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„Die Aktivisten zerstören willentlich unsere Kulturschätze“ lautet eine Reaktion. „Das hat mit politischer Auseinandersetzung nichts mehr zu tun. Das ist Kulturbarbarei.“ So die Reaktion eines stadtbekannten Politikers.

Die Reaktion darauf könnte lauten „Die Industriestaaten zerstören willentlich seit Jahrzehnten unsere Kulturschätze. Aber nicht nur diese, sondern die Natur insgesamt, die Regenwälder. Also unseren Lebensraum, unser Kultur, unsere Völker.“ Rund um den Erdball sind die Spuren der Zerstörung sichtbar. Der, hauptsächlich von den Industrieländern verursachte Klimawandel ist ebenfalls längst sicht- und spürbar. Nicht nur im Ahrtal, sondern überall auf dem Globus. Doch vor allem auf der Südhalbkugel. Also in dem Teil der Welt, den WIR – angeblich so zivilisierten Menschen – am meisten ausgebeutet haben. Inseln versinken im Meer. Milliarden von Menschen sind durch Überschwemmungen und Landverlust durch Klimawandel bedroht.

Potsdam ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes mit der höchsten Pro-Kopf-CO2-Emission in Deutschland. Brandenburgs Emissionen liegen pro Kopf über denen der US-Amerikaner*innen. Deutschlands Pro-Kopf-Emission an Treibhausgasen sind höher als die Chinas. Mittendrin Potsdam. Die Stadt müht sich, verkündet Rekordkilometer beim Stadtradeln, hat ein Klimaschutz- und Anpassungskonzept, einen Klimarat. Top! Nur im Alltag ist davon nicht zu spüren. Die Baupolitik wird immer noch von Abriss und Neubau, nicht von Nachnutzung charakterisiert. Potsdam verlangt nur das Nötigste bei den Energiestandards von den Investor*innen beim Wohnungsneubau. Autos verstopfen tagtäglich die Innenstadt. Immer noch werden mehr Bäume im Stadtraum gefällt als gepflanzt. Von Aufwuchs keine Spur. Die lasche Baumschutzverordnung ist alles andere als eine Klimaschutz- oder Klimaanpassungsmaßnahme. Klimaschutz und Krampnitz waren noch nie ein Paar. Lediglich auf dem Papier, den Werbeprospekten und den Sonntagsreden.

Viele Menschen haben es einfach satt, dass nur geredet wird und jede Kleinigkeit oder andere Krise genutzt wird, um das global dringendste Problem – die Klimakrise – zu ignorieren.

Monets Bild, oder Bilderreihe vom Getreideschober vermittelt eine landwirtschaftliche Idylle nach der wir uns oft sehnen. Verbunden mit dem Wunsch nach gesunden Lebensmitteln, einer intakten Natur. Selbstverständlich kann ein solches Gemälde die intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Natur bewirken. Es kann aber auch zur Verdrängung der realen Verhältnisse verleiten. Gerade in Brasilien, werden Lebensmittel für Europa produziert, mit Pestiziden, die in der EU verboten sind, aber aus deutscher Produktion stammen. Das Ganze auf ehemaligen Regenwaldflächen, wo zuvor indigene Völker lebten und ihrer Kultur nachgingen. Die Kulturbarbaren sitzen im Norden. In den Vorständen der Konzerne und in den Parlamenten, die dies zulassen oder gar ermöglichen.

Wer Kartoffelbrei auf einem hinter Sicherheitsglas geschütztem Investment im Wert von über 110 Mio. € (den auch das ist der Monet, ein privates Investment) als Kulturbarbarei bezeichnet, hat jedes Maß der Bewertung verloren. Dies gilt nicht nur für die Aktion, sondern die Situation in der Welt.

P.S. Die Direktorin des privaten Museums hat klug auf die Aktion reagiert: „Ich bin erleichtert, dass das Bild keine Schäden davongetragen hat und wir das Werk bald wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Bei allem Verständnis für das drängende Anliegen der Aktivisten angesichts der Klimakatastrophe bin ich erschüttert über die Mittel, mit denen sie ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen suchen“. Erschütterung kann auch zu einer Erweckung führen. Darum geht es sicherlich auch den Aktivist*innen der „letzten Generation“. Wir sollten aber weniger erschüttert sein, über all die Aktionen von Klimaaktivist*innen, sondern über uns selbst und die Auswirkungen, die unser Lebensstil und unsere Politik auf diese eine Erde hat. Wir sollten AKTIV dafür sorgen, das wir nicht die „letzte Generation“ sind, die sich einen Monet in einem wohltemperierten, klimatisierten Museum ansehen kann.

