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Wie die EU an Schulen in Griechenland Schwurbelei mitfinanziert

Schlecht informiert: Bildungsministerin Kerameos bei einer Fake-Attacke im Parlament.

Und warum die These "Das Leben beginnt, wenn die Mutter an eine Schwangerschaft denkt" für Brüssel förderwürdig ist

Die Europäische Union hat in Griechenland einen hochumstrittenen Verein gefördert, der auch dadurch an Schulen rückständige Ansichten über Frauenrechte und Schwangerschaft propagieren konnte. Denn während aus Brüssel Geld floss, erteilte Bildungsministerin Niki Kerameos der "Griechischen Gesellschaft für prenatale Bildung" die Genehmigung, an staatlichen Schulen zu unterrichten. Drei Videos vermittelten Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen sieben bis neun mehr als zweifelhafte Inhalte.

Die Gesellschaft war bereits im Sommer 2021 in die Schlagzeilen geraten. Damals wurde ein Kongress gegen Abtreibungen, für den als Schirmherrin zunächst sogar die amtierende Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou gewonnen werden konnte, abgesagt [1]. Die Präsidentin hatte sich zurückgezogen, nachdem bekannt geworden war, welche Inhalte die Gesellschaft vertritt.

EU-Gelder und staatliche Unterstützung

Genehmigt wurde die aktuelle Unterrichtsreihe mit dem Schriftstück unter der Protokollnummer F.2.1/EX/101346/149068/D7 vom 19. November 2021. Bekannt wurden die Inhalte der drei umstrittenen Videos jedoch erst am vergangenen Wochenende. Die Information über den Inhalt der Videos und die Art des Unterrichtsmaterials verbreitete sich über soziale Netzwerke und sorgte landesweit für Entsetzen. Auch im Parlament, in dem sich die Regierung von Kyriakos Mitsotakis einem Misstrauensvotum stellen musste, wurden die Videos zum Thema.

Oppositionsführer Alexis Tsipras brachte im Transparenzregister veröffentlichte Dokumente über die Fördergelder, welche die Gesellschaft erhalten hat, zur Sprache. Die Regierung reagierte.

Bildungsministerin Niki Kerameos zog ihre Unterschrift zurück und ging ihrerseits in die Offensive. Sie entschuldigte ihre Unterschrift mit dem Hinweis darauf, dass ihr Ministerium pro Jahr rund tausend solcher Genehmigungen für den Unterricht durch außerschulische Träger erteile. Gleichzeitig behauptete sie, dass die umstrittene Gesellschaft auch unter der Regierung von Tsipras gefördert worden sei.

Es scheint, dass diese spezielle Non-Profit-Gesellschaft eine lange Geschichte mit dem griechischen Staat hat. Und wir werden es untersuchen. Zu untersuchen ist aber auch, warum Syriza heute das Programm dieser Firma anprangert, diese aber während der eigenen Regierungszeit mit Beträgen über 100.000 Euro finanziert hat.

Im Parlament sagte sie an den früheren Finanzminister Euklidis Tsakalos gewandt: "Und ein letztes Wort, Herr Tsakalotos, zu dieser Gesellschaft. Schauen sie mal welche Überweisungen sie an diese getätigt haben."

Das aber war die Unwahrheit, wie die Faktenchecker von Ellinika Hoaxes [3] herausfanden. Tatsächlich wurde die Gesellschaft bereits vorher gefördert, aber nicht von einer Syriza-Regierung, sondern von der Vorgängerregierung unter Antonis Samaras, der ebenso wie Mitsotakis und Kerameos der konservativen Nea Dimokratia angehört.

Die damalige Regierung hatte von 2012 bis 2013 zweimal ihr Unterprogramm für Verwaltungsreformen aus dem EU-Regionalförderungsfonds 2007-2013 angezapft, um der Gesellschaft die fraglichen Fördergelder zukommen zu lassen, was von der Vorsitzenden der Gesellschaft, der früheren obersten Richterin [4] sowie Psychologin Ioanna Mari [5] gegenüber Ellinika Hoaxes bestätigt wurde.

Mari erklärte gegenüber der Seite zudem:

Als ich mich während der Regierungszeit der Nea Demokratia an das Bildungsministerium wandte, verwies mich Frau Kerameos an Frau Zacharaki, die mich sehr gut kennt. Zacharaki liebte das Thema vorgeburtliche Erziehung und hielt es für sehr nützlich für Kinder. Nachdem wir das Programm entworfen hatten, schickten wir es an das Bildungsministerium, das es zur Stellungnahme an das Institut für Bildungspolitik (IEP) weiterleitete. Das IEP gab ein positives Gutachten ab, schickte es an das Bildungsministerium zurück, genehmigte es und das Genehmigungsverfahren wurde fortgesetzt. Dies geschah für das Schuljahr 2020/21. Das gleiche geschah im folgenden Jahr 2021-22. Für dieses Projekt haben wir kein Geld erhalten. Die einzigen vom Regionalförderungsfonds finanzierten Programme waren zwei im Jahr 2012, und die Auszahlung erfolgte damals.

Tatsächlich steht in den Titeln der strittigen Videos "Aufklärungsvideo im Auftrag des Bildungsministeriums zur vorgeburtlichen Bildung".

