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Hey, hey, Wiki!

Bild: Christie Rixford - ™ Wikimedia Foundation, Inc. / CC BY-SA 4.0

Das M-Hörnchen: Che Guevara-Wikimedia und die Befreiung des Wissens auf Kosten der User

Unsere Freiheit und unser tägliches Brot tragen die Farbe des Blutes und stecken voller Opfer.

Che Guevara

Wir alle lieben Wikipedia! Wikipedia ist toll, oder? Wer hat nicht schon mal gespendet für Wikipedia? Denn so etwas muss man doch unterstützen. Hier ist er einmal wahr geworden, der Traum aus den Anfängen des Internet: Ein selbstgeschaffenes, unabhängiges Projekt, zu dem Millionen von Autoren unentgeltlich etwas beisteuern, um auch unentgeltlich etwas zu bekommen: Das größte, beste, detaillierteste und zugänglichste Lexikon der Welt und dies gleich in einem Dutzend Sprachen. Redigiert durch Selbstkorrektur und, von verzeihlichen Fehlern abgesehen, auch ziemlich zuverlässig.

Wunderschön, oder? Oder schön blöd? Warum haben wir eigentlich noch nie etwas für Amazon gespendet? Oder für Facebook? Oder für Apple? Oder für Volkswagen? Genau: Weil dies globale Konzerne sind, gewinnorientiert und an eigenen Geschäftsinteressen orientiert, nicht am Gemeinwohl. Und Wikipedia? Ist eigentlich genau das auch.

Obwohl: Ehrlich gesagt, geht es gar nicht um Wikipedia. Sondern um Wikimedia. Was ist jetzt das schon wieder? Ist das nicht eigentlich nichts anderes als das rechtliche Fundament, also das, was für den Eintrag in die jeweiligen Amtsblätter juristisch notwendig ist, eine Art erweiterte Rechtsform, die dafür sorgt, dass Wikipedia reibungslos funktionieren kann? Hm, nicht ganz.

Geld verdienen mit Gemeingut

Ausgerechnet in der FAZ, die nicht gerade berühmt für ihr kritisches Verhältnis zu Wirtschaftskonzernen ist und auch nicht übermäßig bekannt für investigative Recherche, ausgerechnet dort erschien am vergangenen Dienstag ein ausgezeichneter und in seinen Folgen bahnbrechender Text des Gastautors David Bernet, der erstmals in einem Mainstream-Medium die ökonomischen Hintergründe [1] der Lexikon-Betreiberorganisationen und die dazugehörige massive Lobby-Arbeit in den Fokus rückt.

David Bernet [2], ein in Berlin lebender Schweizer, ist von Beruf Filmemacher und zur Zeit einer der Vorstände des Dokumentarfilm-Verbandes AG Dok [3]. 2015 hat er den Film "Democracy – Im Rausch der Daten" gedreht, in dem es um die Datenschutz-Grundverordnung und um den Kampf für informationelle Selbstbestimmung innerhalb der EU ging. Er ist also "drin" im Thema.

"Wikimedia pervertiert das Gemeinwohl", schreibt Bernet. Bernet. Er zeigt, dass Wikipedia vor allem durch Spenden von Silicon-Valley-Giganten finanziert wird: Google, Facebook, Apple. Es lohnt sich für sie, denn sie verdienen durch Traffic mit Inhalten aus Wikipedia sehr viel Geld. Das reicht dem Wikipedia-Konzern nun nicht mehr.

Bernets Thema ist aber vor allem die aktuell in Angriff genommene direkte und automatische Kommerzialisierung von Wikipedia-Content. Und wofür die kommerziellen Unternehmen bezahlen sollen. Zum Beispiel, wenn Sprachassistenten wie Siri oder Alexa über Wikipedia auf Inhalte zugreifen.