Eine Welt für alle!

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Am 19.10.2022 hat Mitteschön ein Papier der Öffentlichkeit präsentiert. Schon der kurze Titel des Ideenpapiers strotzt vor Irritationen. „Programm Europakirche – Ideenpapier zur Vollendung des Gesamtkunstwerkes Garnisonkirche Potsdam“

Beim Wideraufbau der Garnisonkirche handelt es sich um eine Kopie, eine Reproduktion oder wenn schon in Kunstkategorien gedacht wird: ein Plagiat oder Kitsch. Des Weiteren wird ein Ideenpapier für ein Multifunktionssaal vorgestellt, in dem keine Gottesdienste stattfinden werden, da diese in der kleinen Kapelle im Turm stattfinden. Somit ist an der Begrifflichkeit „Europakirche“ nicht eine Nutzung, sondern nur die übersteigerte Wunschvorstellung, gar der Pathos und Grad der Verblendung einiger Bürger*innen ablesbar. Woher kommt dieser (wiederholte) Herrschaftsanspruch, dass diese Einrichtung nun die „Europakirche“ sein soll. Soll Europa am deutschen Wesen, preußischer Prägung genesen? Geht es nicht noch größer? Warum nicht gleich „Nabel der Welt“?

Der Drang nach großen Namen und Begrifflichkeiten passt zum Projekt und der Stiftung Garnisonkirche und ihrer konservativen Fördergesellschaft. Auch sie laben sich gern in großen Worthülsen.

Was konkret schlägt Mitteschön vor? Eine Multifunktionssaal mit bis zu 2000 Plätzen in Form des ehemaligen Kirchenschiffes. Mangelt es uns wirklich an Sälen und übergroßen, hochsubventionierten Konzert- und Veranstaltungsräumen in der Stadt? Nein.

Die sogenannte „Europakirche“ wäre nach Umsetzung des Mitteschön-Vorschlags dann ein bauliches Sammelsurium aus Kapelle, einem darüber liegenden Ausstellungsbereich, der Aussichtsplattform, einem Glockenspiel und dem gigantischen Multifunktionssaal. Das hat mit der ehemaligen Garnisonkirche wenig zu tun. Das hat nichts mit Kirche und christlicher Kirchenarbeit zu tun, sondern nur mit einem hegemonialen Blendwerk, der Bauhülle. Und um solche Nutzungen zu errichten, hätte nicht diese hässliche, pseudobarocke und überteuerte Hülle errichtet werden müssen. Das kommt dabei raus, wenn nicht der Inhalt die Architektur und Baustoffe bestimmt, sondern in eine unpraktische, historisch anmutende Hülle zwanghaft eine neue Nutzung presst werden soll.

Übrigens, den schönsten Ausblick über die Stadt hat man vom der Aussichtsplattform im Turm der Heilig-Geist-Kirchen-Attrappe. Die Stadt am Wasser ist von dort viel intensiver erlebbar, als an der lauten Breiten Straße. Auch sehr schön: der Blick von Belvedere auf dem Pfingstberg.

Das Mitteschön keinen Vorschlag zur Finanzierung des Saales macht, verwundert bei einer geschätzten Summe von über 100 Mio. Euro nicht. Der Turm ist abschreckendes Beispiel genug. So richtig spenden will für das Projekt keiner. Es bleibt somit wieder nur der Ruf nach der öffentlichen Hand. Zu den Betriebskosten eines solchen Multifunktionssaals äußern sich die „Bürger für die Mitte“ auch nicht. Der gigantische Hohlkörper, den ein solcher mehrstöckiger offener Saal darstellt, ist heiztechnisch eine Katastrophe. Für ihn müsste sogar ein anders Gebäude abgerissen werden. Von Nachhaltigkeit keine Spur.

Liebe Mitteschöner, macht bitte noch mehr solcher Vorschläge, damit noch mehr Menschen klar wird, dass es sich bei dem „Wiederaufbauprojekt GK“ um ein elitäres Luftschloss einiger Menschen handelt. Eine Minderheit, die nicht in der Lage ist, das Projekt ernsthaft umzusetzen, aber erwartet, dass die Gesellschaft es ihnen hinstellt. Nur um sich wohler zu fühlen, nur weil das Ding angeblich „schön“ ist? Soviel Kleingeist und Egoismus darf nicht der Nabel der Welt sein.

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