Die Potsdamer Senioren-Wohnanlage wird nun auf AirBnB für Urlauber angeboten - für weniger als 30 Euro pro Nacht. Linke fordert Klärung. Klimakrise: Wenn es nur um Moral ginge
Klimakrise: Wenn es nur um Moral ginge

Beim Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel geht es um knallharte materielle Realitäten. Genau das versucht die aktive Klimabewegung die ganze Zeit zu erklären.
Vieles spricht dafür, dass zumindest der ärmere Teil der Babyboomer-Generation – auch bekannt als "die Boomer" – die Klimakrise sehr wohl noch materiell zu spüren bekommt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele bisher erschwingliche Lebensmittel sehr bald zu Luxusgütern werden – nicht nur wegen des Ukraine-Krieges, sondern auch wegen der Dürren in anderen europäischen Ländern, aus denen etliche Waren auch in deutschen Supermärkten stammen.
Die Berichte der letzten Wochen aus Italien sprechen für sich: Im Po-Delta führt der niedrige Wasserstand dazu [1], dass Meerwasser gut 30 Kilometer landeinwärts drängt – für die Bewässerung der Felder dort ist der Fluss wegen des Salzgehalts nicht mehr zu gebrauchen, was zu erheblichen Ernteausfällen führt. Auch für Tiertränken fehlt Wasser.
Die Zeiten, in denen sich Normalsterbliche Parmesan und Parmaschinken leisten konnten, sind daher vielleicht schneller Geschichte, als sich das viele Menschen vorgestellt haben, die dachten, zu ihren Lebzeiten wäre effektiver Klimaschutz teurer als "Business as usual".
Wenn jetzt die Frage des Umgangs mit dieser Klimakatastrophe zum Kulturkampf zwischen einer Schweinebraten- und einer Netflix-Fraktion verkommt – wie es manche Debattenbeiträge in der taz und ein Telepolis-Kommentar von Rüdiger Suchsland [2] nahelegen –, dann ist die Welt, wie wir sie kennen, wohl tatsächlich nicht mehr zu retten.
Gleiches gilt, wenn diese Frage als reiner Generationenkonflikt wahrgenommen wird und ein Großteil der "Boomer" mehr Angst vor Veränderungen hat, die der Schadensbegrenzung dienen, als vor dem drohenden Totalschaden. Denn die "Boomer" sind der Generation der "Klimakids" hierzulande rein zahlenmäßig [3] überlegen.
Wenn ein junger taz-Redakteur Sätze schreibt wie "Jüngere betrachten das große Ganze" [4], dann ist das natürlich in dieser Pauschalität blühender Unsinn. Genauso wenig stimmt es, dass "Boomer" allgemein lieber ihre individuellen Konsumgewohnheiten reflektieren, als das Wirtschaftssystem infrage zu stellen.
Viele "Boomer" – und auch Jüngere – tun nämlich gar nichts davon. Sei es, weil sie in letzter Zeit aus ganz anderen Gründen ihren Konsum einschränken mussten und Angst vor dem Ende des Monats haben, oder weil sie momentan noch wohlhabend genug sind, um sich durch Konsum von den düsteren mittel- bis langfristigen Zukunftsaussichten abzulenken.
Eine Minderheit hat vielleicht sogar genug Geld, um in einer Welt mit mehr Dürren, Hungerkatastrophen und steigenden Meeresspiegeln immer noch einen halbwegs gemütlichen Altersruhesitz zu finden.
Moralische Fleißsternchen wären ein schlechter Trostpreis
Für die Jüngeren wird das jedenfalls schwieriger und teurer als für die "Boomer" – und deshalb ist die Motivation der Jüngeren, die sich aktiv und teils mit zivilem Ungehorsam für eine schnellere Energie- und Verkehrswende einsetzen, auch nicht in erster Linie moralisch.
Sie geben das auch gar nicht vor, sondern wissen genau, dass es um knallharte materielle Realitäten geht – und sie versuchen, genau das einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Moralische Fleißsternchen wären für sie nur ein sehr schlechter Trostpreis, wenn das nicht gelänge.
Es geht ihnen auch nicht darum, dass ihr Engagement als selbstlos und idealistisch wahrgenommen wird, sondern sie appellieren an den Selbsterhaltungstrieb unserer Spezies. Sie vertreten dabei nicht nur, aber auch ihre eigenen Interessen.
Das persönliche Konsumverhalten steht dabei nicht im Mittelpunkt. Die meisten von ihnen bemühen sich zwar, keine besonders umwelt- und klimaschädlichen Produkte zu kaufen, wissen aber auch, dass nicht jede alleinerziehende Mutter zwischen zwei Jobs Zeit und Nerven hat, sich beim Einkaufen solche Gedanken zu machen – und dass regionale Produkte oft teurer sind als solche, die aus fernen Niedriglohnländern in deutsche Supermärkte transportiert wurden.
Deshalb kämpfen sie in erster Linie darum, dass Konzernen die Macht genommen wird, Raubbau an der Natur zu betreiben, damit die Verantwortung nicht auf gestresste Endverbraucherinnen abgewälzt wird. Das ist mit "System Change, not Climate Change" gemeint.
Die aktive Klimabewegung ist besser als ihr Ruf
Wenn Jüngere "Boomern" gegenüber moralisch argumentieren, ist das auch eine Form der Interessenvertretung. Vielleicht nicht die klügste, wenn es mit Pauschalurteilen über eine ganze Generation verbunden ist.