Das oben beschriebene Spendengeschäft auf Gegenseitigkeit würde damit in eine ordentliche Geschäftsbeziehung umgewandelt werden. Der Name dafür: Wikimedia Enterprise API [4], ein 2020 gegründetes "Projekt", dessen Logo lustigerweise ein nüssesammelndes Einhörnchen ist.

Damit sich das Geschäft lohnt, müssen die Wikipedia-Inhalte möglichst kostenlos und rechtefrei sein.

Kalifornische Ideologie und der schmutzige Pakt der TV-Sender

"In diesem Zusammenhang ist auch die seit einigen Jahren anhaltende intensive Lobby-Kampagne von Wikimedia Deutschland für sogenannte 'freie Lizenzen' zu verstehen", schreibt Bernet in der FAZ. Die gern verwendete Formel "Öffentliches Geld = Öffentliches Gut" sei eine "Vulgarisierung des Gemeinwohlgedankens, die den rechtlichen Status von Gütern abwertet", auch solchen, die ohne den Gedanken an ökonomische Auswertung produziert wurden.

Bernet warnt, dass der Wikipedia-Kapitalismus hier von einer typischen Internet-Mentalität profitiere, der "Verquickung von libertärer Staatsverachtung und Kollektivismus-Idealen, die sich in diesem Fall recht schamlos hinter Gemeinwohl-Rhetorik und flimmernden Fantasien vom 'freien Internet' versteckt". Die britischen Soziologen Richard Barbrook und Andy Cameron haben diese Mentalität und ihre Folgen bereits vor 25 Jahren auf Telepolis klarsichtig mit dem Schlagwort "Kalifornische Ideologie" [5] beschrieben.

Bernet greift in seinem Text auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender an, die im Gegensatz zur deutschen Filmbranche über "creative commons"-Lizenzen einen schmutzigen Pakt mit Wikimedia geschlossen haben:

"Warum benötigt Wikimedia überhaupt CC-lizenzierte öffentlich-rechtliche Inhalte? Wikimedia könnte auch ganz einfach eine Pauschallizenzierung mit den zuständigen Verwertungsgesellschaften wie der VG Bild-Kunst abschließen. Genauso wie das Schulen, Universitäten und Bibliotheken tun."

In Bernets frei zugänglichem Artikel ist vieles davon näher ausgeführt. Es lohnt auch der Blick in das Leserforum zum Text [6]. Offenkundig hat Bernet ins Schwarze getroffen und auch vielen Mitarbeitern des Lexikons aus dem Herzen gesprochen, die keineswegs glücklich über das Treiben ihrer Betreiberorganisation sind.

"Die Befreiung des Wissens"

Wer sich ein bisschen informiert, der sieht Bernets Ausführungen und ähnliche Zweifel an der Selbstlosigkeit von Wikimedia bestätigt.

Beim Anklicken der Website der deutschen Wikimedia [7] springt als Erstes die pathetische Formel "Wir befreien Wissen" ins Auge. Sie ist militant. Es geht nach ihr nicht einfach darum, etwas vorhandenes zugänglich zu machen, sondern es wird etwas Verborgenes, Gefangenes, in Ketten liegendes befreit. Wikimedia als Befreiungsbewegung, als Avantgarde der Weltrevolution. So viel Sendungsbewusstsein ist – wie jeder fundamentalistische Gestus – suspekt.

Die deutsche Wikimedia, das ist hier wichtig. Denn zum einen muss man fein unterscheiden zwischen der deutschen Wikimedia und der "Wikimedia Foundation" in den USA. Zum Zweiten ist die Wikimedia Deutschland keineswegs nur für Deutschland zuständig. Deutschland ist einfach ihr Sitz.

Der in vier Punkten formulierte Vereinszweck des deutschen eingetragenen, also steuerlich begünstigten Vereins ist zum einen keineswegs ganz schlicht die Förderung freien Wissens oder der Betrieb des Online-Lexikons, sondern im Gegenteil erstens "die Unterstützung des Betriebs der Wikipedia Foundation", also der US-amerikanischen Stiftung.

