A developer says it was possible to run their own software on the car infotainment hardware after discovering the vehicle's manufacturer had secured its system using keys that were not only publicly known but had been lifted from programming examples.
Ja, richtig gelesen! Die haben mit Schlüsseln aus Programmierbeispielen "verschlüsselt"!
Und nicht nur das. Sie haben die Keys auch noch auf ihre Webseite hochgeladen.
As luck would have it, "greenluigi1" found on Mobis's website a Linux setup script that created a suitable ZIP file for performing a system update.
The script included the necessary ZIP password for the system update archives, along with an AES symmetric Cipher-Block-Chaining (CBC) encryption key (a single key rather than an RSA asymmetric public/private key pair) and the IV (initialization vector) value to encrypt the firmware images.
Gut, aber das hatten wir ja schon häufiger, dass Leute ihre Keys bei Github und co hochluden.
Zurück zu den Keys, wo die herkamen.
"Turns out the [AES] encryption key in that script is the first AES 128-bit CBC example key listed in the NIST document SP800-38A [PDF]".
Ja gut, wenn die das ZIP-Passwort und den AES-Key öffentlich zugänglich haben, vielleicht ist dann auch der RSA-Schlüssel öffentlich!
Luck held out, in a way. "Greenluigi1" found within the firmware image the RSA public key used by the updater, and searched online for a portion of that key. The search results pointed to a common public key that shows up in online tutorials like "RSA Encryption & Decryption Example with OpenSSL in C."
That tutorial and other projects implementing OpenSSL include within their source code that public key and the corresponding RSA private key.
Und das, meine Damen und Herren, ist ein neuer Rekord. So viel geballte Inkompetenz habe ich persönlich noch nie gesehen.
Seit ich Männer davon zu überzeugen versuche, dass Gleichberechtigung und durchaus feministisch verstandene Selbstermächtigung etwas für sie sein könnten, bin ich auf der Suche nach guten Beispielen. Meiner Erfahrung nach gibt es nicht viele, die Männer gelten lassen. Studien, Statistiken, gesellschaftliche Entwicklungen – das alles scheint vor allem die Männer zu interessieren, die sich sowieso schon auf den Weg zu einem Verständnis von Männlichkeit gemacht haben, das sie und andere nicht ständig verletzt. Was hingegen häufiger funktioniert, sind Veranschaulichungen an der eigenen Person. Ich spreche also von mir anstatt „den Männern“ und lade sie dazu ein, anhand meines Scheiterns ihr eigenes Scheitern zumindest in Betracht zu ziehen. Und dann gibt es noch die seltenen Beispielfallen. Beispiele also, die zunächst harmlos und zusammenhangslos daherkommen, am Ende aber verdeutlichen, dass im Patriarchat die Freiheit von Männern nicht nur verhandelt wird, sondern immer auch auf dem Spiel steht und zur Disposition gestellt wird. Mein momentanes Lieblingsbeispiel geht ungefähr so:
Wissen Sie, was Dildopoarties sind? Das ist wie eine Tupperparty nur mit Sextoys. Vielleicht haben Sie so etwas schon mal bei Sex and the City oder in einer anderen Serie gesehen. Eine Gruppe von Frauen lädt eine Verkäuferin ein und verbringt einen Nachmittag oder Abend miteinander, wo Sextoys, Dessous und Pflegeprodukte vorgestellt und ausgiebig begutachtet werden können, um sie anschließend gegebenenfalls zu kaufen. Meist wird dabei Alkohol getrunken und viel gekichert und gelacht. Und jetzt stellen Sie sich das Ganze mit heterosexuellen Männern vor. Freitagabend, kurz vor 19 Uhr. Eine Gruppe von 8 bis 12 Männern sitzt leicht angeschickert und ein bisschen aufgeregt im Wohnzimmer des Gastgebers und lässt sich Sextoys für Männer vorführen: Masturbatoren, Luxus Cockringe, Masturbationseier, Buttplugs, Analvibratoren, Strap-Ons für Peggingspiele und die neuesten Fleshlightmodelle. Die Männer fachsimpeln und reißen Witze. Mann spricht über Prostatamassagen, String Tangas und Sinn oder Unsinn von Nippelvibratoren. Am Ende kauft mann ein paar Produkte und hatte einen gelungenen Abend.