Wenn Jüngere moralisch argumentieren, werfen sie mehr oder weniger direkt in die Waagschale, dass die zahlenmäßig überlegenen "Boomer", die heute zum Teil ignorant auf ihre Sorgen reagieren, ja irgendwann Hilfe von Jüngeren erwarten, wenn sie alt, schwach und gebrechlich sind, dass Jüngere ihre Renten zahlen sollen – und dass Solidarität keine Einbahnstraße sein sollte.
Letzteres ist zwar richtig, aber dieser "Move" kann auch ins Sozialdarwinistische kippen, wenn ältere Menschen irgendwann nicht mehr als Personen, sondern nur noch als Angehörige einer Generation wahrgenommen werden, die "es verkackt hat" und deshalb keine Solidarität verdiene.
Aber in diesem Punkt ist die aktive Umwelt- und Klimabewegung besser als ihr Ruf. Sie will weder altersdiskriminierend sein, noch kann sie sich Altersdiskriminierung überhaupt leisten. Seit der Bologna-Reform haben Studierende nämlich im Durchschnitt viel weniger Zeit, sich politisch zu engagieren, als es noch in den 1990er-Jahren der Fall war. Protestbewegungen jeglicher Art sind deshalb umso mehr auf Rentnerinnen und Rentner oder Berufstätige in Altersteilzeit angewiesen.
Nicht nur über 50-Jährige, sondern auch über 70-Jährige sind in der Umwelt- und Klimabewegung vertreten [5] und werde dort geschätzt, auch wenn sie bei sportlichen Aktionen des zivilen Ungehorsams von "Ende Gelände" nicht immer in der ersten Reihe stehen. Manche tun aber auch das. Bei Extinction Rebellion in Großbritannien gibt es längst eine Untergruppierung "Grandparents and Elders" [6].
Aber natürlich ist die Mehrheit aller Altersgruppen immer noch politisch inaktiv und liest, wenn sie wählen geht, nicht unbedingt vorher Parteiprogramme. Bei der letzten Bundestagswahl bekam jedenfalls die Porsche-Lindner-FDP neben den Grünen die meisten Stimmen von erstmals Wahlberechtigten. [7]
Wählen gegen die eigenen Interessen – ein deutscher Volkssport
Diese "Youngsters" mögen damit zwar gegen ihre eigenen Interessen gewählt haben, aber das ist ja gerade der Witz an der bürgerlichen Demokratie. Die mehrheitlichen Klasseninteressen der jungen Generation unterscheiden sich nicht grundlegend von denen der Älteren – nur, dass individuelle Aufstiegshoffnungen bei 55-Jährigen der unteren Einkommensgruppen kaum noch vorhanden sein dürften, während sie bei 25-Jährigen eine erhebliche Rolle spielen.
Manche halten es dann auch für eine gute Idee, sich mit "wirtschaftlich erfolgreichen" Menschen der FDP-Klientel zu identifizieren, auch wenn diese im Gegensatz zu ihnen selbst ein hohes Startkapital hatten.
Wenn es um die Bewältigung der Klimakrise geht, hat die junge Generation aber tatsächlich ein gemeinsames Interesse – auch wenn sie in sehr unterschiedlichem Ausmaß bedroht ist: Als die Titanic sank, gab es für die Passagiere der 1. Klasse zumindest Rettungsboote, aber lustig war diese Schiffskatastrophe auch für sie nicht.
So gesehen hat die Mehrheit gegen ihre Interessen gewählt: Dass die Grünen nicht nur mit der FDP koalieren, sondern auch zulassen würden, dass sie sowohl den Finanz- als auch den Verkehrsminister stellt – und dass es dann nicht mal ein popeliges Tempolimit geben würde – dürften sich die wenigsten ausgemalt haben, die den Grünen ihre Stimme gaben. Das gilt selbstverständlich auch für Ältere, die sich die jetzige grüne Außenministerin Annalena Baerbock gemäß ihres Wahlkampfs als "Klimakanzlerin" vorstellen konnten.
Insofern spiegelt das Wahlergebnis ohnehin nicht die Wünsche der Wahlberechtigten, die dafür ihre Stimme "abgaben" – und deren Mehrheitsverhältnisse haben auch nur wenig damit zu tun, für welche Ziele Menschen in Deutschland demonstrieren. Wer an Demos teilnimmt, tut das ja gerade, um auch zwischen den Wahlen eine Stimme zu haben.
Gerade bei Fridays for Future wird auch regelmäßig betont, dass vier Jahre Wartezeit einfach zu lang sind, um abzuwarten, ob die Regierung vielleicht doch noch die Kurve kriegt – weil sich das Zeitfenster für die Begrenzung des Klimawandels sehr bald schließen wird, falls es sich nicht schon geschlossen hat.
Was die FDP in diesem Zusammenhang für einen Teil der jungen Menschen attraktiv macht, ist vielleicht gerade die Einladung, dieses bedrohliche Zeitfenster nicht so wichtig zu nehmen, weil ja immer noch eine rettende geniale Erfindung kommen kann, wenn es eigentlich schon zu spät ist – Stichwort "Technologieoffenheit".
Vielleicht schlafen sie dadurch auch besser als die Aktiven Fridays for Future, die vor dem bösen Erwachen warnen und oft gegen Ohnmachtsgefühle ankämpfen müssen. Manche der "Klimakids" klammern sich in solchen Momenten vielleicht auch an den Strohhalm, dass eine solche Erfindung noch kommen könnte – sie halten es nur für fahrlässig, wenn ihre Lebensgrundlagen darauf verwettet werden.