Zum zweiten "die Offline-Verbreitung der Inhalte der Wikimedia-Projekte in digitaler oder gedruckter Form", also etwas salopper formuliert die Kommerzialisierung der gratis von unbezahlten Usern erstellten Inhalte. Zum dritten "die Durchführung von Informationsveranstaltungen und die Erstellung und Verbreitung von Informationsmaterial über freie Inhalte, Wikis und die Wikimedia-Projekte", vulgo: PR und Lobbyismus.

Viertens: "die Klärung wissenschaftlicher, sozialer, kultureller und rechtlicher Fragen im Zusammenhang mit freien Inhalten und Wikis". Also der juristische und publizistische Kampf gegen das bestehende Urheberrecht.

Ausbeutung und Enteignung von Millionen Content-Lieferanten

Übersetzen wir das mal: Es geht um die Kommerzialisierung von unkommerziellen Inhalten und um Interessenvertretung eines globalen Konzerns. User erarbeiten in ihrer Freizeit kostenlos Inhalte, mit denen ein Konzern Gewinne macht. Eine geniale Geschäftsidee.

Dazu passt die Aufklärung, wohin eine Wikipedia-Spende fließt. Sie landet nämlich keineswegs, wie die allermeisten glauben, bei Wikipedia, um den Betrieb des Lexikons zu finanzieren. Sondern bei Wikimedia. Die wiederum geben immerhin einen kleineren Teil des Spendenvolumens tatsächlich an Wikipedia weiter. Der größere Teil dient den oben beschriebenen Vereinszwecken. Spender, die öffentliches Wissen und Gemeinwohl-Ideen unterstützen wollen, finanzieren also tatsächlich die Lobby-Arbeit, die PR-Leute und die Hausjuristen eines Konzerns.

"Tja!", wie Luisa Neubauer sagen würde – es ist weit gekommen, wenn Millionen User ein Spiel klaglos mitspielen, in dem sich ein Konzern zum "Che Guevara des Internet" erklärt und mit viel Propagandanebel mit den Formeln "Freie Lizenzen" und "Gemeinwohl" de facto die Wissensproduzenten – denn nichts anderes sind die kleinen wie die großen Wikipedia-Content-Lieferanten – enteignet und im Eigeninteresse des Konzerns entschädigungslos ausbeutet.

Jetzt ist das Thema auf dem Tisch. Es wird noch für Furore sorgen. Wir bleiben dran.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-6338465

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/wikimedia-plant-die-kommerzialisierung-ihrer-inhalte-17736141.html
[2] https://www.filmportal.de/person/david-bernet_b3a32c0ca0934b6eb521b6ef3643341a
[3] https://www.agdok.de/
[4] https://meta.wikimedia.org/wiki/Wikimedia_Enterprise/de
[5] https://www.heise.de/tp/features/Die-kalifornische-Ideologie-3229213.html
[6] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/wikimedia-plant-die-kommerzialisierung-ihrer-inhalte-17736141.html
[7] https://www.wikimedia.de

Article note: #thx4sharing!

In Kirchberg an der Jagst hat Georg Harro Schaeff-Scheefen, so scheint es, einen tadellosen Namen. In der Kleinstadt im Landkreis Schwäbisch Hall wurde der Schriftsteller, der hier von 1936 bis zu seinem Tod 1984 lebte, gemeinsam mit seiner Frau Caroline 1983 zu Ehrenbürgern ernannt, er erhielt den Ehrenring der Stadt, im dortigen Sandelschen Museum gibt es nicht nur ein eigenes Schaeff-Scheefen-Zimmer über sein Leben und Schaffen, hier ist auch sein umfangreiches Werk archiviert. "Herr Schaeff-Scheefen hat sich durch seine kulturelle und publizistische Arbeit um die Stadt Kirchberg/Jagst und durch seine Stiftungen für das städtische Museum in besonderen Maßen verdient gemacht", schreiben der Gemeinderat und die Stadtverwaltung Kirchberg/Jagst in einer Traueranzeige für Schaeff-Scheefen am 23. Mai 1984 in der Lokalzeitung Hohenloher Tagblatt. "Bis ins hohe Alter waren sein Rat und sein Wissen in kulturellen Fragen für uns unentbehrlich".