Niemand scheint sich das so richtig vorstellen zu können oder zu wollen. Und die Gründe dafür verraten einiges über unser gegenwärtig vorherrschendes Männerbild.
Da wäre zum einen die Ausgrenzung und Verächtlichmachung von allem, was mit dem Label schwul assoziiert wird. Eine solche Party und das Interesse sowie der Kauf von Sextoys würde als „verweiblichtes“ Verhalten wahrgenommen werden. „Richtige“ Männer haben sich nicht auf diese Art und Weise nahezukommen, sie dürfen nicht so genau wissen wollen, wie ihre Freunde sexuelle Lust erfahren möchten und was sie dafür tun. Dieses Phänomen lässt sich auch an einem Pornografieklischee beobachten, das erst ganz allmählich aufgeweicht und verändert wird: Diesem Klischee zufolge, sind heterosexuelle männliche Pornodarsteller nur Stellvertreterschwänze, die in der Sexszene als Person möglichst wenig in Erscheinung treten sollen. Sie sollen nicht stöhnen, nicht zu viel reden und die eigene Lust abseits von Blowjobs und Gerammel möglichst nicht zu deutlich zur Schau stellen. Es ist kein sexuelles Miteinander, sondern mehr ein an, auf und in ihr, performt durch einen entsprechenden Erektionsträger. Deswegen fehlt auch oft so viel.
things I enjoy in gay porn & miss in most straight porn:
– moaning men – men pinching their own nipples – men spreading their legs – men on all fours – men being penetrated – blowjobs through boxer briefs – flaccid penises – chest hair – jock straps
Zum anderen umgibt das Thema „Männer und Sextoys“ eine komplexe Tabuisierung. Eine Stigmatisierung, der zufolge weibliche Masturbation mit Spielzeugen nachvollziehbar, sexy und heiß ist, während Männer mit Masturbatoren als creepy, eklig und einsam gelten. Männer, die solche Produkte benutzen, werden gesellschaftlich als „verzweifelte Verlierer“ einsortiert, die sich mit Spielzeugen Befriedigung verschaffen müssen, weil sie es nicht schaffen, mit echten Frauen Sex zu haben.
Das haben sich Männer zunächst einmal selbst eingebrockt. Die Enttabuisierung von Sextoys für Frauen wurde nicht zuletzt auch durch den Male Gaze vorangetrieben. Durch die aufgeforderte Inszenierung weiblicher Lust für den männlichen Betrachter: Mach für mich mit einem Vibrator rum, Baby! Diesem heteronormativen, durchaus auch übergriffigen Impuls trat jedoch eine Form weiblicher Selbstermächtigung entgegen, bei der das Gespräch über und die Benutzung von Sextoys ohne Männer stattfand. Und spätestens ab den 00er Jahren gab es Dildoparties, Gespräche und immer wieder Texte und Bücher, in denen sich Autorinnen mit ihrer eigenen Lust und Sexualität auseinandersetzten, ohne sich dafür weiterhin von der patriarchalen Gesellschaft beschämen zu lassen oder das eigene Empfinden und den eigenen Körper dabei für Männer nutzbar zu machen. Während in Frauenzeitschriften „Mindful Masturbation“ und „Solosex mit Spielzeugen“ schon länger keine große Sache mehr sind, ist davon in Männerzeitschriften nicht viel zu sehen. Männer reden und schreiben darüber auch kaum. Im Zuge der immer deutlicher werdenden sexuellen Selbstermächtigung von Frauen wurde das Schweigen der Männer über ihre eigene Sexualität immer dröhnender. Damit wir uns nicht missverstehen: Damit meine ich natürlich nicht das immer noch anhaltende Hampelmanngeprahle darüber, mit wie vielen Frauen Mann schon was für krassen Sex hatte. Es geht mir nicht um das, was ich an dieser Stelle mal als Sportfickersquash bezeichnet habe. Also das verbrämte Reden über die eigene Sexualität durch die Körper von Frauen und die zur Chiffre degradierte weibliche Sexualität. Ich spreche von einer ermächtigenden, befreienden, schambefreienden Kommunikation über männliche Sexualität. Texte à la
„Seit ich es mir zur Prostatakrebsvorsorge zweimal täglich selbst besorge, bin ich viel ausgeglichener und konzentrierter.“ „Ich hatte gestern zum ersten Mal erektionslosen Sex und es war das Paradies.“ „Warum Männernippel der Schlüssel zum ultimativen Orgasmus sind.“ „Mein Boy Crush ist 56 und einfach ein unfassbar gutaussehender, talentierter Mann (Looking at you, Jeffrey Dean Morgan!)