Wer sich von der FDP vertreten fühlt, geht eher nicht demonstrieren. Er oder sie geht davon aus, dass es einfacher ist, durch schnelles Erklimmen der Karriereleiter oder die Gründung eines Unternehmens Einfluss zu gewinnen. Was ja nicht ganz falsch ist, nur leider keine Rechnung, die für die große Mehrheit aufgehen kann.
Und das erklärt auch ein Stück weit die Sache mit den Erstwählenden: Sie haben eben auf diesem Weg noch weniger Burnout-Erfahrungen gesammelt als 30- bis 50-Jährige oder gar "Boomer", die inzwischen auf die 60 zugehen.
Lebenserfahrung vs. Verdrängung
Ja, die Älteren haben den Jüngeren Lebenserfahrung voraus. Die Lebenserfahrung der "Boomer" ändert aber nichts daran, dass in dieser Altersgruppe die Versuchung besonders groß ist, die Folgen des menschengemachten Klimawandels zu verdrängen.
Denn sie gehören weder zu den ganz Jungen, die damit rechnen müssen, bei einem ungebremsten Klimawandel den Zusammenbruch der Zivilisation zu erleben, noch zu den richtig Alten, für die es jetzt schon an immer mehr Sommertagen gefährlich wird, das Haus zu verlassen [8]. Fast 10.000 Menschen mehr als sonst im Juli sind in Deutschland im vergangenen Monat gestorben. Das Statistische Bundesamt führt das zu einem erheblichen Teil auf die Hitzewellen zurück.
Aber wer denkt schon die ganz Alten mit, die während der Hitzewellen hinter geschlossenen Jalousien sitzen und hoffentlich jemanden haben, der für sie einkauft, weil es für sie selbst lebensgefährlich wäre? Wie viele von ihnen unterschreiben würden, was manche "Boomer" trotz eindeutiger Trends in den Wetteraufzeichnungen so gern via Facebook verbreiten – "Alles Klimahysterie, im Sommer war es auch früher schon warm" – ist unklar.
Entspannen wird sich die Lage in den nächsten Jahrzehnten nicht. Es lässt sich aber noch beeinflussen, um wie viel schlimmer die Hitzewellen werden. Jedenfalls gibt es bei näherem Hinsehen keine jetzt lebende Generation, die der Klimawandel nicht betrifft.
Wer sich als Realist oder Pragmatikerin sieht, kann das nicht als moralische Befindlichkeit abtun, denn es hat messbare und gravierende Folgen, wenn über 2030 hinaus Kohle verbrannt wird, wenn der motorisierte Individualverkehr weiter gefördert wird und die Autoindustrie in den nächsten Jahren so viele und so schwere SUV verkaufen kann, wie sie möchte.
Im bisherigen Waldbrand-Rekordjahr 2022 [9] sind wir bei knapp über einem Grad Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, 1,5 Grad dürften laut UN-Klimabericht [10] schon im Jahr 2030 erreicht sein; und die Welt steuert auf 2,7 Grad zu. Den fossilen Großkonzernen gefällt das, denn alles andere würde bedeuten, dass sie weniger Profite erwirtschaften.
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Links in diesem Artikel:[1] https://www.heise.de/tp/features/Duerre-in-Italien-Wird-Polenta-bald-zum-Luxusgut-7219357.html[2] https://www.heise.de/tp/features/Schweinsbraten-oder-Netflix-7237330.html[3] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/07/PD22_N046_122.html[4] https://taz.de/Generationenkonflikt-in-der-Klimadebatte/!5862583/[5] https://twitter.com/Ende__Gelaende/status/1141700287800991744/photo/1[6] https://www.facebook.com/XRGrandparents/[7] https://www.rnd.de/politik/bundestagswahl-warum-fdp-und-gruene-bei-jungwaehlenden-am-besten-ankommen-P2UT6OZ2MFFBHDEVV5MRPZGJJM.html[8] https://www.tagesschau.de/inland/sterbefaelle-hitze-101.html[9] https://taz.de/Waldbraende-in-Europa/!5875595/[10] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/un-klimaziele-verfehlt-erderwaermung-101.html
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Strafanzeige gegen die GK-Stiftung gestellt
Der antimilitaristische Förderverein der Stadt Potsdam hat bei der Staatsanwaltschaft Potsdam Strafanzeige gegen den Vorstand der Stiftung Garnisonkirche und Ex-Bischof Huber in seiner Funktion als Kuratoriumsvorsitzenden gestellt.
Zeitgleich erhebt der Verein eine Fachaufsichtsbeschwerde bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wegen des Bescheides vom 17. Juni 2022 mit welchem der „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“ (SGP) eine Förderung i.H.v. 4,5 Millionen Euro bewilligt wurde.
Die Strafanzeige basiert auf § 263 Strafgesetzbuch, der die Vorspiegelung falscher Tatsachen oder die Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen, um sich rechtswidrig Vermögensvorteil zu verschaffen, unter Strafe stellt. Der antimilitaristische Förderverein sieht in den Täuschungshandlungen der SGP einen vollendeten Betrug in Sinne des Strafgesetzbuches. Die beschuldigten Personen tätigten wiederholt unzutreffende und widersprüchliche Angaben, um Fördermittel zu erlangen, wobei auch gegen Regelungen des Wettbewerbsrechtes verstoßen wurde.
In der Strafanzeige wird gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die BKM zum Sachverhalt Beihilfe geleistet hat, indem sie unzureichend die Angaben der Antragstellerin geprüft und bestehende Haushalts- und Förderregeln missachtet hat.
Hier die PM des Vereins:
Hier die Strafanzeige und die Fachaufsichtsbeschwerde:
Der Beitrag Strafanzeige gegen die GK-Stiftung gestellt erschien zuerst auf Potsdam - Stadt für alle.