Bereits 1973 bekam Schaeff-Scheefen das Bundesverdienstkreuz – den Antrag hatte der Verband fränkischer Schriftsteller gestellt, dessen Gründungsmitglied und Ehrenmitglied der Geehrte war. Der Verband, der mittlerweile Autorenverband Franken (AVF) heißt, bemühte sich auch weiter, den Namen seines Mitgründers nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: Seit 2010 vergibt der AVF in zweijährigem Turnus den Schaeff-Scheefen-Preis an Autorinnen und Autoren fränkischer Herkunft oder zumindest fränkischer Prägung. 2021 fand die Preisverleihung coronabedingt erstmals im Wasserschloss Mitwitz in Oberfranken und nicht in Kirchberg/Jagst statt. Doch nicht dies sollte für Aufregung sorgen.

Von den 97 Autoren, die Arbeiten eingereicht hatten, wurde David Jacobs aus Bad Honnef-Hövel in Nordrhein-Westfalen für seine Kurzgeschichte "Kornweihe" zum Sieger gekürt. Am 8. Oktober 2021 bekam Jacobs den Preis überreicht – aber bereits am 15. Dezember gab er ihn wieder offiziell zurück und zahlte das Preisgeld in Höhe von 300 Euro zurück. Seine Begründung: Georg Harro Schaeff-Scheefen habe "sich nicht deutlich genug vom Nationalsozialismus distanziert".

Offenbar war dies Jacobs bei der Preisverleihung noch nicht klar gewesen. Anlässlich der Rückgabe Mitte Dezember 2021 sagte er, er habe sich inzwischen acht Wochen intensiv mit dem Namensstifter beschäftigt. "In der kritischen Auseinandersetzung mit seiner Biographie und seinen Texten kann man viel über Verführbarkeit, Ehrgeiz, Opportunismus, aber sicher auch über Heimatliebe und Kunstwillen lernen." Zu den Themen Reue und Aufrichtigkeit sei er allerdings nicht fündig geworden, so Jacobs. Aufgrund seiner Recherchen neige er "inzwischen zu der Einschätzung, dass Schaeff-Scheefens Verhalten im Nationalsozialismus von einem gewissen Opportunismus geprägt gewesen zu sein scheint, der auf weniger Gegenliebe stieß, als er es sich erhofft haben mag." Der Autorenverband Franken schrieb auf seiner Internetseite als erste Reaktion auf die Preisrückgabe, er könne "diese Auffassung bislang nicht mittragen, wird sich aber weiterhin um eine Aufklärung derartiger Vorwürfe bemühen".

Für Aufklärung kann ein genauer Blick auf die Biographie des 1903 als Johann-Georg Schaeff in Ansbach geborenen Schaeff-Scheefen sorgen – sein Wirken umfasste nicht nur landeskundliche Schriften und Hörfunk-Beiträge, wegen derer er vom AVF und in Kirchberg/Jagst gerne gerühmt wird.