Das alles findet jedoch in heteronormativen Räumen nicht statt. Oder wie der Journalist und Autor Max Scharnigg einmal auf die Frage „Jungs, was ist euer Gegenstück zum Girl Crush?“ schrieb: „Jetzt habe ich wirklich lange über deine Frage nachgedacht und muss trotzdem sagen: Nein, also eine genaue Entsprechung zu diesem Phänomen, einen Boy Crush, gibt es eigentlich nicht.“ Dass es all das nicht gibt, haben aber nicht nur Männer verbockt. Es gibt auch eine gesamtgesellschaftliche, geschlechtsübergreifende Verabredung darüber, wie männliche Sexualität auszusehen hat und wie auf gar keinen Fall. Es sind nicht nur Männer, die andere Männer als Loser abstempeln, wenn sie Masturbatoren benutzen.
Es sind auch Frauen, die so lange auf eine eindimensionale, penisorientierte, aufdringliche, übergriffige und ejakulationszentrierte männliche Sexualität gedrillt wurden, dass sie ziemlich ratlos, um nicht zu sagen verunsichert und beleidigt wirken, wenn es sich bei einem Mann mal nicht darum dreht. Höchste Zeit also, diese einschränkende, sexistische Verabredung aufzukündigen und das Ganze mit Vielfalt und Spaß zu etwas Besserem zu transformieren.
Wenn wir in unseren Texten von Frauen und Mädchen sprechen, beziehen wir uns auf die strukturellen und stereotypen gesellschaftlichen Rollen, die alle weiblich gelesenen Personen betreffen. Wenn wir die Adjektive „weiblich“ oder „männlich“ benutzen, beziehen wir uns ebenfalls auf die stereotypische gesellschaftliche Verwendung der Begriffe.
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Vom 17. – 20. August wurden in Varazdin (Kroatien) die Team-Weltmeisterschaften ausgetragen. Es nahmen 25 Nationen teil, eine so große Beteiligung gab es bisher noch nicht. Seit Wochen hat sich das deutsche Team auf diese Veranstaltung vorbereitet. Viele Dokumente mussten ausgefüllt werden, eine umfangreiche Anti-Doping Schulung war Pflicht. Das gab es in dieser Form bisher auch noch nicht. Bestens vorbereitet traf sich das Team am Wochenende vor der WM, bezog gemeinsam Quartier in einer Jugendherberge und startete mit dem Training auf den Kursen. Es wurden zwei 18er Kurse, zerlegt in vier Kurse a neun Bahnen für die erste Runde angeboten. Schnell wurde deutlich das der neu in ein Waldstück gelegte Kurs nicht so recht dem Anspruch einer solchen Veranstaltung entspricht. Zum Glück war ab Runde zwei für uns nur der bekannte Kurs (Drava Forester) vorgesehen.
In der ersten Runde trafen wir bei großer Hitze auf Niederlande, Italien, Spanien, Portugal, Finnland und Frankreich. Hierbei wurden 37 von möglichen 48 Punkten erspielt, was den zweiten Platz in der Gruppe bedeutete. Dabei wurden alle Spiele recht deutlich gewonnen, nur gegen Finnland mussten wir eine knappe Niederlage (3:5) hinnehmen. So ging es mit breiter Brust in die Runde der besten 16.
Hier wartete mit der Slowakei ein Gruppenvierter der Vorrunde auf uns. Auch hier spielte unser Team seine Stärken aus und ging mit 7:1 als Sieger in die Runde der besten acht.