Women’s Global Event in Rüsselsheim
Am 6. August 2022 fand das Women’s Global Event – German Edition in Rüsselsheim statt. Durch das Engagement der Scheibensucher Rüsselsheim unter der Leitung von TD Jasmin Milezzti und Co-TD Natali Palencia Martin konnte ein tolles Turnier auf die Beine gestellt werden. Insgesamt 47 Spielerinnen aus ganz Deutschland reisten nach Rüsselsheim, unter ihnen viele Anfängerinnen und Gelegenheitsspielerinnen. Auch die männlichen Begleiter spielten mit oder unterstützen ihre Damen als Caddies.

Gespielt wurde über zwei Runden um den Sieg in 12 Damendivisionen, mit den größten Starterfeld bei den Novizinnen (mit 11 Frauen die größte), gefolgt von Intermediate und Recreational Woman. Außerdem waren gleich vier Juniorinnen vertreten. Das sehr gelungene 18-Bahnen-Layout im Ostpark bot reichlich Abwechslung, sodass die Damen aller Spielstärken auf ihre Kosten kamen.
Martje Sumowski holte nicht nur den Sieg in ihrer Divison FJ18, sondern auch den Gesamtsieg mit einem herausragenden Ergebnis von -9. Auch die angereisten Damen der Potsdamer Hyzernauts aus Brandenburg konnten tolle Platzierungen einfahren. Unter ihnen Alessa Schwarz mit dem 1. Platz in der FPO, Sara Krieg mit dem 3. Platz bei den Intermediate Woman und Fiona Faber, die nicht nur den 1. Platz in ihrer Division FJ12 erzielte, sondern auch mit einem tollen Gesamtergebnis von +2 den 2. Platz in der globalen PDGA Gesamtwertung ihrer Division erzielte. Ihr Bruder Frederik Faber holte sich den Sieg in seiner Division MJ18.

Die vollständigen Ergebnisse können hier eingesehen werden: https://www.pdga.com/tour/event/57509#FA40
Wir bedanken uns für das gelungene Turnier und freuen uns auf das nächste WEG in 2024.
Wem gehört Potsdam? – Heute: Jan Kretzschmar und die KW Development
Jan Kretzschmar eilt der Ruf eines sozialen Immobilienunternehmers aus Potsdam voraus. Er baut auch Kindertagesstätten in seinen Quartieren, die Arche in Berlin hat Räume bekommen und natürlich ist er ein ganz großer Fan von Film, Kunst und Kultur.
„Soziale Verantwortung ist für Kretzschmar ein unternehmerisches Credo.“ schreibt https://www.berlin-visavis.de/node/1724
Der gleiche Jan Kretzschmar möchte auf dem Geländes des Filmparks Babelsberg eine riesige Media City bauen: 4 Bürotürme bis zu 66 m hoch, für 5.000 neue Arbeitsplätze auf 94.000 m² Geschossfläche – mitten in einem kleinteiligen Stadtteil, scharf kritisiert von Bürger*inneninitiativen, Architektenkammer und vielen anderen.
Es wird also Zeit, sich mal mit dem Investor, Projektentwickler, Immobilienunternehmer – was auch immer – Jan Kretzschmar – zu beschäftigen.
Wer ist das, der ja nicht nur dieses Megaprojekt plant, sondern auch in vielen anderen Orten in Berlin, Brandenburg und eben Potsdam aktiv ist?
Jan Kretzschmar ist am 2. März 1971 in Babelsberg geboren und wohnt auch in Potsdam.
Im Jahr 2012 hat er sein Hauptunternehmen KW Development gegründet – gemeinsam mit Dennis Wisbar und der DWB-Holding GmbH. Bis 2016 liefen viele von deren Unternehmen parallel, die DWB Bau errichtete noch die Villen am Filmpark, dann trennten sich die Wege offensichtlich. Heute ist Dennis Wisbar übrigens auch großer Fan und Hauptsponsor des BFC Dynamo – für viele Fans in Babelsberg zu Recht ein rotes Tuch.
Jan Kretzschmar auf die KW Development zu reduzieren kommt allerdings viel zu kurz. Wir haben in unseren Recherchen viele andere Unternehmen gefunden, in denen Jan Kretzschmar als Geschäftsführer und/ oder wirtschaftlich Berechtigter fungiert:
SKAJ Gbr
SKAJ Holding GmbH – seit 1.4.2022 KW Holding GmbH, offensichtlich eine Art Dachgesellschaft
SKAJ Management GmbH
SKAJ Smaragd GmbH
SKAJ Onyx GmbH – wahrscheinlich für die Media City vorgesehen.
SKAJ Immobilien GmbH
SKAJ Waldresidenz GmbH
KW Development GmbH
Wohnen am Filmpark Babelsberg Grundstücksgesellschaft mbH
Campus am Filmpark Babelsberg Grundstücksgesellschaft mbH – seit 2020 Refugium Beelitz Pavillon A 4 Grundstücksgesellschaft mbH
Refugium Beelitz Grundstücksgesellschaft mbH
Gewerbe im Bogen GmbH – betrifft die aktuellen Gewerbebauten am Filmpark
Wohnen in der Medienstadt Babelsberg Grundstücksgesellschaft mbH – das ist die GmbH für die Stadtvillen an der Sandscholle
KWD Topas GmbH
KWD Amethyst GmbHhttp://potsdam-stadtfueralle.de/wp-content/uploads/2022/08/Unternehmen-JK-1.png
Dies ist selbstverständlich nur ein kleiner Auszug. Bei Companyhouse ist Jan Kretzschmar aktuell als Geschäftsführer für 30 Unternehmen gelistet!