Nationalsozialist, Mitglied in antisemitischem Verband

Nach dem Schulabschluss fing Schaeff-Scheefen bei einem Rechtsanwalt in Ansbach als Kanzleigehilfe an. Später arbeitete er von Kitzingen aus als Buchhalter und juristischer Berater der "Deutschen Weinkesselwagen-Gesellschaft". Für den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband (DHV) ging er als junger Mann seit etwa Mitte der 1920er-Jahre auf Vortragsreisen. Nach eigenen Angaben hat er gerne über den völkisch-antisemitischen Schriftsteller Houston Steward Chamberlain referiert, der seit 1923 ein Bewunderer Adolf Hitlers war und enge freundschaftliche Kontakte zum NSDAP-Führer pflegte. Als Teil der völkischen Bewegung vertrat der DHV antisozialistische, radikal nationalistische und antisemitische Positionen – Juden durften nicht Mitglied werden. Auch Frauen war die Mitgliedschaft verwehrt. Ein erklärtes Ziel des DHV war die Beschränkung von Frauenarbeit.

Article note: #thx4orga! #cu

Aktiv werden und den Querdenker*innen nicht die Stadt überlassen.
Hier gehts zum aktuellen Aufruf.
 
In Potsdam gehen seit Wochen Menschen in sogenannten “Lichterspaziergängen” auf die Straße. Sie verstecken sich hinter der Kritik an der Impfpflicht und fordern die Aufhebung aller Maßnahmen. Wir sehen diese Demonstrationen als Teil einer überregionalen, reaktionären und menschenfeindlichen Bewegung. Wir wollen diese gefährlichen Positionen nicht unwidersprochen lassen und stellen uns entschieden gegen Querdenker*innen.
 
Gleichzeitig kritisieren wir die Corona-Politik im Sinne einer solidarischen Lösung. Es müssen endlich die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt aller Politik und Wirtschaft stehen.
Unsere Kritik an Querdenker*innen und ihren „Lichterspaziergängen“
Die Organisator*innen der Demonstrationen tun so, als ob sie harmlos seien. Auf deren Demos und in ihren Kommunikationskanälen hören wir jedoch Aussagen, die die Gefahr des Corona-Virus oder die Existenz einer weltweiten Pandemie leugnen. Verschwörungsmythen (häufig mit antisemitischen Elementen), Relativierungen von Menschheitsverbrechen und Falschinformationen werden gepaart mit einer aufgeheizten Rhetorik.
Gefahr durch Verbreitung von Lügen
Es werden Lügen über massenhafte tödliche Impfnebenwirkungen verbreitet. Diese Hetze legt den Grundstein unter anderem für Morddrohungen gegen Politiker*innen, Anschläge auf Impfzentren oder den Mord in Idar-Oberstein. Die Demos zeigen sich zutiefst egoistisch: Das Schüren von Angst vor Impfungen und das Leugnen der Pandemie tragen zur niedrigen Impfquote bei. Auch das führt zur Überlastung des Gesundheitssystems und hat fatale Folgen für uns alle. Die häufige Verweigerung, eine Maske zu tragen, zeigt genauso, dass den Demonstrant*innen Solidarität gleichgültig ist.
Gefahr von Rechts
Nach unseren Beobachtungen werden diese Demonstrationen außerdem von Nazis der AfD oder anderen rechtsextremen Gruppierungen initiiert, besucht oder organisatorisch unterstützt. Die Abgrenzung von ihnen bleibt dabei unglaubwürdig.
Unsere Kritik an der Corona-Politik
Wir kritisieren eine Politik, die den Profit über unsere Gesundheit stellt. Das Gesundheitssystem wurde schon vor Corona kaputt gespart und die Pfleger*innen im Stich gelassen.
Alte Menschen dürfen nicht vereinsamen. Familien und junge Menschen benötigen endlich soziale und psychische Unterstützung. Die Impfstoff-Patente müssen weltweit freigegeben werden. 
Alle Menschen müssen Zugang zu medizinischer Versorgung, Impfungen, Tests und Masken erhalten. 
Dieser Mangel an sozialer Politik steht im Kontrast zu den Milliardensubventionen für Konzerne. 
Wir setzen uns ein
… gegen Querdenker*innen und ihre Verschwörungsideologien 
… gegen den Egoismus von Maskenverweiger*innen & Anti-Impfdemagog*innen 
… gegen Rechtsextreme und Faschist*innen, die die Demonstrationen für ihre ideologischen Zwecke nutzen 
Was uns vereint 
Wir sind verschiedene Gruppen und Menschen der Potsdamer Gesellschaft. Gemeinsam kämpfen wir für einen solidarischen Umgang in der Pandemie, in dem das gute Leben für alle und eine gemeinschaftliche Bewältigung der Pandemie und ihrer Folgen an vorderster Stelle stehen. 
Solidarität ist für uns keine Worthülse, sondern eine gelebte Praxis. 
Für ein solidarisches Potsdam!