Nach unseren Vorstellungen sollte im Viertelfinale die Partie gegen Österreich anstehen. Das war aber nicht so. Österreich verlor überraschend gegen Tschechien, die nun unser Gegner im Viertelfinale waren. Ein junges Team mit teils unbekannten, aber talentierten und motivierten Spieler*innen trat gegen uns an. Weder Doubles noch Einzel konnten wir gewinnen und die Partie ging eindeutig und verdient an Tschechien.
Für uns kann als nächstes das Spiel gegen die USA, um zu klären, wer um Platz fünf oder sieben spielt. Erstmals wurde ein vollständiges und spielstarkes Team aus Amerika geschickt. Es entwickelten sich sehr spannende Spiele und wir sahen uns zunächst auf der Verliererstraße. Als es auf die letzten Bahnen ging drehten unsere Spieler*innen noch einmal richtig auf und die Begegnung ging mit 5:3 an uns.
Im Spiel um Platz fünf trafen wir auf Australien. Die Aussies waren mit einem sehr großen Team angereist und begeisterten mit ihrer herzlichen Art. Nebenbei spielten sie auch großartiges Discgolf. Die Partie ging am Ende in die Verlängerung. Wir hatten ein Double und ein Einzel gewonnen, aber auch die gleichen Paarungen verloren. Gleichstand, bedeutete Play-off im sudden death, das Australien für sich entschied.
Am Ende belegte Deutschland den sechsten Platz. Eine sehr gute Platzierung, mit der wir sehr zufrieden sein können.
Erstmals wurde bei einer Discgolf Veranstaltung auch eine „Spirit of the Game“ Wertung vorgenommen. Hierbei beurteilten sich alle Mannschaften nach ihren Begegnungen bezüglich Regelkenntnis und -anwendung, Fairness und Kommunikation, sowie Verhalten. Bei der Auswertung des „Spirit of the Game“ erreichten wir den zweiten Platz. Das hat uns wirklich überrascht und wir waren überglücklich, von den anderen Nationen so gut bewertet zu sein. Sicherlich hat dazu unserer kleines Geschenk, ein Taschenanhänger für jede*n Spieler*in der gegnerischen Mannschaft vor Tee-off und der Getränkeservice von Christoph Jahn (Rippe) beigetragen. An den heißen Tagen wurden wir und unsere Gegner, an mehreren Stationen mit Getränken und Obst versorgt. Danke nochmals, Rippe.
Während der gemeinsamen Woche in Varazdin ist aus zehn Spieler*innen und acht Begleitpersonen eine Mannschaft geworden. Alle haben sich gegenseitig respektiert und unterstützt. „Gemeinsam“, war das Zauberwort, das uns diese unvergessliche Woche beschert hat. Herzlichen Dank, dass ihr Discgolf Deutschland in so vorbildlicher Weise vertreten habt. wk
Es geht tatsächlich ums Ganze. Foto: Telepolis / ClaW
Beim Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel geht es um knallharte materielle Realitäten. Genau das versucht die aktive Klimabewegung die ganze Zeit zu erklären.
Vieles spricht dafür, dass zumindest der ärmere Teil der Babyboomer-Generation – auch bekannt als "die Boomer" – die Klimakrise sehr wohl noch materiell zu spüren bekommt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele bisher erschwingliche Lebensmittel sehr bald zu Luxusgütern werden – nicht nur wegen des Ukraine-Krieges, sondern auch wegen der Dürren in anderen europäischen Ländern, aus denen etliche Waren auch in deutschen Supermärkten stammen.
Die Berichte der letzten Wochen aus Italien sprechen für sich: Im Po-Delta führt der niedrige Wasserstand dazu [1], dass Meerwasser gut 30 Kilometer landeinwärts drängt – für die Bewässerung der Felder dort ist der Fluss wegen des Salzgehalts nicht mehr zu gebrauchen, was zu erheblichen Ernteausfällen führt. Auch für Tiertränken fehlt Wasser.
Die Zeiten, in denen sich Normalsterbliche Parmesan und Parmaschinken leisten konnten, sind daher vielleicht schneller Geschichte, als sich das viele Menschen vorgestellt haben, die dachten, zu ihren Lebzeiten wäre effektiver Klimaschutz teurer als "Business as usual".