Viele dieser Firmen sind übrigens in Schönefeld gemeldet – und nicht in Potsdam. Das hat schlicht mit der Höhe der Gewerbesteuer zu tun. Während in Potsdam der Gewerbesteuerhebesatz bei 455 % liegt, gehört Schönefeld neben Zossen zu den „Steuerparadiesen“ mit 240 %. So eng ist dann also die Bindung von Jan Kretzschmar an seine Heimatstadt doch nicht, seine Steuern hier zu bezahlen.

Dies ist in der Immobilienbranche nicht unüblich. Viele, verschiedene Objektgesellschaften, Mutterunternehmen, Beteiligungsgesellschaften und Immobilienverwaltungsunternehmen an verschiedenen Standorten dienen dazu, die Besitzverhältnisse zu verschleiern, die Gewinne hin – und her zuschieben, Steuern zu sparen und über die Mieten und Verkäufe möglichst hohe Gewinne zu erzielen.
Bei Jan Kretzschmar kommt noch hinzu, dass er seine Familie in die Unternehmensstruktur integriert. Ganz oft taucht seine Frau Sandra K. und inzwischen selbst seine Töchter Anna und Kristin als Gesellschafter*innen verschiedener Firmen auf. Der Firmenname SKAJ, den wir oben ja in verschiedenen Varianten sehen konnten setzt sich übrigens ganz einfach aus den Vornamen zusammen: Sandra, Kristin, Anna und Jan …
Aber eigentlich ist es vor allem erstaunlich, wie ein solches Unternehmen ab 2012 wie „Phönix aus der Asche“ den Immobilienmarkt in der Region plötzlich mitbestimmen konnte.
Immerhin hat die KW Development nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 2.000 Wohnungen in Berlin und Brandenburg gebaut, mit dem Brunnenviertel in Potsdam, dem Campus am Filmpark, dem Umbau der Beelitzer Heilstädten und diversen Projekten in Berlin oder Strausberg ist er heute sicher einer der Größeren in der Branche.
Deshalb lohnt ein Blick in seine Geschichte.
Bei Interviews erzählt Jan Kretzschmar immer wieder: „Vor der Gründung der KW-Development GmbH war ich 15 Jahre lang bei einem der führenden Entwickler und Bauträger in verantwortlicher Funktion tätig und habe Projekte wie Richards Garten, das Schweizer Viertel oder auch The Charleston realisiert.“ – https://www.exklusiv-immobilien-berlin.de/interview/bodenstaendiger-visionaer/16675
Der führende Entwickler und Bauträger ist Kondor Wessels, ein niederländisches Immobilienunternehmen – eigentlich ein Konzern, welches zu den ganz Großen im Immobiliengeschäft zählt und in Potsdam an vielen anderen Standorten nicht ganz unbekannt ist. Und die eben genannten Projekte sind ausschließlich Anlage – und Luxusbauprojekt, zum Beispiel am Potsdamer Platz – die nichts mit sozialer Stadtentwicklung zu tun haben.
Es gibt dafür keine öffentlich einsehbaren Belege, aber es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Gründung der KW Development ohne die alten Beziehungen – und ohne Dennis Wisbar, ohne die Zugänge zu Immobilienfonds – und Immobilienfinanzierern kaum möglich gewesen sein dürfte.
Die Namen, die dabei auftauchen, kennen wir in Potsdam allzu gut.
Vor allem in der umstrittenen Speicherstadt haben Kondor Wessel, der Projektentwickler Reggenborgh, sowie die Unternehmensgruppe Groth eine entscheidende Rolle gespielt und gehörten zu den Partnern, mit denen Jan Kretzschmar jahrelang zusammenarbeitete – und es wohl heute immer noch tut.
Und mit dem Unternehmen Kondor Wessels sind wir bei einem der wichtigsten und vor allem für Anleger bedeutendsten Immobilienunternehmen in Potsdam. Allein die aktuelle verfügbare Übersicht an Projekten hier in der Stadt listet jede Menge solcher Anlageobjekte auf: https://www.kondorwessels.com/orte/potsdam/
Neben der Entwicklung in der Speicherstadt ist nur Wenigen bekannt, dass Kondor Wessels auch die luxuriösen Villen am Telegrafenberg verantwortet und inzwischen mit dem Bau der vier großen, neuen Wohntürme am Stern beauftragt wurde.
Unkritisch wie so oft veröffentlichte auch „Stadtspuren Potsdam“ die Namen der Investoren und Unternehmen, die in der Speicherstadt ein neues Hotel, ein Boardinghaus (also neue Mikroappartements) und Eigentumswohnungen bauen: „Die Entwicklung der nördlichen Speicherstadt zu einem Wohn- und Gewerbequartier gehe trotz Corona planmäßig voran, ist heute in den PNN zu lesen. Das Vorhaben liege im Zeit- und Kostenrahmen, sagte Klaas Vollbrecht vom zuständigen Projektentwickler Asenticon auf Anfrage der Zeitung. Der Rohbau der ersten Gebäude des neuen Stadtviertels zwischen Langer Brücke, Leipziger Straße, Havel und Bahntrasse sei bereits sichtbar vorangekommen. Die zwei u-förmigen Gebäuderiegel des sogenannten Blocks H hätten ihre volle Höhe bereits erreicht. Darin sollen demnach vor allem Wohnungen untergebracht werden, im Erdgeschoss wird Gewerbe entstehen. Direkt an der Langen Brücke wachse das 190-Betten-Hotel empor, in dem außerdem ein Boardinghaus mit 80 Apartments unterkommen soll. Der Rohbau solle voraussichtlich im Frühjahr fertig werden. Die Entwicklung der 24.000 Quadratmeter großen nördlichen Speicherstadt kostet laut PNN rund 200 Millionen Euro. Investor ist Reggeborgh, die private Investmentgesellschaft des niederländischen Bauriesen Kondor Wessels, die gemeinsam mit Asenticon von der Pro Potsdam den Zuschlag für das Areal bekommen hatte.“ – https://www.stadtspuren.com/aktuelles/bauarbeiten-in-der-speicherstadt-gehen-voran/
All dies sind Unternehmen, bei denen sich Jan Kretzschmar seine Sporen verdient hat, wo er gelernt hat, Kontakte geknüpft und seine Unternehmensphilosophie entwickelt hat.
