manche Meinungen sind immerhin nicht absurd im Sinne von logisch unsinnig, aber doch weltfremd. Beispielsweise kann man nicht auf ein "natürliches" Abebben einer Infektionswelle hoffen, wenn dies zwangsläufig bedeuten würde, dass viele Millionen infiziert und unzählige Tausende getötet werden – und all dies so schnell, dass es zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems oder noch mehr führt.
Ebenso zum Scheitern verurteilt wäre eine Strategie, nur die besonders Gefährdeten zu schützen und die Infektionen im größeren Teil der Bevölkerung sich frei entwickeln zu lassen: Erstens, weil viele besonders Gefährdete gar nicht als solche identifiziert sind (also erst im Rahmen einer dramatisch verlaufenen Infektion als solche erkannt würden), und zweitens, weil es nicht ersichtlich ist, wie z.B. pflegebedürftige Alte im Falle ausufernder Infektionen beim Pflegepersonal geschützt werden könnten.
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