Wenn jetzt die Frage des Umgangs mit dieser Klimakatastrophe zum Kulturkampf zwischen einer Schweinebraten- und einer Netflix-Fraktion verkommt – wie es manche Debattenbeiträge in der taz und ein Telepolis-Kommentar von Rüdiger Suchsland [2] nahelegen –, dann ist die Welt, wie wir sie kennen, wohl tatsächlich nicht mehr zu retten.
Gleiches gilt, wenn diese Frage als reiner Generationenkonflikt wahrgenommen wird und ein Großteil der "Boomer" mehr Angst vor Veränderungen hat, die der Schadensbegrenzung dienen, als vor dem drohenden Totalschaden. Denn die "Boomer" sind der Generation der "Klimakids" hierzulande rein zahlenmäßig [3] überlegen.
Wenn ein junger taz-Redakteur Sätze schreibt wie "Jüngere betrachten das große Ganze" [4], dann ist das natürlich in dieser Pauschalität blühender Unsinn. Genauso wenig stimmt es, dass "Boomer" allgemein lieber ihre individuellen Konsumgewohnheiten reflektieren, als das Wirtschaftssystem infrage zu stellen.
Viele "Boomer" – und auch Jüngere – tun nämlich gar nichts davon. Sei es, weil sie in letzter Zeit aus ganz anderen Gründen ihren Konsum einschränken mussten und Angst vor dem Ende des Monats haben, oder weil sie momentan noch wohlhabend genug sind, um sich durch Konsum von den düsteren mittel- bis langfristigen Zukunftsaussichten abzulenken.
Eine Minderheit hat vielleicht sogar genug Geld, um in einer Welt mit mehr Dürren, Hungerkatastrophen und steigenden Meeresspiegeln immer noch einen halbwegs gemütlichen Altersruhesitz zu finden.
Moralische Fleißsternchen wären ein schlechter Trostpreis
Für die Jüngeren wird das jedenfalls schwieriger und teurer als für die "Boomer" – und deshalb ist die Motivation der Jüngeren, die sich aktiv und teils mit zivilem Ungehorsam für eine schnellere Energie- und Verkehrswende einsetzen, auch nicht in erster Linie moralisch.
Sie geben das auch gar nicht vor, sondern wissen genau, dass es um knallharte materielle Realitäten geht – und sie versuchen, genau das einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Moralische Fleißsternchen wären für sie nur ein sehr schlechter Trostpreis, wenn das nicht gelänge.
Es geht ihnen auch nicht darum, dass ihr Engagement als selbstlos und idealistisch wahrgenommen wird, sondern sie appellieren an den Selbsterhaltungstrieb unserer Spezies. Sie vertreten dabei nicht nur, aber auch ihre eigenen Interessen.
Das persönliche Konsumverhalten steht dabei nicht im Mittelpunkt. Die meisten von ihnen bemühen sich zwar, keine besonders umwelt- und klimaschädlichen Produkte zu kaufen, wissen aber auch, dass nicht jede alleinerziehende Mutter zwischen zwei Jobs Zeit und Nerven hat, sich beim Einkaufen solche Gedanken zu machen – und dass regionale Produkte oft teurer sind als solche, die aus fernen Niedriglohnländern in deutsche Supermärkte transportiert wurden.
Deshalb kämpfen sie in erster Linie darum, dass Konzernen die Macht genommen wird, Raubbau an der Natur zu betreiben, damit die Verantwortung nicht auf gestresste Endverbraucherinnen abgewälzt wird. Das ist mit "System Change, not Climate Change" gemeint.
Die aktive Klimabewegung ist besser als ihr Ruf
Wenn Jüngere "Boomern" gegenüber moralisch argumentieren, ist das auch eine Form der Interessenvertretung. Vielleicht nicht die klügste, wenn es mit Pauschalurteilen über eine ganze Generation verbunden ist.
Wenn Jüngere moralisch argumentieren, werfen sie mehr oder weniger direkt in die Waagschale, dass die zahlenmäßig überlegenen "Boomer", die heute zum Teil ignorant auf ihre Sorgen reagieren, ja irgendwann Hilfe von Jüngeren erwarten, wenn sie alt, schwach und gebrechlich sind, dass Jüngere ihre Renten zahlen sollen – und dass Solidarität keine Einbahnstraße sein sollte.