Zwischenvermerk:
Ganz interessant wird es beim Terrassenrestaurant Minsk, für das Jan Kretzschmar als Bewerber auch mal 12,6 Mio. € geboten hatte. Am Ende bot ein bis heute öffentlich nicht bekannter Investor 27 Mio. € und die Stadt gab nach vielen Protesten von Bürger*innen dem Angebot von Hasso Plattner statt, das Grundstück zu kaufen und das Minsk nicht abzureißen. Den Auftrag zum Bebauen aber bekam ein alter Bekannter von Jan Kretzschmar: Klaas Vollbrecht mit seiner Firma Asenticon. Damit schließt sich auch hier ein Kreis.
Spannend ist weiter, dass die SKAJ Holding erst im März 2017 gegründet wurde und die Hälfte des Anteils an der KW Development GmbH übernahm. Etwa zeitgleich wurden die Aktivitäten in der Medienstadt intensiviert. Es stellt sich die Frage, woher Jan Kretzschmar und seine Familie die laut Bilanzen ca. 20 Mio € bekamen, um die Anteile der KW Development GmbH zu erwerben? Die KW Development GmbH wurde ja 2012 gegründet und hat erst ab 2016 ca. 5 Mio € Gewinn gemacht.
Heute baut Jan Kretzschmar mit diesen diversen Unternehmen vor allen Eigentumswohnungen, möblierte Mikroappartements und Anlageobjekte für diverse Immobilienfonds.
Wir wollen dafür zwei Beispiele darstellen.
Das sogenannte „Brunnenviertel“ in Waldstadt hat Jan Kretzschmar mit der KW Development GmbH entwickelt und gebaut. Errichtet werden sollte nach Eigenbeschreibung: „Junges und altes Wohnen nebeneinander, das ist genau die Mischung, die ich mir vorstelle.“ – https://www.berlin-visavis.de/node/1724
Entstanden sind bisher 369 Wohnungen, die aber nicht vermietet, sondern verkauft worden. Der größte Teil davon an einen Immobilienfonds – der Immobilieninvestmentfonds Aberdeen Asset. Dahinter steckt einer der größten Vermögensverwalter Europas, der allein in Deutschland nach eigener Aussage Vermögen in einer Höhe von 40 Mrd. € verwaltet und anlegt – https://www.abrdn.com/de-de/institutional .
Aktuell wird bei Immobilienscout24 nur eine Wohnung zur Miete angeboten: Von der BUWOG Immobilien Treuhand GmbH. Geschäftsführer hier ist ein Rolf Buch – gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Vonovia. Auch hier schließen sich wieder Kreise. Die Objekte, welche Jan Kretzschmar baut, erwerben die ganz Großen der Branche.
Die „soziale“ Miete, für die im Brunnenviertel aktuell eine Wohnung angeboten wird liegt übrigens bei 14 €/ m² kalt. Und den angeblich großen Bedarf an Büro und Gewerbe deckt bisher eine öffentliche Einrichtung – ausgerechnet der Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen.
Am Filmpark baut Jan Kretzschmar mit seinen Unternehmen am meisten.
Die Grundstücke erwirbt er von Friedhelm Schatz – also von der von diesem geführten Filmpark Potsdam GmbH. Die beiden kennen sich schon lange und pflegen intensive geschäftliche und private Beziehungen. Das erste Investment war der Campus am Filmpark Potsdam. Dort hat eine seiner Objektgesellschaften vor allem Eigentumswohnungen und möblierte Mikroappartements gebaut. Diese Mikroappartements wurden einige Zeit durch die Vegis Immobilien GmbH verwaltet und angeboten. Nach unseren Recherchen und öffentlichen Aktionen zum Housing Action Day 2020 hat Jan Kretzschmar dies wieder in das eigene Unternehmen zurück geholt. Heute bietet die SKAJ Management GmbH die Mikroappartements in einer Größe von 24 m² für 595 € an – https://www.skaj.de/objects/apartments-am-filmpark-babelsberg/
Aber es geht noch höher.
Aktuell baut Jan Kretzschmar sieben Stadtvillen in der Emil – Jannings – Straße. Dort entstehen wieder ausschließlich Eigentumswohnungen, die für über 5.300 €/ m² angeboten werden und – wie es so schön heißt – eine gehobene Ausstattung haben. Die Vermarktung läuft wie oft bei Jan Kretzschmar über die VERIMAG Vertriebs- und Marketinggesellschaft, welche dafür eine extra Webseite gestaltet hat, auf der man gut lesen kann, für welche Zielgruppe hier gebaut wurde: https://theseven-babelsberg.de/
Das Ergebnis für die Mieten in Potsdam kann man sehen, wenn man sich anschaut, was schließlich an Mieten aufgerufen wird, wenn die Wohnungen nach verschiedenen Verkäufen auf den Markt kommt.