Article note: #notbad! #thx

… zu den Bauvorhaben in Nedlitz und Krampnitz.
Klasse und genau das, was wir und viele Menschen in der Stadt schon lange empfinden!

Offener Brief an die Stadtverordnetenversammlung Potsdam

Sehr geehrte Damen und Herren der Stadtverordnetenversammlung, liebe Nachbarinnen und Nachbarn!

Potsdam hat exakt das, was nicht viele Städte vorweisen können: das griffige Image einer gewachsenen, herzlichen und modernen Stadt. Der Zuzug und das Bedürfnis, hier ein neues Zuhause zu finden, zieht sich durch alle Schichten. Proportional zum Bauboom von Villen haben sich hier noch keine Shopping-Luxusmeilen breit gemacht. Der ruppige Brandenburger Charme der Fußgängerzone (gern „BROADWAY“ genannt) erinnert immer noch daran, dass hier viele Menschen leben, die die preiswerten und guten Schrippen bei BRAUNE kaufen. Die Potsdamerinnen und Potsdamer lieben ihre Stadt. Besonders experimentierfreudig ist man hier nicht. Alles Außergewöhnliche, was Berlin bietet, muss man nicht importieren. Wer das braucht, soll in die Hauptstadt fahren.

Nachbarn halten zusammen, auch die neuen…

Den/ die bereits zweite(n) Außenminister(-in) und sogar den Bundeskanzler in der Nachbarschaft zu wissen, registriert man in Potsdam unkommentiert, aber mit Freude. Potsdam als Privat-Adresse hat sich rumgesprochen. Und das besondere Kultur- und Landschaftsjuwel verdankt seinen neuen Bewohner*innen nicht nur Prominenz – sondern auch eines der schönsten Museen der postmauerlichen Neuzeit: Das Barberini. Und während die Medien-Größen sich den Heiligen See erobert, die Künstler*innen den Griebnitzsee bevorzugt und ein paar wenige Sacrow erwerben konnten, kämpft der Deutsche Wohnen-Konzern samt Quarterback um die Bebauung verbleibender Filet-Grundstücke mit vielen Eigentumswohnungen möglichst in Wassernähe. Auf Usedom, Rügen oder Sylt ist es seit Jahrzehnten unmöglich, Ufer und Ufernähe dermaßen zu versiegeln. Eine der landschaftlich schönsten Ecken Potsdams, die 5-Seen-Landschaft um die Nedlitzer Insel in Neu Fahrland und das nahegelegene Krampnitz-Areal wurden zum Objekt der Begierde der Deutschen Wohnen und der Pro Potsdam. Wobei man sich fragt, warum diese Konstellation keine Fragen aufwirft. In Berlin gibt es breite politische Diskussionen, die Deutsche Wohnen zu enteignen, in Potsdam scheint der stadteigene Unternehmerverbund Pro Potsdam eine gemeinsame Strategie mit dem Immobilienkonzern zu verfolgen. Anders ist nicht zu erklären, dass Anwohner*innen, Umweltverbände, Bürgerinitiativen kaum eine Chance gegen brachiale Baupläne haben.