Letzteres ist zwar richtig, aber dieser "Move" kann auch ins Sozialdarwinistische kippen, wenn ältere Menschen irgendwann nicht mehr als Personen, sondern nur noch als Angehörige einer Generation wahrgenommen werden, die "es verkackt hat" und deshalb keine Solidarität verdiene.
Aber in diesem Punkt ist die aktive Umwelt- und Klimabewegung besser als ihr Ruf. Sie will weder altersdiskriminierend sein, noch kann sie sich Altersdiskriminierung überhaupt leisten. Seit der Bologna-Reform haben Studierende nämlich im Durchschnitt viel weniger Zeit, sich politisch zu engagieren, als es noch in den 1990er-Jahren der Fall war. Protestbewegungen jeglicher Art sind deshalb umso mehr auf Rentnerinnen und Rentner oder Berufstätige in Altersteilzeit angewiesen.
Nicht nur über 50-Jährige, sondern auch über 70-Jährige sind in der Umwelt- und Klimabewegung vertreten [5] und werde dort geschätzt, auch wenn sie bei sportlichen Aktionen des zivilen Ungehorsams von "Ende Gelände" nicht immer in der ersten Reihe stehen. Manche tun aber auch das. Bei Extinction Rebellion in Großbritannien gibt es längst eine Untergruppierung "Grandparents and Elders" [6].
Aber natürlich ist die Mehrheit aller Altersgruppen immer noch politisch inaktiv und liest, wenn sie wählen geht, nicht unbedingt vorher Parteiprogramme. Bei der letzten Bundestagswahl bekam jedenfalls die Porsche-Lindner-FDP neben den Grünen die meisten Stimmen von erstmals Wahlberechtigten. [7]
Wählen gegen die eigenen Interessen – ein deutscher Volkssport
Diese "Youngsters" mögen damit zwar gegen ihre eigenen Interessen gewählt haben, aber das ist ja gerade der Witz an der bürgerlichen Demokratie. Die mehrheitlichen Klasseninteressen der jungen Generation unterscheiden sich nicht grundlegend von denen der Älteren – nur, dass individuelle Aufstiegshoffnungen bei 55-Jährigen der unteren Einkommensgruppen kaum noch vorhanden sein dürften, während sie bei 25-Jährigen eine erhebliche Rolle spielen.
Manche halten es dann auch für eine gute Idee, sich mit "wirtschaftlich erfolgreichen" Menschen der FDP-Klientel zu identifizieren, auch wenn diese im Gegensatz zu ihnen selbst ein hohes Startkapital hatten.
Wenn es um die Bewältigung der Klimakrise geht, hat die junge Generation aber tatsächlich ein gemeinsames Interesse – auch wenn sie in sehr unterschiedlichem Ausmaß bedroht ist: Als die Titanic sank, gab es für die Passagiere der 1. Klasse zumindest Rettungsboote, aber lustig war diese Schiffskatastrophe auch für sie nicht.
So gesehen hat die Mehrheit gegen ihre Interessen gewählt: Dass die Grünen nicht nur mit der FDP koalieren, sondern auch zulassen würden, dass sie sowohl den Finanz- als auch den Verkehrsminister stellt – und dass es dann nicht mal ein popeliges Tempolimit geben würde – dürften sich die wenigsten ausgemalt haben, die den Grünen ihre Stimme gaben. Das gilt selbstverständlich auch für Ältere, die sich die jetzige grüne Außenministerin Annalena Baerbock gemäß ihres Wahlkampfs als "Klimakanzlerin" vorstellen konnten.
Insofern spiegelt das Wahlergebnis ohnehin nicht die Wünsche der Wahlberechtigten, die dafür ihre Stimme "abgaben" – und deren Mehrheitsverhältnisse haben auch nur wenig damit zu tun, für welche Ziele Menschen in Deutschland demonstrieren. Wer an Demos teilnimmt, tut das ja gerade, um auch zwischen den Wahlen eine Stimme zu haben.