Aktuell bietet VERIMAG auf Immobilienscout 24 eine Wohnung für 19,27 m² an – https://www.immobilienscout24.de/expose/135379159#/
Mit der VERIMAG Vertriebs – und Marketinggesellschaft mbH kommen wir auch in unserem Puzzle wieder ein Stück weiter. Erster Geschäftsführer 2002 war niemand anderes als Thomas Groth von der Groth – Gruppe – wir kennen sie bereits aus der Speicherstadt.
Um das Ganze abzurunden wird dann auch noch ein weiteres Boardinghaus gebaut:
Auf dem Areal zwischen Großbeerenstraße, Ahornstraße und Wetzlarer Straße gegenüber der Metropolishalle sollen insgesamt 400 Appartements und ein Hotel mit 163 Zimmern entstehen. Die Ahornplatz Babelsberg Grundstücksgesellschaft mbH – eine weitere Gesellschaft aus dem Unternehmensgeflecht von Jan Kretzschmar wird dort bauen. Gebaut wird ein Hotel – das wird unter der Marke Hampton by Hilton vermarktet. Hilton ist mit mehr als 6800 Hotels und mehr als einer Million Zimmern in 122 Ländern eine der größten Hotelketten weltweit. Aber wieder wird der Hauptteil der „Wohnungen“ aus 150 Mikroappartements bestehen. Also möblierten Wohnungen, die kaum einer Regulierung unterliegen.
https://www.pnn.de/potsdam/grosser-name-fuer-babelsberg-potsdam-bekommt-zwei-neue-hotels/28297298.html
Die fünf neuen Bürogebäude im Filmpark mit einer Fläche von 23.300 m² – einschließlich eines riesigen Parkhauses, die Jan Kretzschmar aktuell unter den schönen Namen „Gewerbe im Bogen“ baut, reichen aber immer noch nicht.

Jetzt soll es also die Media City sein – der ganz große Coup, geschmückt mit dem Namen Libeskind.
Zu diesem völlig überdimensionierten Projekt ist ja schon eine Menge geschrieben worden. Deshalb wollen wir hier nur noch mal die wichtigsten Kritikpunkte – einfach in Zitaten zusammen fassen.
Stadt für alle Potsdam: „Den stadtgeografischen Begriff der Gentrifizierung lernen junge Menschen heute bereits in der Schule. In Babelsberg wird er gerade modellhaft durchgesetzt. Leerstand und Hausbesetzungen in den 80`ern und 90` ern, Privatisierungen und Sanierungen nach der Wende, Szeneviertel für Alternative, Fußballfans und Subkultur, heute Großprojekte von Immobilieninvestoren, gleichzeitig werden Miet – in Eigentumswohnungen umgewandelt, neue möblierte Mikroappartements gebaut. Eigentlich müssten die Bilder und Zahlen reichen, um zu sehen, was da gerade geplant wird.
Die Arbeiter*innen -, Bürger*innen – und Weberhäuser in Babelsberg, die kleinteilige Wohn – und Gewerbestruktur in der Großbeerenstraße und vorn am Rathaus, gegen die Bilder des Creative Village und jetzt der Media City. Auf dem ehemligen RAW Gelände sollen über 2.000, in der Media City 5.000 – meist gut bezahlte IT Arbeitsplätze entstehen. Wo werden diese Menschen und ihre Familien leben und wohnen? Wie viele arbeitslose IT Techniker*innen aus Potsdam werden da endlich einen neuen Arbeitsplatz bekommen?“
Peter Effenberg, Geschäftsführer des Media Tech Hub Potsdam: „Ich habe selten einen so absurden an der Realität vorbei gehenden und einen grandiosen Film- und Wirtschaftsstandort gefährden Entwurf gesehen“.
Vorstand des Fördervereins Baukultur Brandenburg: „Dekonstruktivismus in dieser Dimension, wie er von Libeskind seit Jahren geprägt wurde, mag in den Metropolen passen, ist hier aber verfehlt, um eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit zu liefern.“
Die Fachzeitschrift Bauwelt Nr. 2.2022 vom 21. Januar verweist: „Wer auf diese Seite kommt, der hat es geschafft – im negativen Sinne“, sagt John, denn „dort wird gewissermaßen die ,Zitrone’ verteilt. Abschreckende Beispiele aus Architektur und Stadtplanung – und die ganze Republik lacht darüber. Jetzt also Potsdam mit der Medienstadt.“ … und: „Kann diese Hässlichkeit nun einfach weitergeplant werden?“
Peter Neideck, Architektenkammer Brandenburg DAB 2/ 22: „Wie ein offenes Haifischmaul bedroht eine gekippte Glasfront die historische Villa auf dem Grundstück – von den Einfamilienhäusern an der August-Bebel-Straße ganz zu schweigen. Ein selbstverliebtes Projekt, das keine Beziehungen zu seiner Umgebung aufbaut, sie vielmehr nur stört. Es schafft einen Platzraum, wo er nicht gebraucht wird und setzt einen Hochpunkt in dritter Reihe statt eine signifikante Landmarke an der belebten Straßenkreuzung. Die schlingernden Gebäudetrakte mit ihren horizontal und vertikal gestreiften Fassaden wirken wie banale Investorenarchitektur für eine x-beliebige Büronutzung.“
Bürgerinitiative Medienstadt: „Diesem Anspruch wird der vorliegende Bebauungsplan-Entwurf leider in keinster Weise gerecht. Stattdessen liegt ein in weiten Teilen veralteter Entwurf vor, durchzogen von redaktionellen Fehlern, unvollständigen Angaben sowie eklatanten Mängeln in der Abwägung der öffentlichen und privaten Interessen als auch in der Qualität der beigefügten Gutachten. Die erforderliche Sorgfalt scheint in so großem Maße vernachlässigt, dass fraglich ist, ob die vom Planungsbüro des Bauherrn vorbereiteten
und bereitgestellten Unterlagen überhaupt ausreichend geprüft worden sind, bevor diese der
Öffentlichkeit zur Auslage vorgebracht wurden. Unweigerlich drängt sich damit die Frage auf, ob die Landeshauptstadt Potsdam ihrer gesetzlich verankerten Pflicht zur Entwicklung der städtebaulichen Konzeption überhaupt in erforderlichem Maße nachgekommen ist. Diese Mängel gereichen damit zum Nachteil der Landeshauptstadt Potsdam und ihrer Bürger.“ – http://buergerinitiative-medienstadt.de/stellungnahme/
Inzwischen ist trotz der Eröffnung des Werkstattverfahrens vieles weiter unklar.