Potsdam verscherbelt seine Kronjuwelen

Die Nedlitzer Insel soll am Ufer zugepflastert, Tiefgaragen in unmittelbarer Nähe des Wasserschutzgebietes durchgesetzt und Krampnitz vorangetrieben werden. Kein Schachzug erfahrener Monopoly-Experten wird ausgelassen. Eine Schule in Krampnitz dient als Startschuss und Vorwand zum Großangriff auf das begehrte Kasernengelände. Kinder als Vorwand… Im Dezember gab es die Nachricht, dass die Deutsche Wohnen auf dem Krampnitz-Gelände auch 200 Wohnungen für 7,50 oder 10,50 Euro pro Quadratmeter möglich machen wird. Bei mehreren Tausend Eigentumswohnungen eine großzügige Geste. Sozialer Wohnungsbau als Feigenblatt. Kein Kita-Erzieher oder Polizistin aus Potsdam werden sich hier Eigentum leisten können. Die Werbekampagne für Krampnitz liest sich paradiesisch: alle Bedürfnisse an Wohnqualität, Einkaufsmöglichkeiten, Nachhaltigkeit, Freizeit- und Kulturangeboten, Mobilität und Klimaschutz werden erfüllt. Ein Wohntraum mit Kitas, Schulen, kleinen Geschäften und medizinischer Versorgung wie aus dem Bilderbuch. Eigentlich muss man gar nicht mehr arbeiten, so schön wird das Leben in Krampnitz sein. Wenn man sich die Situation des Einzelhandels und der Gewerbetreibenden (nicht nur in Potsdam) anschaut, wird schnell klar: In Krampnitz werden auch nicht die BioOrangen vom Himmel fallen. Es wird die gefühlt 200. Groß-Bäckerei-Filiale eröffnen und spätestens mit der Beschränkung des Verkehrs werden sich die Gewerbetreibenden überlegen, ob sie ihre Waren mit dem Lastenfahrrad hierher transportieren. Aber wenn die Wohnungen alle erst mal bundesweit verkauft sind, ist man schon längst beim nächsten Großprojekt. Und die Deutsche Wohnen oder andere Wohnungsbau-Unternehmen haben gerade erst begonnen, den Wohnungsnotstand und den Klima-Hype für sich zu nutzen. Der Konzern selbst beschreibt das so:

„Der Gewinn der Deutsche Wohnen setzt sich… aber auch … aus anderen Geschäftssegmenten zusammen. Einen besonders großen Einfluss auf die Höhe des Betriebsergebnisses hat die Neubewertung unserer Immobilien. Durch die hohe wirtschaftliche Dynamik und den großen Zuzug in die Metropolregionen steigt der Wert unserer Immobilien. Dies schlägt sich auch im Betriebsergebnis nieder und macht den Großteil des Ergebnisses aus.“

Im Klartext: Wir sorgen alle dafür, dass es diesen Konzernen immer besser geht. Schade, dass Potsdam das mitmacht. Wenn Sie als Stadtverordnete am Mittwoch über den Antrag des Bauausschusses abstimmen, wäre es ein Zeichen des Aufbruchs, diesen Antrag nicht durchzuwinken. Damit Potsdam sein Image als weitsichtige und anständige Kommune auf lange Sicht wahren kann.

Dirk Kummer, Potsdam

Der Beitrag Wir dokumentieren: Offener Brief des Regisseurs Dirk Kummer erschien zuerst auf Potsdam - Stadt für alle.

Article note: "Ich stelle mir die Frage, ob es in einem Wohngebiet mit 14.000 Menschen kommunale Aufgabe ist, einen überregionalen Publikumsmagneten mit millionenschwerer öffentlicher Förderung zu betreiben oder ob es kommunale Pflichtaufgabe ist, Flächen für Sport, Spiel und Freizeit sowie Stadtteilarbeit, Jugendfreizeitgestaltung und ältere Menschen vorzuhalten." => guter Ansatz!
Das Rathaus sieht die Idee einer entkernten Tropenhalle für Freizeit und Sport kritisch - der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung widerspricht.