Gerade bei Fridays for Future wird auch regelmäßig betont, dass vier Jahre Wartezeit einfach zu lang sind, um abzuwarten, ob die Regierung vielleicht doch noch die Kurve kriegt – weil sich das Zeitfenster für die Begrenzung des Klimawandels sehr bald schließen wird, falls es sich nicht schon geschlossen hat.
Was die FDP in diesem Zusammenhang für einen Teil der jungen Menschen attraktiv macht, ist vielleicht gerade die Einladung, dieses bedrohliche Zeitfenster nicht so wichtig zu nehmen, weil ja immer noch eine rettende geniale Erfindung kommen kann, wenn es eigentlich schon zu spät ist – Stichwort "Technologieoffenheit".
Vielleicht schlafen sie dadurch auch besser als die Aktiven Fridays for Future, die vor dem bösen Erwachen warnen und oft gegen Ohnmachtsgefühle ankämpfen müssen. Manche der "Klimakids" klammern sich in solchen Momenten vielleicht auch an den Strohhalm, dass eine solche Erfindung noch kommen könnte – sie halten es nur für fahrlässig, wenn ihre Lebensgrundlagen darauf verwettet werden.
Wer sich von der FDP vertreten fühlt, geht eher nicht demonstrieren. Er oder sie geht davon aus, dass es einfacher ist, durch schnelles Erklimmen der Karriereleiter oder die Gründung eines Unternehmens Einfluss zu gewinnen. Was ja nicht ganz falsch ist, nur leider keine Rechnung, die für die große Mehrheit aufgehen kann.
Und das erklärt auch ein Stück weit die Sache mit den Erstwählenden: Sie haben eben auf diesem Weg noch weniger Burnout-Erfahrungen gesammelt als 30- bis 50-Jährige oder gar "Boomer", die inzwischen auf die 60 zugehen.
Lebenserfahrung vs. Verdrängung
Ja, die Älteren haben den Jüngeren Lebenserfahrung voraus. Die Lebenserfahrung der "Boomer" ändert aber nichts daran, dass in dieser Altersgruppe die Versuchung besonders groß ist, die Folgen des menschengemachten Klimawandels zu verdrängen.
Denn sie gehören weder zu den ganz Jungen, die damit rechnen müssen, bei einem ungebremsten Klimawandel den Zusammenbruch der Zivilisation zu erleben, noch zu den richtig Alten, für die es jetzt schon an immer mehr Sommertagen gefährlich wird, das Haus zu verlassen [8]. Fast 10.000 Menschen mehr als sonst im Juli sind in Deutschland im vergangenen Monat gestorben. Das Statistische Bundesamt führt das zu einem erheblichen Teil auf die Hitzewellen zurück.
Aber wer denkt schon die ganz Alten mit, die während der Hitzewellen hinter geschlossenen Jalousien sitzen und hoffentlich jemanden haben, der für sie einkauft, weil es für sie selbst lebensgefährlich wäre? Wie viele von ihnen unterschreiben würden, was manche "Boomer" trotz eindeutiger Trends in den Wetteraufzeichnungen so gern via Facebook verbreiten – "Alles Klimahysterie, im Sommer war es auch früher schon warm" – ist unklar.
Entspannen wird sich die Lage in den nächsten Jahrzehnten nicht. Es lässt sich aber noch beeinflussen, um wie viel schlimmer die Hitzewellen werden. Jedenfalls gibt es bei näherem Hinsehen keine jetzt lebende Generation, die der Klimawandel nicht betrifft.
Wer sich als Realist oder Pragmatikerin sieht, kann das nicht als moralische Befindlichkeit abtun, denn es hat messbare und gravierende Folgen, wenn über 2030 hinaus Kohle verbrannt wird, wenn der motorisierte Individualverkehr weiter gefördert wird und die Autoindustrie in den nächsten Jahren so viele und so schwere SUV verkaufen kann, wie sie möchte.
Im bisherigen Waldbrand-Rekordjahr 2022 [9] sind wir bei knapp über einem Grad Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, 1,5 Grad dürften laut UN-Klimabericht [10] schon im Jahr 2030 erreicht sein; und die Welt steuert auf 2,7 Grad zu. Den fossilen Großkonzernen gefällt das, denn alles andere würde bedeuten, dass sie weniger Profite erwirtschaften.
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