EU-Fördergelder für eine frauenfeindliche Sekte

Am 10. Juli 2021 erhielt die Gesellschaft über das operationelle Programm "Entwicklung der Humanressourcen" des Arbeitsministeriums aus dem Regionalfonds 107.971,88 Euro. Damit wurden 33 Arbeitslose von der Gesellschaft für die Paarberatung in der Stadtgemeinde Piräus eingestellt.

Zwanzig Tage später gab es von der gleichen Behörde des Arbeitsministeriums erneut den Zuschlag über 49.078,13 Euro für die Einstellung von fünfzehn Paarberatern in der Stadtgemeinde Glyfada.

Die beiden Programme hatten den Titel, "Gesundheit, Prävention für die Geburt gesunder Kinder – mit Personalaufbau".

Feminismus als Feindbild

Aus den Videos der Gesellschaft geht hervor, dass die soziale Rolle der Frau für die allein über die Mutterschaft als Reproduktionsmaschine definiert ist. In den Videos wird unter anderem die Ansicht vertreten, dass das Leben eines Kindes bereits in dem Moment beginnen würde, in dem eine Frau an eine Schwangerschaft denkt.

Es gibt Aussagen wie:

• "Die DNA des Kindes hängt von der Qualität der Liebe des Paares ab."

• "Die Mutter gibt neben ihrem Blut auch ihre Gedanken, die geistige Nahrung, an den Fötus weiter."

• "Homosexualität entsteht durch die Nichtakzeptanz des Geschlechts durch die Mutter, die wollte, dass ihr Kind ein anderes Geschlecht hat."

• "Eine schwangere Amerikanerin bewunderte griechische Statuen im Museum und brachte eine Tochter zur Welt, die bei Schönheitswettbewerben gewann."

• "Die Farbe der Kleidung, die eine Schwangere trägt, bestimmt die Fähigkeiten des Kindes."

Die hochumstrittene Theorie von Masaru Emoto, dass Wasser ein Gedächtnis besäße, kommt wissenschaftliche verbrämt ebenso zur Sprache wie anthroposophische Thesen. Mithilfe der Theorie von Emoto wird den Schulkindern nahegelegt, dass sie lieber Mozart als Heavy Metal hören sollten. Letzteres würde die Wassermoleküle im Körper schädigen, heißt es. Schwangeren wird in dem Material zudem empfohlen, sich von "Fehlerhaften", also behinderten Mitmenschen fernzuhalten.

In den Videos lernen Schulkinder, dass, "wenn sich das Paar zum Zeitpunkt der Empfängnis in einem höheren mentalen Zustand befindet, dies eine Erfahrung (sei), die das Kind sein ganzes Leben lang trägt". Begründet wird dies mit Beispielen der griechischen Mythologie.

Die zahlreichen Verweise auf die griechische Mythologie und die Übernahme von vorchristlichen Lehren als "Wissenschaft" können ein Grund dafür sein, dass selbst die griechische Amtskirche die Gesellschaft unter der Nummer 299 in ihr Sektenregister aufgenommen hat [6].

Letzteres dürfte für Bildungsministerin Kerameos besonders peinlich sein. Denn sie betont stets, dass sie die Lehre der orthodoxen Kirche repräsentieren und schützen will.


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https://www.heise.de/-6347256

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.lifo.gr/stiles/optiki-gonia/akyrosi-synedrioy-gonimotitas-mia-niki-me-polles-anagnoseis
[2] https://www.minedu.gov.gr/news/51264-29-01-22-dilosi-tis-ypourgoy-paideias-kai-thriskevmaton-nikis-kerameos-se-apantisi-tou-proedrou-tou-syriza-aleksi-tsipra
[3] https://www.ellinikahoaxes.gr/2022/01/31/fact-check-elliniki-etaireia-progennitikis-agogis-syriza/
[4] https://whoiswhogreece.wordpress.com/2013/08/10/mari-ioanna/
[5] https://www.linkedin.com/in/%CE%B9%CF%89%CE%AC%CE%BD%CE%BD%CE%B1-%CE%BC%CE%B1%CF%81%CE%AE-%CF%80%CF%81%CE%BF%CE%B3%CE%B5%CE%BD%CE%BD%CE%B7%CF%84%CE%B9%CE%BA%CE%AE-%CE%B1%CE%B3%CF%89%CE%B3%CE%AE-8a1a091a9/?originalSubdomain=gr
[6] https://www.ekklisiaonline.gr/ellada/katalogos-aireseon-pros-enimerosi-kai-apofygi/

Article note: #hihi +1 #neuland

Als Richter bzw. Justizverwaltung hat man halt auch die Deutungshoheit darüber, was was ist und was Besucher nicht ins Gerichtsgebäude mitbringen dürfen. So heißt es im Begleitschreiben zu einer Terminsladung etwa:

Ist halt alles Auslegungssache. Über die Schreibweise von „Handy`s“ in einem Formular, das täglich wahrscheinlich dutzende Male verschickt wird, schweigen wir ohnehin besser. Wenn der Zusatz verschwindet, ist die Corona-Pandemie übrigens offiziell vorbei.