Dazu gehört unter anderem, dass die Untere Naturschutz- und die untere Wasserbehörde bereits 2019 umweltrechtliche Bedenken zum Umweltbericht des damaligen Bebauungsplans Medienstadt formulierten. „Damit hätte es aus rechtlichen Gründen nach 2019 nie zu vorgezogenen Baugenehmigungen kommen dürfen, da Behörden berechtigte Zweifel vorgebracht haben.“ – so Insider.
Auch ist weiterhin unklar, wer aktuell denn eigentlich Eigentümer des Grundstücks ist. Auch hier haben wir zusammen mit Bürger*innen fleißig recherchiert. Im Jahresbericht der Filmpark Babelsberg GmbH heißt es: „Weiterhin wurde im Februar 2020 ein Vertrag über weitere Grundstücksverkäufe im mittleren zweistelligen Millionenbereich geschlossen, wovon im April 2021 die ersten 5 Mio. EUR realisiert werden konnten.“
Es ist davon auszugehen, dass es sich hier um das fragliche Grundstück für das Projekt Media City handelt. Bei der öffentlichen Vorstellung des Projektes war also der Kaufpreis noch gar nicht vollständig gezahlt, sprich: Formalrechtlich – so kann aus der Darstellung geschlossen werden – war Jan Kretzschmar – ganz gleich welcher seiner Firmen noch gar nicht Eigentümer! Die spannenden, bisher unbeantworteten Fragen sind aber: Ist dieser Eigentümerwechsel inzwischen vollzogen? Oder enthält der Kaufvertrag Klauseln, die eine rechtsgültige Baugenehmigung für dieses Megaprojekt voraussetzen?
Ein erstes Fazit.
Wir haben in unseren Recherchen einen Jan Kretzschmar kennengelernt, der in Potsdam bisher vor allem Eigentumswohnungen und möblierte Mikroappartements gebaut hat. Seine Gewerbeprojekte beruhen auf der Hoffnung nach einem starken Zuzug nach Potsdam, darin, dass sich hier immer mehr Firmen niederlassen. Im Brunnenviertel ist diese Hoffnung bisher offensichtlich nur von einer Landesbehörde erfüllt worden, im Filmpark sehen selbst bisher dort ansässige Firmen seine Bauvorhaben kritisch. Das oft postulierte „Soziale Credo“ haben wir kaum entdeckt und dient aus unserer Sicht vor allem Marketing – und Werbezwecken.
Das Firmenkonstrukt des Jan Kretzschmar – in das er längst die ganze Familie einspannt – dient in erster Linie dazu, Geld zu verdienen, viel Geld. Dafür nutzt er seine „alten“ Kontakte zu den ganz Großen in der Immobilienbranche, vor allem zu Kondor Wessels, Reggenbourgh und Groth. Längst verkauft er seine Immobilien auf dem internationalen Anlagemarkt und hat augenscheinlich gute Kontakte zu Immobilienfonds und großen Vermögensverwaltern. „Der gute Babelsberger Junge“, wie ihn sein Freund und Geschäftspartner Friedhelm Schatz mal bezeichnet hat – https://www.pnn.de/potsdam/pnn-interview-filmparkgruender-friedhelm-schatz-ich-werde-fuer-die-libeskind-architektur-kaempfen/27943004.html ist längst Teil einer Immobilienwirtschaft, eines Investorensystems, was wesentlich dazu beiträgt, dass Potsdam immer teurer wird. Für viele Menschen sind die von ihm gebauten Wohnungen völlig unbezahlbar, die Gewerbe für Unternehmen, die bisher gar nicht in der Stadt tätig sind.
Das viel besser passende Credo von Jan Kretzschmar hat er selbst so formuliert: „Der Plan, Erstkäufer von der Grunderwerbssteuer zu entlasten, findet meine volle Zustimmung. Und die Energieeinsparverordnung sollte nicht immer weiter verschärft werden. Die Regierung sollte es vielmehr dem Bauträger überlassen, wie er die Vorgaben erreicht, damit dieser Dämmstoffwahnsinn ein Ende hat. Ansonsten gilt: Lasst uns einfach mal machen, der Markt braucht weniger statt mehr Regularien.“ – https://www.exklusiv-immobilien-berlin.de/interview/bodenstaendiger-visionaer/16675
Recherchegruppe „Stadt für alle“
Der Beitrag Wem gehört Potsdam? – Heute: Jan Kretzschmar und die KW Development erschien zuerst auf Potsdam - Stadt für alle.